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Neues Schema

Herbert Kapfer über die Programmreform beim Bayerischen Rundfunk

Hörspielfreunde in Bayern drehen seit dem ersten Juli gelegentlich verzweifelt am Stationsknopf. Denn seit diesem Monat ist auf Bayern2Radio einiges anders. Eine Programmreform brachte dem Hörspiel neue Sendezeiten, zwei Wiederholungstermine, einen Sendeplatz mit dem Titel "hör!spiel!art.mix" und ein Telefon. Hier ein Überblick:

Agnieszka Lessmann und Frank Olbert

Mo, 20.30 – 21.30 : "hör!spiel!"
Di, 15-16 Uhr: Wiederholung "hör!spiel!"
Mi, 20.30 – 21-30: "krimi!"
Do, 15 - 16 Uhr: Wiederholung "krimi!"
Fr, 20.30 – 22.30: "hör!spiel!art.mix"
So, 15.05 - 17 Uhr: "Hörbuch-Magazin" und "hör!spiel!"

Was es damit auf sich hat, erläutert Herbert Kapfer, Hörspielleiter beim Bayerischen Rundfunk:

Herr Kapfer, was hat sich verändert?

Wir haben, nachdem alle Termine auf Bayern2Radio zur Disposition standen, mit den Programmverantwortlichen diskutiert und überlegt, was wir für die Hörspielhörer besser machen können in Zeiten, in denen perspektivisch etwas weniger Geld zur Verfügung steht. Durch die Wiederholungstermine profitieren wir von einer Änderung der Urhebertarifverträge. Seit Juli vergangenen Jahres gibt es die Möglichkeit, Sendungen kurzfristig kostengünstig zu wiederholen. So sehen unsere Programmkosten in der Statistik besser aus. Hörspiel ist eine teure Sparte. Und insgesamt haben wir jetzt mit 8 Stunden wöchentlich mehr Hörspielsendezeit als vorher.

Wird denn jetzt beim Bayerischen Rundfunk weniger neu produziert?

Auf gar keinen Fall. Wir werden mindestens genauso viel produzieren wie bisher. Allerdings werden wir noch etwas schärfer rechnen müssen.

"hör!spiel!art.mix" ist ein neues Format. Was verbirgt sich dahinter?

Das ist ein neues Konzept einer Zwei-Stunden-Sendung am Freitagabend. Mit dem Titel haben wir uns an Ernst Jandls gute, alte Definition des Hörspiels erinnert: "Hör!Spiel! ist ein doppelter Imperativ". Das haben wir mit "art.mix" ergänzt. "hör!spiel!art.mix" ist eine live präsentierte Sendung mit Studiogast, mit einem oder mehreren Hörspielen. Autoren, Dramaturgen, Regisseure, Medientheoretiker, Musiker werden da zu Gast sein. Innerhalb dieser Sendung wollen wir verschiedene Rubriken bespielen, die wir erfunden haben mit Titeln wie "Gasthaus zur stillen Post" oder "Patentamt der Illusionen", "Geister und Mimen". Im Prinzip sind das alles Versuche, sich mit Ästhetik auseinanderzusetzen, und zwar auch in einer ironischen Form.

Es gibt eine neue Einrichtung: das Hörspieltelefon. Es ist zu erreichen unter der Nummer: 089-5900-41-41. Wer nimmt denn da ab?

Da haben wir eine automatische Ansage, in der man aufgefordert wird, seine Meinung, seine Ideen, Wünsche, Stimmproben abzugeben. Wir haben uns vorbehalten, dass Teile davon auch gesendet werden können. Wir lassen uns da mal überraschen, was an Lob, an Beschimpfungen, an Kunst eintrudeln wird. Es ist ein weiterer Versuch im Zusammenhang mit der Frage: Was kann man im Hörspielprogramm außerhalb der geschlossenen Form noch veranstalten.

Sie haben vorhin schon von den geringeren Mitteln gesprochen, die Ihnen in Zukunft zur Verfügung stehen. Im Programmheft schreiben Sie andererseits, dass die Zuhörprogramme eine größere Resonanz erfahren. Wodurch wird das für Sie erkennbar?

Das wird erkennbar am Echo der Hörerschaft, an den Rückmeldungen, die wir erhalten. Dennoch gibt es bei den Verantwortlichen und den Geschäftsführern der öffentlich-rechtlichen Programme eine Debatte, die die Zuhörprogramme überhaupt in Frage stellt. Es wird immer mehr gesprochen von Formatradio, Durchhörbarkeit usw. Hier muss natürlich jeder, der Hörspiele produziert, sich auf die Hinterfüße stellen, wenn ihm am eigenen Fach etwas liegt, was bei mir der Fall ist. Ich bin ein bekennender Produzent von Zuhörprogrammen, weil ich von dessen Inhalten überzeugt bin und nicht glaube, dass man jede Art von Inhalt zum Nebenbeigeplätschere verkommen lassen kann. Ich bin nicht derjenige, der sagt, es hat sich in dreißig Jahren nichts verändert. Ich glaube, das Problem löst sich am Besten dadurch, dass man versucht, dafür zu Sorgen, dass Leute der Generation der Dreißigjährigen in Positionen kommen, wo sie Programm gestalten können. Dann habe ich nicht mehr das Problem, spekulieren zu müssen, was der Hörer da draußen wohl will. Radiokultur ist nicht nur im Kulturradioprogramm zu finden, sondern da gibt es gelegentlich auch andere interessante Erscheinungen, wie zum Beispiel "Eins Live". Und wer glaubt, dass ein Jugendprogramm sich gestalten lässt, indem man einen Beat und ein paar Witze zusammenstellt, der unterschätzt die Generationen, die in diese Zielgruppen fallen.

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