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StartseiteCorsoWenn sich ein Schaf am Trampolin reibt01.12.2018

Neues Album von Albert LuxusWenn sich ein Schaf am Trampolin reibt

Das Kölner Indie-Pop-Duo Albert Luxus kommt nach zwei englisch­sprachigen Alben und sieben Jahren Pause zurück: "Diebe" glänzt mit erstmals deutscher Songpoesie, detailverliebten Arrangements und sommerlicher Leichtigkeit.

Von Bernd Lechler

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Schlagzeuger Andreas Ki­witt & Gitarrist Matthias Sänger sind das Kölner Duo "Albert Luxus" (Ralph Baiker)
Das Duo Albert Luxus: Andreas Kiwitt (l.) und Matthias Sänger (Ralph Baiker)
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Die Musik kommt heranspaziert als wär's Frühsiebziger-Kraut­rock, mit einer naiven Melodie auf der Farfisa-Orgel. Dann noch eine pychedelisierende Rückwärtsgitarre, man ist gespannt – und liegt mit seiner Retro-Ahnung schon mal ganz richtig. Oder soll man sagen: zeitlos? Denn Albert Luxus bedienen sich keineswegs nur aus einem Jahrzehnt.

Das sauber abgezirkelte Schlag­zeugspiel von Andreas Ki­witt darf dengeln wie Achtziger-Post-Punk oder zart grooven wie Siebziger-Westcoast-Pop, und Gitarrist Matthias Sänger zitiert mal Surf-Pop, mal Sechziger-Jahre-Fernseh­krimi, mal Alternative-Rock, mal Prince, und ist als Sänger mal Hamburger-Schule-Lakoniker, mal sensibler Indie-Chansonnier.

Musik: "In den Arm bitte!"                                                        

Wobei dieser Song zum Beispiel dann gleich kurz zornig werden darf …

Musik

... um direkt wieder der Melancholie zu verfallen.

"Ein Schaf reibt sich am Trampolin"

Aber immer easy. Seufzende Chöre und lange Melodiebögen, klin­gelnde Rhythmusgitarren und ausgiebige Soloparts - gern auch zweistimmig -, überhaupt: präzise inein­ander verzahnte Instrumenten­­parts mit einer Freude am Detail, die einen ganz vergessen lässt, dass das alles im Grunde nur Gitarre-Bass-Schlagzeug ist, von ein paar Tupfern Klavier oder Keyboard abgesehen. Dazu: ganz wun­derbar seltsame Texte.

"Im Schatten noch ein Eis", heißen die Lieder, oder: "Socken von gestern", oder: "Wenn du wehst". Sie handeln – möglicherweise – von Angst und Anbetung, Großstadtmüdigkeit und Sprüngen vom Dreimeterbrett und "Zähneknirschen in der Nacht".

"Lass dich ramponieren", singen sie, im Whirlpool sei es "schöner als auf dünnem Eis". Und: "Ein Schaf reibt sich am Trampolin". Wirklich. Das Schöne ist, dass die Songs von Albert Luxus bei aller poeti­schen Tiefe nie gewichtig tun, sondern immer schön leicht bleiben. Und dass sie aber bei allem Schön-leichtBbleiben nie ironisch werden, oder sich zu clever sind für ein sehn­süchtiges Liebeslied.

(Ralph Baiker)Albert Luxus 2018 (Ralph Baiker)

Am Rad der Popgeschichte drehen?

Was nochmal den Whirlpool betrifft: Das leicht lasziv luxuriöse "Jacuzzi" erinnert an die öster­rei­chischen Kollegen von Bilderbuch, und bei dem Vergleich fällt auf, dass Albert Luxus radikaler Stilwille und der Ehr­geiz, am Rad der Popgeschichte zu drehen, dann doch fehlen. Das kostet bisweilen Prägnanz und Vehemenz.

Aus Albert Luxus wird kein Trend werden und keine Jugendbewegung. Aber dafür haben sie dieses Verträumt-ins-Licht-Blinzelnde, diese Freude am Schich­­ten und Verschachteln und an rätselhaften Bildern, fernab von allem, was grade so geht und angesagt ist. Und übrigens auch fern von allen politischen Realitäten - wie sollte man sonst im Jahr 2018 eine so grundpositive Musik machen? Albert Luxus kommentieren die Welt, indem sie ihre eigene, sonnigere dane­ben stellen - Song für Song für Song.

Andreas Kiwitt (l) und Matthias Albert Sänger vom Kölner Duo Albert Luxus (Deutschlandradio / Kerstin Janse)Andreas Kiwitt (l) und Matthias Albert Sänger vom Kölner Duo Albert Luxus (Deutschlandradio / Kerstin Janse)

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