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Startseite@mediasresAfD entdecken mit Google27.11.2019

News-Feed "Discover"AfD entdecken mit Google

Seit gut einem Jahr bietet Google seinen neuen News-Feed "Discover" an. Anders als in seiner Nachrichtensuchmaschine News werden dort auch Inhalte von "AfD Kompakt", einer eigenen Seite dieser Partei, angeboten.

Von Michael Borgers

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Ein Schild mit der Aufschrift "Google" hängt an einem Haus. (picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa)
Google ist die größte Internet-Suchmaschine der Welt. (picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa)
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Die "wahre Heimat der Werte-Union" sei die AfD, dazu ein Bild, das Alexander Gauland vor einer Kollage mit CDU-Symbolen zeigt. Inhaltlich ist das Angebot des AfD-Chefs wenig überraschend. Doch gemacht hat Gauland es nicht, wie sonst auch gerne mal, in einem Gastbeitrag für eine konservative Tageszeitung.

Die Meldung entstammt AfD Kompakt, einer Webseite, die die Partei selbst als "Mitgliedermagazin" beschreibt. Angeboten werden dessen Inhalte aber nicht nur Mitgliedern der Partei, sondern auch bei Discover, dem News-Feed von Google, wo sonst neben Rezepten oder Musikvideos überwiegend Medienartikel auftauchen.

Google verweist auf Algorithmus

Auf Nachfrage, warum auch die Seite einer politischen Partei geteilt wird, erklärte ein Google-Sprecher dem Deutschlandfunk schriftlich: "Grundsätzlich basieren die Inhalte, die Nutzer in Discover sehen, auf ihren vorherigen Interaktionen mit Google-Produkten oder auf Inhalten, denen sie direkt folgen."

Wer also, so wie der Autor dieses Textes, sich beruflich mit AfD und Werte-Union auseinandersetzt, dem bieten die Algorithmen des Digitalkonzerns entsprechende Inhalte an.

Google verweist zudem auf die Richtlinien seines News-Feeds. Die besagen, Ziel seien "Originalinhalte". Außerdem heißt es dort: "Artikel, die gesponserte Themen als unabhängige redaktionelle Inhalte tarnen oder falsch darstellen, sind unzulässig."

Aber bei AfD Kompakt stellen sich noch weitere Fragen: Sollte eine politische Partei redaktionelle Inhalte verbreiten? Gemacht in einem Raum, den sie – so wie andere Parteien auch – "Newsroom" nennt? Das ist eine Bezeichnung, die aus dem Journalismus stammt. Und darf Google sein Angebot Discover, das solche Inhalte verbreitet, "News-Feed" nennen?Ein Screenshot von Google Discover, der zeigt, dass AfD Kompakt ausgeblendet wurde (Screenshot Google Discover)Wer auf Google Dicover Inhalte - wie die von AfD Kompakt - nicht sehen will, kann sie ausblenden (Screenshot Google Discover)

Und die angekündigte Einschränkung von Wahlwerbung?

An anderer Stelle hält sich Google konsequent an seine eigenen Vorgaben: Die Nachrichtensuchmaschine Google News bietet keine Inhalte von AfD Kompakt an. Woher dieser Unterschied kommt, beantwortet der Google-Sprecher nicht.

Gerade hat das US-Unternehmen angekündigt, künftig politische Wahlwerbung einschränken zu wollen. Ob das dann auch für AfD Kompakt und seine Inhalte gilt, wollen wir wissen. Google verweist auf die eigene Ankündigung von vergangener Woche.

Dort heißt es unter anderem, man werde seine Anzeigenrichtlinien präzisieren. So wolle man Dinge wie "deep fakes", also verfälschte und manipulierte Medien, oder irreführende Behauptungen verbieten.

Bleibt abzuwarten, was das bedeutet für Seiten wie AfD Kompakt.

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