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Newsblog zum Coronavirus+++ Die Entwicklungen vom 16. und 17. November +++

Eine Radfahrerin fährt mit Mund-Nasen-Bedeckung durch Amsterdam  (imago-images / Hans Lucas)
Eine Radfahrerin fährt mit Mund-Nasen-Bedeckung durch Amsterdam (imago-images / Hans Lucas)

In den Niederlanden werden die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie vorsichtig wieder gelockert. Die Türkei dagegen verschärft die Maßnahmen - Schulen bleiben dort bis Ende des Jahres geschlossen. In der spanischen Hauptstadt-Region um Madrid sollen alle 6,6 Millionen Einwohner bis Weihnachten auf das Corona-Virus getestet werden. Weitere Entwicklungen im Newsblog.

Die aktuellen Entwicklungen finden Sie hier in unserem Newsblog.

Dienstag, 17. November

+++ In den Niederlanden werden die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie vorsichtig wieder gelockert. Von Donnerstag an dürfen Theater, Museen, Kinos und Bibliotheken wieder öffnen. Dies teilte Ministerpräsident Rutte am Abend in Den Haag mit. Kneipen, Cafés und Restaurants bleiben jedoch geschlossen. Künftig darf man wieder drei Gäste zu Hause empfangen. Die Niederlande hatten Mitte Oktober einen Teil-Lockdown verhängt und die Auflagen vor zwei Wochen noch einmal verschärft. Am Dienstag wurden 4.320 neue Corona-Infektionen binnen 24 Stunden gemeldet. Es war der vierte Tag in Folge mit sinkenden Infektionszahlen.

+++ Frankreich hat die Schwelle von zwei Millionen registrierten Infektionen überschritten. Wie der Chef der Gesundheitsbehörden, Salomon, mitteilte, stieg die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19 in den vergangenen 24 Stunden um 437 auf 46.273.

+++ Pfizer hat nach eigenen Angaben genug Daten aus seiner Impfstoff-Studie, um sie für die vorgeschriebene Sicherheitsprüfung einzureichen. Dabei gehe es um die Ergebnisse von zwei Monaten von etwa der Hälfte der rund 44.000 Teilnehmer, sagt Konzernchef Bourla auf einer Konferenz der "New York Times". Pfizer entwickelt den Impfstoff zusammen mit dem deutschen Unternehmen BioNTech.

+++ In den USA ist die Zahl der registrierten Infektionen laut den Seuchenschutzzentren CDC auf mehr als elf Millionen gestiegen. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit Corona liegt demnach inzwischen bei mehr als 246.000.

+++ In der spanischen Hauptstadt-Region um Madrid sollen alle 6,6 Millionen Einwohner bis Weihnachten auf das Corona-Virus getestet werden. Die konservative Regionalpräsidentin Isabel Díaz Ayuso stellte außerdem bei der EU-Kommission den Antrag, dass im gesamten Gebiet der Europäischen Union Antigen-Tests in Apotheken zugelassen werden. Die spanische Zentralregierung weigert sich, dafür grünes Licht zu geben. Die Region Madrid und die Zentralregierung liegen wegen der Pandemie seit Monaten im Streit. 

+++ In Großbritannien könnten von Dezember an könnten laut einem Bericht teilweise wieder Zuschauer in Fußballstadien zugelassen werden. Premier Johnson nannte die Fanrückkehr in Gesprächen mit Parlamentariern laut dem Sender BBC "eine persönliche Priorität". Auch der britische Minister für Medien, Kultur und Sport, Dowden, berichtete auf Twitter von "konstruktiven Gesprächen" mit Fußball-Vertretern, in denen es unter anderem um die Rückkehr der Fans gegangen sei. Wegen der Corona-Pandemie werden Fußballspiele in England seit März ohne Zuschauer ausgetragen.

+++ In der Türkei werden die Schutzmaßnahmen gegen das Virus verschärft. Präsident Erdogan gab nach einer Kabinettssitzung bekannt, dass die Schulen bis Ende des Jahres geschlossen bleiben, Gaststätten dürfen nur noch ausliefern und Sportveranstaltungen finden ohne Zuschauer statt. An Wochenenden soll es einen Teil-Lockdown geben.

Zwei Männer mit weißer Schutzkleidung und langen Wasserschläuchen gehen durch eine nasse Gasse mit geschlossenen Läden in Istanbul. Sie folgen einem großen weißen Fahrzeug. (Marion Sendker, ARD Istanbul)Die Istanbuler Stadtverwaltung schickt Desinfektionstrupps durch die Gassen. Sie sollen dem Virus zu Leibe rücken. (Marion Sendker, ARD Istanbul)

+++ Der US-Biotechkonzern Moderna hat einen Liefervertrag mit der britischen Regierung über seinen Corona-Impfstoff vereinbart. Der Impfstoff könnte bereits ab März im Vereinigten Königreich zur Verfügung stehen, teilte das Unternehmen mit. Zum Liefervolumen wurden keine Angaben gemacht. Moderna hatte am Montag eine erste Zwischenanalyse seiner zulassungsrelevanten Studie veröffentlicht, wonach der Impfstoff einen Schutz von 94,5 Prozent vor Covid-19 zeigte.

+++ Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Meidinger, plädiert wegen der schulischen Einschränkungen durch die Corona-Krise für die Möglichkeit eines Zusatzjahres. Dieses würde für viele Eltern und Schüler den "enormen Druck aus der jetzigen Situation herausnehmen" und auch das Problem des Notendrucks entschärfen, zitiert das Nachrichtenportal watson Meidinger. Es zeichne sich bereits ab, "dass auch dieses Schuljahr kein normales Schuljahr werden wird" und es nicht gelingen werde, die Lehrpläne zu erfüllen. Die Lücken des letzten Schuljahres würden somit noch größer werden.

+++ In den ersten sechs Monaten dieses Jahres sind rund zehn Prozent der Sterbefälle in Schweden auf Covid-19 zurückzuführen gewesen. Damit war die durch das Corona-Virus ausgelöste Krankheit die dritthäufigste Todesursache, heißt es in einer Mitteilung der Obersten Sozialbehörde des Landes.

+++ Das Tübinger Biotechunternehmen CureVac will mit Partnern ein europäisches Netzwerk zur Beschleunigung der Produktion seines potenziellen Corona-Impfstoffs aufbauen. Ziel sei es, die bestehenden Produktionskapazitäten auf bis zu 300 Millionen Dosen im Jahr 2021 und bis zu 600 Millionen Dosen im Jahr 2022 zu erhöhen, teilte das Unternehmen mit.

+++ Der britische Premierminister Johnson ist seinem Sprecher zufolge negativ auf das Coronavirus getestet worden. Er werde aber vorerst weiter in Selbstisolation bleiben. "Er hat gestern einen Test gemacht, und dieser Test war negativ, aber er wird sich in Übereinstimmung mit den Quarantäne-Regeln weiterhin selbst isolieren", sagt der Sprecher. Johnson hatte sich am Wochenende in Selbst-Isolation begeben nach einem Kontakt mit einer Person, die positiv getestet wurde. Er hatte sich vor einigen Monaten wegen einer Corona-Erkrankung in eine Klinik begeben müssen.

Positive Corona Test Tubes Positive corona test tubes. 3d illustration.  (www.imago-images.de)Positive Corona Test Tubes Positive corona test tubes. 3d illustration. (www.imago-images.de)

+++ Der Anteil der Coronatests mit positivem Ergebnis ist auf den höchsten Stand seit Beginn der Pandemie gestiegen. In der Woche vom 9. bis 15. November fielen rund 9,2 Prozent positiv aus, wie der Verband Akkreditierte Labore in der Medizin mitteilte. Anfang Oktober lag die so genannte Positivrate bei 2,5 Prozent. Die Zahl der gemeldeten Tests ging in der vergangenen Woche etwas zurück, auf eine Million 260-tausend. In den beiden Kalenderwochen zuvor waren es jeweils rund eine Million 440-tausend Tests gewesen, was eine Auslastung der Labore bedeutete.

Mehr aktuelle Zahlen rund um die Verbreitung des Coronavirus in Deutschland finden Sie hier

+++ Der Verzicht von Bund und Ländern auf weitere konkrete Beschlüsse zur Eindämmung der Corona-Pandemie löst ein geteiltes Echo aus. Während Kanzlerin Merkel gerne weitere Einschränkungen eingeführt hätte, kritisierten Ministerpräsidentinnen den Vorstoß des Bundes. Der SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach rechnet in der kommenden Woche mit einer Verschärfung der Corona-Auflagen. Der SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach warnte im Deutschlandfunk, man drohe in der Pandemie einen Vorsprung zu verlieren. Der SPD-Politiker warb erneut für eine Aufteilung der Klassen, eine Maskenpflicht für Schülerinnen und Schüler sowie mehr Online-Unterricht. Mit Blick auf das Lüften von Klassenräumen meinte Lauterbach, man könne auch Luftfilteranlagen einsetzen. Dies sei eine Frage des politischen Willens.

+++ Die Kultusministerkonferenz hat die Entscheidung, in der Coronapandemie am Präsenzunterricht zunächst festzuhalten, begrüßt. Das Hygienekonzept für Schulen werde ständig den Gegebenheiten angepasst, erklärte ein Sprecher nach einer Schaltkonferenz der Bildungsminister. Aufgrund der steigenden Zahl der Infektionen sei bereits eine Maskenpflicht für alle Schülerinnen und Schüler ab Klasse 5 eingeführt worden. Auch der Deutsche Landkreistag unterstützt den Beschluss von Bund und Ländern, Schulen soweit es geht, offenzuhalten

Schülerinnen und Schüler einer sechsten Klasse der Max-Planck-Schule Kiel warten in ihrem Klassenzimmer auf den Unterrichtsbeginn nach den Herbstferien und tragen dabei einen Mund-Nasen-Schutz. (picture alliance / Gregor Fischer / dpa)Ist Unterricht mit Maske die Lösung oder muss der Präsenzunterricht aufgegeben werden? (picture alliance / Gregor Fischer / dpa)

+++ Mobile Luftreiniger können in der Corona-Pandemie regelmäßiges Lüften und grundlegende Hygienemaßnahmen an Schulen nicht ersetzen. Zu dieser Einschätzung kommt die Innenraumlufthyiene-Kommission des Umweltbundesamtes. Die Geräte wältzten lediglich die Raumluft um, sorgten aber nicht für die notwendige Luftzufuhr von außen. Laut der Kommission könnten die Luftreiniger aber eine sinnvolle Ergänzung für Klassenzimmer sein, in denen Fenster nicht ausreichend geöffnet werden können. 

Wie steht es an sich um die Infektiosität von Kindern? Diese Frage spielt eine große Rolle bei der Entscheidung darüber, ob Schulen weiter komplett geöffnet bleiben sollen. Wissenschaftlich ist sie aber noch nicht abschließend gelöst. Eine Übersicht über die wichtigsten Studien zu dem Thema. 

+++ Eine für morgen geplante Kundgebung von Gegnern der Corona-Maßnahmen vor dem Berliner Reichstagsgebäude ist abgesagt worden. Wie ein Polizeisprecher der Deutschen Presse-Agentur sagte, ist zu den Gründen für die Absage bislang nichts bekannt. Organisator sei das impfkritische "Netzwerk Impfentscheid Deutschland" gewesen. Andere Demonstrationen von Corona-Gegner finden statt.

+++ Morgen wollen Bundestag und Bundesrat Änderungen am Infektionsschutzgesetz beschließen. Dabei geht es unter anderem um Abstandsgebote, Kontaktbeschränkungen und die Maskenpflicht. Im Vorfeld erhielten zahlreiche Abgeordnete eine Flut von Spam-E-Mails, die sich gegen die Corona-Politik richten. CSU-Landesgruppenchef Dobrindt sagte in Berlin, allein an sein Büro seien bis zum Vormittag etwa 37.000 solcher Mails geschickt worden. Die überwiegende Mehrzahl weise gleichlautende Textstellen auf.

+++ Die Zahl der täglichen Neuinfektionen mit dem Coronavirus ist im von der islamistischen Hamas beherrschten Gazastreifen auf einen Rekordwert geklettert. Innerhalb eines Tages wurden 486 Fälle gemeldet, wie das dortige Gesundheitsministerium mitteilte. Das sind so viele Fälle an einem Tag wie nie zuvor - der bisherige Höchstwert lag bei 453. Jeder fünfte Test fiel positiv aus. Die Pandemie verlief im Gazastreifen zunächst glimpflich. In den vergangenen Wochen stieg aber die Zahl der Fälle. Auf Grund der beengten Lebensverhältnisse, schlechter medizinischer Versorgung und mangelhaften hygienischen Bedingungen gilt die Ausbreitung des Coronavirus dort als Schreckensszenario. Im Gazastreifen leben zwei Millionen Menschen.

+++ Die Bundesländer sollen Vorschläge erarbeiten, wie die Schulen in Deutschland trotz der Corona-Lage geöffnet bleiben können. "Sowohl das Robert-Koch-Institut als auch unsere nationale Wissenschaftsakademie die Leopoldina haben Vorschläge gemacht, wie man den Schulunterricht sicher gestalten kann", sagt Kanzleramtsminister Helge Braun im ZDF-Morgenmagazin. "Die hätten wir gerne gestern schon beschlossen". Fakt sei, bei den 14- bis 24-Jährigen gebe es die höchsten Inzidenzen, betonte der CDU-Politiker.

+++ Mecklenburg-Vorpommern dringt auf einen Gesamtplan im Kampf gegen das Coronavirus. Man könne nicht im Wochenrhythmus die Schrauben anziehen, sagte Ministerpräsidentin Schwesig im ZDF. Die Menschen wollten auch wissen, was mit Weihnachten sei.

Bisher gibt es wenige bestätigte Fälle, in denen sich Menschen zwei Mal mit dem Coronavirus infizieren. Der Musiker Markus Wallrafen ist so einer. Er berichtet im Dlf über seine Infektionen. Die erste asymptomatisch nach einem Aufenthalt in Südtirol, die zweite mit Symptomen, aber leichtem Verlauf.

+++ Das RKI meldet am 14.419 Neuinfektionen mit dem Coronavirus. Im Vergleich zu Vorwoche ist die Zahl leicht gesunken: Vergangenen Dienstag wurden rund 900 Fälle mehr gemeldet. Seit Beginn der Pandemie sind bundesweit 12.814 Personen im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben.

+++ In Österreich ist ein umfangreicher Lockdown in Kraft getreten. Seit Mitternacht gelten starke Einschränkungen des öffentlichen Lebens, darunter Ausgangsbeschränkungen. Die Menschen dürfen ihre Wohnungen nur zum Einkaufen, zum Arbeiten, für Arztbesuche oder für kurze Spaziergänge verlassen. Zudem sind nahezu alle Geschäfte in Österreich geschlossen.

+++ In Indien sind die Infektionszahlen mit dem Coronavirus auf den niedrigsten Stand seit Mitte Juli gefallen. Am Dienstag wurden 29.163 neue Fälle gemeldet. Indien ist mit 8,8 Millionen Infektionen das Land mit den zweitmeisten Fällen weltweit - nach den USA.

Montag, 16. November

+++ Die Weltgesundheitsorganisation hat sich erfreut über die hohe Wirksamkeit eines weiteren Impstoffkandidaten gegen das Corona-Virus geäußert. WHO-Chef Tedros sagte in Genf, er bleibe vorsichtig optimistisch, dass in den kommenden Monaten Impfstoffe auf den Markt kämen.

+++ Israels Corona-Kabinett hat weitere Lockerungen auf den Weg gebracht. Wie das Büro von Ministerpräsident Netanjahu mitteilte, dürfen fünfte und sechste Klassen am Dienstag nächster Woche in ihre Klassenräume zurückkehren. Eine Woche später sollen die elften und zwölften Klassen folgen. Dies gilt allerdings nur für Gegenden mit niedrigen Infektionszahlen - also für Orte, in denen die Corona-Ampel auf Grün oder Gelb steht. Dort dürfen auch Einkaufszentren unter Auflagen wieder öffnen. Israel hat es geschafft, die Zahl der Neuinfektionen durch einen zweiten, strikten Lockdown von mehr als 9.000 am Tag auf mehrere hundert zu senken.

+++ Niedersachsens Ministerpräsident Weil (SPD) steht einem sogenannten Wechselmodell für Schulen, bei dem Klassen geteilt werden, skeptisch gegenüber. Solange es zu vertreten sei, "möchten wir verhindern, dass Kinder und Jugendliche die Hälfte der Zeit zu Hause verbringen müssen", sagte Weil. 

+++ Bund und Länder haben über weitere Maßnahmen in der Corona-Pandemie gestritten, am Ende aber keine verbindlichen Beschlüsse getroffen. Bundeskanzlerin Merkel appellierte dennoch mit Nachdruck an alle Bürgerinnen und Bürger, ihre Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren. Bayerns Ministerpräsident Söder zeigte sich wenig optimistisch, dass es bald Lockerungen geben könnte.

Bund und Länder haben zwar keine verbindlichen neuen Corona-Regeln vereinbart. Sie rufen aber dazu auf, Kontakte massiv zu reduzieren. Hier die Empfehlungen und Appelle im Einzelnen.

+++ Das Oberverwaltungsgericht des Saarlandes hat das coronabedingte Betriebsverbot für Kosmetikstudios und Massagepraxen aufgehoben. Die Schließung stelle eine sachlich nicht gerechtfertigte Ungleichbehandlung gegenüber anderen körpernahen Dienstleistern dar, entschied das Gericht in Saarlouis.

+++ Das Robert Koch-Institut will herausfinden, wie viele Menschen in Deutschland schon Antikörper gegen das neue Corona-Virus im Blut haben. Dazu gibt es eine Studie in Berlin-Mitte. Der Stadtteil gilt momentan als Corona-Hotspot. Drei Wochen lang sollen insgesamt bis zu 2.000 Menschen untersucht werden. Sie werden zufällig ausgewählt, die Teilnahme ist aber freiwillig.

+++ Die AfD darf wie geplant heute Abend in Halle mit 300 Personen gegen die staatlichen Corona-Auflagen demonstrieren. Das Verwaltungsgericht gab einem Eilantrag der Partei gegen die Teilnehmerbeschränkungen statt.

+++ Das bislang für seine moderaten Corona-Beschränkungen bekannte Schweden beschränkt die Teilnehmerzahl für Versammlungen deutlich. Statt bisher 50 bis 300 Menschen je nach Anlass dürften vom 24. November an höchstens noch acht Menschen zusammenkommen, sagte Regierungschef Löfven in Stockholm. Dies sei zur Eindämmung der Pandemie notwendig.

+++ Bundeskanzlerin Merkel berät seit Stunden mit den Ministerpräsidentinnen und -präsidenten der Länder über die Coronakrise. Die Bundesregierung hatte einen ganzen Katalog von neuen Beschränkungen vorgelegt, um die hohe Zahl an Neuinfektionen zu begrenzen. Nun liegt unserem Hauptstadtstudio auch die Reaktion der Bundesländer vor - und sie haben die Vorlage des Bundes drastisch zusammengestrichen. Viele Vorschläge werden nur noch als Appell formuliert. Nicht mehr enthalten ist etwa der Vorstoß, dass man sich bei jedem Erkältungssymptom, insbesondere bei Husten und Schnupfen, unmittelbar bis zum Abklingen der Symptome für fünf bis sieben Tage zuhause in Quarantäne begeben solle.

+++ In den weltweiten Bemühungen um einen Corona-Impfstoff hat ein weiteres Forschungsprojekt einen Erfolg gemeldet. Der Corona-Impfstoff des US-Biotechkonzerns Moderna zeigte laut einer heute vorgestellten Zwischenanalyse eine Wirksamkeit von 94,5 Prozent beim Schutz vor Covid-19. Das Serum war in der Phase-III-Studie insgesamt 30.000 Probanden verabreicht worden. 95 von ihnen erkrankten, wobei auf die geimpften Personen fünf Fälle entfielen und auf die nicht geimpften 90 Fälle.

Der renommierte US-Immunologe und Corona-Experte Fauci reagierte positiv: "Das sind offensichtlich sehr aufregende Ergebnisse", sagte er nach Angaben des TV-Senders CNN. "Besser wird es nicht - 94,5 Prozent sind wirklich hervorragend."

Eine Krankenschwester bereitet eine Spritze mit dem Corona-Impfstoff-Kandidaten von Moderna vor. (dpa / AP Photo / Hans Pennink)Der Impfstoff von Moderna wurde an 30.000 Probanden getestet. (dpa / AP Photo / Hans Pennink)

Moderna will in den kommenden Wochen die Zulassung des Wirkstoffs in den USA beantragen. Dies ist auch in anderen Ländern geplant. Die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA startete ein Verfahren, das eine rasche Zulassung zum Ziel hat. Die EU-Kommission verhandelt mit dem US-Unternehmen über die Lieferung von bis zu 160 Millionen Impfdosen. Vor einer Woche hatten das Mainzer Unternehmen Biontech und der Pharmakonzern Pfizer für ihren Impfstoff-Kandidaten ähnliche Zwischenergebnisse vorgelegt.

Weiterführende Lektüre: Covid-19| So weit ist die Forschung an Impfstoffen gegen das CoronavirusSo weit ist die Forschung an Impfstoffen gegen das Coronavirus

+++ In den USA hat die Zahl der positiven Corona-Tests die Schwelle von elf Millionen überschritten. In weniger als einer Woche kamen eine Million neue Fälle hinzu, wie die Johns-Hopkins-Universität in Baltimore mitteilte. Seit Beginn der Pandemie wurden in den USA zudem mehr als 246.100 Todesfälle in Zusammenhang mit Covid-19 registriert.

Ein Mann macht einen Coronatest durch ein Autofenster. (Imago)Ein Coronatest in den USA (Imago)

Seit Anfang November hat sich der Anstieg der Infektionszahlen massiv beschleunigt. Zuletzt wurden jeden Tag mehr als 100.000 neue Ansteckungen registriert. Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, haben zuletzt mehrere Städte und Bundesstaaten ihre Maßnahmen verschärft. In New York gilt seit Freitag eine Sperrstunde für Bars und Restaurants. In der drittgrößten Stadt Chicago sollen die Menschen das Haus nur noch in Ausnahmefällen verlassen.

Der designierte Präsident Biden hat den Kampf gegen die Pandemie zu seiner dringlichsten Aufgabe erklärt. Mehr zur Lage nach der US-Wahl in unserem Newsblog.

+++ Die Bundesregierung plant laut einer Beschlussvorlage, die auch dem Deutschlandfunk vorliegt, die Kontaktbeschränkungen wegen der anhaltend hohen Zahl an Corona-Neuinfektionen weiter zu verschärfen. Kanzlerin Merkel berät heute in einer Videokonferenz darüber mit den Ministerpräsidentinnen und -präsidenten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Mund-Nase-Maske am 2.11.2020 in der Bundespressekonferenz (dpa/Kay Nietfeld)Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Mund-Nase-Maske am 2.11.2020 in der Bundespressekonferenz (dpa/Kay Nietfeld)

Demnach soll der Aufenthalt in der Öffentlichkeit nur mit Angehörigen des eigenen Hausstandes und maximal zwei Personen eines weiteren gestattet sein. Derzeit sind maximal zehn Personen aus zwei Hausständen erlaubt. Mehr zu den geplanten Schritten lesen sie in unserer ausführlichen Meldung.

+++ Keine schärferen Schritte sollen nach einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur zunächst für die Schulen beschlossen werden. Die ursprüngliche Beschlussvorlage sei geändert worden, meldet die Agentur. Demnach sollten die Länder bis zur kommenden Woche einen Vorschlag vorlegen, wie das Ansteckungsrisiko im Schulbereich reduziert werden könne.

In der vorangegangenen Fassung war unter anderem eine generelle Maskenpflicht an Schulen vorgesehen. Weiter hieß es in der Vorlage, Schulen müssten die Gruppengrößen in Klassenräumen gegenüber dem Regelbetrieb halbieren. Ausnahmslos dürfe es nur noch feste Gruppen von Schülern geben.

+++ Der Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Bartsch, fordert eine genaue Strategie zur Bekämpfung der Corona-Pandemie. Bartsch sagte im Deutschlandfunk, es müsse mittel- und langfristig klar festgelegt werden, was bei welchen Zahlen passiere und wie man wieder öffnen könne. Zudem müsse man dafür werben, dass die Bevölkerung mitziehe. Mit der jetzigen Strategie werde Vertrauen verspielt. Dies sei das Schlechteste, was eine Regierung tun könne.

Dietmar Bartsch, Fraktionsvorsitzender der Partei Die Linke, spricht bei der Generaldebatte im Deutschen Bundestag. (dpa-Bildfunk / Kay Nietfeld )Dietmar Bartsch im Bundestag. (dpa-Bildfunk / Kay Nietfeld )

+++ Die Folgen einer Corona-Infektion machen vielen Patienten auch nach der Entlassung aus dem Krankenhaus noch lange zu schaffen. Das zeigt auch eine Analyse der Versichertendaten der zweitgrößten deutschen privaten Krankenkasse, DKV. Die Behandlungskosten liegen demnach bei Menschen, die nach dem Klinik-Aufenthalt als genesen gelten, im Schnitt um 50 Prozent höher als vor der Erkrankung.

Die DKV hat die Daten mehr als 5.700 Kunden ausgewertet, bei denen bis Anfang November eine Corona-Infektion diagnostiziert wurde. Mehr als jeder zehnte von ihnen musste ins Krankenhaus. Dabei hatten 15 Prozent der stationär behandelten Patienten vorher mindestens zwei Jahre lang keine Rechnungen bei der Krankenkasse eingereicht.

Besonders gefährlich ist Corona den DKV-Daten zufolge für Menschen mit Herzerkrankungen und Bluthochdruck. Bei mehr als zwei Drittel der an Covid-19 Leidenden wurde vor oder während der Behandlung eine der beiden Erkrankungen festgestellt. Auch Personen mit Atemwegserkrankungen seien überproportional häufig vertreten.

+++ Der Mikrobiologe Kekulé hat in der Corona-Krise einen besseren Schutz der Menschen in Alten- und Pflegeheimen gefordert. Kekulé sagte im Deutschlandfunk, es könne nicht sein, dass man dies noch nicht hinbekommen habe. Besucher müssten konsequent mit Schnelltests getestet werden. Beim Personal seien regelmäßige PCR-Tests sinnvoll, weil man hier nichts übersehen dürfe. 

+++ Hamburgs Erster Bürgermeister Tschentscher hat sich für ein zeitweises Verbot großer Demonstrationen in Innenstädten ausgesprochen. Kundgebungen mit Tausenden Teilnehmern auf engen Straßen und Plätzen sollten unter den derzeitigen Pandemiebedingungen nicht genehmigt werden, sagte der SPD-Politiker der "Rheinischen Post".

Polizisten sichern die "Querdenken"-Demonstration unter dem Motto "Kein Lockdown für Bembeltown!" in der Frankfurter Innenstadt.  (dpa / Boris Roessler )Großes Polizeiaufgebot bei Querdenken-Demo in Frankfurt (dpa / Boris Roessler )

Am Wochenende hatten in mehreren Städten insgesamt tausende Menschen gegen die Corona-Maßnahmen protestiert. In Frankfurt am Main setzte die Polizei Wasserwerfer ein – zunächst gegen Gegendemonstranten, dann zur Auflösung einer sogenannten "Querdenker"-Kundgebung mit rund 600 Personen. 

+++ Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut 10.824 neue Corona-Infektionen binnen 24 Stunden gemeldet.

 Der Eingang des Robert Koch-Instituts ist mit seinem Namenslogo durch Bäume hindurch zu sehen.  (www.imago-images.de)Der Eingang des Robert Koch-Instituts (www.imago-images.de)

An Montagen sind die erfassten Fallzahlen meist niedriger, unter anderem, weil am Wochenende weniger getestet wird. Der Wert von heute liegt aber auch niedriger als am vergangenen Montag, als knapp 13.400 neue Fälle registriert wurden. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus stieg den Angaben von heute zufolge um 62 auf insgesamt 12.547.

Der sogenannte Sieben-Tage-R-Wert wird im gestrigen Lagebericht des Robert Koch-Instituts mit 1,03 angegeben. Das heißt, dass 100 Infizierte rechnerisch gut 100 weitere Menschen anstecken. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab.

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