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Startseite@mediasresCNN auf Tschechisch12.05.2020

Neuer Nachrichtensender CNN auf Tschechisch

In Tschechien hat sich der private TV-Sender Prima mit CNN zusammengetan. Der neue Kanal will eine Alternative zu den Öffentlich-Rechtlichen und den Medien von Premierminister Andrej Babis sein. Für das US-Unternehmen ist die Kooperation der Anfang einer Expansion in Europa.

Von Kilian Kirchgeßner

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Die Moderatoren Klara Dolezalova und Karel Vorisek im TV-Studio (picture alliance/Michal Krumphanzl/CTK/dpa)
Klara Dolezalova und Karel Vorisek, als Moderatoren die neuen Gesichter ihres Senders CNN Prima (picture alliance/Michal Krumphanzl/CTK/dpa)
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Die Musik zu den Nachrichten haben 50 Musiker eines symphonischen Orchesters eingespielt, so heißt es stolz in der Selbstpräsentation des neuen tschechischen Fernsehkanals. Geplant war eigentlich eine Pressekonferenz, aber wegen der Kontaktbeschränkungen hat der Prager Privatsender Prima die Fragerunde ins Internet verlegt; dort zählt ein Einspielfilm zunächst vor allem Rekorde auf: "Ich begrüße Sie in einem der modernsten Nachrichtenstudios in Europa. Es ist zweigeschossig, sieben Meter hoch und 414 Quadratmeter groß – damit ist es sogar eines der größten Studios der Welt."

24 Stunden am Tag sendet der neue Nachrichtenkanal, dazu gibt es Plattformen im Internet und in sozialen Netzwerken – eine Konkurrenz zum öffentlich-rechtlichen Fernsehen, das auch einen reinen Nachrichtenkanal unterhält, sieht Marek Singer allerdings trotzdem nicht, der Chef des Privatsenders Prima.

"Wie auch in anderen Ländern ist hier Luft für mehrere Nachrichten-Plattformen. Wir möchten stärker im Mainstream verankert sein, auch visuell attraktiver. Wir vergleichen uns also nicht so stark mit dem tschechischen Fernsehen."

Das neue Studio des TV-Senders CNN Prima (picture alliance/Michal Krumphanzl/CTK/dpa)CNN Prima wirbt damit, aus einem der größten Studios der Welt zu senden (picture alliance/Michal Krumphanzl/CTK/dpa)

Selbstbewusster Juniorpartner

Vor allem aber ist es die Allianz mit dem amerikanischen Nachrichten-Giganten CNN, die auch überregional aufhorchen lässt: Warum arbeitet CNN ausgerechnet mit dem tschechischen Privatfernsehanbieter Prima zusammen? Marek Singer, der den Deal eingefädelt hat, gibt sich selbstbewusst.

"Es war eher umgekehrt: Prima hat sich CNN ausgewählt. Die Gelegenheit entstand vor anderthalb Jahren, als wir auf die Kooperationsmöglichkeit aufmerksam geworden sind. Also haben wir sie angesprochen, und innerhalb weniger Monate haben wir uns auf eine Zusammenarbeit geeinigt."

Fernsehen als Franchise-Modell

Und Samson Desta, der stellvertretende Nachrichten-Chef bei CNN, gibt sich in einem Einspielfilm betont euphorisch: "CNN Prima kommt nach Tschechien und niemand ist aufgeregter als eure Freunde hier bei CNN. Ihr seid jetzt Teil einer exklusiven Familie, zusammen mit vielen unser anderen branded channels rund um den Globus."

Die "branded channels" – das ist eine Strategie von CNN, quasi im Franchise-Verfahren das eigene Know-how in Länder zu bringen, in denen nicht Englisch gesprochen wird. In Mitteleuropa ist Tschechien das erste Land mit einer CNN-Dependance. Am Anfang sorgte die Nachricht für Verwunderung, denn der Partnersender Prima war bislang vor allem für Boulevard-Nachrichten und Knalleffekte bekannt. Adam Cerny, Vorsitzender des tschechischen Journalistenverbands.

"Es gab große Befürchtungen, dass sie sich in Richtung der sogenannten Alternativen Rechten oder in Richtung Populismus profilieren würden, aber davon ist bislang noch nichts zu sehen."

Alternative zum bisherigen Zweikampf

Inhaltlich sollen die Nachrichten dank opulenter Musik und Grafik ansprechender und leichter verständlich vermittelt werden als im Öffentlich-Rechtlichen – das ist die Lesart, die man bei CNN Prima News hat. Rund 100 Journalisten hat der neue Sender von anderen Medien abgeworben. Auch deshalb wird das neue Angebot in der Branche genauestens beäugt: In Tschechien ist die Medienlandschaft weitgehend polarisiert zwischen dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk auf der einen und jenen Printmedien auf der anderen Seite, die dem Premierminister und Milliardär Andrej Babis gehören. CNN Prima News könnte frischen Wind in diese Verhältnisse bringen, urteilt Adam Cerny.

Der tschechische Ministerpräsident Andrej Babis (23.11.2018). (AP / Petr David Josek)Andrej Babis, Medienunternehmer, Milliardär und Premierminister (AP / Petr David Josek)

"Wenn der Sender die journalistischen Standards einhält, kann er sicherlich die Konkurrenz erhöhen. Viele Journalisten sind derzeit unter wachsendem ökonomischen Druck, so dass sie den Eindruck haben, sie müssen zum Beispiel bei den Medien des Premierministers Babis bleiben – wo viele auch versuchen, eine professionelle Arbeit abzuliefern - und haben keine Möglichkeiten, anderswohin zu wechseln. Das ist für Journalisten natürlich eine sehr ungünstige und demotivierende Situation."

Tschechien im Mittelpunkt

Was die inhaltlichen Schwerpunkte anbetrifft, will sich das Angebot von CNN Prima News nicht allzu weit von der Konkurrenz entfernen – es werde jedenfalls nicht vor allem um Außenpolitik oder Weltnachrichten gehen, wie das CNN-Logo vielleicht nahelegen würde, sagt Eliška Čeřovská, die Nachrichten-Direktorin des neuen Senders:

"Wir sind vor allem für unsere tschechischen Zuschauer da, und deshalb wird sich der Inhalt vor allem um uns hier in Tschechien drehen. In dem Moment, wo etwas außergewöhnliches außerhalb unserer Grenzen geschieht, können wir auf das ganze Portfolio unserer CNN-Kollegen zurückgreifen."

Bleibt die Frage nach dem wirtschaftlichen Erfolg

Nachrichten vom Muttersender CNN werden ins Tschechische übersetzt; die große Gemeinsamkeit seien die journalistischen Standards: In aufwendigen Schulungen seien die Journalisten des neuen Senders mit der Arbeitsweise bei CNN vertraut gemacht worden; die soll ab jetzt auch in Tschechien angewendet werden.

Die Frage, die sich Branchenexperten derzeit vor allem stellen, ist die nach dem wirtschaftlichen Erfolg: Der neue Sender ist werbefinanziert – sein Start mitten in der Corona-Krise dürfte da zur besonderen Herausforderung werden.

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