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Newsblog zum Coronavirus+++ Bund könnte Firmen bis zu 75 Prozent der Umsatzausfälle ersetzen

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) mit Mund-Nase-Schutz (dpa/Sven Hoppe)
Regierung will Unternehmen offenbar Umsatzausfälle ersetzen (dpa/Sven Hoppe)

Bund und Länder haben zur Eindämmung der steigenden Corona-Neuinfektionen eine Reihe von neuen Einschränkungen vereinbart. Firmen, die davon besonders betroffen sind, könnten laut Dlf-Informationen große Teile ihres Umsatzausfalls vom Bund ersetzt bekommen. Die Reisewarnung für die ganze Türkei tritt wegen der Corona-Pandemie zum 9. November wieder in Kraft. Weitere Entwicklungen in unserem Newsblog.

Mittwoch, 28. Oktober

+++ Zur Eindämmung der steigenden Corona-Neuinfektionen haben Bund und Länder eine Reihe von neuen Einschränkungen vereinbart. Nach Beratungen mit den Ministerpräsidenten der Länder sagte Bundeskanzlerin Merkel, eine akute bundesweite Gesundheitsnotlage müsse vermieden werden. Es seien harte Auflagen nötig, um die Zahl der Kontakte wieder zu senken. Die zwischen Bund und Ländern getroffene Vereinbarung sieht vor, dass sich ab Montag nur noch Angehörige zweier Haushalte zu maximal zehn Personen treffen. Freizeiteinrichtungen und Gastronomiebetriebe müssen vorübergehend schließen. Hotels dürfen keine Touristen mehr beherbergen. Kosmetikstudios, Massagepraxen und Tattoostudios müssen ebenfalls geschlossen bleiben. In Geschäften des Einzelhandels ist nur noch ein Kunde pro zehn Quadratmeter erlaubt. Der Amateursport wird eingestellt. Im Profisport, darunter in der Fußball-Bundesliga, sind keine Zuschauer mehr erlaubt. Dagegen bleiben Schulen und Kindergärten geöffnet. Menschen aus der Risikogruppe sollen besser geschützt werden. Dafür sollen die verfügbaren Corona-Schnelltests prioritär in diesem Bereich eingesetzt werden.

Alle Maßnahmen sollen bundesweit und bis Ende des Monats gelten. In zwei Wochen wird die Lage geprüft, um gegebenfalls Anpassungen vorzunehmen.

+++ Angesichts der steigenden Zahl an Corona-Neuinfektionen in Europa will die EU-Kommission die Mitgliedstaaten bei der Anschaffung von Schnelltests unterstützen. Wie die Behörde mitteilte, stellt sie dafür 100 Millionen Euro zur Verfügung. EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen appellierte vor den morgigen Beratungen an die Staats- und Regierungschefs, im Kampf gegen die Pandemie enger zusammenzuarbeiten. Sie verwies dabei auch auf die Vorbereitung von Impf-Kampagnen und gemeinsame Regelungen für den Reiseverkehr. Auch der Güterverkehr zwischen den Ländern soll trotz der hohen Zahlen weiter gesichert sein. Die Kommission fordert zudem alle EU-Staaten auf, kompatible Corona-Warn-Apps einzuführen und für die Nutzung zu werben. Es brauche bessere Strategien zur Entdeckung und Rückverfolgung von Corona-Infektionen. Bis Mitte November sollen die Regierungen ihre jeweiligen Teststrategien nach Brüssel melden.

+++ Schweden verzeichnet Höchststand bei Corona-Neuinfektionen. Das Land registrierte innerhalb von 24 Stunden mehr als 2000 neue Infektionen mit dem Coronavirus. Am Mittwoch kamen in der Datenbank der Gesundheitsbehörde Folkhälsomyndigheten insgesamt 2128 bestätigte Corona-Fälle hinzu - der höchste Tageswertseit Beginn der Pandemie. Schweden ist in der Corona-Krise einen viel beachteten Sonderweg gegangen. Die erlassenen Maßnahmen waren weniger strikt als etwa in Deutschland. Regierung und Behörden setzten vor allem auf eindringliche Empfehlungen und die Vernunft der Bürgerinnen und Bürger.

+++ Bundeswirtschaftsminister Altmaier hat Unternehmen im Falle neuer Beschränkungen in der Corona-Krise finanzielle Unterstützung zugesagt. Altmaier sagte im Bundestag, bei einem möglichen Lockdown wären dann zusätzliche Hilfen notwendig, die schnell und unbürokratisch fließen sollten. Viele Betriebe stünden am Rande der Existenz. Nach Informationen des Deutschlandfunks sollen kleine und mittlere Unternehmen, die während eines sogenannten Lockdowns schließen müssen, für diesen Zeitraum 75 Prozent des entgangenen Umsatzes erstattet bekommen. Bei größeren Firmen sollen es 70 Prozent sein. Vorgesehen sind dafür bis zu zehn Milliarden Euro. Neue Schulden müssen dafür nicht aufgenommen werden, da bereits im letzten Nachtragshaushalt entsprechende Rücklagen gebildet wurden.

+++ Die Bundesregierung setzt die Reisewarnung für die ganze Türkei wegen der Corona-Pandemie zum 9. November wieder in Kraft. Die bisher bestehende Ausnahmeregelung für die Touristenregionen Aydin, Izmir, Mugla und Antalya am Mittelmeer würden nur noch bis zum 8. November gelten, teilte das Auswärtige Amt in seinen Reisehinweisen für die Türkei im Internet mit.

Das Auswärtige Amt hat Reisewarnungen für zahlreiche Regionen in Europa ausgesprochen, die regelmäßig aktualisiert werden. Dabei orientiert es sich an der Einschätzung des Robert Koch-Instituts, das in diesen Regionen die Gefahr einer Ansteckung mit dem Coronavirus für besonders hoch hält. Wir haben die wichtigsten Informationen zu den Risikogebieten zusammengestellt und erklären, was das aktuell für das Reisen bedeutet.

+++ Vor dem Hintergrund drohender Verschärfungen in der Corona-Pandemie sind in Berlin Gastronomen, Eventveranstalter und Vertreter der Tourismusbranche auf die Straße gegangen. Aufgerufen hatten das Aktionsbündnis #AlarmstufeRot sowie der Hotel- und Gaststättenverband und Verbände der Tourismuswirtschaft. Viele Betriebe sehen wegen der Pandemie und den Einschränkungen ihre Existenz bedroht. Die Demonstrationsteilnehmer forderten deshalb unter anderem mehr und gezieltere finanzielle Unterstützung.

+++ In Italien gehen die Proteste gegen die seit Anfang der Woche verschärften Corona-Schutzmaßnahmen weiter. In vielen Städten gingen Unternehmer und Beschäftigte aus Restaurants, Bars und anderen Lokalen auf die Straße - etwa in Mailand, Triest, Florenz und Neapel. Sie befürchten Insolvenzen und Arbeitsplatzverluste. Die Lokale hätten massiv in den Corona-Schutz für Gäste investiert, argumentieren Kritiker der Corona-Maßnahmen. Sie seien nicht Schuld am Anstieg der Neuinfektionen mit dem Virus. In den vergangenen Tagen war es bei Protesten gegen Corona-Maßnahmen zu gewalttätigen Ausschreitungen gekommen.

+++ Die Webseite des Robert Koch-Instituts ist Opfer eines Cyberangriffs geworden. Kriminelle hätten am vergangenen Donnerstag einen sogenannten DDoS-Angriff (Distributed Denial of Service) gestartet und die Seite zeitweise lahmgelegt. Das teilte das Informationstechnikzentrum Bund (ITZBund) mit und bestätigte damit einen Bericht des Magazins "Der Spiegel". Bei DDoS-Angriffen wird der Server mit einer Flut sinnloser Anfragen konfrontiert. Wer die Angreifer waren, wird laut ITZBund untersucht. Das sogenannte Dashboard des RKI, auf dem die täglich registrierten Corona-Neuinfektionen verzeichnet werden, war den Angaben zufolge nicht betroffen.

+++ Wer ohne Notwendigkeit in ein Corona-Risikogebiet reist und nach der Rückkehr in Quarantäne muss, soll dafür künftig keinen Verdienstausfall mehr bekommen. Das sieht ein Gesetzentwurf vor, den das Bundeskabinett gebilligt hat. Bislang steht jedem, der wegen einer angeordneten Quarantäne nicht zur Arbeit kann, eine Entschädigung zu. Nach Aufenthalt in Risikogebieten kann eine digitale Einreiseanmeldung verordnet werden, um besser nachvollziehen zu können, ob die Quarantäne eingehalten wird. Mit der Vorlage wird zudem die im Bevölkerungsschutzgesetz im März geschaffene Entschädigungsregelung für Eltern fortgeführt. Wird ein Kind unter Quarantäne gestellt wird, haben die betreuenden Eltern Anspruch auf eine Entschädigungszahlung.

+++ In Italien will die Mitte-Links-Regierung mit einem Nothilfe-Paket von über fünf Milliarden Euro die Folgen der jüngsten Corona-Beschränkungen abfedern. Viele Gelder würden schon ab November ausgezahlt, sagte Finanzminister Gualtieri - unter anderem an Unternehmen und Beschäftigte in Tourismus, Gastronomie und Kultur. In Italien wurden gestern fast 22.000 Neuinfektionen innerhalb eines Tages registriert, die höchste Zahl bislang.

+++ Beim Robert Koch-Institut ist erneut ein Problem bei der Datenübermittlung aufgetreten. Erst gegen acht Uhr fand eine Aktualisierung der Corona-Zahlen statt. Seitdem werden 14.964 Neuinfektionen binnen 24 Stunden gemeldet. Bestätigt wurden außerdem 85 neue Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Die Gesamtzahl steigt damit auf 10.183. Die Grafiken auf dem RKI-Dashboard sind wegen "Verzögerungen bei der Datenaktualisierung" teilweise noch nicht aktuell.

Wir haben aufgeschlüsselt, was die Neuinfektionen für die kommenden Wochen bedeuten.

+++ Deutschland offenbar vor dem Teil-Lockdown. Bundeskanzlerin Merkel berät heute mit den Ministerpräsidenten über das weitere Vorgehen in der Coronavirus-Pandemie. Medienberichten zufolge wollen sie den Aufenthalt in der Öffentlichkeit beschränken, Gastronomiebetriebe, Sport- und Freizeitbetriebe schließen, touristische Übernachtungsangebote verbieten. Die Maßnahmen würden zunächst bis Ende des Monats gelten, heißt es in einer Beschlussvorlage. Hier geht zu unserer Nachrichtenmeldung mit weitere Informationen.

+++ Aus der Pflegebranche kommt Kritik an Regeln für die Verwendung der Covid-19-Antigen-Schnelltests in Pflegeheimen. Eine regelmäßige Testung von Heimbewohnern, Personal und Besuchern, um Corona-Ausbrüche auch ohne Besuchsverbote zu verhindern, sei personell nicht leistbar, sagte der Vizepräsident des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe, Werner, der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Er befürchtet angesischts überforderter Gesundheitsämter eine "Lastenverteilung zum Nachteil der Pflegedienste und Pflegeeinrichtungen".

+++ Die Corona-Pandemie hat die Fahrgastzahlen in Bussen und Bahnen in Deutschland einbrechen lassen. Von April bis Juni waren nach Angaben des Statistischen Bundesamts drei Viertel weniger Personen im Fernverkehr unterwegs als im gleichen Zeitraum des Vorjahrs. Der Bahn-Fernverkehr brach um 71 Prozent ein, der Linienverkehr mit Fernbussen kam mit einem Minus von 96 Prozent fast zum Erliegen. Den Eisenbahn-Nahverkehr nutzten nach vorläufigen Ergebnissen 59 Prozent weniger Menschen. Vorläufige Zahlen zeigen für den Liniennahverkehr mit Bussen mindestens ein Minus von 36 Prozent und für Straßenbahnen von mindestens 41 Prozent.

+++ Bundeswirtschaftsminister Altmaier hat weitere Finanzhilfen für Soloselbstständige im Kulturbereich in Aussicht gestellt. Die bisherigen Corona-Soforthilfen von bis zu 15.000 Euro für Solo-Selbstständige seien nur für Kosten wie etwas ein Büro vorgesehen, sagte der CDU-Politiker im ARD-Fernsehen. Das helfe aber etwa dem Musiker weniger, der zu Hause im Wohnzimmerschrank seine Trompete aufbewahre. Die Bundesregierung werde daher in den nächsten Wochen auch über eine weitere Unterstützung solcher Kulturschaffender reden. Eine Pleitewelle und damit tiefgreifende Veränderung der Kulturlandschaft infolge der Pandemie solle verhindert werden, betonte Altmaier.

+++ Nach einem Corona-Ausbruch in Nordwestchina haben die Behörden in der Stadt Kashgar innerhalb von vier Tagen 4,7 Millionen Einwohner auf eine mögliche Infektion mit dem Virus getestet. Bei 183 Menschen sei der Erreger nachgewiesen worden, berichtete das Gesundheitsamt der autonomen Region Xinjiang. 161 von ihnen hatten keine Symptome. Der Ausbruch wird auf eine Fabrik zurückgeführt, ohne dass Details bekannt wurden.

+++ Der Deutsche Städtetag dringt auf die Durchsetzung bundeseinheitlicher Verschärfungen der Corona-Regeln. Alle Bundesländer müssten die gleichen Maßnahmen ergreifen, fordert Jung. Dann blickten die Menschen besser durch und man habe nicht dauernd die öffentliche Debatte über einen Flickenteppich.

+++ Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) warnt vor einem Kahlschlag in der Branche, wenn es zu erneuten massiven Einschränkungen für Hotels und Gaststätten käme. "Hotels, Gaststätten und auch Bars sind die mit am stärksten von der Coronavirus-Pandemie betroffenen Unternehmen und dürfen nicht geopfert werden", sagt der NGG-Vorsitzende Zeitler dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Es gehe um Arbeitsplätze, die unwiederbringlich verloren wären. Das Gastgewerbe sei nach bisherigen Erkenntnissen, wenn Hygienestandards eingehalten würden, kein Infektionsherd wie etwa private Feiern, sagte er.

+++ Frankreich und Spanien haben den höchsten Anstieg an Corona-Toten binnen eines Tages seit April registriert. In Paris wurde die Zahl von 523 Menschen gemeldet, die an oder mit dem Erreger gestorben sind. Das sind grob doppelt so viele wie am Vortag. Für den Abend wurde eine Fernsehansprache von Präsident Macron angekündigt. Medienberichten zufolge wird ein einmonatiger Lockdown erwogen, der allerdings weniger strikt ausfallen soll als im Frühjahr. In Spanien meldeten die Behörden 267 Todesfälle im Zusammenhang mit Sars-CoV-2. Die höchsten Werte in Spanien waren Ende März und Anfang April mit mehr als 900 Toten innerhalb eines Tages registriert worden. Am Wochenende hatte Spanien den nationalen Notstand ausgerufen und praktisch über das ganze Land eine nächtliche Ausgangssperre verhängt.

+++ Tschechien hat erstmals eine nächtliche Ausgangssperre eingeführt. Zum Start galt sie in der Nacht zu heute zunächst nur von Mitternacht bis 04.59 Uh. Künftig gilt sie jeweils zwischen 21 Uhr und 4.59 Uhr. Die Regierung in Prag begründete den Schritt damit, dass private Feiern und Treffen verhindert werden sollen. Ausnahmen gelten unter anderem für das Gassigehen mit dem Hund in einem Umkreis von 500 Metern um den Wohnort. 

Dienstag, 27. Oktober

+++ Angesichts der steigenden Zahl an Neuinfektionen mit dem Coronavirus empfiehlt der Virologe Christian Drosten Politik und Gesellschaft, über einen "Mini-Lockdown" nachzudenken. "Wenn die Belastung zu groß ist, muss man eine Pause einlegen", sagte der Leiter der Virologie an der Berliner Charité im NDR-Podcast "Das Coronavirus-Update". Mit einem "Mini-Lockdown" ist nach Angaben des Senders eine mit Vorlauf angekündigte und zeitlich befristete Maßnahme gemeint.

In Wales, Nordirland und Schottland ist dieser Schritt laut Norddeutschem Rundfunk bereits erfolgt. Forscher der London School of Medicine empfehlen demnach, ein "Mini-Lockdown" sollte mindestens zwei Wochen dauern. Drosten halte drei Wochen aber für noch wirkungsvoller.

Bundeskanzlerin Merkel und die Ministerpräsidenten beraten morgen über Schritte zur Eindämmung der Pandemie. Im Vorfeld kamen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zahlreiche Vorschläge und Forderungen.

+++ Frankreich hat 33.417 neue Infektionen mit dem Coronavirus innerhalb von 24 Stunden gemeldet. Die Zahl der Menschen, die an oder mit dem Virus gestorben sind, stieg den Angaben zufolge um 523. Das ist der höchste Anstieg seit Ende April. Für Mittwochabend ist eine Fernsehansprache von Präsident Macron angekündigt, in der er neue Einschränkungen verkünden will. Im Gespräch ist eine Ausweitung der nächtlichen Ausgangssperre. Premierminister Castex sagte, neue Maßnahmen seien unumgänglich.

Am Wochenende hatte die Zahl der täglichen Neuinfektionen in Frankreich erstmals die Schwelle von 50.000 überschritten. Mehr als die Hälfte der Betten auf französischen Intensivstationen ist mit Corona-Patienten belegt, in Paris sind es sogar rund 70 Prozent.

+++ Die spanische Regierung setzt bei der Bekämpfung der Corona-Folgen auf höhere Steuern für Reiche und mehr Geld für soziale Aufgaben. Ministerpräsident Sánchez und sein Koalitionspartner, Vizeregierungschef Iglesias, kündigten höhere Abgaben für große Wirtschaftsunternehmen sowie für Besserverdienende ab 200.000 Euro Jahreseinkommen und Vermögen ab einem Wert von zehn Millionen Euro an.

Wie aus dem Haushaltsentwurf der linksgerichteten Regierung hervorgeht, sollen auf diese Weise die erhöhten öffentlichen Ausgaben für Gesundheit und für die Stabilisierung der Wirtschaft gedeckt werden. Auch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer auf zuckerhaltige Getränke ist vorgesehen.

+++ Bei einem landesweiten Streik haben hunderttausende Ärzte in Spanien bessere Arbeitsbedingungen und mehr Anerkennung gefordert. Nach Angaben des staatlichen Ärztegewerkschaftsbunds CESM nahmen rund 85 Prozent der insgesamt 267.000 Ärzte daran teil. Die meisten Ärzte legten laut Nachrichtenagentur AFP jedoch nur symbolisch ihre Arbeit nieder und behandelten ihre Patienten weiter.

+++ In Schleswig-Holstein wurde der Spielbetrieb etwa im Amateurfußball verboten. Ministerpräsident Günther erklärte, in den nächsten drei Wochen dürften sich nur noch 10 Personen im Freien treffen. Das gelte auch für den Sport.

Nach einem Beschluss des Berliner Senats dürfen an Messen, Tagungen oder Sportveranstaltungen in Innenräumen nur noch maximal 300 Menschen zusammenkommen statt bisher 1.000, draußen nur noch 500 statt bisher 5.000 Menschen.

Die Stadt Köln verhängte für den traditionellen Karnevalsauftakt am 11.11. ein Alkoholkonsum- und -verkaufsverbot. Oberbürgermeisterin Reker appellierte an alle, an diesem Tag zu Hause zu bleiben.

+++ Die tschechische Minderheitsregierung will den seit Anfang Oktober geltenden Notstand um einen Monat bis zum 3. Dezember verlängern. Ministerpräsident Andrej Babis von der populistischen Partei ANO kündigte an, er werde dies im Parlament beantragen, um Gesundheit und Leben der Bürger zu schützen.

Der tschechische Ministerpräsident Andrej Babis bei der Besichtigung eines Feldkrankenhauses in Prag, in dem Covid-19-Patienten behandelt werden sollen. (dpa/CTK/Michal Krumphanzl)Der tschechische Ministerpräsident Andrej Babis bei der Besichtigung eines Feldkrankenhauses in Prag, in dem Covid-19-Patienten behandelt werden sollen. (dpa/CTK/Michal Krumphanzl)

Der Ausnahmezustand ermöglicht es der Regierung, die Bürgerrechte einzuschränken und Krisenmaßnahmen ohne Zustimmung des Parlaments zu treffen. In Tschechien haben sich nach Angaben der EU-Gesundheitsagentur ECDC binnen 14 Tagen knapp 1380 Menschen je 100.000 Einwohner angesteckt. Das war nach Belgien der zweithöchste Wert in der EU.

+++ Der polnische Ministerpräsident Morawiecki fordert ein Ende der Massenproteste gegen das verschärfte Abtreibungsrecht. Der PiS-Politiker verwies dabei auf die Corona-Pandemie. Die Demonstrantinnen und Demonstranten würden die massiven Risiken missachten, die vom Wiedererstarken der Seuche ausgingen.

+++ Die Labore in Deutschland haben erneut gefordert, die Zahl der Corona-Tests auf das Notwendige zu beschränken. Es mangele bereits an Material, aber auch Mitarbeiter seien knapp, erklärte der Vorsitzende des Verbands der Medzin-Labore, Müller, in Berlin. Bei der unnötigen Testung von Reiserückkehrern im Sommer seien mindestens 100.000 Tests "verballert" worden – bei einer Positivrate von 0,3 Prozent. Die fehlten jetzt. Hinzu kämen im Herbst auch noch die Influenza-Proben, die die Labore zu bewältigen hätten. Getestet werden sollten deshalb nur Menschen, die die Corona-Tests vordringlich brauchten, so Müller.

Röhrchen für Corona-Tests stehen in einem Labor. (picture alliance/dpa/Hendrik Schmidt)Röhrchen für Corona-Tests stehen in einem Labor. (picture alliance/dpa/Hendrik Schmidt)

+++ Bundeskanzlerin Merkel hat den Pflegekräften für ihren Einsatz in der Corona-Pandemie gedankt. Sie sei sich bewusst, dass man ihnen viel zugemutet habe, sagte Merkel bei einem Treffen mit Vertretern der Konzertierten Aktion Pflege im Kanzleramt. Mit Blick auf die Schutzkonzepte gegen die Pandemie betonte Merkel, dass keine Gruppe ausgegrenzt werden dürfe. Ziel sei es, Kranke und Pflegebedürftige sowie Menschen mit Behinderungen bestmöglich zu schützen, ohne sie aus dem gesellschaftlichen Leben auszuschließen. Hier zeige sich, wie solidarisch und menschlich eine Gesellschaft sei.

+++ Das bayerische Landeskabinett hat sich auf weitere Finanzhilfen für die Kulturbranche in Corona-Zeiten verständigt. So sollen etwa Solo-Selbstständige von Oktober bis Ende des Jahres als Ersatz für entfallenden Unternehmerlohn mit bis zu 1.180 Euro im Monat unterstützt werden. Bis Mitte des kommenden Jahres verlängert werden demnach Hilfen für Kinos, Laienmusik und Spielstätten. Das Programm für letztere wurde dahingehend erweitert, dass auch Kulturveranstalter ohne eigene Spielstätte Anträge stellen dürfen.

+++ Der Immunschutz gegen eine erneute Coronavirus-Infektion nimmt laut einer Studie aus Großbritannien schneller ab als vermutet. Forscher des Imperial College in London haben Menschen untersucht, die sich im März beziehungsweise April mit dem Coronavirus infiziert hatten und bei denen schon wenig später keine Antikörper im Blut mehr nachweisbar waren. Der Antikörperspiegel fiel demnach von 6,6 Prozent Ende Juni auf 4,4 Prozent im September. Das deute darauf hin, dass einmal infizierte Menschen nicht mehr ausreichend vor einer zweiten Ansteckung geschützt seien. Auch wer positiv auf Antikörper getestet sei, sollte daher einen Mund-Nasen-Schutz tragen, forderte der Leiter der Studie, Paul Elliott.

Auch in anderen Studien war auf den schnellen Rückgang der Antikörper im Blut hingewiesen worden. Antikörper gelten bei den meisten Virusinfektionen als der wichtigste Faktor für Immunität.

+++ FIFA-Präsident Gianni Infantino ist positiv auf das Coronavirus getestet worden. Das teilte der Fußball-Weltverband am Dienstag mit. Der 50-Jährige weise "leichte Symptome" auf und habe sich sofort in Selbstisolierung begeben. Der Schweizer werde für "mindestens zehn Tage" in Quarantäne verbleiben.

+++ In Deutschland sind deutlich mehr Pakete im Umlauf als vor der Corona-Pandemie. Das geht aus einer Marktanalyse für den Bundesverband Paket und Expresslogistik hervor. Die Paketsendungen nahmen demnach im ersten Halbjahr 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 8,9 Prozent zu. Für die Weihnachtszeit rechnet der Verband noch einmal mit einem Verdopplung der Zuwächse bei den Paketsendungen für private Haushalte.

Ein DHL-Mitarbeiter mit Mund-Nase-Schutz liefert in Stuttgart Pakete aus. (imago/Arnulf Hettrich)Ein DHL-Mitarbeiter mit Mund-Nase-Schutz liefert in Stuttgart Pakete aus. (imago/Arnulf Hettrich)

+++ Bundeswirtschaftsminister Altmaier rechnet Ende der Woche mit 20.000 Corona-Neuinfektionen pro Tag in Deutschland. Altmaier sagte bei einem Deutsch-Französischen Wirtschaftstag, man habe es mit einem exponentiellen Wachstum zu tun. Der CDU-Politiker forderte konkrete Maßnahmen, um die Ausbreitung einzudämmen.

+++ EU-Kommissionsvizepräsident Schinas ist positiv auf das Coronavirus getestet worden und hat sich in Selbstisolation begeben. Das teilte der 58-Jährige auf Twitter mit.

Ein Kommissionssprecher erklärte, Schinas' positiver Test werde absehbar keine Auswirkungen auf das übrige Kollegium haben, da bei allen Kontakten und Sitzungen strenge Vorsichtsmaßnahmen gültig seien.

+++ Papst Franziskus wird die diesjährigen Weihnachtsfeierlichkeiten ohne Gläubige abhalten. Das vatikanische Staatssekretariat habe die beim Heiligen Stuhl akkreditierten Botschaften darüber in einer Verbalnote informiert, verlautete aus diplomatischen Kreisen in Rom. Das Kirchenoberhaupt wird die Liturgien der Weihnachtszeit demnach "in privater Form" feiern. Die dabei übliche Anwesenheit des diplomatischen Corps ist nicht vorgesehen.

+++ Die Gesundheitsämter haben dem Robert Koch-Institut 11.409 neue Corona-Infektionen binnen eines Tages gemeldet. Am Dienstag vor einer Woche hatte die Zahl bei 6.868 gelegen. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus stieg im Vergleich zu den Angaben von gestern um 42 auf 10.098. Die Reproduktionszahl lag in Deutschland laut RKI-Bericht bei 1,37. Das bedeutet, dass zehn Infizierte knapp 14 weitere Menschen anstecken. Der R-Wert bildet ein etwa zehn Tage altes Infektionsgeschehen ab.

+++ Angesichts der steigenden Corona-Infektionszahlen in Deutschland wird weiter über stärkere Einschränkungen diskutiert. Der stellvertretende CDU-Vorsitzende Strobl sprach sich für einen kurzzeitigen Lockdown aus. Der baden-württembergische Innenminister sagte dem Nachrichtenportal "ThePioneer", wenn die Zahlen sich weiter so entwickelten, müsse man auch mal für eine Woche "alles dicht machen". Bundeskanzlerin Merkel wird morgen mit den Ministerpräsidenten über weitere Schritte beraten. Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, regt sie an, Bars und Restaurants zu schließen und Sperrstunden einzurichten. Der Ökonom Straubhaar warnte dagegen vor einem erneuten bundesweiten Lockdown. Anstatt in Hysterie zu verfallen, solle man die Zahlen in Kauf nehmen und prüfen, wo man mit vergleichsweise geringen Maßnahmen hohe Wirkung erzielen könne, . Die Gesellschaft müsse lernen, mit dem Virus zu leben, damit die Wirtschaft überleben könne.

+++ In der Slowakei soll die gesamte Bevölkerung auf das Coronavirus getestet werden. Die Regierung hat dafür die beiden kommenden Wochenenden eingeplant. Der nationale Corona-Krisenstab habe den Plan abgesegnet, nachdem eine Pilotphase am vergangenen Wochenende erfolgreich verlaufen sei, teilte Regierungschef Matovic mit. In den beiden nächsten Phasen sollen binnen vier Tagen, jeweils samstags und sonntags, alle über zehn Jahre alten Einwohner einem Antigen-Schnelltest unterzogen werden - insgesamt knapp fünf Millionen Menschen.

+++ Angesichts der steigenden Zahl an Corona-Infektionen in Russland werden die Auflagen verschärft. Wie die Nachrichtenagentur Ria berichtet, ordnete die Verbraucherschutz-Behörde eine Sperrstunde für Restaurants und Bars an. Die Lokale müssten von 23 Uhr in der Nacht bis sechs Uhr in der Früh geschlossen bleiben. Innerhalb eines Tages registrierten die Behörden zuletzt 16.550 neue Infektionen, mehr als 4.300 davon allein in der Hauptstadt Moskau.

+++ Der Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Westerfellhaus, rät Familien wegen der Corona-Pandemie dazu, in diesem Jahr Weihnachten im Schichtsystem zu feiern. Das Weihnachtsfest müsse möglichst entzerrt werden, um die Gefahr von Ansteckungen möglichst gering zu halten, sagte er der "Bild-Zeitung". Er rate daher dazu, lieber mit weniger Menschen und dafür doppelt zu feiern. Es könnten unterschiedliche Haushalte an unterschiedlichen Tagen Weihnachten miteinander verbringen. Auch mit Blick auf die Pflegeheime empfahl Westerfellhaus gestaffelte Treffen. Er könne heute aber nicht sagen, ob Besuche an Weihnachten in allen Pflegeeinrichtungen möglich seien.

Corona setzt auch Halloween und Martinsumzügen zu - ein Überblick.

+++ Die weltweit steigenden Infektionszahlen bereiten der deutschen Exportwirtschaft zunehmend Sorgen. Die Exporterwartungen der Industrie fielen im Oktober um 3,7 auf 6,6 Punkte, wie das Münchner Ifo-Institut mitteilte. Besonders die Corona-Lage bei wichtigen Handelspartnern wie Frankreich, Italien und Spanien schüre die Angst vor einer nachlassenden Nachfrage.

+++ Fast zwei Drittel der Deutschen rechnen damit, dass es wegen der dramatisch steigenden Corona-Infektionszahlen wieder zu Schließungen von Geschäften, Restaurants oder Schulen kommen wird. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur sagten 63 Prozent, dass sie einen solchen Lockdown erwarten. Nur 23 Prozent glauben nicht daran, 13 Prozent machten keine Angaben. Unter einem Lockdown versteht man weitreichende Einschränkungen des öffentlichen Lebens.

Mitarbeiter betreuen einen Coronapatienten auf der Intensivstation. Die Zahl der Coronapatienten auf den Intensivstationen nimmt während der zweiten Coronawelle weiter zu. (picture alliance / ANP / Marco de Swart)Genügend Intensivbetten scheint es in Deutschland zu geben, aber das Personal könnte knapp werden. (picture alliance / ANP / Marco de Swart)

+++ Intensivmediziner warnen vor Engpässen bei der Versorgung von Covid-19-Patienten wegen des Fehlens von Pflegepersonal. Der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, Janssens, sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, man habe einen dramatischen Mangel an Pflegekräften. Es gebe inzwischen ausreichend Kapazitäten an freien Intensivbetten und Beatmungsgeräten. Das allein helfe aber nicht weiter, wenn man kein Personal habe, um die Patienten zu versorgen. Grob geschätzt fehlten bundesweit 3.500 bis 4.000 Fachkräfte für die Intensivpflege, sagte Janssens. 

+++ In Italien haben gestern Abend erneut zahlreiche Menschen teilweise gewaltsam gegen die Corona-Beschränkungen protestiert. In Turin schlugen Demonstranten Schaufenster ein und warfen Flaschen und Feuerwerkskörper auf Polizisten. Die Polizei setzte Tränengas ein. Für die Ausschreitungen machten die Behörden unter anderem Mitglieder der Fußball-Ultra-Szene verantwortlich. Auch in Mailand kam es am Rande einer Demonstration zu Ausschreitungen. Die Proteste richten sich gegen die jüngsten Regelungen, nach denen Bars und Restaurants um 18 Uhr schließen müssen. Kinos, Schwimmbäder und Fitnessstudios öffnen zurzeit gar nicht.

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