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StartseiteKultur heuteIntendantin: Viel Arbeitsaufwand für wenige Zuschauer16.10.2020

Neuregelung für Theater in NRWIntendantin: Viel Arbeitsaufwand für wenige Zuschauer

Nur noch 20 Prozent der Sitzplatzkapazität dürfen für Veranstaltungen vergeben werden, so sieht es die Corona-Verordnung in NRW vor. Die Düsseldorfer Intendantin Kathrin Tiedemann wundert die Neuregelung: "Bislang sind bundesweit keine Infektionen in Theaterhäusern nachgewiesen", sagte sie im Dlf.

Kathrin Tiedemann im Gespräch mit Stefan Koldehoff

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Kathrin Tiedemann, Intendantin des Forum Freies Theater in Düsseldorf (Forum Freies Theater, Düsseldorf. Foto: Sonja Rothweiler)
Kathrin Tiedemann, Intendantin des Forum Freies Theater in Düsseldorf (Forum Freies Theater, Düsseldorf. Foto: Sonja Rothweiler)
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Die Kulturinstitutionen waren vom Corona-bedingten Lockdown stark betroffen: Theater, Opernhäuser, Museen, Kulturzentren mussten schließen – nicht nur die staatlich finanzierten, sondern auch und vor allem die in freier Trägerschaft. Angesichts steigender Infektionszahlen werden nun auch die Regelungen für Veranstaltungen wieder verschärft. Seit gestern sieht in Nordrhein-Westfalen eine neue Corona-Verordnung vor, dass alle Veranstaltungen, die mehr als 20 Prozent der normalen Sitzplatzkapazität anbieten, ab sofort untersagt sind.

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Tiedemann hielt Hygiene-Konzepte für ausreichend

Kathrin Tiedemann, künstlerische Leiterin und Geschäftsführerin des Forums Freies Theater Düsseldorf, sagte im Deutschlandfunk, sie sei von der neuen Regelung überrascht worden: "Ich war davon ausgegangen, dass die Hygiene-Konzepte, die wir vorgelegt haben, sehr gut sind. Bislang sind bundesweit keine Infektionen in Theaterhäusern nachgewiesen." Natürlich müssten Menschen sich angesichts der steigenden Infektionszahlen vorsichtiger verhalten, "aber ob die Theater etwas dazu beitragen können, die Inzidenzzahlen zu senken - da sind Zweifel angebracht", so Tiedemann.

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"Unverhältnismäßiger Arbeitsaufwand"

Für das Forum Freies Theater Düsseldorf würde der neue Erlass keine großen Veränderungen bedeuten, denn von 180 Plätzen würden derzeit ohnehin nur 40 vergeben. Allerdings sei eine weitere Regelung in Planung, so Tiedemann, wonach jede Zuschauerin und jeder Zuschauer nach allen Seiten 1,50 Meter Abstand haben müsse. Unabhängig von den ausbleibenden Ticketerlösen stelle sich dann die Frage, "ob der Arbeitsaufwand für 18 Zuschauer, die wir erreichen können, dann noch stimmt", so Kathrin Tiedemann. Von weiteren staatlichen Hilfen für die Kultur habe sie noch nichts gehört.

Am Freitagnachmittag hat das NRW-Kabinett beschlossen, dass ab 17.10.2020 in Risikogebieten der Stufe 2 bei Veranstaltungen innen und außen maximal 100 Personen zulässig sind. Ausnahme: ein besonderes Hygiene- und Infektionsschutzkonzept.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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