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StartseiteKommentare und Themen der WocheDie solideste Option25.05.2021

Neuer Fußball-Bundestrainer FlickDie solideste Option

Wochenlang wurde gemunkelt, jetzt ist es sicher: Hansi Flick wird neuer Bundestrainer der Fußballer. Die wohl angenehmste Lösung für den momentan schwer in der Krise steckenden Deutschen Fußball-Bund, kommentiert Marina Schweizer.

Von Marina Schweizer

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Hansi Flick neben dem Logo des Deutschen Fußballbundes. (www.imago-images.de)
Hansi Flick wird neuer Fußball-Bundestrainer der Herren. (www.imago-images.de)
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Das Bild spricht Bände: Fünf Herren, fünf Mal der oberste Hemdknopf offen, fünf Mal Grinsen für die Kamera: Im Hintergrund, wie Trauzeugen: Die drei Verantwortlichen aus der DFB-Führungsriege. Vorne: Hans-Dieter, kurz "Hansi", Flick und Oliver Bierhoff, der Direktor für die Nationalmannschaften, mit Stift und Vertragsunterlagen. Ein maximal inszeniertes Foto mit dem der Deutsche Fußball-Bund die Vertragsunterzeichnung öffentlich macht. Die Botschaft, die es vermitteln soll, ist klar: Willkommen zurück in der Familie. Eine Fassade, die man bemüht und verkrampft aufrechterhalten will – denn der DFB braucht dringend Wohlfühlmomente für die "Familie". Nach Wochen der völligen Selbstzerfleischung in der Führungsetage ist der Vollzug mit dem neuen Mitarbeiter Flick die erste positive Personalmitteilung dieser Größenordnung seit langem. Für den DFB ist Flick zum jetzigen Zeitpunkt die ersehnte Wohlfühllösung. Der Vertrag bis zur Heim-EM 2024 – die Sicherheit, die man sich für eine "Familienfeier" wünscht.

Flick ist der Aufgabe mehr als gewachsen

Er ist einer mit Stallgeruch, man kennt sich aus vielen Jahren gemeinsamer Arbeit: Erst acht Jahre lang als Co-Trainer unter Joachim Löw inklusive Weltmeistertitel, später immerhin zweieinhalb Jahre als DFB-Sportdirektor. Flick dürfte wissen, auf was er sich bei diesem kriselnden Verband einlässt. Außerdem: In Sachen Führungsstreit und Intrigen hat er bei seinem jüngsten Arbeitgeber FC Bayern noch wichtige Berufserfahrung hinzugewonnen. Dort war er mittendrin in einem Machtkampf mit Sportdirektor Salihamidzic.

Profilfoto von Bundestrainer Joachim "Jogi" Löw (Deutschland) vor blauem Hintergrund. Löw trägt einen dunklen Rollkragenpullover. (picture alliance/dpa/GES-Sportfoto/Markus Gilliar Via Revierfoto) (picture alliance/dpa/GES-Sportfoto/Markus Gilliar Via Revierfoto)Rücktritt von Bundestrainer Löw - Der zu späte Abschied des nie geliebten Fußball-Lehrers
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Natürlich ist Flick der Aufgabe Bundestrainer mehr als gewachsen. Dazu tragen nicht nur seine Lehrjahre als Co-Bundestrainer bei. Auch als Cheftrainer beim FC Bayern stand Flick in den vergangenen Jahren wie ein Synonym für den Erfolg. Unvergessen das Jahr mit sechs Titeln – inklusive des lange ersehnten Champions-League-Sieges.

Flick ist vielleicht nicht die mutige oder besonders kreative Personalie für den Bundestrainerposten, die einen völligen Neuanfang symbolisiert – aber er dürfte die momentan solideste Option sein.

Umbruch bis zur WM in Katar

Es warten schwierige Aufgaben: Vor allem der personelle Umbruch dürfte das Hauptthema für die ersten Flick-Jahre werden. Bei den Bayern hatte er als eine der ersten Amtshandlungen Weltmeister Thomas Müller ins Stammteam zurückgeholt. Jetzt wird es wohl in Flicks Amtszeit fallen, dass er sich auch noch einmal aktiv gegen die verbliebene Weltmeister-Riege im Nationalteam entscheiden muss. In der ersten Stellungnahme nach Vertragsunterzeichnung beim DFB betont Flick, er sehe gerade auch die Klasse der jungen Spieler in Deutschland. Da in der DFB-Kommunikation nichts dem Zufall überlassen wird, darf das als Fingerzeig gelten.

Viel Zeit für diesen Umbruch hat er nicht: Die umstrittene WM in Katar kommt früh, schon eineinhalb Jahre nach Flicks Amtsantritt.

Marina Schweizer (privat)Marina Schweizer (privat)Marina Schweizer studierte Kommunikationswissenschaft und Geschichte in München, längere Auslandsaufenthalte in Alaska/USA. Während und nach dem Studium arbeitete sie als freie Reporterin u. a. für den SWR-Hörfunk, bevor sie ein crossmediales Volontariat bei Deutschlandradio absolvierte. Nach einem Jahr als Junior-Redakteurin in den Redaktionen Sport und Zeitfunk arbeitet sie heute beim Deutschlandfunk als Redakteurin und Moderatorin in der Sportredaktion und als Moderatorin im "Zeitfunk".

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