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StartseiteCorsoKampf gegen das tägliche Chaos12.07.2018

Neues Album von Rick AstleyKampf gegen das tägliche Chaos

Der 52-jährige Pop-Veteran Rick Astley, der in den 80ern Welthits wie "Never Gonna Give You Up" hatte, sehnt sich nach zwischenmenschlicher Harmonie in einer deprimierenden, reaktionären Zeit. Davon handeln die neuen Songs des 8. Albums "Beautiful Life" - ohne kitschig oder lehrmeisterhaft zu sein.

Von Marcel Anders

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Rick Astley Portrait anläßlich der neuen CD "Beautiful Life" (Foto von RANKIN)
Rick Astley - immer noch mit Elvis-Tolle, aber kein Trendsetter mehr (Foto von RANKIN)
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In den 80ern war Rick Astley ein Superstar mit Welthits wie "Never Gonna Give You Up", 40 Millionen verkauften Tonträgern und dem Image eines Teen-Idols. Dann, mit gerade mal 27, ging der Brite mit der rostbraunen Elvis-Tolle in Rente, konzentrierte sich auf seine Familie und trat nur noch zum Spaß auf. Bis er 2016 ein triumphales Comeback mit der CD "50" erlebte, das er noch gar nicht richtig fassen kann. "Beautiful Life", das schöne Leben, lautet der Titel seines neuen Albums.

Rick Astley: "Eigentlich habe ich die Platte nur für mich gemacht. Ich hätte nie gedacht, dass sie Platz 1 in Großbritannien erreichen könnte. Es war einfach unfassbar, meinen Namen vor Coldplay und Adele zu sehen - vor Künstlern, die so angesagt sind. Nach all den Jahren war das schon ziemlich verrückt."

Unbekümmert, ausgelassen, vielleicht ein bisschen naiv

Für Rick Astley ist der Überraschungserfolg Anreiz genug, um weiterzumachen - auch mit inzwischen 52 Jahren, ohne große Hits, ohne Medien-Hype und mit Konzerten in moderaten Theatersälen. Heute ist der nach wie vor drahtige Mann aus dem Norden Englands kein Trendsetter und kein Mädchenschwarm mehr, sondern er bedient ein erwachsenes Publikum, das ihn schon seit den 80ern kennt. Dabei begnügt er sich nicht allein mit der Rolle des Sängers, er ist auch Songwriter, Musiker, Produzent und deckt eine imposante stilistische Bandbreite ab - von Funk über Soul, Folk bis hin zu zeitlosem Pop.

Rick Astley in Pose (Foto von RANKIN)Rick Astley (Foto von RANKIN)

"Ich habe das Album in meiner Garage aufgenommen und so lange an Ideen gefeilt, bis ich etwas hatte, das mir gefiel. Wobei ich mir keine Gedanken darüber gemacht habe, dass es musikalisch in unterschiedliche Richtungen geht. Es ist einfach eine Sammlung an Songs, die dem heutigen Konsumverhalten entspricht - nämlich kein ganzes Album am Stück zu hören, sondern nur einzelne Tracks. Insofern ist es wie eine Playlist mit völlig verschiedenen Sachen. Ich hatte nie vor, das Ganze von Anfang bis Ende einheitlich klingen zu lassen."

Unbekümmert, ausgelassen, vielleicht ein bisschen naiv - das gilt für den Künstler wie für sein Werk. Die Texte der 12 Songs sind Liebeserklärungen an seine 26-jährige Tochter und an seine Ehefrau, die zugleich seine Managerin ist. Sie strotzen vor großen Gefühlen, familiärem Glück und geballter Lebenslust. Als Gegenpol zum Zeitgeist, als Gute-Laune-Macher und probates Mittel für Veränderungen.

Pop-Veteran mit Mission

"Die heutige Jugend macht sich viele Gedanken um die Welt. Und das muss sie - weil sie sonst ein Problem hat. Sie hat erkannt, dass das ganze Gerede von wegen den Planeten retten und sich um die Ozeane kümmern nicht von ungefähr kommt. Dass sie die Generation sind, die etwas tun muss - weil sie sonst untergeht. Als ich in ihrem Alter war, hieß es: "Alles okay - irgendwer wird sich schon kümmern." Aber ihnen ist klar: "Nein, das sind wir. Wir müssen das tun."

Rick Astley 2018 ist ein ambitionierter Pop-Veteran mit unterschwelliger Mission und einem überzeugenden neuen Album. Den durchgestylten Pop von Stock Aitken Waterman, die in den 80ern Kylie Minogue, Jason Donovan und ihn betreuten, hat er hinter sich gelassen. Heute spielt Astley in der Erwachsenen-Liga - und macht Musik nur noch zum Spaß. Er ist Schlagzeuger einer Hobbyband namens Luddites, die Punk-Stücke covert, und unterhält ein freundschaftliches Verhältnis zu den Foo Fighters.

"Sie haben bei einem Festival in Japan gespielt. Und weil ich ebenfalls dort aufgetreten bin, haben meine Band und ich ihnen vom Bühnenrand zugeschaut. Als Dave Grohl mich sah, meinte er: 'Okay, mach' dich auf was gefasst.' Was dann passierte, war wie ein Traum. Denn plötzlich stand ich vor 50.000 Leuten und hörte Dave sagen: 'Wir bringen jetzt 'Never Gonna Give You Up' - aber in der Manier von 'Smells Like Teen Spirit.' Ich finde es toll, dass sie so spontan und so witzig sind. Es war brillant."

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