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StartseiteInterview"Das Deutschlandradio hat einen wahnsinnig guten Ruf"08.06.2017

Neuer Deutschlandradio-Intendant "Das Deutschlandradio hat einen wahnsinnig guten Ruf"

"Ein Journalist denkt, was die Zukunft angeht, immer an Programmweiterentwicklung." Der neu gewählte Intendant des Deutschlandradio, der Journalist Stefan Raue, hat sich viel vorgenommen. Ein Schwerpunkt werde die Weiterentwicklung der drei Programme und des Online-Angebots sein, sagte Raue im Dlf.

Stefan Raue im Gespräch mit Sarah Zerback

Stefan Raue, Intendant des Deutschlandradios. (dpa-Bildfunk / Marius Becker)
Stefan Raue ist neuer Intendant des Deutschlandradios: Er wurde mit einer Zweidrittelmehrheit im ersten Wahlgang gewählt. (dpa-Bildfunk / Marius Becker)
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Deutschlandradio Stefan Raue wird neuer Intendant

Deutschlandradio Stefan Raue wird neuer Intendant

Sarah Zerback: Habemus Intendanten! Das Konklave des Deutschlandradio-Hörfunkrats hat Stefan Raue zum neuen Mann an der Spitze gewählt. Zum Intendanten unserer drei Programme Deutschlandfunk, Deutschlandfunk Kultur und Deutschlandfunk Nova und damit zum Nachfolger von Willi Steul, der nach acht Jahren als Intendant und kurz nach seinem 66. Geburtstag in den Ruhestand gehen wird. Stefan Raue heißt er also, unser neuer Intendant, das wissen wir seit dem frühen Nachmittag, gewählt mit 26 Stimmen, neun Gegenstimmen gab es und eine Enthaltung. Herr Raue, erst einmal herzlichen Glückwunsch!

Stefan Raue: Danke schön!

Zerback: Um die Wahl wurde ja im Vorfeld viel gerungen. Wie ist sie denn heute aus Ihrer Sicht abgelaufen?

Raue: Wir haben eine sehr interessante, durchaus auch kritische Diskussion gehabt im Hörfunkrat, ich fand die sehr belebend, ich fand die sehr offen, sehr klar, die wesentlichen Punkte wurden angesprochen von den Hörfunkräten. Das ist eine Art von Dialog über die Dinge, die uns wichtig sind als Medienmacher, wie ich ihn sehr schätze.

Das Wahlergebnis habe ich nicht zu bewerten, ich habe eine Zweidrittelmehrheit im ersten Wahlgang erreicht, das ist das Quorum, was notwendig ist. Mir haben viele Hörfunkräte danach auch bedeutet, dass die Nichtzustimmung nicht zu verwechseln sein sollte mit einer Ablehnung meiner Person, und damit kann ich leben.

Zerback: Intendant des Deutschlandradios, was haben Sie für Pläne, welche Schwerpunkte wollen Sie setzen?

Raue: Der eine Schwerpunkt ist der eines Programmmachers, der er bisher war. Ich bin bis heute hin Chefredakteur des Mitteldeutschen Rundfunks und vor allem Journalist. Und ein Journalist denkt, was die Zukunft angeht, immer an Programmweiterentwicklung. Und das wird auch das Deutschlandradio betreffen, das wissen aber alle, die mit dem Programmmachen zu tun haben, die Redaktionsleiter, die Redakteure, die Hauptabteilungsleiter, der Programmdirektor, so etwas kann nie stehenbleiben, so etwas muss sich weiterentwickeln.

Ich könnte mir zum Beispiel das vorstellen, was ich beim MDR angeregt habe, stärkere Schwerpunkte zu bilden, ich könnte mir vorstellen, dass man die Recherchekapazitäten verstärkt, um auch dort noch mal die eigene Nachrichtenkompetenz stärker herauszuarbeiten, ich kann mir vorstellen, dass wir auch stärker noch die Nachwuchsförderung betreiben müssen. Das ist ein Schwerpunkt. Der zweite Schwerpunkt ist die digitale Zukunft, wir haben viel zu lange in die Richtung geschaut, dass wir gesagt haben, nun, Online-Angebote sind gewissermaßen unsere Werbetheke.

Wir haben alle die Erfahrung gemacht, dass die Zahl derjenigen, die dann kommen, sehr überschaubar ist. Deswegen glaube ich, dass wir im Online-Bereich – und das ist ja schon auf dem Weg – zu eigenen Gestaltungsformen, zu eigenen Dramaturgien, zu eigener Ästhetik kommen müssen. funk, das große Projekt von ARD und ZDF für die Jugend, ist ein gutes Vorbild, da wird vieles ausprobiert an neuen Möglichkeiten, die nur im Internet stattfinden können mit dem hohen Maß an Interaktion, was im Internet möglich ist, der eigenen Sprache, mit der eigenen spielerischen Herangehensweise.

Das ist nichts, was sich automatisch mit dem verträgt, was wir über die linearen Wege, also über den normalen Hörfunk auch betreiben, aber das sollten wir unbedingt vorwärtstreiben, damit wir auch den Anschluss an diejenigen finden, die dort unterwegs sind, im Online-Bereich, nämlich die Jüngeren.

"Das Deutschlandradio mit seinen drei Angeboten ist schon ein Leitmedium für alle"

Zerback: Und das Deutschlandradio mit seinen drei Programmen, seinen vielen Ausspielwegen, wofür steht das Ihrer Ansicht nach?

Raue: Das Deutschlandradio mit seinen drei Angeboten ist schon ein Leitmedium für alle. Nicht nur für die Öffentlich-Rechtlichen, das ist auch für die Print-Vorlage, für die Print-Kollegen ein Leitmedium. Man orientiert sich an dem, was das Deutschlandradio gerade am Vormittag erst mal vorlegt, was es an Interviews bietet, was es an Nachrichten bietet.

Das Deutschlandradio hat einen so guten Ruf, dass man da eigentlich, sagen wir mal, nur weitermachen muss und seriös bleiben muss und weiter diese sorgfältige Arbeit fortsetzen muss. Also, das Deutschlandradio hat nun überhaupt kein Imageproblem, ganz im Gegenteil. Es hat einen wahnsinnig guten Ruf, den gilt es zu erhalten. Und ich bin da aber auch ganz sicher, ich kenne ja viele Kolleginnen und Kollegen aus der Branche, dass dieses Haus auch das Potenzial hat, um das die nächsten Jahre auch weiter zu entwickeln.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

 

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