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StartseiteKommentare und Themen der WocheKein Anlass für Vorschusslorbeeren27.09.2019

Neuer DFB-PräsidentKein Anlass für Vorschusslorbeeren

Rein rhetorisch ist die angestrebte Revolution beim Fußball-Verband bisher, kommentiert Marina Schweizer. Wenn eine Findungskommission einen einzigen Präsidentschaftskandidaten aushandele, dann zeuge das nicht von der viel zitierten Transparenz.

Von Marina Schweizer

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Fritz Keller, Präsident vom Deutschen Fußball-Bund (DFB), steht unter einem DFB-Logo (dpa / Boris Roessler)
Fritz Keller wurde von den 257 DFB-Delegierten einstimmig zum Nachfolger des im April zurückgetretenen Reinhard Grindel gewählt (dpa / Boris Roessler)
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"Ärmel hochkrempeln. Schienbeinschoner an." Los geht’s: Fritz Keller will keinen Zweifel daran aufkommen lassen, dass er zum Anpacken bereit ist im Deutschen Fußball-Bund. Er ist einer, dem man die Hemdsärmeligkeit abkauft. Er, der langjährige Chef des SC Freiburgs. Eines Bundesligisten, der es seit Jahren schafft, mit vergleichsweise wenig Geld und einem ausgezeichneten Nachwuchskonzept in der Liga der Schwergewichte mitzumischen.

Es gibt in der Tat viel zu tun in Deutschlands größtem Sportfachverband – mit seinen rund sieben Millionen Mitgliedern: Da sind die Scherben nach dem Rücktritt Reinhard Grindels, der letztendlich über die Annahme einer teuren Uhr stürzte - fatal für die Reputation eines Verbandes. Da ist die Kluft zwischen Profis und Amateuren, die dringend überbrückt werden muss. Da sind nach wie vor nicht ausgeräumte Zweifel rund um Geldflüsse in der sogenannten "Sommermärchen-Affäre". Und: Ein großer Vertrauensverlust bei der Basis und der Vorwurf, nicht erst seit der gescheiterten WM in Russland: Der DFB habe völlig die Bodenhaftung verloren.

Weiter Weg zur Bodenhaftung des DFB

Es dürfte kein Zufall sein, dass genau jetzt ein Präsident auserwählt wurde, dem von den Funktionärs-Kollegen hauptsächlich das Attribut "bodenständig" zugeschrieben wird. Tatsächlich wirkt Keller nahbar und wie einer, der die Basis verstehen könnte. Einer, der den weiten Weg zurück zur Bodenhaftung des DFB einschlagen kann. Aber Keller wird diesen Kurs nicht allein bestimmen, zumal die Macht des DFB-Chefs ohnehin künftig eingeschränkt wird.

Noch ist die angestrebte Revolution des Verbandes eine rein rhetorische. Woran man das erkennt?

Wenn eine Findungskommission intern einen einzigen Präsidentschaftskandidaten aushandelt - dann zeugt das weder von der viel zitierten Transparenz des "neuen DFB", noch vom ausgewachsenen Demokratiewillen eines eingetragenen Vereins.

Kein Wunder, wenn am Realitätssinn gezweifelt wird

Wenn schon heute gelobt wird, dass der Verband gerade ruhig und geschlossen dastehe - dann ist es kein Wunder, wenn am Realitätssinn gezweifelt wird.

Fritz Keller rief den Delegierten zu: "Wir sind der Kitt der Gesellschaft. Das letzte Lagerfeuer." Der über die Jahre viel bemühte Verweis auf die Relevanz und die breite Basis, wenn es brennt. Ob sich das auch in einem Finanzplus an die Amateurvereine auswirken wird? Man darf gespannt sein.

Der neue Präsident versprach auch: Mit ihm werde es eine externe Generalinventur geben. Nicht weniger wird nötig sein, um den Verband wieder gut dastehen zu lassen.

Die Vergangenheit lehrt: Es gibt keinen Anlass für Vorschusslorbeeren für den "neuen DFB". Also gilt für diesen neuen Präsidenten und die künftige Ausrichtung des Deutschen Fußball Bundes ganz simpel: Weniger reden. Ärmel hoch. Erst einmal machen und beweisen.


Marina Schweizer (privat)Marina Schweizer (privat)Marina Schweizer
 studierte Kommunikationswissenschaft und Geschichte in München, längere Auslandsaufenthalte in Alaska/USA. Während und nach dem Studium arbeitete sie als freie Reporterin u. a. für den SWR-Hörfunk, bevor sie ein crossmediales Volontariat bei Deutschlandradio absolvierte. Nach einem Jahr als Junior-Redakteurin in den Redaktionen Sport und Zeitfunk arbeitet sie heute beim Deutschlandfunk als Redakteurin und Moderatorin in der Sportredaktion und als Moderatorin im "Zeitfunk".

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