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Newsblog zum Coronavirus+++ Entwicklungen vom 15. bis 16. Oktober +++

Potsdam Landeshauptstadt 13.10.2020 vlnr Landtag Stadtschloss Humboldtstrasse Altes Rathaus Potsdam Museum Forum für Kunst und Geschichte Foto Eberhard Thonfeld / camera4 201013Potsdam *** Potsdam state capital 13 10 2020 vlnr Landtag Stadtschloss Humboldtstrasse Altes Rathaus Potsdam Museum Forum für Kunst und Geschichte Photo Eberhard Thonfeld camera4 201013Potsdam  (www.imago-images.de)
Straßenszene in Potsdam (Symbolbild) (www.imago-images.de)

Das zuständige Oberverwaltungsgericht hat zwei Eilanträgen stattgegeben - das Beherbergungsverbot ist damit in Brandenburg vorläufig gestoppt. In Belgien schließen Bars, Cafés und Restaurants für mehrere Wochen. In Nordrhein-Westfalen kommt in Kommunen mit hohen Corona-Zahlen eine Sperrstunde für die Gastronomie. Weitere Entwicklungen in unserem Newsblog.

Die aktuellen Entwicklungen finden Sie hier in unserem Newsblog.

Freitag, 16. Oktober

+++ Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg setzt in zwei Eilverfahren das Brandenburger Beherbergungsverbot vorläufig außer Vollzug. Die Antragstellerinnen, ein Hotelbetrieb im Landkreis Dahme-Spree und eine Vermieterin von Ferienwohnungen im Landkreis Ostprignitz-Ruppin, hätten unter anderem geltend gemacht, dass die genannte Regelung für sie zu erheblichen Einnahmeverlusten führe und ihre verfassungsrechtlich geschützte Berufsfreiheit verletze, teilt das Gericht mit. 

Das Beherbergungsverbot sei voraussichtlich unverhältnismäßig, begründete das Gericht die Entscheidung. Die zu erwartende Eindämmung des Infektionsgeschehens stehe in keinem angemessenen Verhältnis zu den Einschränkungen, die das Hotel und die Vermieterin hinnehmen müssten. Auch die durch die Verfassung geschützte allgemeine Handlungsfreiheit der Urlauber werde zu stark eingeschränkt.

Der Verwaltungsgerichtshof in Baden-Württemberg gab am Donnerstag einem Eilantrag gegen das Beherbergungsverbot statt, auch das niedersächsische Oberverwaltungsgericht erklärte die Regelung in einem Eilverfahren für rechtswidrig. In Schleswig-Holstein fiel eine Gerichtsentscheiung anders aus. Sachsen und das Saarland strichen die Regel freiwillig. In Bayern gibt es das Beherbergungsverbot von Samstag an nicht mehr. Unsere Zusammenfassung: Übersicht der Beherbergungsverbote in den Bundesländern

+++  In Belgien sollen wegen gestiegener Corona-Infektionszahlen alle Cafés, Restaurants und Gaststätten für vier Wochen schließen. Das berichten mehrere Medien mit Verweis auf ein Krisentreffen von Vertretern der Zentralregierung und der Gemeinschaften und Regionen. Zudem soll es täglich von Mitternacht bis 5.00 Uhr morgens landesweit eine Ausgangssperre geben.

+++ Wenige Stunden vor Beginn einer Ausgangssperre in acht französischen Großstädten hat ein Gericht in Toulouse eine lokale Regelung zur Eindämmung der Corona-Infektionen gekippt. Das Verwaltungsgericht in der südwestfranzösischen Stadt wies laut einem Bericht der Agentur AFP eine Anordnung der Behörden zur Schließung von Bars und zu strikten Auflagen für Restaurants als zu weitgehend zurück.

Das französische Gesundheitsministerium meldete zuletzt mehr als 25.000 Neuinfektionen binnen 24 Stunden. 122 weitere Menschen seien im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben.

+++ Italien meldet erstmals mehr als 10.000 nachgewiesene Neuinfektionen. Binnen 24 Stunden seien 10.010 Fälle registriert worden, teilte das Gesundheitsministerium in Rom mit. 55 weitere Menschen seien in Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben. Seit dem Ausbruch der Epidemie im Februar starben offiziellen Angaben zufolge mehr als 36.000 Menschen in Italien nach einer Infektion mit Sars-CoV-2.

+++ Die Bundesregierung befürchtet einen weiteren starken Anstieg der Zahl der Coronavirus-Infektionen. Deutschland stehe am Beginn einer großen zweiten Welle, und diese müsse man jetzt unterbrechen, sagte Kanzleramtschef Braun den Sendern RTL und n-tv. Die Lage sei deutlich ernster, als während der ersten Corona-Welle im Frühjahr.

+++ In Nordrhein-Westfalen wird in allen Kommunen mit hohen Corona-Zahlen eine Sperrstunde zwischen 23 und 6 Uhr für die Gastronomie eingeführt. Das hat das Landeskabinett in Düsseldorf beschlossen. Die verpflichtende Sperrstunde gilt in Kommunen mit 50 oder mehr Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen.

+++ Ähnlich wie bei der ersten Corona-Welle im Frühjahr haben sich mehrere Bundesländer bereit erklärt, Intensivpatienten aus dem EU-Ausland aufzunehmen. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes gibt es Gespräche zwischen Nordrhein-Westfalen und den Niederlanden sowie zwischen Bayern und Tschechien. Bereits im Frühjahr waren mehr als 230 Intensivpatienten aus Italien, Frankreich und den Niederlanden zur Behandlung in deutsche Kliniken eingeliefert worden.

+++ Die Europäische Union hat ihren für November geplanten Gipfel in Berlin zur China-Politik abgesagt. "Im Sinne der Kontakte ist das glaube ich eine notwendige Botschaft", sagte Bundeskanzlerin Merkel in Brüssel. 

+++ Bundesgesundheitsminister Spahn bedauert, dass das Berliner Verwaltungsgericht die Sperrstunde in der Hauptstadt gekippt hat. Der CDU-Politiker betonte, es sei "ohne Zweifel so", dass gerade in Großstädten Situationen in den späten Abendstunden, "gerade mit Alkohol", ein "Treiber des aktuellen Infektionsgeschehens" seien. Er finde den Gedanken hinter der Sperrstunde einen richtigen.

+++ Bundesfamilienministerin Giffey hat sich mit Blick auf die aktuelle Corona-Lage gegen flächendeckende Kita-Schließungen ausgesprochen. "Kitas selbst sind keine Infektionsherde und Kinder sind nicht die Infektionstreiber", sagte sie in Berlin. Giffey bezog sich auf Erkenntnisse der laufenden "Corona-Kita-Studie" des Robert Koch-Instituts und des Deutschen Jugendinstituts. 

+++ Auch Hessen plant die Abschaffung des Beherbergungsverbots. Die Staatskanzlei in Wiesbaden kündigte an, das Thema stehe auf der Tagesordnung für eine Sitzung des Corona-Kabinetts am kommenden Montag.

+++ Auch Bonn gilt nun als Risikogebiet. Wie eine Sprecherin der Stadt am Mittag mitteilte, wurde der Wert von 50 gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner überschritten.  

+++ Die Staats- und Regierungschefs der 27 EU-Länder verabreden wöchentliche Videokonferenzen zur Pandemie. Der irische Ministerpräsident Martin sagte, dabei solle um die besten Ansätze im Umgang mit der 2. Welle gehen. Die finnische Ministerpräsidentin Marin verließ am Vormittag den EU-Gipfel und begab sich vorsichtshalber in Quarantäne. Hintergrund ist ein positiver Test in ihrem Umfeld.

+++ In Baden-Württemberg wird die Maskenpflicht an weiterführenden Schulen ab kommender Woche auch auf den Unterricht ausgeweitet. Das teilte das Kultusministerium in Stuttgart mit.

+++ Das Berliner Verwaltungsgericht hat die wegen der Corona-Pandemie vom Senat beschlossene Sperrstunde in der Hauptstadt gekippt. Das sagte ein Gerichtssprecher der Deutschen Presse-Agentur. Mehrere Gastronomen hatten Eilanträge gegen die Verordnung eingereicht. Sie kritisierten die Maßnahme als unverhältnismäßig. 

+++ Das umstrittene Beherbergungsverbot für Reisende aus Corona-Hotspots läuft in Bayern heute aus. Die Staatsregierung verzichte auf eine Verlängerung der Vorschrift, sagte Staatskanzleichef Herrmann der Deutschen Presse-Agentur in München.

+++ Kanzleramtschef Braun hält die Lage für deutlich ernster als im Frühjahr. Er sagte der Sendergruppe rtl/ntv, momentan steige die Zahl der Neuinfektionen eigentlich überall. Einen Lockdown brauche man derzeit nicht. Es sei aber klar, dass die Freizeit im weitesten Sinne der Infektionstreiber sei. Zugleich machte er deutlich, dass kein grund für Hamsterkäufe bestehe. Die Versorgung im Einzelhandel sei gewährleistet.    

+++ Die Zahl der Coronavirus-Neuinfektionen in den USA ist auf den höchsten Stand seit Mitte August gestiegen.  Die Johns Hopkins Universität in Baltimore verzeichnete binnen 24 Stunden rund 63.600 Neuinfektionen. Seit Beginn der Pandemie in den USA haben sich dort mehr als 7,9 Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert, rund 217.700 starben. 

+++ FDP-Generalsekretär Wissing hat zu mehr Eigenverantwortlichkeit im Kampf gegen die Corona-Pandemie aufgerufen. Man müsse die Pandemie bekämpfen, auch indem man an die Menschen appellieren, er im ARD-Morgenmagazin. Das funktioniere auch. "Keiner möchte krank werden, und keiner möchte andere infizieren.". Zugleich warf er der Bundesregierung vor, die Menschen zu verunsichern. So habe Bundeskanzlerin Merkel von "Unheil" gesprochen, was auf Deutschland zu komme. Sie sollte den Bürgern klarmachen, warum sie so etwas sage.

+++ Die Behörden in China führen die Corona-Fälle in Qingdao auf zwei infizierte Werftarbeiter zurück - sowie mangelnde Desinfektion in dem Krankenhaus, in dem die beiden behandelt wurden. In der Hafenstadt wurden zehn Millionen Einwohner auf das Virus getestet. Es waren die ersten Massentests in Festlandchina seit Monaten. 

+++ Bielefeld überschreitet die Corona-Warnstufe von 50 gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern binnen einer Woche knapp. 

+++ Der gesundheitspolitische Sprecher der Linken im Bundestag, Kessler, hat sich gegen Beherbergungsverbote gewandt. Er sagte im Deutschlandfunk, durch derart unsinnige Verbote verliere die Bevölkerung auch das Verständnis für sinnvolle Maßnahmen. 

+++ Die Corona-Infektionszahlen an Schulen halten sich Medienberichten zufolge offenbar in einem beherrschbaren Rahmen. Einer Umfrage des Redaktionsnetzwerks Deutschland unter den Kultusministerien zufolge konnten bis jetzt durchschnittlich 98 Prozent aller Schüler am Präsenzunterricht teilnehmen. Unter den Lehrkräften war das Infektionsgeschehen ähnlich überschaubar.

+++Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut binnen 24 Stunden 7.334 neue Coronavirus-Infektionen gemeldet. Das sind noch einmal rund 700 mehr als tags zuvor. 24 weitere Todesfälle werden mit Covid-19 in Verbindung gebracht. Die Gesamtzahl der Gestorbenen steigt damit auf 9.734. Die jetzigen Werte sind nur bedingt mit denen aus dem Frühjahr vergleichbar, weil mittlerweile wesentlich mehr getestet wird – und damit auch mehr Infektionen entdeckt werden. Bei den intensivmedizinisch behandelten Covid-19-Patienten zeichnet sich ein deutlicher Anstieg ab. Laut RKI-Lagebericht von gestern werden 655 Corona-Infizierte intensivmedizinisch behandelt, 329 davon wurden beatmet.

Die ausführlichen tagesaktuellen Zahlen können Sie hier nachlesen.

+++Das Beherberbungsverbot für Menschen aus Corona-Risikogebieten hat in Schleswig-Holstein Bestand. Das Oberverwaltungsgericht in Schleswig lehnte den Eilantrag einer Familie aus Nordrhein-Westfalen ab, die von heute an Urlaub auf Sylt machen wollte. Zur Begründung hieß es, das Interesse der Bevölkerung am Schutz vor dem Coronavirus sei höher zu bewerten als das Interesse der Familie an einer touristischen Reise. In einigen anderen Bundesländern ist das Beherberbungsverbot dagegen inzwischen aufgehoben worden.

+++ Angesichts steigender Corona-Infektionszahlen in ganz Europa haben die Staats- und Regierungschefs der EU eine intensivere Zusammenarbeit bei der Pandemiebekämpfung vereinbart. In einer Erklärung nach dem Gipfel in Brüssel heißt es, die derzeitige Situation sei beispiellos und gebe Anlass zu ernsthafter Besorgnis.

+++ In Frankreich hat die Zahl der Ansteckungen mit dem Coronavirus einen Höchststand erreicht. Nach offiziellen Angaben wurden binnen eines Tages mehr als 30.600 neue Fälle registriert. 

Donnerstag, 15. Oktober

+++ Nach den Beratungen von Bund und Ländern über einheitliche Corona-Maßnahmen ist das umstrittene Beherbergungsverbot in ersten Bundesländern aufgehoben worden.

+++ Die Bundesregierung hat die ganzen Niederlande, das gesamte französische Grenzgebiet zu Deutschland und erstmals auch Regionen in Italien und Polen mit Wirkung ab dem kommenden Samstag zu Corona-Risikogebieten erklärt. Außerdem werden dann Malta und die Slowakei komplett sowie einzelne Regionen in neun weiteren EU-Ländern auf die Risikoliste gesetzt, wie das Robert Koch-Institut mitteilte.

+++ Der Gründer und Chefredakteur von "netzpolitik.org", Markus Beckedahl, appelliert, die Reichweite von Corona-Kritikern in Sozialen Netzwerken nicht zu überschätzen. Zugleich warnte er davor, die Kanäle der Corono-Kritiker und Verschwörungstheoretiker zu unterschätzen. Mehr zu seinen Einschätzungen erfahren Sie hier

+++ Der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, kann sich eine Abriegelung von Risikogebieten vorstellen, um das aktuelle Corona-Infektionsgeschehen in Deutschland unter Kontrolle zu halten. Er sagte dem Fernsehsender Phoenix, vor neun Monaten habe er eine solche Maßnahme noch für undenkbar gehalten. Inzwischen halte er dies aber für vorstellbar. Angesichts der Debatte um Beherbergungsverbote in einigen Bundesländern verwies Wieler darauf, dass die Mobilität "einer der Treiber dieser Pandemie" sei.

+++ Polen führt erneut massive Einschränkungen des öffentlichen Lebens ein. Mehr als 150 Regionen - darunter Warschau und mehrere andere Großstädte - werden ab Samstag zu sogenannten roten Zonen deklariert. Dort sind Hochzeitsfeiern verboten, Schwimmbäder und Fitnessclubs werden geschlossen. Restaurants dürfen am Abend nur drei Stunden lang Gäste bewirten, nach 21 Uhr können sie Speisen zum Mitnehmen anbieten. Die Schulen gehen wieder zum Fernunterricht über.

+++ EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat den Gipfel der Staats- und Regierungschefs in Brüssel wegen eines Corona-Falls in ihrem Umfeld verlassen müssen. Ihr eigener Test sei negativ ausgefallen, sie werde sich dennoch umgehend in Quarantäne begeben. Bereits vergangene Woche hatte sie sich wegen eines Kontakts zu einem Corona-Infizierten zeitweise in Quarantäne begeben müssen.

+++ Die Zahl der Coronavirus-Neuinfektionen in den USA ist mit fast 60.000 an einem Tag auf den höchsten Stand seit Anfang August gestiegen. Am Mittwoch wurden rund 59.500 Menschen positiv getestet, wie aus Zahlen der Universität Johns Hopkins in Baltimore hervorgeht. Besonders stark war der Anstieg in einigen Bundesstaaten des Mittleren Westens wie North Dakota, South Dakota und Missouri. Die Zahl der Todesfälle blieb relativ stabil bei 985.

+++ Telefonische Krankschreibungen wegen Erkältungsbeschwerden sind ab Montag aufgrund der Corona-Lage wieder bundesweit möglich. Das beschloss der Gemeinsame Bundesausschusses im Gesundheitswesen. Die Regelung solle zunächst bis zum Jahresende gelten. Die entsprechenden Krankschreibungen gibt es jeweils für sieben Tage. Eine einmalige Verlängerung der Krankschreibung könne telefonisch für weitere sieben Kalendertage ausgestellt werden, hieß es in einer Mitteilung.

+++ Nach einem größeren Corona-Ausbruch in einem freikirchlichen Glaubenszentrum in Bad Gandersheim sucht der Landkreis Northeim nach Kontaktpersonen der Infizierten. Aktuell seien in der Einrichtung bei 252 getesteten Personen in 53 Fällen Corona-Erkrankungen nachgewiesen, heißt es. Bei 93 weiteren Tests stehe das Ergebnis noch aus. Das Glaubenszentrum Bad Gandersheim in Niedersachsen umfasst eine freikirchliche konfessionsübergreifende evangelische Bibelschule und ein Konferenzzentrum.

+++ Bundespräsident Steinmeier hat den Einsatz der Polizei während der Corona-Pandemie gewürdigt. Ihm sei nach vielen Gesprächen mit Polizistinnen und Polizisten sehr bewusst, wie aufreibend diese Arbeit sein kann. Wer sich im Berufsalltag anpöbeln und anspucken lassen müsse, erlebe das Land zuweilen von seiner schlechtesten Seite. Polizistinnen und Polizisten müssten in der Corona-Pandemie Unmut und Aggressionen von Corona-Kritikern begegnen.

+++ Die tschechische Regierung hat angekündigt, rund 4.000 Krankenhausbetten zu kaufen und Behelfskliniken einzurichten. Ein Feldlazarett mit 500 Betten soll auf dem Prager Messegelände von der Armee bereitgestellt werden. Tschechien verzeichnet einen Höchststand an Coronavirus-Neuinfektionen.

+++ Angesichts sinkender Corona-Infektionszahlen will Israel die seit fast einem Monat geltende Beschränkungen wieder lockern. Das sogenannte Corona-Kabinett beschloss eine Reihe von Erleichterungen, die am Sonntag in Kraft treten sollen. Bedingung ist allerdings, dass die Zahl der täglichen Neuinfektionen nicht deutlich höher liegt als 2.000. Zuvor war bereits eine Wiederöffnung des internationalen Flughafens Ben Gurion bei Tel Aviv von morgen an beschlossen worden.

+++ Die teils exponentiell steigenden Corona-Zahlen erfordern in Europa laut Weltgesundheitsorganisation ein konsequentes Vorgehen. Mit Blick auf die Daten rief WHO-Regionaldirektor Kluge Regierungen zu "kompromisslosen" Gegenmaßnahmen auf. Es gehe darum, die Infektionskurve zum Abflachen zu bringen. Die Beschränkungen des öffentlichen Lebens in verschiedenen Staaten Europas seien dafür "absolut notwendig".

+++ An den Beschlüssen von Bund und Ländern zu strengeren Corona-Maßnahmen gibt es Kritik aus der Opposition. Der Bundestagsabgeordnete Kessler von den Linken sagte, anstatt in der Notlage an einem Strang zu ziehen, hielten viele Länderchefs an "aktionistischer Willkür" fest.

Auch der Wissenschaftler Michael Meyer-Hermann war gestern im Kanzleramt und hat den Chefinnen und Chefs der Bundesländer den Ernst der Lage verdeutlicht. Mehr dazu lesen Sie hier. 

+++ Ärzte in Deutschland appellieren an die Politik, eine bundesweit einheitliche Corona-Strategie wie in der Medizin zu verfolgen. Der Präsident der Vereinigung der Deutschen Intensivmediziner, Janssens, sagte im Deutschlandfunk, er habe Verständnis für die Frustration von Bundeskanzlerin Merkel nach der Sitzung mit den Länderchefs. Wenn diese sich schon nicht einig würden, was solle dann erst die Bevölkerung sagen.

Ärzte in Schutzkleidung schauen sich ein Röntgenbild einer Lungenentzündung eines COVID-19 Patient an  (picture alliance/Zoonar.com/Robert Kneschke)Ärzte mit Röntgenbild einer Lungenentzündung eines COVID-19-Patienten (picture alliance/Zoonar.com/Robert Kneschke)

+++ Außenminister Maas hat die EU-Staaten davor gewarnt, erneut zum Mittel von Grenzschließungen in der Corona-Krise zu greifen. Im vergangenen Frühjahr habe man damit schlechte Erfahrungen gemacht, sagt der SPD-Politiker in Paris. 

+++ Eine Pflegeheimbewohnerin in Nordrhein-Westfalen hat erfolgreich gegen eine coronabedingte Isolationsanordnung geklagt. Das Verwaltungsgericht Minden gab einem Eilantrag statt. Das private Interesse der Antragstellerin, von einer Isolierung verschont zu bleiben, überwiege gegenüber dem öffentlichen Interesse an der sofortigen Vollziehung der Allgemeinverfügung, erklärte das Gericht.

+++ In Polen ist die Zahl der täglich registrierten Neuinfektionen sprunghaft gestiegen und hat erstmals die Marke von 8.000 überschritten. Innerhalb von 24 Stunden kamen 8.099 neue Fälle hinzu, die meisten davon in der Region um die Hauptstadt Warschau. Das teilte das polnische Gesundheitsministerium mit.

+++ In Österreich ist die Zahl der neuen Corona-Fälle auf einen neuen Höchstwert gestiegen. Das Innenministerium meldete 1.552 Positiv-Tests innerhalb von 24 Stunden. Bisher gab es in Österreich insgesamt 60.224 positive Testergebnisse. 664 Personen befinden sich derzeit aufgrund des Virus in krankenhäuslicher Behandlung, davon 119 auf der Intensivstationen.

Sebastian Kurz, Bundeskanzler von Österreich, steht mit Mundschutz vor einer grün eingefärbten Karte des Landes. Daneben sind die Stufen zu sehen: Grün, gelb, orange, rot. (dpa/APA/Hans Punz)Die "Corona-Ampel" in Österreich hat vier Farben (dpa/APA/Hans Punz)

+++ Die Corona-Krise hat in der öffentlichen Verwaltung einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom zufolge einen Digitalisierungsschub ausgelöst. Demnach hat fast die Hälfte der Verwaltungen (47 Prozent) seit Ausbruch der Pandemie neue digitale Angebote für Bürger eingeführt. Jeder fünfte Bürger (22 Prozent) habe diese bereits genutzt. "Viele Städte und Gemeinden haben im Zuge der Corona-Krise von null auf digital geschaltet", so Bitkom-Hauptgeschäftsführer Rohleder.

+++ Das Europaparlament wird wegen der Entwicklungen in der Corona-Pandemie wieder nicht im französischen Straßburg tagen.
Die Situation in Frankreich und Belgien sei sehr ernst, erklärte der Präsident des Europäischen Parlaments, David Sassoli, auf Twitter. Reisen stellten eine Gefahr dar. Die Sitzung werde deshalb hauptsächlich online stattfinden.

+++ Kanzleramtsminister Braun (CDU) hält die Bund-Länder-Verabredungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie für unzureichend. Die Beschlüsse seien ein wichtiger Schritt, "aber sie werden vermutlich nicht ausreichen", sagte Braun im "Morgenmagazin" der ARD mit Verweis auf die stark steigenden Infektionszahlen in Deutschland. Jetzt komme es auf die Bevölkerung an: "Wir müssen mehr machen und vorsichtiger sein als das, was die Ministerpräsidenten gestern beschlossen haben." Mit Blick auf die Debatte über umstrittene Beherbergungsverbote sagte er, jetzt sei nicht die Zeit für Reisen, sondern jetzt sei wichtig, die Kontakte deutlich zu reduzieren. "Wir müssen im Grunde genommen alle unsere Kontakte halbieren." 

+++ Das Robert Koch-Institut hat 6.638 neue Infektionen mit dem Coronavirus registriert. Das sind rund 1.500 mehr als am Dienstag. Es handelt sich um den höchsten Anstieg seit Beginn der Pandemie in Deutschland.

+++ Die Zahl der Beschäftigten in der deutschen Industrie ist wegen der Corona-Krise so stark gesunken wie seit zehn Jahren nicht mehr. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, waren Ende August rund 5,5 Millionen Menschen im verarbeitenden Gewerbe tätig – knapp 180.000 weniger als im Vorjahr.

+++ Das Umweltbundesamt hat Empfehlungen für die Belüftung von Schulen in der Corona-Pandemie vorgelegt. Die vierseitige Handreichung wurde vor dem Hintergrund der Debatte über Ansteckungsrisiken im Unterricht erarbeitet. "Um sich vor infektiösen Partikeln zu schützen, sollte pro Stunde ein dreifacher Luftwechsel erfolgen. Das bedeutet, dass die Raumluft dreimal pro Stunde komplett gegen Frischluft von außen ausgetauscht wird", heißt es darin unter anderem. 

Rheinland-Pfalz, Remagen: Schüler eines Gymnasiums nehmen in einem Klassenzimmer am Unterricht bei geöffnetem Fenster teil. (Thomas Frey/dpa)Regelmäßiges Lüften soll Verbreitung des Coronavirus bremsen. (Thomas Frey/dpa)

+++ Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Haseloff hat seine Länder-Kollegen nach den Beratungen in Berlin aufgerufen, die vereinbarten Maßnahmen "knallhart" durchzusetzen. Wenn man jetzt nicht handele, breiteten sich Hotspots so schnell aus, dass man die Dämme irgendwann nicht mehr halten könne, sagte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur.

Die am Mittwoch beschlossenen Maßnahmen im Überblick:

  • Sperrstunde um 23.00 Uhr in der Gastronomie
    (in Städten und Regionen mit 50 Neuinfektionen pro 100.000 EinwohnerInnen innerhalb einer Woche)

  • Private Feiern begrenzt auf maximal zehn TeilnehmerInnen und zwei Hausstände 
    (in Städten und Regionen mit 50 Neuinfektionen pro 100.000 EinwohnerInnen innerhalb einer Woche)

  • Erweiterte Maskenpflicht dort, wo Menschen dichter bzw. länger zusammenkommen 
    (in Städten und Regionen mit 35 Neuinfektionen pro 100.000 EinwohnerInnen innerhalb einer Woche)

+++ Die portugiesische Regierung hat einen landesweiten Katastrophenfall ausgerufenMinisterpräsident Costa erklärte in Lissabon, die Anordnung gelte von heute an für mindestens 15 Tage. Die Regierung könne dadurch bei Bedarf Einschränkungen der Bewegungsfreiheit und andere einschneidende Maßnahmen durchsetzen. Unter anderem sollen sich dann nur noch maximal fünf Menschen in der Öffentlichkeit treffen dürfen.

Angesichts hoher Infektionszahlen stellen sich einige europäische Länder auf einen harten Winter ein. Mehr über die Situation im europäischen Ausland lesen Sie hier.

+++ In Südkorea sind 110 neue Infektionen mit dem Coronavirus registriert worden. Die Hälfte der Fälle stehe in Verbindung mit einem Krankenhaus in der Stadt Busan, teilte die südkoreanische Behörde für Krankheitskontrolle und -prävention am Donnerstag mit. In dem Land mit gut 51 Millionen Einwohner liegt die offizielle Zahl der Fälle damit bei fast 25 000.

+++ In China erholt sich der Flugverkehr zunehmend von den Folgen der Corona-Krise. Nach Angaben der Behörde für zivile Luftfahrt gab es im September 371.000 Inlandsflüge. Das waren 3,5 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Die Passagierzahl lag bei 47,75 Millionen. Das entsprach 98 Prozent des Wertes vor Jahresfrist.

+++ Steigende Corona-Infektionszahlen, neue Restriktionen und triste Vorgaben der Überseebörsen haben am deutschen Aktienmarkt zum Handelsauftakt am Donnerstag für negative Vorzeichen gesorgt. Der Dax rutschte gleich zum Start unter die Marke von 13.000 Punkten und weitete seine Verluste im frühen Handel weiter aus. Zuletzt notierte der deutsche Leitindex 2,31 Prozent tiefer bei 12.727,16 Punkten.

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