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StartseiteRock et ceteraMorbides Spätwerk01.03.2020

Neues Album von Ozzy OsbourneMorbides Spätwerk

Nach zehn Jahren musikalischer Ruhe hat der Übervater aller Metal-Barden Ozzy Osbourne ein neues Album veröffentlicht. Imposanter als das Werk selbst ist aber die Prominenz der beteiligten Band - und die Krankenakte des Fürsten der Finsternis.

Von Marcel Anders

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Black Sabbath-Sänger Ozzy Osbourne bei einem Konzert der Band in Budapest. (picture alliance / dpa / EPA / Balazs Mohai)
Black Sabbath-Sänger Ozzy Osbourne bei einem Konzert der Band in Budapest. (picture alliance / dpa / EPA / Balazs Mohai)
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Musik "Straight To Hell"

50 Jahre Heavy Metal können auch so aussehen: Hohe Hecken umgeben eine weitläufige Parkanlage. Dahinter ein regelrechter Palast: Sechs Schlafzimmer, Pool, Kino. Hier residiert der Fürst der Finsternis mit seiner Frau und Managerin Sharon, einer Haushälterin, einem persönlichen Assistenten und zwölf Hunden. Auf der Klingel steht: "Never mind the dog, be aware of the owner. Keine Angst vor dem Wachhund, aber vor seinem Besitzer." Doch der ist unpässlich: Ozzy Osbourne empfängt liegend auf der Couch. Er kann nicht aufrecht sitzen, hört schlecht und stottert. Folgen seines wilden Lebensstils – und eines schweren Unfalls vor einem Jahr.

Ozzy Osbourne: "Ich bin mitten in der Nacht ins Bad. Und auf dem Rückweg wollte ich mit einem Satz zurück ins Bett springen. Doch es war stockdunkel - und ich bin krachend auf den Fußboden geknallt. Dabei hat es im Nacken geknackt und ich habe einen Blitz gesehen. Ich meinte ich zu meiner Frau: ´Ruf einen Krankenwagen. Ich glaube, ich habe mir den Nacken gebrochen. Der Notarzt hat mich gleich ins nächste Krankenhaus gebracht. Da war ich drei Monate."

Ozzy Osbournes Krankenakte ist nun also um einige komplizierte Knochenbrüche reicher – und es gibt erste Anzeichen für Parkinson 2, eine Vorstufe der Nervenkrankheit.

Musik "Under The Graveyard"

Die krankheitsbedingte Zwangspause muss Ozzy Osbourne zum Nachdenken gebracht haben: Über die eigene Halbwertszeit und ein mögliches Ende der Fahnenstange. Mit "Ordinary Man", seinem zwölften Solo-Album, veröffentlicht er ein morbides Spätwerk. Die meisten der zehn Stücke befassen sich mit seinem bewegten Leben, samt Höhen und Tiefen der Marke Showbiz, und dem frommen Wunsch, dass man ihn doch bitte nicht vergessen möge. Oder, fast noch schlimmer, für einen Ordinary Man, einen ganz normalen Mann, hält.

Osbourne: "Wenn sich die Leute an mich erinnern, ist das nett. Wenn nicht, dann eben nicht. Aber ich habe das alles nie getan, um berühmt zu werden, sondern um anderen - wie mir - Spaß zu bereiten. Und bis ich damit anfing, die Leute zu unterhalten, um es mal so zu formulieren, war ich definitiv ein ganz normaler Typ. Die Musik hat mir alles gegeben, und das obwohl ich kein Talent habe. Insofern weiß ich nicht, wie das passieren konnte. Ich denke, es war Schicksal."

Musik: "Ordinary Man"

Erstklassige Band

Musikalisch ist "Ordinary Man" ein typisches Ozzy-Album, im positiven Sinn. Eine druckvolle Mischung aus Hardrock, Black Sabbath-Doom und Powerballaden. Dafür sorgt eine erstklassige Band: Duff McKagan von Guns N' Roses am Bass. Sein Kollege Slash zusammen mit Tom Morello von Rage Against The Machine an der Gitarre und Chad Smith von den Red Hot Chili Peppers am Schlagzeug. Im Titelstück begleitet Sir Elton John, der gerade selbst krank von der Bühne musste, seinen alten Weggefährten. Doch bei aller Wehleidigkeit und Melancholie, die in den Texten durchschimmert – ganz ohne Aliens, Dämonen und Menschenfresser geht es beim Mann aus dem britischen Birmingham nicht. Nur der Titel "Eat Me" enthält dann doch Bezüge zur echten Welt. Hier nimmt Ozzy Osbourne die Brandmarkung von klimaschädlichem Fleischkonsum auf die Schippe.

Osbourne: "Heute ist doch alles vegan. Ich meine, habt ihr das mal probiert? Das ist schrecklich! Ich bin mit meiner Tochter in eines dieser Restaurants gegangen, da hat der Schinken wie Plastik geschmeckt, geradezu synthetisch. Es war Irgendetwas aus Sojabohnen - und was soll das, wenn es nach schlechtem Schinken schmeckt? Warum dann nicht auf echten zurückgreifen? Ich denke, wir gehen da zu weit."

Musik "Eat Me"

Das Nuscheln des 71-Jährigen ist zwar schwer zu verstehen, dennoch wird klar, dass er gerne über den eigenen Tellerrand hinausblickt, das Weltgeschehen verfolgt und seine Meinung sagt. Zum Beispiel über die Fridays For Future-Bewegung.

Osbourne: "Ist das die Art der Kids, sich Sorgen zu machen? Und was soll das bewirken? Etwa, dass jemand sagt: ´Ok, machen wir?´ Das ist genau so naiv, wie auf Elektromobilität umzusteigen und sich dann über hohe Stromrechnungen zu beschweren. Dabei kann man nicht alles haben. Und welchen Sinn hat es, wenn da nur ein Land mitmacht? Die ganze Welt muss an einem Strang ziehen. Wenn uns das nicht gelingt, sind wir dem Untergang geweiht.

Musik: "Today Is The End"

Der Rockstar ist auch nur ein Mensch

Sein eigener CO2-Fußabdruck, kichert Ozzy Osbourne, sei dagegen einwandfrei. Schließlich habe er fast ein Jahr im Bett verbracht. Und auch die Termine seiner Abschiedstournee, die schon zwei Mal verschoben wurde, scheinen derzeit fraglich: Rein körperlich kann er derzeit nicht auf die Bühne. Da ist der Rockstar, der über 100 Millionen Tonträger verkauft hat, ein ganz normaler Mensch. Einer, der einem aufrichtig leidtun kann.

Osbourne: "Aktuell kann ich nicht fliegen, weil ich Schmerzen im Arm und im Nacken habe. Sollte das nicht besser werden, muss ich die Tour erneut verschieben. Ich meine, ich tue alles, um rechtzeitig fit zu werden, aber wenn ich noch ein paar Monate brauche, muss ich mir die nehmen. Ich will mich ja nicht selbst umbringen oder vor allen Leuten zusammenklappen. Ich möchte das Beste liefern, das in mir steckt."

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