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StartseiteComputer und Kommunikation"Dann kann ich mit meinen Küchengeräten reden"07.09.2019

Neuheiten auf der IFA"Dann kann ich mit meinen Küchengeräten reden"

Von sprechenden Wäschetrocknern, über Pflanzenüberwachungssystemen bis hin zu 5G – die Internationale Funkausstellung in Berlin hat viele Neuheiten zu bieten. Einige davon scheinen sinnvoll, andere sind doch eher befremdlich. Ein Überblick.

Carina Fron im Gespräch mit Manfred Kloiber

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Ein Herd und ein Küglschrank von Siemens, auf der IFA 2018 in Berlin (imago images / allOver)
5G und 'Smart Home' waren die Hauptthemen auf der Internationalen Funkaustellung in Berlin (imago images / allOver)
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Manfred Kloiber: Die neuesten Techniktrends und Gadgets werden in diesen Tagen auf dem Messegelände in Berlin präsentiert. Denn da ist IFA und dort versammeln sich Aussteller, Fachpublikum und ganz viele Technikinteressierte.

Immerhin ist die Messe die bedeutendste und älteste ihrer Art in Europa. Und die Besucher erwarten auf der 59. IFA neben den neuesten Smartphones und Fernsehern, auch jede Menge Haushaltsgeräte und alles rund um das Thema "Smart Home".

Meine Kollegin Carina Fron hat sich die IFA schon erlaufen. Carina, das war ihr erstes Mal auf der IFA. Wie war’s denn?

Carina Fron: Ja, Erlaufen ist genau das richtige Wort, ich muss zugeben: Es ist wahnsinnig überwältigend.

Den ersten Tag empfehle ich, sich die Zeit zu nehmen, sich erst einmal einen richtigen Überblick zu verschaffen. Denn die rund 1800 Aussteller, die verteilen sich auf 26 Hallen.

Manche Aussteller, also die großen Aussteller, die haben dann auch eigene Hallen und manchmal ist dann auch thematisch aufgeteilt.

Schön ist auch, dass es eben nicht nur die üblichen Verdächtigen gibt, die großen Konzerne, sondern auch mal Start-ups und kleine Unternehmen aus der ganzen Welt.

Aber, man sollte sich bewusst machen, nicht alles, was glänzt, ist gleich Gold. Die Produkte werden zwar als neu verkauft, aber manchmal ist es nur neues Design und die Technik dahinter, die ist nicht neu.

Ersten Städte mit 5G-Masten

Kloiber: Dann lassen Sie uns doch genauer Blick auf die wichtigen Trends werfen. Der neue Mobilfunkstandard 5G ist ja gerade in aller Munde. Wie ist das Thema auf der Messe vertreten?

Fron: Für Vertreter der Presse gab es am Mittwoch und Donnerstag schon Veranstaltungen auf der IFA, da bin ich auch hingegangen. Dort hat die Telekom am Donnerstag verkündet, dass ab sofort ihre Kunden in Berlin, München, Darmstadt, Köln und Bonn bereits 5G Nutzen können.

Seit Mittwoch hat das Unternehmen die Lizenzen von der Bundesnetzagentur, die das Ganze dann möglich machen.

Neben den bereits genannten Städten sollen bis Ende des Jahres noch Hamburg und Leipzig mit 5G ausgestattet werden. Das hat Michael Hagspihl, der Geschäftsführer für das Privatkunden-Geschäft bei der Telekom verkündet.

O-Ton Michael Hagspihl: "Unsere Netzstrategie ist dabei einfach. Wir orientieren uns am Bedarf der Kunden. Wir setzen auf zusammenhängende Gebiete und nicht auf symbolische Standorte in möglichst vielen Städten."

Fron: Das bedeutet zum Beispiel in Berlin: Hier werden die angedachten 60 Antennen auf einem Gebiet von sechs Quadratkilometern verteilt.

Und dann soll Schritt für Schritt erweitert werden, in den Großstädten allerdings nur. Und insgesamt sind es jetzt schon 129 Antennen in Deutschland von der Telekom, bis Ende des Jahres sollen es dann 300 sein.

So ganz konkurrenzfrei ist das Ganze natürlich nicht. Vodafone hat auch schon seinen Übertragungsstandard im Juli aktiviert und insgesamt jetzt schon 150 5G-Antennen.

Telefónica, das ist ja der dritte deutsche Mobilfunk-Netzbetreiber, und die haben noch gar nichts angekündigt, da weiß man noch gar nichts.

Das neue Samsung Galaxy Fold 5G

Kloiber: Schön, dass die 5G-Netze jetzt in Betrieb sind, aber ohne 5G-fähiges Handy nutzen einem die neuen Funkmasten gar nichts. Haben die Hersteller da auch gleich etwas parat gehabt?

Fron: Natürlich sind sie darauf vorbereitet. Ich denke, die größte Aufmerksamkeit auf der IFA bekommt das Samsung Galaxy Fold 5G.

Eigentlich sollte das ja schon im Frühjahr kommen, doch dann gab es Produktionsprobleme eben wegen des faltbaren Displays. Nun scheint das Ganze aber zu funktionieren, ist 5G-fähig und erscheint noch in diesem Monat.

Aber auch Huawei hat 5G-Produkte, zum Beispiel den Smartphone-Prozessor Kirin 990. Er enthält ein eingebautes Modem für 5G.

Erstaunlich war schon, dass Huawei noch etwas anderes angekündigt hat, und zwar noch ein Gerät in diesem Monat. Das soll allerdings keine Google-Apps haben, also Maps oder den Play-Store nicht.

Denn das sind die ersten Konsequenzen aus dem Handelskrieg zwischen den USA und China. Die Trump-Regierung hatte ja den chinesischen Konzern mit Verweis auf Sicherheitsbedenken auf eine schwarze Liste gesetzt.

Allerdings war das Thema dann bei der IFA auch wieder gegessen, also mehr wurde dazu nicht gesagt. Und ich muss auch noch betonen, das nur zwei Beispiele. Auch andere Hersteller haben 5G-Handys.

"Sprechende Wäschetrockner"

Kloiber: Neben 5G ist das Thema ‘Smart Home’ in diesem Jahr wieder besonders präsent auf der IFA. Haben Sie da etwas Spannendes entdeckt?

Fron: Viel sogar. Von sprechenden Wäschetrocknern, über Pflanzenüberwachungssystemen bis hin zu Sicherheitssystemen ist natürlich alles dabei.

Und da wird auch gerne mal das Wort "Künstliche Intelligenz" groß drüber geschrieben. Allerdings muss man hier ein bisschen vorsichtig sein. Weil wenn ich jetzt meine Lampe mit einer App steuern kann, dann heißt das nicht gleich, dass da KI drin steckt, sondern manchmal ist auch nur simple Computertechnik.

Ich persönlich backe sehr gerne, und deshalb habe ich mir natürlich auch die Backöfen angeschaut. Und ab dem nächsten Jahr sollen die zum Beispiel mit Alexa verbunden.

Dann könnte ich mit einem Sprachbefehl sagen "öffnen" und "schließen". Und so ein Trend, zeichnet sich da auch schon ab: Denn auch der Herd und die Kaffeemaschinen und der Geschirrspüler, die sollen natürlich alle mit so Sprachassistenten ausgestattet werden, und dann kann ich mit meinen Küchengeräten reden.

Aber so richtig aufgefallen ist mir ein Unternehmen aus Finnland. Die haben sich zunächst um den Brandschutz gekümmert am Herd. Also, da gab es einen Sensor, der konnte erkennen, wenn ein Brand droht und dann wird der Strom abgestellt.

Ihre neueste Erfindung hat 20 Sensoren und soll beim Kochen helfen. Die dazugehörige App hat drei Teilbereiche, wie Sampo Rantakokko von Safera Oy erzählt.

O-Ton Sampo Rantakokko: "Zuerst kommt das sichere Kochen, dann geht es ums Smart Cooking und um die Überwachung der Luftqualität."

Fron: Also, es soll beim Sicher Kochen natürlich bleiben, das ist ein Teilbereich. Aber dann gibt es noch das schlaue Kochen, zum Beispiel, um das perfekte Steak zu braten. Also wenn ich ein Steak braten will, stelle ich die Temperatur dafür ein.

Das Gerät hält meine Pfanne auf der richtigen Temperatur die ganze Zeit konstant, misst ständig, und stellt einen Timer, da muss ich mich also auch nicht drum kümmern.

Und da gibt es noch Punkt 3, die Luftüberwachung. Wenn zu stickig wird beim Braten, dann sagt mir die App auch Bescheid.

"Digitale Türschlösser"

Kloiber: Ob man eine App dafür braucht oder seine eigenen Sinne dafür einsetzen kann, das lasse ich mal so dahingestellt. Sicherheit spielt aber ja nicht nur beim Kochen eine Rolle. Was gibt es da noch so für smarte Lösungen?

Fron: Da bin ich unter beim Stand einer Firma für Sicherheitstechnik hängen geblieben, die sich mit digitalen Türschlössern beschäftig.

Bedeutet: Ich kann per App meine Haustüren steuern. Das ist jetzt nicht unbedingt neu, gebe ich zu. Aber die arbeiten jetzt mit einem Unternehmen für Leuchtmittelherstellung zusammen. Und deren Produkte lassen sich dann mit dem Sicherheitssystem anschließen.

Bedeutet praktisch: Wenn das Haus sicher abgeschlossen ist, dann könnte man seine Lampen grün leuchten lassen.

Wenn ein Einbrecher kommt, dann könnte man das Haus ganz rot erleuchten lassen, dann wissen auch schon die Nachbarn Bescheid.

Dieses Unternehmen hat aber auch noch ein anderes spannendes Pilotprojekt, wo man Lieferanten zusammen arbeitet. Also, dass man sagen kann, dass einem auch Essen geliefert werden kann, wenn nicht Zuhause ist. Und das hat mir Markus Henkelmann von Yale erzählt.

O-Ton Markus Henkelmann: "Der Kunde bestellt online. Da kommt dann ein Fahrer. Der kriegt von uns einen Pin Code, erst kurz bevor er an der Tür ist. Er liefert dann das Essen. Was in den Kühlschrank muss, geht in den Kühlschrank. Er geht raus, schließt die Türe."

Fron: Dabei hat der Lieferant eine Kamera umgebunden und filmt die ganze Zeit den Vorgang, sodass die Hausbesitzer sich das auch angucken können. Das klingt jetzt erst einmal praktisch, aber – ehrlich gesagt - für mich wäre das erst einmal komisch, trotz Kameras jemanden in mein Haus zu lassen, wenn ich nicht da bin.

Und man muss auch sagen, es gibt noch unzählige weitere Anbieter mit spannenden Sicherheitssystemen. Wenn einem das nicht liegt, dann kann man ja ein anderes nutzen.

Technik weiter als Industrie

Kloiber: Über einen Bereich, Carina, müssen wir noch reden, der untrennbar mit der IFA verbunden ist, über’s Pantoffelkino.

Fron: Auf der IFA konnten die Besucher unzählige Fernsehgeräte sehen. Aber ähnlich wie bei 5G gibt es auch hier das Problem, dass die Technik weiter ist als der Standard in der Industrie.

Zum Beispiel bei UHD-II: Die neuen Geräte können fast alle eine 8K-Auflösung zeigen. Also eine Bildqualität, die mehr als 33 Millionen Bildpunkte zeigt. Das sieht ähnlich aus wie im Kino.

Doch noch gibt es kaum Material, das in dieser hohen Auflösung gefilmt wurde. Selbst 4K ist ja eigentlich noch ein Problem, das kennt man zwar von Streaming-Diensten und ausgewählten Übertragungen per Satellit, aber im klassischen Fernsehen findet das man ja kaum.

Bei den Bildschirmtechnologien gibt es nur wenig Neues zu sehen. OLED-Display sind mittlerweile Standard. Und mit OLED ist es auch möglich, dass die Bildschirme nicht nur flacher werden, sondern auch biegsam.

LG ist da Vorreiter auf dem Gebiet. Sie zeigten auch auf der IFA ein 65-Zoll Display, das sich aus seinem Sockel komplett ausrollen lässt, ähnlich wie eine Zeitung.

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