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StartseiteInformationen am MorgenLebensmittel-Angebot soll gesünder werden09.02.2019

Neues Institut für Kinderernährung Lebensmittel-Angebot soll gesünder werden

20 Prozent der 11- bis 13-Jährigen leiden unter Übergewicht. Aus ihnen könnten dicke Erwachsene werden, mit erhöhtem Risiko, schon jung an Altersdiabetes zu erkranken. Vorbeugende Ernährungskonzepte soll das neue Institut für Kinderernährung erarbeiten – auch gegen den Widerstand der Lebensmittelindustrie.

Von Anke Petermann

08.02.2019, Baden-Württemberg, Karlsruhe: Aussenaufnahme des Max-Rubner-Institut (MRI) Karlsruhe. Dort wurde das Max-Rubner-Institut für Kinderernährung eröffnet.  (dpa / picture alliance / Uli Deck)
Ihr Amtsvorgänger von der CSU kündigte es 2017 an, jetzt hat Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) es in Karlsruhe eröffnet: das neue Institut für Kinderernährung. (dpa / picture alliance / Uli Deck)
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Mit Forschung kann man nicht früh genug ansetzen, findet Regina Ensenauer. Sie leitet das neue Institut für Kinderernährung. Bei der Adipositas, also Fettleibigkeits-Vorbeugung, hat die Kinderärztin schon lange auch die Schwangerschaft im Blick.

"Also, man weiß auch durch Tierexperimente und auch aus großen Humanstudien, dass da ein Zusammenhang besteht zwischen den Faktoren, die von der Mutter auf den ungeborenen Fötus übergehen, sprich Überernährung, auch der Zucker, auch der wirkt sich aus auf Organentwicklung, auf Zellentwicklung."

Und programmiert schon das Ungeborene auf Übergewicht. Es muss noch nicht mal Schwangerschaftsdiabetes sein, es reicht schon, wenn Schwangere zu viel und zuckerreich essen, sagt Beate Landsberg vom neuen Institut, dann werden erhöhte Zucker-Konzentrationen auch im Nabelschnurblut gemessen. Bei Babys bewirken sie, dass vermehrt Insulin ausgeschüttet wird, das wiederum regt Fettgewebe an zu wachsen. Allergien und entzündliche Prozesse drohen.

Versteckter Zucker als Problem

Ist ein Kind aber fit, gesund und ohne Übergewicht zur Welt gekommen, kann es dennoch sein, dass es früh auf ultrasüß gepolt wird. Zum Beispiel mit Maltodextrose, also Mais-Zucker, im Instant-Babytee. Doch da haut die Bundeslandwirtschaftsministerin auf den Tisch. Sonst setzt Julia Klöckner stets auf Einsicht und freiwilliges Engagement seitens der Lebensmittelwirtschaft: Aber:

"Babys und Kleinkinder sind besonders schützenswert. Und deshalb werde ich in der Diätverordnung das Süßen von Babytees verbieten."

Und zwar Ende 2019, wiederholt die Christdemokratin seit vergangenem Herbst. Doch die Kritiker von Foodwatch beeindruckt das nicht. Die Organisation glaubt, dass das lange angekündigte Verbot ins Leere läuft, weil es nur noch eine Handvoll Einzelhandelsprodukte beträfe. Denn der Zuckertee hatte heftige Kritik provoziert, die meisten Hersteller haben längst reagiert. Anders bei Frühstücksgetreide. Auf manchen Kartons steht auf einer Ecke groß "Vollkorn" drauf, das ist die Botschaft an die Eltern. Namen wie "Cookie Crisp" sprechen dagegen die Kids an. Klingt nach Keks und Süßigkeit, ist auch eine, mit Kristallzucker und süßem Glukosesirup. Professor Annette Buyken von der Uni Paderborn erforscht die Essgewohnheiten von Kindern und Jugendlichen.

"Wir haben insgesamt das Problem, dass es insgesamt zu viel Zucker aus Getränken ist, den die Jugendlichen zu sich nehmen, aber auch insgesamt über Milchprodukte , die verzehren sehr gern gesüßte Milchprodukte, und ein weiterer Faktor sind die Zucker gesüßten Frühstückscerealien, die auch sehr gern von den Jugendlichen verzehrt werden. Das sind eigentlich die drei Hauptquellen. Gar nicht so sehr die Süßigkeiten, die natürlich auch eine Rolle spielen und die man allererstes reduzieren könnte, aber auch in den regelmäßig verzehrten Milchprodukten und Frühstückscerealien."

Meinungsumschwung in Sachen Zuckersteuer

Wie aber kommt man Herstellern bei, die Süßes als gesundes Alltagsprodukt für Kinder und Jugendliche bewerben? Die Bundesernährungsministerin setzt auf eine freiwillige Vereinbarung mit der Lebensmittelwirtschaft, die Zucker, Fett und Salz in Lebensmitteln reduzieren soll. "Klöckner kuschelt", mosert Foodwatch. Die Forschung werde den Prozess kritisch begleiten, sagt die Ernährungswissenschaftlerin Annette Buyken. Aber auch andere Entwicklungen im Blick haben, zum Beispiel den Meinungsumschwung in der Bevölkerung beim Thema Zuckersteuer.

"Bis vor kurzem waren sie noch sehr gegen eine Steuer, heute spricht sich eine Mehrheit für eine Steuer aus, wenn gesichert ist, das entweder dann günstige Lebensmittel wie Obst und Gemüse preiswerter gemacht werden, oder die Mehreinnahmen tatsächlich zur Verbesserung der Kinderernährung eingesetzt werden."

Und die Wissenschaftlerin selbst, fände sie eine Limo-Steuer gut?

"Ich persönlich denke, das wäre mal was, was wir tun sollten. Es geht ja nicht darum, die zuckergesüßten Getränke 50 Prozent teurer zu machen, sondern die Diskussion ist ja 10 bis 20 Prozent."

In Großbritannien und Frankreich zeige sich, dass Steuern oder farbliche Kennzeichnungen Hersteller veranlassten, Rezepturen zu verändern, also zu reformulieren. Buyken glaubt, "dass das insgesamt dafür sorgen würde, dass unser Lebensmittel-Angebot gesünder würde, ja."

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