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StartseiteCorso„Solche Sachen kann man nicht planen“29.06.2019

Neues von Bonaparte„Solche Sachen kann man nicht planen“

Bonaparte hat ein neues Album. „Was mir passiert“ ist ernster als früher, weniger Glitzer. Dafür viel Westafrika: Große Teile des Albums sind in der Metropole Abidjan in der Elfenbeinküste entstanden. Aber auch die Heimat des Sängers, die Schweiz, ist dieses mal stärker zu hören.

Tobias Jundt alias Bonaparte im Corsogespräch mit Ramona Westhof

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Der Sänger Tobias Jundt alias Bonaparte steht auf einem Dach, unten viele Bäume, dazwischen eine Straße und ein paar hohe Häuser (Dadi Thierry Kouame)
Dieses Mal: weniger Parolen, dafür mehr deutsche Texte. Tobias Jundt hat sich Mühe gegeben nicht nach Krautrock zu klingen. (Dadi Thierry Kouame)
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Tobias Jundt alias Bonaparte lebt zwar seit langem in Berlin, ist aber eigentlich Schweizer. Bei all dem Sprachwirrwarr auf seinen Platten vergisst man das gerne. Auf dem neusten Bonaparte-Album, auf "Was mir passiert", ist die Schweiz nun sehr präsent: Viele Texte sind auf Deutsch, Jundts schweizer Akzent ist zu hören. Einen der Songs hat er in seiner Muttersprache Schweizerdeutsch aufgenommen, zusammen mit der Sängerin Sophie Hunger.

27.06.2018, Berlin: Die Schweizer Sängerin, Songwriterin und Filmkomponistin Sophie Hunger stellt sich in Kreuzberg dem Fotografen. Foto: Paul Zinken/dpa | Verwendung weltweit (Paul Zinken/dpa)Die Schweizer Sängerin Sophie Hunger (Paul Zinken/dpa)

"Das ist unser Serge Gainsbourg"

In "Dene Wos Guet Geit" geht es um Umverteilung, um die Idee, dass es eigentlich von allem genug für alle gibt, wenn man es nur fair verteilt. Das Lied stammt vom schweizer Liedermacher Mani Matter.

"Das ist unser Serge Gainsbourg, es gibt niemanden, der nicht damit aufgewachsen ist", erzählt Jundt. "Sein Werk ist Wahnsinn! Alle Songs sind lustig und gleichzeitig politisch scharf und gelten noch heute."

Auch neu: Die Texte stehen stärker im Vordergrund. Früher habe er mehr auf Parolen gesetzt, sagt Jundt. Die hätten zwar auch eine Message gehabt, die sei aber in den abgedrehten Bonaparte-Shows häufig untergegangen: "Wenn nackte Haut im Spiel ist, dann hören viele sowieso gar nicht mehr auf den Text. Weil sie denken, das kann ja gar nicht noch einen sozialkritischen oder poetischen oder intellektuellen oder irgendwie politischen Anspruch haben."

Musik aus der Metropolie Abidjan

Um sich zu trauen, die eigenen deutschen Texte aus der Schublade zu holen, musste Jundt er erst einmal richtig weit weg, nach Abidjan an die Elfenbeinküste: "Wenn man so reist, reflektiert man viel, denkt über sich selber nach."

Wir haben noch länger mit Tobias Jundt alias Bonaparte gesprochen. Hören Sie hier die Langfassung unseres Gespräches

In Westafrika habe er neue Rhythmen kennen gelernt, denen er etwas entgegensetzen wollte: "Ich habe das einfach probiert. Gleichzeitig wäre es für diese deutschen Texte auch falsch gewesen, wenn ich eine Indie-Krautrock-Platte gemacht hätte, die es ja auch schon gibt auf Deutsch. Und das, was ich jetzt mit ‚Was mir passiert‘ gemacht habe, kenne ich zumindest so wirklich noch nicht."

Westafrikanische Kollaborationen

In der Elfenbeinküste sind auch viele Kollaborationen entstanden: In einer Stadt, in der es keine Adressen gibt, man muss beschreiben können, wo es hingehen soll. Jundt musste sich durchfragen, auch nach Musikerinnen und Musikern.

Vieles basiert auf zufälligen Begegnungen: "Solche Sachen kann man nicht planen, jeder Song hat mehrere solcher Begegnungen, die die Platte dann eigen klingen lassen."

Eine Frau mit Turban und Gitarre steht auf einer Bühne und macht Musik (imago stock&poeple)Fatoumata Diawara verbindet Afropop mit Melodien und Rhythmen aus Mali (imago stock&poeple)

Begegnet ist Jundt am Ende einer ganzen Reihe westafrikanischer Musikerinnen und Musikern: Dem Rapper Bop de Narr etwa, der "reudig, auf eine gute Art" klinge, dem Rumbasänger Tosha Kitona, der ihn fast zum Weinen gebracht hat, oder der berühmten Singer-Songwriterin Fatoumata Diawara.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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