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StartseiteSport am WochenendeSie haben es wirklich durchgezogen16.05.2020

Neustart der BundesligaSie haben es wirklich durchgezogen

Die Fußball-Bundesliga spielt wieder. Seifert, Rummenigge, Watzke, Laschet und Söder hätten das einfach durchgezogen, kommentiert Klaas Reese. Die diversen Gegenargumente und Komplikationen seien kleingeredet worden. Normalität oder Freude für die Fußballfans würden die Spiele nicht bringen.

Von Klaas Reese

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Berliner Spieler jubeln über ein Tor gegen Hoffenheim (picture alliance/Thomas Kienzle/AFP/POOL/dpa)
Hertha-Spieler umarmen sich beim Torjubel (picture alliance/Thomas Kienzle/AFP/POOL/dpa)
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Nachdem klar war, dass der Profifußball durch seine wenig krisenfeste Finanzplanung ohne TV-Einnahmen ziemlich schnell in Teilen zusammenbrechen würde, setzte die Deutsche Fußball Liga alles daran, dass wieder Fußball gespielt werden konnte und heute kann man sagen: Sie haben es wirklich durchgezogen.

Sie haben ein Konzept entwickelt und schnell bildeten DFL-Chef Seifert als Mittelfeldstratege zusammen mit den Ausputzern Rummenigge und Watzke sowie den Stoßstürmern Laschet und Söder eine schlagkräftige Truppe. In der Verteidigung des Konzeptes positionierten sich einige Medienhäuser und so konnten die Planungen für einen neu-deutsch "Re-Start" getauften Wiederbeginn starten.

Dass sich dann bei der ersten Testrunde in der Bundesliga direkt zehn Infizierte fanden, wurde zu einer Auszeichnung für das Konzept. Dass zwischendrin ein Spieler öffentlich Sorgen äußerte, lag an einem Übersetzungsfehler. Dass ein Spieler per Livestream die desaströsen Zustände bei einem Bundesligaverein offenbarte, wurde zum Einzelfall.

Man könnte diese Liste noch um die Sorgen der Spieler, die Quarantäne einzelner Mannschaften, die Ablehnung vieler Fangruppen oder um einen Supermarktbesuch eines Bundesligatrainers trotz Quarantäne erweitern, aber auch hier das gleiche Muster: Beschwichtigungen. Keine Konsequenzen. Sie haben das einfach durchgezogen.

Manni Breuckmann, ehemaliger Fußball-Kommentator (dpa / Ingo Wagner) (dpa / Ingo Wagner)Breuckmann zu Bundesliga-Start - "Die spielen heute nicht für mich als Fußballfan"
Die Fußball-Bundesliga nimmt wieder ihren Betrieb auf – jedoch vorerst ohne Zuschauer. Sportjournalist Manfred Breuckmann sagte im Dlf, dass der Spielstart in der Coronapandemie die Entfremdung des Profifußballs von Teilen der Bevölkerung zeige. Es gehe darum, TV-Gelder nicht zurückzahlen zu müssen.

Dazu wurde ein riesiger Aufwand betrieben und die PR-Maschine lief so gut, dass in fast jedem Interview mit Politikerinnen und Politikern eine der wenigen Fragen auf den Wiederbeginn der Bundesliga zielte. Nicht nach Konzepten zur Kita-Öffnung, nicht nach neuen Finanzmitteln für die überforderte Bildungslandschaft, nicht nach Chancen für eine Verkehrswende durch Corona wurde gefragt – sondern stets war der Fußball ein Thema und so wurde zwar geklatscht für die Helden des Alltags, aber am Ende gewonnen haben vor allem die Liebhaber von Spargel, von Autos und von Profifußball.

Und so ist es kein Wunder, dass sich in Umfragen teilweise nur noch gut ein Viertel der Befragten für eine Fortsetzung der Liga aussprach. Denn es passt auch einfach nicht zusammen, dass die Liga zwar schreibt, dass sie jetzt bodenständiger handeln will, Bayerns Rummenigge dann aber schon wieder von Milliarden Zuschauern weltweit träumt.

Und was bekamen diese Milliarden Fernsehzuschauer heute geboten? Sie bekamen Fußballspiele vor leeren Rängen zu sehen in einer Atmosphäre die eher an die Partie Raderthal Kickers gegen Fortuna Köln III erinnerte als an Spitzensport. Die DFL wusste das und sie haben das dennoch durchgezogen.

Normal ist an diesen Fußballspielen nichts

Das Signal, das mit diesem Bundesligastart einhergeht, ist auch fatal, weil während in den Bundesligastadien munter in den Zweikampf gegangen wird, Eltern ihren Kindern jetzt erklären müssen, dass nur in den 90 Minuten beim Fußball alles außer Kraft gesetzt wird, was gerade mühsam in den Alltag eingeführt wurde.

Dass Abstand nur zwischen den Ersatzspielern wichtig ist und nur die Leute am Spielfeldrand Masken tragen müssen. Den Spielern ist es gar nicht vorzuwerfen, dass sie in der Emotion nach einem Tor miteinander feiern, dass sie einem Gegner nach einem Foul aufhelfen oder dass sie auf den Rasen spucken. Da hilft nämlich auch das am höchsten gelobte Konzept nichts.

Es sei allen gegönnt, die sich an dieser Form des Fußballs erfreuen können, aber es sollte damit aufgehört werden zu behaupten, dass diese Spiele ein Stück Normalität bringen oder dass hier für die Fußballfans gespielt wird. Denn normal ist an diesen Fußballspielen nichts und es weiß jeder, dass hier nicht für die Fans gespielt wird, sondern nur für den Geldbeutel.

Sie haben es wirklich durchgezogen und sie werden das weiter durchziehen. Der Ball rollt wieder. Und man kann nur hoffen, dass das alle Beteiligten ohne gesundheitliche Folgen überstehen.

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