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StartseiteVerbrauchertippSurfgeschwindigkeit selbst prüfen25.05.2018

Neuer Test der BundesnetzagenturSurfgeschwindigkeit selbst prüfen

Wer das Gefühl hat, dass die Internetgeschwindigkeit zu Hause nicht der versprochenen Leistung des Anbieters entspricht, kann sie selbst überprüfen. Die Bundesnetzagentur hat ein Programm zur Messung der Geschwindigkeit veröffentlicht. Ob es den Nutzern im Endeffekt viel bringt, ist jedoch fraglich.

Von Michael Voregger

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Grüne Leuchtdioden zeigen am 16.10.2015 auf einem DSL-Modem in einer Privatwohnung in Kaufbeuren (Bayern) eine Internetverbindung an.  (picture-alliance / dpa /  Karl-Josef Hildenbrand )
Über ein neues Tool lässt sich die Surfgeschwindigkeit zu Hause messen (picture-alliance / dpa / Karl-Josef Hildenbrand )
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"Das Tool, was wir jetzt haben, ist installierbar auf dem Rechner zu allererst. Dadurch lassen sich die Messungen, die man machen kann eben dokumentieren und man kann damit eben genau nachweisen, ob ein Vertragsbruch vorliegt oder eben nicht. Man braucht eine bestimmte Anzahl von Messungen und die müssen in bestimmter Weise die vertragliche Leistung unterschreiten. Und damit kann man dann ganz klar nachweisen 'Okay, Anbieter xy liefert nicht die Leistungen, die er vertraglich zugesichert worden ist.'"

Unabhängige Ergebnisse durch neues Tool

Im Gegensatz zu Speed-Tests, die von Providern angeboten werden, sollen hier unabhängige und unverfälschte Ergebnisse erreicht werden. In der Realität surfen Nutzer meist langsamer als vertraglich zugesichert. Auf der Seite der Bundesnetzagentur findet sich ein Link und hier kann das Tool mit dem Namen Breitbandmessung heruntergeladen werden. Nach der Installation muss der Anwender ein paar Fragen beantworten. Ist der Rechner über Kabel oder drahtlos ans Netz angeschlossen? Ist der Energiesparmodus ausgeschaltet? Wie ist die Postleitzahl? Welcher Anbieter wurde gewählt – mit welchem Tarif? Urs Mannsmann ist Redakteur bei der Zeitschrift ct.

"Es ist eigentlich eine ganz simple Messung. Man nimmt eine Datei an einer definierten Größe, was weiß ich zehn, zwanzig, fünfzig, hundert Megabyte und überträgt sie und misst dabei, wie lange die Übertragung dauert. Und daran kann ich damit mitrechnen, wie viele Bit pro Sekunde übertragen worden sind."

Nach Auffassung der Bundesnetzagentur entspricht die Leistung nicht dem geschlossenen Vertrag, wenn an zwei Messtagen nicht mindestens einmal 90 Prozent der Maximalgeschwindigkeit erreicht werden. Der Verbraucher kann die Abweichungen zwischen vertraglich vereinbarter und tatsächlich gelieferter Surfgeschwindigkeit mit diesem zuverlässigen Verfahren nachweisen. Allerdings ist der Anbieter damit nicht automatisch verpflichtet, hier Abhilfe zu schaffen. Susanne Blohm:

"Selbst, wenn man feststellt, dass die Bandbreite nicht ausreicht und Vertragsbruch vorliegt, kann man erst mal nichts machen man kann nicht den Tarif ändern. Man kann nicht wechseln. Man kann nicht kündigen, sondern man ist immer noch auf die Kulanz des Anbieters angewiesen, was natürlich in letzter Konsequenz durchaus frustrierend sein kann und auch langwierig."

Großer Aufwand für wenig Geld

Wenn der Anbieter nicht reagiert, dann bleibt dem Verbraucher auch weiter nur der Gang zum Gericht. Das ist langwieriger Prozess und deshalb werden die meisten Menschen wegen 30, 40 Euro Monatsgebühr diesen Aufwand nicht betreiben. Da wird der Vertrag in der Regel ausgesessen und danach ein neuer Anbieter gesucht. Ein zuverlässiges Tool ist trotzdem ein Schritt in die richtige Richtung. Was noch fehlt, ist eine gesetzliche Regelung zur Durchsetzung der Rechte der Verbraucher. Bis dahin kann das Programm zumindest die Vertragstreue der aktuellen Anbieter von Internetzugängen zuverlässig messen.

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