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StartseiteUmwelt und VerbraucherFotovoltaikmodule müssen recycelt werden01.02.2016

Neues ElektroschrottgesetzFotovoltaikmodule müssen recycelt werden

Nach dem neuen Elektroschrottgesetz müssen ab heute auch Fotovoltaikmodule recycelt werden. Verantwortlich für das Recycling sind deren Hersteller - so wie es schon lange für Produzenten von Waschmaschinen oder Fernsehern gilt. Ab sofort können Verbraucher defekte oder ausgediente Solarstrommodule bei Sammelstellen abgeben.

Von Ines Rutschmann

Arbeiter installieren Solarzellen auf einem Dach, aufgenommen am 06.03.2012 in Igersheim. (dpa picture alliance / Daniel Kalker)
Bei den Sammelstellen dürfen nur "haushaltstypische Mengen" von Fotovoltaikmodulen abgegeben werden. (dpa picture alliance / Daniel Kalker)
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Eine Frau parkt ihr Auto in der Einfahrt. Sie lädt eine Tischlampe aus und wirft sie in einen Container. Auf dem Hof stehen mehrere davon, gefüllt mit alten Elektrogeräten. Falk Nobst und sein Team vom Wertstoffhof 2 in Potsdam nehmen den Schrott entgegen. Jetzt kommt eine neue Produktgruppe dazu: Fotovoltaikmodule. Lagern will sie Nobst ebenfalls im Freien, aber getrennt von den anderen Geräten.

"Bei der Sammlung selbst ist da nichts weiter zu beachten. Es muss so verpackt werden, dass die Module keine Gefahr darstellen - jede normale Ladungssicherung wie man sie bei allem, was man transportiert, beachten muss, dass beim Transport nichts kaputt geht."

Fotovoltaikmodule fallen nunmehr unter das Elektro- und Elektronikgerätegesetz. Das bedeutet: Sie dürfen nicht einfach auf den Müll wandern, sondern gehen zum Recycling. Die Entsorgung und Abholung bei den Kommunen verantworten die Hersteller. Jeder Landkreis und jede kreisfreie Stadt hat dazu mindestens eine Sammelstelle einzurichten. Dort können Verbraucher ihre Module kostenlos abgeben. Allerdings gilt alles, was über die für einen Haushalt typische Anzahl hinausgeht, als gewerblicher Abfall. Diesen muss eine Sammelstelle nicht annehmen. Größere Lieferungen sollten zudem vorab angemeldet werden. Falk Nobst empfiehlt das ab einer Anzahl von 25 Modulen. "Wir nehmen eigentlich die Geräte an", sagt er. Aber es müsse glaubhaft sein, dass es "natürlich irgendwo eine haushaltstypische Menge ist."

Abgabe gewerblicher Anlagen in eigenem Rücknahmesystem

Betreiber gewerblicher Fotovoltaikanlagen müssen sich selbst um den Transport der Module zum Hersteller kümmern. Haben sie diese vor dem 24. Oktober 2015 erworben, sind sie auch für die Entsorgung verantwortlich. Aber es gibt eine Alternative: Die Solarbranche hat ein eigenes Rücknahmesystem aufgebaut. PV Cycle heißt es. Rund 100 Firmen sammeln für die gleichnamige Organisation alte Module. Kostenlos nimmt PV Cycle dabei nur Fabrikate der Mitglieder zurück. Alle anderen gegen Entgelt. Alina Lange erklärt den Ablauf:

"Sie rufen bei uns an, sagen, Sie haben diese oder jene Module und diese oder jene Menge. Entweder bieten wir einen Abholservice an, weil es sich um große Mengen handelt. Bei kleinen Mengen prüfen wir vorher, ob es Module unserer Mitglieder sind und geben dann die nächstgelegene Sammelstelle heraus. Und der Endkunde beziehungsweise Deinstallateur muss dann nur noch die PV-Module dort abgeben."

In Deutschland sind schätzungsweise 200 Millionen Module installiert

In Deutschland hat PV Cycle bislang rund 8.000 Tonnen Solarmodule recyceln lassen. Dabei können über 90 Prozent der eingesetzten Rohstoffe zurückgewonnen werden. Dünnschichtmodule aus Elementen wie Indium, Selen oder Tellur durchlaufen ein chemisches Bad, damit sich die auf Glasscheiben aufgebrachten Schichten lösen. Module aus Silizium werden dagegen geschreddert wie andere Elektrogeräte auch. Es gibt aber einen Unterschied, sagt Oliver Friedrichs, Geschäftsführer der Entsorgungsfirma take-e-way:

"Ich habe mit über 80 Prozent einen ungewöhnlichen, hohen Glasanteil, der zu einem hohen Verschleiß bei Mahltechniken führt. Im mechanischen Prozess ist diese Zerkleinerung unerlässlich, um über diesen Mahlprozess die einzelnen enthaltenen Rohstoffe Glas, Aluminium, Kunststoff und zum Beispiel die Edelmetalle Silber aber auch Kupfer voneinander zu trennen."

Die wiedergewonnen Materialien kaufen Glashersteller, Stahlproduzenten oder Edelmetallschmelzen. Durch den Erlös sinken die Recyclingkosten von 200 auf rund 50 Euro pro Tonne. Der Prozess wird effizienter, wenn die Recyclingmenge steigt. Installiert sind in Deutschland schätzungsweise 200 Millionen Module. Ihren Rückbau können zum Beispiel Schäden durch Sturm und Hagel auslösen. Oder die Eigentümer tauschen sie gegen leistungsstärkere Fabrikate. Erwartet wird das verstärkt ab 2021: Dann endet die staatliche Förderung für die ersten Solarstromanlagen.

 

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