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StartseiteKommentare und Themen der WocheWarnung vor globaler Heißzeit 07.08.2018

Neue Studie zum KlimawandelWarnung vor globaler Heißzeit

Eine neue wissenschaftliche Studie zu den Folgen des Klimawandels beschreibt eine reale Gefahr, kommentiert Georg Ehring: Es drohe eine globale Heißzeit mit dramatischen Folgen. Das eigentlich Gefährliche dabei: Viele Menschen und auch die Politik scheint diese Entwicklung völlig kalt zu lassen.

Von Georg Ehring

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Ausgetrocknete Erde eines ehemaligen Ackers mit Trockenrissen in Israel (imago stock&people / blickwinkel M. Schaef)
Drohende Dürre in vielen Weltregionen (imago stock&people / blickwinkel M. Schaef)
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Fast 40 Grad heiß war es heute vielerorts in Deutschland. Die Menschen stöhnen unter der Hitze, auch leidenschaftlichen Sonnenanbetern wird es langsam zu viel. Jetzt stellen Sie sich vor, es wird noch vier bis fünf Grad heißer – schon die Idee kann einen ganz schön ins Schwitzen bringen. Vor allem, wenn die Erwärmung sich als dauerhaft erweist. Bei uns verdorren dann nicht nur Gärten, die Erntemengen brechen ein und der Anstieg des Meeresspiegels überschwemmt Bremen und Hamburg – Inseln wie Fehmarn oder Rügen versinken schon viel früher. Wärmere Regionen in Asien, Afrika und Lateinamerika werden zu regelrechten Todeszonen und komplett unbewohnbar. Die Menschen dort müssen umziehen, zum Beispiel nach Deutschland.

Reale Gefahr

Es ist zwar reichlich spekulativ, was Forscher unter anderem vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung als Zukunft für möglich halten. Doch die Gefahr ist real: Der Mensch hat die Erderwärmung angestoßen, doch dann macht sich der Klimawandel sozusagen selbstständig. Zum Beispiel tauen Permafrost-Böden in Sibirien auf. So wird immer mehr und mehr vom dort eingeschlossenen Methan freigesetzt – ein Gas, das noch viel klimaschädlicher ist als CO2. Das Eis in der Antarktis und auf Grönland hat schon begonnen zu schmelzen – und irgendwann lässt sich auch diese Schmelze selbst mit noch so ehrgeiziger Klimapolitik nicht mehr aufhalten.  Eine Heißzeit beginnt mit Temperaturen, die für den Menschen und viele Tier- und Pflanzenarten unerträglich sind – und diese Heißzeit könnte Jahrtausende anhalten.

Dreiste Ignoranz

Schlimm genug, doch das eigentlich Gefährliche ist: Viele Menschen und auch die Politik scheint diese Entwicklung völlig kalt zu lassen. Gut, wir haben das Pariser Klimaabkommen und die meisten Staaten haben sich Ziele gesetzt bei der Verringerung des CO2-Ausstoßes. Doch es ist allgemein anerkannt, dass die bei weitem nicht ausreichen, um die Erderwärmung deutlich unter zwei Grad zu halten. Vor allem dann nicht, wenn sie so dreist ignoriert werden wie derzeit in Deutschland: Um 40 Prozent sollte der Ausstoß von Treibhausgasen bis zum Jahr 2020 sinken. Das Ziel wird krachend verfehlt und die Bundesregierung verweigert sich der Aufgabe, mit einem Sofortprogramm nachzubessern. Die Braunkohlekraftwerke laufen weiter, die Autos werden immer größer, die Flugreisen weiter und der klimaschädliche Fleischkonsum geht kaum zurück. Der Absatz von Klimageräten und Ventilatoren erreicht derweil Rekordwerte.

Verzicht ist notwendig

Von Kipp-Punkten im Klimasystem war schon oft die Rede, von der beginnenden Klimakatastrophe auch. Das Szenario der Wissenschaftler erinnert uns drastisch daran, dass das Thema auf den ersten Platz auf der politischen Tagesordnung gehört. Obwohl es unangenehm ist, Verzicht und Einschnitte in den gewohnten Lebensstandard zu verlangen und obwohl das Wählerstimmen kosten könnte. Wir werden nicht darum herum kommen, uns dieser Herausforderung zu stellen. Die nächste Hitzewelle kommt bestimmt – und zwar mit noch viel mehr Wucht als dieses Mal. 

Georg Ehring  (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Georg Ehring (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Georg Ehring, Jahrgang 1959, hat in Dortmund Journalistik und Politikwissenschaften studiert, später an der Fernuniversität Hagen Volkswirtschaft. Er arbeitet beim Deutschlandfunk als Redaktionsleiter Wirtschaft und Umwelt. Berufliche Stationen zuvor waren die zentrale Wirtschaftsredaktion der Nachrichtenagentur Reuters in Bonn und zuvor in den 1980er-Jahren freiberufliche Tätigkeit überwiegend für den WDR in Dortmund.

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