Dienstag, 20.10.2020
 
Seit 08:50 Uhr Presseschau
StartseiteKultur heuteRoter Teppich für Max Hollein in New York11.04.2018

Neuer Direktor am Metropolitan MuseumRoter Teppich für Max Hollein in New York

Noch ist Max Hollein Museums-Direktor in San Francisco. Nun wurde bekannt, dass der Österreicher ab Sommer die Leitung des Metropolitan Museums of Art in New York übernimmt. Eine Ehre, aber auch eine mächtige Herausforderung: die Met gilt als ein großes Haifischbecken.

Von Kai Clement

Max Hollein, zu der Zeit Direktor des Frankfurter Städel, steht vor dem Bild "Malaktion - rot" von Hermann Nitsch am 22.02.2012 im neu eröffneten Städel-Erweiterungsbau. (dpa / Boris Roessler)
Der Österreicher Max Hollein wird neuer Direktor des renommierten Metropolitan Museums in New York. (dpa / Boris Roessler)
Mehr zum Thema

Museumsdirektor Max Hollein "Museen als Orte unpolemischer und fundierter Debatten"

Zoe-Leonard-Ausstellung im MoMA in New York Konsumkritik mit einem Hauch Nostalgie

Marisa Merz im Met Breuer Vom Küchentisch ins Museum

New York begrüßt den künftigen Direktor seines Universalmuseums am Central Park. Es ist schon ein sehr roter Teppich, der da ausgerollt wird. Max Hollein sei eine "ausgezeichnete Wahl" so schallt es vom MoMA herüber, New Yorks Weltklasse-Museum für moderne Kunst.  

Und die Kunstexpertin der "New York Times" lobt, er sei bewandert genauso in moderner Kunst wie in der Alter Meister - und fähig, die ehrwürdige Institution durchs digitale Zeitalter zu lotsen. Das erste Mal in 60 Jahren habe das Metropolitan Museum sich für jemanden jenseits der eigenen Reihen entschieden.

Max Hollein ist geehrt. Er weiß aber auch, dass ihn eine mächtige Herausforderung erwartet. Im jüngsten Bericht des Finanzchefs schreibt der, dem Museum sei es gelungen, das Betriebsdefizit 2017 auf umgerechnet rund acht Millionen Euro zu begrenzen. 

Trotz Problemen redete niemand von Krise

Vierte Etage des "New York Times"-Hochhauses. Die Kulturredakteurin Robin Pogrebin arbeitet seit über 20 Jahren für die Zeitung. Sie versucht, die Krise zu erklären, die sich zuvor aufgebaut hatte.

Pogrebin: "Hätte das Met den Kurs nicht geändert, wäre es auf ein 40-Millionen-Dollar-Defizit zugesteuert. Teil des Problems war, dass die Museums-Geschäfte Geld verloren. Außerdem hatten sie das Met Breuer eröffnet. Das hat ganz entschieden Energie und Geld abgezogen. Allein 17 Millionen Dollar pro Jahr Betriebskosten."

Das Stammhaus an der 5th Avenue, dazu die Mittelalter-Sammlung, die sogenannten Cloisters und dann - das war im März 2016 - das Met Breuer.  Da redet niemand von Krise.

New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio: "Dies ist ganz und gar ein New-York-Moment. Eine unserer großartigen Einrichtungen ist vor unseren Augen noch besser geworden."

Ehemaliger Met-Direktor Thomas Campbell musste gehen

Neben Metropolen-Bürgermeister Bill de Blasio steht da Metropolitan-Direktor Thomas Campbell. Er eröffnet den neuen Ableger seines Weltklasse Museums.

Aus dem ehemaligen Gebäude des Whitney Museums an der Madison Avenue auf New Yorks Upper East Side wird das Met Breuer. Es ist der modernen und zeitgenössischen Kunst gewidmet. Eine neue Perle für das größte Museum der USA.

Der glückliche New-York-Moment aber war nicht von Dauer. Vor einem Jahr wurde klar: Direktor Campbell muss gehen, muss die Verantwortung übernehmen für Finanzkrise und Querelen im Haus, wegen Leitungsdiskussionen und Vorwürfen einer zu engen Beziehung mit einer Mitarbeiterin. Inklusive einer Luxuswohnung an der 5th Avenue erhielt Campbell insgesamt 1,4 Millionen Dollar pro Jahr. Ein stolzes Gehalt, auch, um selber Geld einzusammeln.

Sprung ins Haifischbecken

Hollein erklärt, für den Erweiterungsbau des Städel in Frankfurt habe er die Hälfte der Kosten von privaten Geldgebern selbst eingeworben. Vielversprechend findet das Kulturjournalistin Progrebin.

Pogrebin: "Vertreter der Kunstseite wollten sich früher die Hände nicht mit dem Geschäft schmutzig machen. Den Luxus kann man sich nicht mehr leisten."

Das Met sei ein Haifischbecken, so Progrebin, aber jeder wisse doch auch, dass es das Beste vom Besten sei. In dieses beste aller Haifischbecken springt zum Sommer also Max Hollein.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk