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StartseiteVerbrauchertippMehr Schutz bei "verbundenen Reiseleistungen"28.06.2018

Neues ReiserechtMehr Schutz bei "verbundenen Reiseleistungen"

Ab dem 1. Juli gilt in Deutschland ein neues Reiserecht. Die Regeln sollen es für Urlauber einfacher machen, wenn es bei der Reise mal Probleme gibt. Doch vieles wird auch komplizierter. Neu sind sogenannte verbundene Reiseleistungen - dort gibt es auch Vorteile beim Schutz der Urlauber.

Von Sebastian Moritz

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Touristen erholen sich am Strand an der Westküste Sardiniens  (dpa/Roland Holschneider)
Wer seinen Urlaub als Pauschalreise bucht, hat mehr Rechte als bei sogenannten Individualreisen (dpa/Roland Holschneider)
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Eigentlich soll es die schönste Zeit des Jahres werden. Umso größer ist der Ärger, wenn der Urlaub dann doch mal nicht so läuft wie geplant.

"Wir hatten ein Haus gemietet, süß, total schön in der Bretagne, so ein Natursteinhaus, ganz toll und das war total voller Mäuse und dreckig, also zwei Nächte haben wir es ausgehalten, dann sind wir abgehauen." - "Ich war mit meiner Familie in Dänemark und dann war ich auf der Toilette und dann krabbelte da auf einmal eine Kakerlake her." - "Da war halt Schimmel an der Wand, ein richtig großer Fleck am Fenster, das war schon ekelig." 

Bei solchen Mängeln können Urlauber den Reisepreis mindern oder Schadensersatz verlangen. Die große Frage ist nur, bei wem sie sich beschweren. Das hängt nämlich von der Art der Reise ab.

Unterschiede bei Pauschal- und Individualreisen

Bisher gab es einerseits die Pauschalreise. Hier haben Verbraucher den größten Schutz. Der Reiseveranstalter haftet dann bei Insolvenz und ist Ansprechpartner bei Reklamationen.

Andererseits gibt es die so genannte Individualreise. Dabei wurden dann Hotel, Flug und Mietwagen separat gebucht. Dabei muss der Reisende sich weiterhin selbst kümmern, wenn mal etwas schief läuft - also beispielsweise seine Entschädigungsrechte gegenüber einem Hotel geltend machen.

Neuer Terminus: die verbundene Reiseleistung

Nach dem neuen Reiserecht gibt es nun auch die so genannte verbundene Reiseleistung. Praktisch ein Mittelweg zwischen der Pauschalreise und der Individualreise, sagt die Dortmunder Reiserechtlerin Franziska Mählmann.

"Man bucht den Flug, meint erst mal, man ist untergebracht bei Freunden und kriegt dann aber heraus, dass die Freunde einen gar nicht unterbringen können und bucht dann innerhalb von 24 Stunden, nachdem man den Flug gebucht hat, noch eine Hotelleistung hinzu."

Eine verbundene Reiseleistung entsteht immer dann, wenn man bei einem Anbieter innerhalb von 24 Stunden mehrere Leistungen für die gleiche Reise bucht. In solchen Fällen hat der Verbraucher etwas mehr Rechte als bei der Individualreise. Es gilt nämlich ein Insolvenzschutz. Das heißt, wenn das Reisebüro oder das Onlineportal Pleite gehen, bekommt der Urlauber das angezahlte Geld zurück. Ein klarer Vorteil.

Reisebüros könnte es zu Problemen kommen

Der Veranstalter muss die Urlauber außerdem mit speziellen Formblättern darüber informieren, welche Art der Reise sie gebucht haben. Das klingt nach einer einfachen Formalie. Vergisst das Reisebüro dieses Formblatt aber, dann wird es selbst zum Reiseveranstalter und es gilt das komplette Pauschalreiserecht. Das heißt: Bei Problem mit dem Hotel hat der Urlauber dann Ansprüche gegen das Reisebüro - und muss sich nicht an das Hotel am Urlaubsziel wenden.

Experten der Verbraucherzentrale befürchten allerdings, dass es hier zu Problemen kommen wird. Schließlich hat längst nicht jedes Reisebüro die Infrastruktur, um solche Beschwerden anzunehmen und entsprechend zu reagieren. Der Leittragende wäre dann - so die Befürchtung der Verbraucherschützer - am Ende doch der Urlauber. Wer Reisemängel anzeigen möchte hat übrigens künftig deutlich mehr Zeit.

"Man ruft das Reisebüro an und sagt: 'Hier ist es dreckig, kümmert euch mal.' Wenn man dann wieder zurück ist, hat man zwei Jahre Zeit, um einen Minderungsanspruch geltend zu machen."

Bisher lag diese Frist bei einem Monat.

Geringerer Schutz bei Ferienwohnungen und Tagesreisen

Doch das neue Reiserecht hat auch Nachteile: Das Pauschalreiserecht gilt künftig nämlich nicht mehr für Tagesreisen bis zu einem Preis von 500 Euro sowie für Ferienwohnungen.

Wer also ein Ferienhaus in Italien bucht, muss damit rechnen, dass im Ernstfall italienisches Mietrecht gilt. Das könnte es deutlich komplizierter machen, im Ernstfall an sein Geld zu kommen.

Die meisten Urlauber werden von dem neuen Reiserecht in diesem Sommer übrigens noch nicht betroffen sein. Bei Reisen, die vor dem 1. Juli gebucht wurden, gilt nämlich noch das alte Recht.

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