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StartseiteKommentare und Themen der WocheDie Schulen bitte nicht allein lassen21.08.2021

Neues Corona-SchuljahrDie Schulen bitte nicht allein lassen

Zu Beginn des neuen Schuljahrs unter Pandemiebedingungen ist vieles unklar und bundesweit uneinheitlich, kommentiert Dlf-Bildungsredakteurin Kate Maleike. Sie fordert für Schulen überall im Land klare Leitlinien, damit sie rechtssicher agieren können.

Ein Kommentar von Kate Maleike

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Ein Luftfilter steht in einem Klassenraum an der Grundschule Neubiberg. (picture alliance / dpa / Sven Hoppe)
Bürokratische Hürden beim geförderten Anschaffen von Luftfiltern sind nur ein Beispiel für die Dinge, die zum Schuljahresstart 2021/22 nicht rund laufen (picture alliance / dpa / Sven Hoppe)
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"Präsenzbetrieb ist das Gebot der Stunde": So hat es die Kultusministerkonferenz erst vor kurzem noch einmal deutlich formuliert und damit quasi die Marschroute ausgegeben für einen Schulunterricht, der nun Stück für Stück, Bundesland für Bundesland wieder anläuft. Auch viele Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Eltern wünschen sich einen halbwegs "normalen" Schulbetrieb ohne Dauerdistanz und bitte ohne Lockdown.

Die Bildungspolitik geht also in die richtige Richtung, wählt aber in 16 Ländern offenbar weiter eigene Wege. Selbst mühsam gefundene Gemeinsamkeiten, wie beispielsweise der Umgang mit Inzidenzen im Corona-Stufenplan, scheinen zu bröckeln, und das obwohl Immunologen empfehlen, an diesem Verfahren festzuhalten. Auch bei Corona-Maßnahmen wie Masken- oder Testpflicht und Quarantäneregelungen verfolgen die Bundesländer einen Individual-Kurs für ihre Schulen - immer mit Verweis auf das jeweilige Infektionsgeschehen vor Ort und die Impfrate. Muss man das verstehen?

Mecklenburg-Vorpommern beispielsweise hat jetzt nach zwei Eingewöhnungswochen nach den Sommerferien die Maskenpflicht für alle Schülerinnen und Schüler aufgehoben - zumindest vorerst. Und Thüringen hat angekündigt, bei niedrigen Inzidenzen sogar ganz auf Tests verzichten zu wollen. Mal sehen, ob das dann auch so passiert.

Deutschland muss flexibler werden

Keine Frage - Handlungsspielräume sind wichtig, um mit der Pandemie umgehen zu können. Warum sollte schließlich eine Region, in der das Infektionsgeschehen gleich null ist, den Schulbetrieb genauso gestalten wie eine Stadt mit vielen Hotspots? Das macht keinen Sinn. Aber Gegenfrage: Wieso gibt es eigentlich heute noch keine vergleichbaren Regelungen, wie Distanz- oder Wechselunterricht gehandhabt werden? Warum hat nicht jede Schule einen Plan B, einen Krisenplan in der Schublade, der das Unterrichtsgeschehen abgestimmt regelt? Lehrergewerkschaften, Elternvertretungen und Berufsschulverbände haben dies gebetsmühlenartig eingefordert und müssen nun erneut besorgte und mahnende Appelle an Bildungsministerien, Städte und Gemeinden richten.

Schulanfängerin Ida meldet sich mit Mund-Nasen-Schutzmaske in der ersten Unterrichtsstunde der Klasse 1b in der Grundschule "Werner Lindemann".   (dpa / picture alliance / Jens Büttner) (dpa / picture alliance / Jens Büttner)KMK-Präsidentin: Neues Schuljahr wird anders
Da viele Erwachsene geimpft seien, müssten Schüler nicht mehr so drastisch ihre Kontakte reduzieren, sagte Britta Ernst, Präsidentin der Kultusministerkonferenz, vor dem Schuljahresstart. Man strebe Präsenzunterricht an.

Und wie steht es eigentlich um die überall angedachten Luftfilter in Klassenzimmern? Auch beim diesem Thema gibt es weiter Unmut. Zu spät, lautet die Kritik, zu spät hätten sich Bund und Länder über Hilfen für Luftfilter geeinigt. Nun hängt aber die entsprechende Verwaltungsvereinbarung offenbar in der Warteschleife, weil zum Beispiel auch noch geklärt werden soll, ob auch schon früher angeschaffte Geräte über dieses Programm ebenfalls abgerechnet werden können. Bitte, geht das nicht mal schneller und unbürokratischer? Wieso hat man irgendwie das Gefühl, dass das Murmeltier täglich grüßt? Hier muss Deutschland unbedingt flexibler werden.

Schuldeutschland und die Impf-Empfehlung

Aber schauen wir nach vorn und hoffen darauf, dass alle Bundesländer bald – so wie Hamburg es jetzt meldet, genügend Luftfilter bestellen, um Schulen flächendeckend auszustatten. Das macht den angestrebten Präsenzunterricht sicherer.

Das gilt ebenso für die Impf-Empfehlung, mit der Schuldeutschland jetzt umgehen muss. Nachdem sich die Ständige Impfkommission (STIKO) in dieser Woche nun doch für den Corona-Pieks für alle über 12-Jährige ausgesprochen hat, rollen in den Bundesländern die Impfbusse an. Allerdings sind erst rund ein Viertel der über 12-Jährigen doppelt geimpft – das wird eine Aufholjagd. Nur dürfen Schulen dabei auf keinen Fall allein gelassen werden. Sie können bei all den Aufgaben, die Corona mit sich bringt, nicht noch zusätzlich Impfzentren werden oder Orte für Impfstreits.

Denn so wird es kommen. Schließlich haben Kinder, die aus welchem Grund auch immer nicht geimpft sind, das gleiche Recht, die Schule zu besuchen, wie geimpfte. Zudem besteht Schulpflicht in Deutschland. Was passiert dann bei Corona-Fällen, wer genau muss in Quarantäne? Für diese Szenarien brauchen Schulen überall im Land glasklare nachvollziehbare Leitlinien, damit sie auch rechtssicher agieren können.

Schulen zu schließen sollte ultima ratio sein

Denn die vierte Welle ist nun da, sagt das Robert-Koch-Institut, und Schulen in Präsenz zu lassen bei steigenden Infektionszahlen wird erneut eine große Herausforderung. Doch mit Engagement und Extra-Einsatz haben sie bereits einige Stresstests überstanden. Das verdient Wertschätzung und noch mehr Unterstützung. Schulen zu schließen hat schwerwiegende Folgen und sollte wirklich nur ultima ratio sein.

Kate Maleike (Deutschlandradio - Bettina Fürst-Fastré)Kate Maleike (Deutschlandradio - Bettina Fürst-Fastré)Kate Maleike arbeitet für den Deutschlandfunk und ist seit 1997 verantwortliche Redakteurin und Moderatorin der aktuellen Bildungssendung "Campus & Karriere". Sie ist seit 1989 beim Deutschlandfunk tätig, zunächst als freie Mitarbeiterin in der Abteilung Wissenschaft und Bildung. Nach einem Hörfunk-Volontariat beim privaten Nachrichten-Sender Radioropa-Info arbeitete sie dort auch als Redakteurin, im Anschluss als freie Autorin für ARD-Programme. Darüber hinaus ist sie seit vielen Jahren als Moderatorin öffentlicher Veranstaltungen und Bildungskonferenzen tätig.

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