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Newsblog zum CoronavirusCoronavirus: Entwicklungen vom 25. bis 27. September

Söder vor einer blauen Wand mit dem bayerischen Wappen. Man sieht nur seinen Kopf. Der Maskenstoff zeigt die blau-weißen Rauten.   ( Peter Kneffel/dpa)
Braucht Deutschland klarere und verbindlichere Corona-Regeln? Bayerns Ministerpräsident Söder meint "Ja" ( Peter Kneffel/dpa)

Angesichts steigender Infektionszahlen nimmt die Debatte über bundesweite Vorgaben Fahrt auf. RKI-Chef Wieler hält die Corona-Situation in Deutschland derzeit für gut beherrschbar. Der Papst spricht der Reisebranche Mut zu. Weitere Entwicklungen in unserem Newsblog.

Die aktuellen Entwicklungen finden Sie hier in unserem Newsblog.

Sonntag, 27. September

+++ Bayerns Ministerpräsident Söder fordert eine bundesweite "Corona-Ampel". Für den Winter sei ein verbindliches, verhältnismäßiges und verlässliches Regelwerk nötig, sagte der CSU-Vorsitzende der "Süddeutschen Zeitung". Kern müsse die Einführung einer Warnampel für alle Bundesländer sein sowie Vorgaben, welche Maßnahmen ergriffen würden, wenn die Zahl der Infizierten bestimmte Grenzwerte überschreite. Wie genau sich Söder das Warnsystem vorstellt, lesen Sie hier

+++ Vor allem die ostdeutschen Bundesländer lehnen die Vorschläge für bundeseinheitliche Regeln zum Umgang mit der Corona-Pandemie ab. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff sagte der "Bild am Sonntag": "Die Infektionen in Sachsen-Anhalt gehen leicht nach oben, sind aber noch nachverfolgbar und aktuell kein Grund darüber nachzudenken, die Maßnahmen wieder zu verschärfen." Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer sagte dem Blatt, er setze auf Freiwilligkeit statt Zwang. "Ich setze auf die Eigenverantwortlichkeit der Menschen, die sich jetzt im Herbst verstärkt disziplinierter verhalten werden und müssen."

+++ In Griechenland ist nach Angaben der Regierung ein erster Bewohner eines Flüchtlingslagers an einer Corona-Infektion gestorben. Ein 61-jähriger Afghane aus dem Lager Malakassa nahe Athen sei in einem Krankenhaus in der griechischen Hauptstadt gestorben, erklärte das Migrationsministerium. In den griechischen Flüchtlingslagern hatte sich das Coronavirus zuletzt stark ausgebreitet

+++ Die Berliner Gesundheitsämter bekommen für die Nachverfolgung von Kontakten bei Infizierten und weitere Testteams zusätzliche Unterstützung von Seiten der Bundeswehr. Bisher sind bereits 60 Soldaten dafür im Einsatz. Nun sollen laut einem Bericht der "Berliner Morgenpost" 180 weitere folgen. Die Soldaten werden in elf Bezirken eingesetzt, nicht aber in Friedrichshain-Kreuzberg, obwohl die Zahl der Neuinfektionen dort sehr hoch ist. Der Bezirk lehnt laut dem Bericht den Einsatz von Soldaten zur Bekämpfung der Corona-Pandemie ab.

+++ Medizinerinnen und Mediziner fordern angesichts der angespannten Corona-Lage in Frankreich "drastische Maßnahmen". Ansonsten werde es das Land mit einer zweiten Welle zu tun bekommen, die für Krankenhäuser und Intensivstationen viel schwieriger zu bewältigen sein werde als die erste, heißt es in einem offenen Brief von sieben Medizinern, der im "Journal du Dimanche" veröffentlicht wurde. 

Ein Patient in Toulouse wird abgehört (NurPhoto)Französische Mediziner sorgen sich wegen des Anstiegs der Infektionszahlen in ihrem Land (NurPhoto)

+++ In Großbritannien gibt es eine neue Corona-App, die mit einem lauten Pfif vor zu geringem Abstand warnt. Die App wird gerade von tausend Arbeitern in einem der größten Eisenbahnunternehmen Englands getestet, der Firma Network Rail. Wenn ein Nutzer zu nah bei einem anderen steht, ertönt ein kaum zu überhörenden Ton; auf einem Bildschirm erscheint zusätzlich das Wort "Achtung". Die Entwickler sehen die App als Ergänzung zu anderen Schutzmaßnahmen vor dem Corona-Virus. 

+++ Die Niederlande melden mit fast 3.000 Neuinfektionen binnen 24 Stunden einen neuen Rekordanstieg

+++ Der saarländische Ministerpräsident Hans hat seine Amtskollegen aufgefordert, beim Treffen mit Bundeskanzlerin Merkel am Dienstag ein klares Signal gegen Partys und Treffen "ohne Abstand und Maske" zu setzen. Es gelte, die stabile Situation in Deutschland zu erhalten. "Ein weiterer Lockdown der Wirtschaft muss vermieden werden, unsere Kinder haben ein Recht auf Betreuung und ordentlichen Schulunterricht."  

+++ Der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, hält die Corona-Lage in Deutschland momentan für beherrschbar. Zur Zeit scheine noch alles unter Kontrolle, sagte Wieler in einem Interview.  Er appellierte an die Menschen, sich an die Regeln zu Abstand, Hygiene und Maskentragen zu halten und in Räumen zu lüften. "Wenn das alle tun, dann bin ich davon überzeugt, dass wir das gut überstehen können." 

+++ Der Papst hat sich zum Welttourismus-Tag geäußert und sich besorgt über die Folgen der Corona-Krise für die Reisebranche gezeigt. Er hoffe auf baldige Erholung und wolle allen Betroffenen Mut zusprechen.

+++ Kulturstaatsministerin Monika Grütters hat einem Zeitungsbericht zufolge 16 Millionen Euro Corona-Soforthilfen für deutsche Galerien angekündigt. Diese seien bisher viel zu sehr auf den kommerziellen Aspekt ihrer Arbeit reduziert worden, sagte sie der "Welt am Sonntag".

+++ Israel hat Quarantäne für hunderte streng religiöse Juden in ihren Religionsschulen angeordnet. Damit soll verhindert werden, dass die ultraorthodoxen Studenten zum Versöhnungstag Jom Kippur in ihre Familien zurückkehren, berichtete die Tageszeitung "Haaretz". Israels Gesundheitsministerium befürchtet einen weiteren drastischen Anstieg der Corona-Infektionszahlen nach Jom Kippur. 

+++ Der Kulturwissenschaftler Wolfgang Kaschuba hat vor zu vielen Einschränkungen in der Corona-Pandemie gewarnt. Die Gesellschaft müsse unbedingt einen Teil ihrer Freiheiten behalten, sie verliere sonst etwas von ihrer DNA, sagte er im Deutschlandfunk.

+++ Der Präsident des Robert Koch-Institutes in Berlin, Lothar Wieler, würde in der momentanen Situation nicht in ein Fußball-Stadion gehen. Der RKI-Chef, der bekennender Fan des 1.FC Köln ist, sagte der "Welt am Sonntag", er werde sicher nicht unter so viele Menschen gehen, wenn er nicht müsse.

+++  Der Städte- und Gemeindebund will eine Verschärfung der Maskenpflicht in Deutschland - und zwar überall dort, "wo im öffentlichen Raum der Abstand nicht eingehalten werden kann - etwa bei Weihnachtsmärkten oder belebten Plätzen - und wo das Infektionsgeschehen die kritische Grenze von mehr als 50 Neuinfektionen pro Woche auf 100.000 Einwohner erreicht hat oder überschreitet. Hauptgeschäftsführer Landsberg bezeichnete es als sinnvoll, bundeseinheitlich eine Höchstzahl von 50 Teilnehmern bei privaten Festen festzulegen.

Menschen mit Mund-Nase-Masken in der Fußgängerzone in Köln (imago/C. Hardt/Future Image)Soll die Pflicht zum Tragen eines Mund-Nase-Schutzes ausgeweitet werden? (imago/C. Hardt/Future Image)

+++ Die Zahl der neu registrierten Corona-Infektionen in Deutschland ist nach Angaben des Robert Koch-Instituts binnen eines Tages um 1.411 Fälle gestiegen. Das ist deutlich niedriger als die 2.507 Fälle vom Vortag. Allerdings melden am Wochenende nicht alle Gesundheitsämter Daten an das RKI. 

+++ Trotz der verschärften corona-bedingten Einschränkungen haben in Israel Tausende Menschen gegen Ministerpräsident Netanjahu protestiert. Sie werfen dem Regierungschef vor, er nutze den erneuten Anstieg der Infektionszahlen aus, um einen Angriff auf demokratische Grundsätze zu legitimieren. Die meisten Teilnehmer der Kundgebungen trugen Beobachtern zufolge Masken und hielten Abstand.

+++ Bei Demonstrationen gegen die Corona-Politik sind in London 16 Menschen festgenommen worden. Neun Polizisten wurden bei den Protesten von Hunderten Impfgegnern und Gegnern der Corona-Maßnahmen verletzt. Nach Angaben der Polizei hielten die Demonstranten die Abstände nicht ein. Großbritannien gab die Zahl der Coronavirus-Neuinfektionen am Samstag mit 6.042 an. Die offizielle Zahl der Todesopfer liegt bei fast 42.000, in absoluten Zahlen ist das die höchste in Europa.

+++ Der SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach fordert, dass die Krankenkassen in diesem Herbst und Winter wegen der Corona-Pandemie für alle Versicherten eine Grippeschutz-Impfung bezahlen. Die Impfung sei eine "sehr sinnvolle Maßnahme mit geringen Kosten", sagte Lauterbach in einem Interview mit der Zeitung "Welt am Sonntag". Auch die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen, Schulz-Asche, erklärte, man müsse mit einer präventiven Strategie in die kalte Jahreszeit gehen, um steigende Grippe- und Covid-19-Infektionen zu verhindern. Die Ständige Impfkommission des Robert Koch-Instituts empfiehlt die Grippeschutzimpfung insbesondere für Menschen ab 60 Jahren.

+++ In Spanien droht angesichts der wieder gestiegenen Zahl der Corona-Neuinfektionen der Streit zwischen der Regionalregierung für Madrid und der Zentralregierung zu eskalieren. Die spanische Regierung prüft nach Medienberichten, die Hauptstadt auch gegen den Willen der Regionalregierung weitgehend abzuriegeln. Die konservative Regionalpräsidentin verweigert sich wegen der Folgen für die Wirtschaft.

+++ Die Ärztekammer Nordrhein hat sieben Mediziner im Visier, die falsche oder nicht ordnungsgemäße Atteste angeboten oder ausgestellt haben, um Patienten von der Maskenpflicht zu befreien. Bei der Kammer laufen laut einer Sprecherin entsprechende berufsrechtliche Verfahren. In einem Fall seien Bescheinigungen ausschließlich auf der Basis von Videokontakten ausgestellt worden, in einem anderen Fall habe ein Mediziner Werbung dafür gemacht, Patienten von der Maskenpflicht befreien zu können. In Baden-Württemberg ermittelt unterdessen die Staatsanwaltschaft gegen zwei Ärzte, die Patienten für den Verstoß gegen die coronabedingte Maskenpflicht grundlos Atteste ausgestellt haben sollen.

Samstag, 26. September

+++ Deutschland und damit auch Bayern befinden sich nach Ansicht des CSU-Vorsitzenden Söder wegen der Corona-Krise vor einem schweren Herbst und Winter. Das Virus sei mit aller Wucht und Macht wieder da, sagte der bayerische Ministerpräsident auf einem digitalen Parteitag der CSU in München. Die Fallzahlen würden um Deutschland herum bereits wieder "explodieren", so Söder wörtlich.

+++ In London haben erneut tausende Menschen gegen die verschärften Corona-Maßnahmen protestiert. Auf dem Trafalgar Square prangerten sie die Einschränkung von Freiheitsrechten an. Mehrere Polizisten wurden später bei dem Versuch verletzt, die undgebung aufzulösen. Da einige Teilnehmer keinen Abstand gehalten beziehungsweise keine Masken getragen hätten, sei der Abbruch notwendig geworden, hieß es. Angesichts der stetig steigenden Zahl an Corona-Neuinfektionen waren in England in der vergangenen Woche neue Restriktionen in Kraft getreten. Unter anderem müssen alle Restaurants und Pubs um 22.00 Uhr schließen. Großbritannien verzeichnet mit derzeit über 42.000 die meisten Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19 in Europa.

+++ Nach dem Start des neuen Schuljahres befinden sich einem Zeitungsbericht zufolge derzeit rund 50.000 Schüler in Quarantäne. Das habe eine Umfrage bei den zuständigen Ministerien der Länder ergeben, berichtete die "Bild"-Zeitung. Bundesbildungsministerin Karliczek (CDU) sagte dem Blatt, die Zahl zeige, dass man nach wie vor mitten in der Pandemie sei und dies bereits wieder voll auf den Schulbetrieb durchschlage. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Meidinger, warnte vor einem weiteren Anstieg der Infektionszahlen an den Schulen. 

+++ Die Landkreise fordern vom Corona-Krisengipfel am kommenden Dienstag die Festlegung einer bundesweiten Obergrenze für Privatfeiern von weniger als 50 Teilnehmern. Der gegenwärtige Flickenteppich irritiere die Menschen, sagte Landkreistags-Präsident Sager der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Deshalb brauche es zumindest einige einheitliche Regeln, betonte der CDU-Politiker. Der Corona-Gipfel von Bund und Ländern ist als Videokonferenz geplant.

+++ Mehrere europäische Länder melden hohe Zahlen bei den Neuinfektionen: Die Slowakei meldet mit 552 Corona-Neuinfektionen binnen 24 Stunden, die Gesamtzahl der Ansteckungen in dem Land mit 5,5 Millionen Einwohnern liegt bei 8.600. Russland verzeichnet mit 7.523 Corona-Neuinfektionen den höchsten Tagesanstieg seit dem 22. Juni. Die Gesamtzahl der Ansteckungen erhöht sich damit auf mehr als 1,1 Millionen. Tschechien gibt mit fast 3.000 Corona-Neuinfektionen den zweithöchsten Tagesanstieg an seit Beginn der Pandemie. 

Ein medizinischer Mitarbeiter in Schutzausrüstung untersucht einen jungen Autofahrer an einer Drive-in-Teststation auf Covid-19-Symptome. (Petr David Josek/AP/dpa)Drive-In-Corona-Teststation in Prag (Petr David Josek/AP/dpa)

+++ Für Reisende aus Deutschland gilt in Litauen ab Montag wieder eine Quarantänepflicht. Bei Ankunft in dem baltischen Staat müssen sich Neuankömmlinge und Rückkehrer in eine zweiwöchige Quarantäne begeben. Dies geht aus einer vom Gesundheitsministerium in Vilnius veröffentlichten Liste von Ländern mit hohen Corona-Ansteckungsraten hervor. Auch in den anderen Baltenstaaten Estland und Lettland müssen sich Reisende aus Deutschland in eine 14-tägige Quarantäne begeben.

+++ Der Deutsche Tourismusverband (DTV) geht für das erste Halbjahr von Umsatzeinbußen in der Branche in Höhe von 35 Milliarden Euro aus, wie die "Rheinische Post" berichtet. "Ohne passgenaue staatliche Hilfen können zahlreiche Betriebe der Branche den Winter nicht überstehen", wird DTV-Geschäftsführer Kunz zitiert. Er verweist darauf, dass der Tourismus in Deutschland mit drei Millionen Arbeitsplätzen eine systemrelevante Branche sei.

+++ Wegen Verstößen gegen die Corona-Verordnung hat die Berliner Polizei hunderte Feiernde zweier Parks verwiesen. Im Weinbergspark und im James-Simon-Park hätten sich bis zu 300 Personen in Partystimmung und mit viel zu wenig Abstand aufgehalten, teilte ein Sprecher mit. Die Sicherheitskräfte hätten die teils alkoholisierten Jugendlichen zum Teil mit Nachdruck ansprechen müssen, um die Menschenansammlungen aufzulösen. Dabei sei es zu vereinzelten Flaschenwürfen und einer Zündung von Pyrotechnik gekommen.

+++ Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen mit dem Corona-Virus in Deutschland hat den höchsten Wert seit April erreicht. Innerhalb eines Tages meldeten die Gesundheitsämter 2.507 neue Fälle, wie das Robert Koch-Institut in Berlin bekanntgab. Das sind 354 mehr als am Vortag. Wie das Institut außerdem mitteilte, starben neun weitere Menschen an oder mit dem Virus. Der Höhepunkt bei den täglich gemeldeten Neuinfektionen hatte Ende März/Anfang April bei mehr als 6.000 gelegen.

+++ In Frankreich bleibt die Zahl der täglich registrierten Corona-Neuinfektionen auf hohem Niveau. Binnen 24 Stunden meldeten die Gesundheitsbehörden fast 15.800 neue Fälle - 300 weniger als am Vortag. Frankreich ist nach absoluten Zahlen eines der am stärksten von der Pandemie betroffenen Länder Europas.

Menschen warten vor einem Corona-Testzentrum in Neuilly-sur-Seine. (dpa/Thomas Padilla)Frankreich verzeichnet seit Tagen eine hohe Zahl an Neuinfektionen (dpa/Thomas Padilla)

+++ In Belgien sind mehrere Wissenschaftler aus Protest gegen das Handeln der Politik in der Corona-Krise in einen sogenannten Schweigestreik getreten. Wie der Sender VRT meldet, wollen mehrere prominente Virologen an diesem Wochenende keine Interviews geben. Sie beklagen, dass sich Politiker zu oft hinter den Wissenschaftlern versteckten und sich weigerten, selbst Interviews zu Pandemie-Fragen zu geben.

+++ Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat vor einem massiven weiteren Anstieg der Todeszahlen durch das Corona-Virus gewarnt. Zwei Millionen Todesopfer seien nicht ausgeschlossen, erklärte der Nothilfekoordinator der WHO, Ryan, in Genf. Seine Organisation rechnet damit, dass in der kommenden Woche die Zahl von einer Million gemeldeter Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19 erreicht wird.

Freitag, 25. September

+++ Die Bundesregierung hat ganz Tschechien, Luxemburg und das österreichische Bundesland Tirol wegen rasant steigender Infektionszahlen zu Corona-Risikogebieten erklärt. Die Risikoliste des Robert Koch-Instituts wurde am Freitag entsprechend aktualisiert.

+++ Die Zahl der Neuinfektionen in Frankreich bleibt hoch. Binnen 24 Stunden gab es 15.797 neue Fälle nach einem Rekordhoch am Donnerstag mit 16.096 Neuinfektionen. Die Gesamtzahl klettert auf rund 513.000 und überspringt damit erstmals die Marke von einer halben Million. Die Zahl der Todesopfer erhöhte sich um 150 auf 31.561.

+++ In den USA ist die Schwelle von sieben Millionen nachgewiesenen Infektionen mit dem Coronavirus überschritten worden. Das hat die Zählung der Johns Hopkins Universität ergeben. Die USA sind damit weiterhin das Land mit den meisten nachgewiesenen Infektionen weltweit vor Indien und Brasilien. Den Zahlen zufolge sind in den Vereinigten Staaten bisher mehr als 200.000 Infizierte an oder mit dem Virus gestorben. In den USA leben rund 330 Millionen Menschen.

+++ Dänemark hat einen neuen Höchststand bei den Corona-Neuinfektionen erreicht und weitet seine gegen die Virusausbreitung ergriffenen Beschränkungen aus. Die landesweit ergriffenen Maßnahmen werden nun um zwei Wochen bis zum 18. Oktober verlängert.

+++ Angesichts der stark zunehmenden Infektionen sind die Schutzmaßnahmen in den Niederlanden ausgeweitet worden. Sie gelten nun in 14 von insgesamt 25 sogenannten Sicherheitsregionen - acht mehr als bisher. Dazu gehörten bereits große Städte wie Amsterdam und Rotterdam. Nun gelten die Vorschriften unter anderem auch in den Regionen Groningen sowie in Gelderland-Zuid und Brabant-Noord. In allen betroffenen Regionen müssen Gaststätten spätestens um 01.00 Uhr schließen, Zusammenkünfte von mehr als 50 Menschen sind verboten.

+++ In einer freikirchlichen Christengemeinde in Westertimke bei Bremen gibt es einen größeren Corona-Ausbruch. Bisher wurden in der Gemeinde und ihrem Umfeld nach Angaben des Landkreises Rotenburg 26 Infektionen registriert. Der Ausbruch wird mit einem Gottesdienst, in dem gesungen wurde, in Verbindung gebracht. Bis auf weiteres seien der Gemeinde alle Zusammenkünfte untersagt. Von dem Ausbruch sind nach Angaben des Landkreises auch drei Kindergärten und vier Schulen betroffen. Behauptungen, die Gemeinde habe kein Hygienekonzept gehabt und wolle nicht mit dem Gesundheitsamt zusammenarbeiten, wies der stellvertretende Vorsitzende der Gemeinde, Gaydacz, als Verleumdung zurück.

+++ Nach dem Corona-Ausbruch in einem fleischverarbeitenden Betrieb in Emsdetten mit 26 Infizierten hat ein Massentest begonnen. Teams des Kreises Steinfurt wollen bei allen rund 300 Mitarbeitern Abstriche nehmen, außerdem bei rund 200 Kontaktpersonen vorwiegend aus dem häuslichen Umfeld der Beschäftigten. Der Fleischbetrieb geht bislang davon aus, dass die Infektionen im Betrieb auf zwei Familienfeiern zurückgehen.

+++ Der Bund fördert einen neuen Corona-Schnelltest, bei dem ein Ergebnis bereits nach weniger als 40 Minuten vorliegen soll. Forschungsministerin Karliczek sagte in Berlin, der von der Firma Bosch entwickelte Schnelltest sei besonders geeignet für den dezentralen Einsatz etwa in mobilen Testzentren an Autobahn-Raststätten oder in Flughäfen. Patienten sollen direkt vor Ort ein zuverlässiges Ergebnis erhalten, ein Transport zu Speziallabors ist nicht erforderlich. Nach Angaben von Bosch ist der Test ab sofort europaweit verfügbar.

+++ Wegen der steigenden Corona-Infektionszahlen hat Finnland Einreisebeschränkungen für deutsche Urlauber verhängt. Ab Montag seien "nicht notwendige, touristische Reisen" nach Finnland nicht mehr gestattet, teilte das Auswärtige Amt in Berlin mit. Deutsche Staatsbürger, die dennoch nach Finnland einreisen dürfen, müssen sich ab Montag in eine 14-tägige Quarantäne begeben. Die Quarantäne-Dauer kann durch einen negativen Corona-Test verkürzt werden.

+++ Mehrere europäische Länder melden neue Höchststände, was die Zahl der täglich registrierten Corona-Neuinfektionen angeht. Polen registrierte binnen 24 Stunden so viele Ansteckungen wie noch nie seit Beginn der Pandemie - nämlich 1.587 (bei 38 Millionen Einwohnern). In den Niederlanden waren es 2.777 (bei gut 17 Millionen Einwohnern). In der Slowakei mit ihren knapp 5,5 Millionen Einwohnern waren es 419. Das entsprach dem dritten Rekordtagesanstieg in Folge. Tschechien (10,7 Millionen Einwohner) meldete 2.913 Neuinfektionen und damit den zweithöchsten Tagesanstieg bisher. In Frankreich (rund 67 Millionen Einwohner) wurden binnen 24 Stunden knapp 16.100 Menschen positiv auf das Coronavirus getestet.

Coronavirus: Wie ist die Lage in den europäischen Urlaubsländern?

+++ In der französischen Hafenstadt Marseille demonstrieren hunderte Menschen gegen die verschärften Corona-AuflagenSie versammelten sich vor dem Handelsgericht, um gegen die erneute Schließung von Restaurants und Bars in der Stadt zu protestieren. Nach dem Willen der Zentralregierung in Paris sollen die Gaststätten ab morgen für zwei Wochen nicht mehr öffnen dürfen.

Menschen demonstrieren in Marseille gegen die Schließung der Bars und Restaurants. (AP/Daniel Cole)In Marseille demonstrieren Menschen gegen die erneute Schließung von Bars und Restaurants. (AP/Daniel Cole)

+++ Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Corona-Virus bleibt in Deutschland über der 2.000er-Marke. Die Gesundheitsämter meldeten dem Robert Koch-Institut binnen 24 Stunden 2.153 neue Fälle. Die Zahl der Menschen, die an oder mit dem Virus starben, stieg um 15 auf 9.443. Damit sind rechnerisch derzeit etwa 22.280 aktive Infektionsfälle bekannt. 

+++ Angesichts gestiegener Infektionszahlen mit dem Coronavirus hat Moskaus Bürgermeister Sobjanin Ausgangsbeschränkungen für ältere Menschen angeordnetAb Montag sollen Einwohner über 65 Jahren daheim bleiben und am besten so selten wie möglich Einkaufen gehen. Spaziergänge bleiben laut Sobjanin jedoch erlaubt.

+++ UNO-Generalsekretär Guterres beklagt Versäumnisse bei der internationalen Zusammenarbeit in der Corona-Krise. Die Pandemie sei ein Test, der im Wesentlichen nicht bestanden worden sei, erklärte Guterres in New York. Das Virus sei mit weltweit mehr als 30 Millionen bestätigten Infektionen und annähernd einer Million Toten außer Kontrolle geraten. Grund dafür sei, dass es weltweit an Vorbereitung, Kooperation, Einigkeit und Solidarität gefehlt habe.

+++ Auf der Grundlage neuer Regeln zur Eindämmung der Corona-Pandemie hat die Stadt Hamm bereits drei private Feiern untersagt. Es handele sich um zwei Junggesellinnenabschiede und eine Verlobungsfeier, sagte Oberbürgermeister Hunsteger-Petermann (CDU) der Deutschen Presse-Agentur. In Hamm hatte es in der vergangenen Woche einen starken Anstieg der Neuinfektionen gegeben. Ursache war eine Großhochzeit und damit verbundene weitere Feste.

+++ In London sollen einem Bericht zufolge Menschen für Impfstoff-Tests absichtlich mit dem Coronavirus infiziert werden. Gesunde, erwachsene Freiwillige sollen dabei im neuen Jahr unter kontrollierten Quarantäne-Bedingungen dem Coronavirus ausgesetzt werden, nachdem sie einige Wochen zuvor einen potenziellen Impfstoff verabreicht bekommen haben, wie die "Financial Times" unter Berufung auf Projektbeteiligte schreibt. "Human Challenge Trials" sind unter Wissenschaftlern umstritten. Einige betonen den großen Nutzen, weil sie schneller zum Ziel führen können. Andere äußern ethische Bedenken und verweisen auf gesundheitliche Risiken.

+++ Rio de Janeiro verschiebt seinen weltberühmten Karneval wegen der Coronavirus-Pandemie für unbestimmte Zeit. Das kündigte die Stadtverwaltung der brasilianischen Metropole an. Die Sambaschulen teilten mit, die anhaltende Ausbreitung des Virus mache es unmöglich, die traditionellen Paraden auf sichere Weise abzuhalten. Beim Karneval von Rio feiern jedes Jahr Millionen von Menschen in den Straßen und an den Stränden. Brasilien ist eines der Länder, die am stärksten von der Pandemie betroffen sind.

Tänzer der Sambaschule Viradouro beim Karneval in Rio de Janeiro in Brasilien (AFP/MAURO PIMENTEL)Rio de Janeiro verschiebt seinen weltberühmten Karneval wegen der Coronavirus-Pandemie für unbestimmte Zeit. (AFP/MAURO PIMENTEL)

+++ Frank Ulrich Montgomery, der Vorstandsvorsitzende des Weltärztebundes, hat die Austragung des Supercup-Finales des FC Bayern München gegen den FC Sevilla (2:1 n. V.) im Corona-Risikogebiet Budapest kritisiert. "Der Fußball scheint offenbar Narrenfreiheit zu genießen. Das ist kontraproduktiv und ein falsches Signal", sagte Montgomery der "Passauer Neuen Presse". "Wenn die Bürgerinnen und Bürger nicht mehr ihre Ferien im Ausland verbringen können, aber Bosse und Spieler des FC Bayern in Hochrisikogebiete fliegen, ist das ein verheerendes Zeichen", kritisierte der 68 Jahre alte Montgomery. Die Partie wurde trotz hoher Infektionszahlen im Corona-Risikogebiet Budapest vor Publikum ausgetragen. Nach Angaben der UEFA wurden 15.500 Karten verkauft.

+++ Angesichts wieder zunehmender Reisewarnungen in der Corona-Krise sieht die deutsche Tourismusbranche ihr Überleben in Gefahr und äußert Kritik an der Bundesregierung. "Die Situation in der Reisewirtschaft ist existenzbedrohend", sagte der Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV), Fiebig, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Die Umsätze lägen derzeit lediglich bei einem Viertel der Vorjahreserlöse. Eine Besserung sei nicht in Sicht. "Knapp 70 Prozent der von uns jüngst befragten Reisebüros sehen sich massiv in ihrer Existenz bedroht, bei den Reiseveranstaltern sind es mehr als die Hälfte", führte Fiebig aus. Er sprach angesichts der vermehrten Ausweisung von Risikogebieten von teilweise absurden Vorgaben. "In Spanien beispielsweise gibt es zahlreiche Inseln wie Lanzarote, Formentera und Menorca, auf denen es keinen einzigen Corona-Hotspot gibt, trotzdem werden sie als Risikogebiet geführt", erläuterte der Verbandspräsident. "Finca-Urlaub ist in keiner Weise gefährlicher als eine S-Bahn-Fahrt in Berlin", betonte er. 

+++ Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Schweitzer, hat angesichts steigender Infektionszahlen davor gewarnt, dass weiter Produktions- und Geschäftsausfälle Unternehmen in ihrer Existenz gefährden und die Politik zu "Beschränkungen mit Augenmaß" aufgerufen. "Steigende Infektionszahlen machen natürlich auch den Unternehmen Sorge", sagte Schweitzer der "Rheinischen Post". Viele Betriebe stünden schon jetzt mit dem Rücken zur Wand, denn die Pandemie und ihre wirtschaftlichen Folgen hätten seit März tiefe Spuren in den Bilanzen hinterlassen. 

+++ China hat empört auf die Kritik von US-Präsident Donald Trump an seinem Vorgehen in der Corona-Krise reagiert. "Ich muss sagen: Genug ist genug!" sagte Botschafter Zhang Jun in einer Sitzung des UNO-Sicherheitsrats. Er verwies darauf, dass die USA die höchsten Coronavirus-Infektionszahlen und -Todesopfer der Welt verzeichnen. "Wenn jemand zur Rechenschaft gezogen werden sollte, sollten dies einige US-Politiker selbst sein", sagte Zhang. Trump hatte China am Dienstag in seiner UNO-Debattenrede erneut vorgeworfen, "die Welt infiziert" zu haben.

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