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Newsblog zum Coronavirus+++ Fast 740.000 Impfungen an einem Tag +++

Baden-Württemberg, Pforzheim: Nicola Buhlinger-Göpfarth (r), Fachärztin für Allgemeinmedizin, impft in ihrer Praxis eine Patientin gegen das Coronavirus. (dpa-Bildfunk / Christoph Schmidt)
Die Zahl der täglichen Impfungen in Deutschland ist deutlich gestiegen. (dpa-Bildfunk / Christoph Schmidt)

In Deutschland sind gestern so viele Menschen wie noch nie an einem Tag geimpft worden. Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission warnt davor, die Priorisierung beim Impfen aufzuheben. In Europa gibt es laut WHO nun mehr als eine Million Corona-Tote. Weitere Entwicklungen in unserem Newsblog.

Donnerstag, 15. April

+++ Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission, Mertens, warnt davor, die Priorisierung beim Impfen zum jetzigen Zeitpunkt aufzuheben. Er sagte der "Rheinischen Post", man müsse mit den begrenzten Impfstoffmengen weiter Menschen mit einem hohen Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf schützen. Damit schütze man auch die Intensivstationen. Die dritte Welle könne durch eine Aufhebung der Impf-Priorisierung nicht gebrochen werden, das zeigten Modellrechnungen. Zuletzt hatte etwa der Chef der Uniklinik Dresden eine Aufgabe der Priorisierung gefordert.

+++ In Deutschland sind am Mittwoch so viele Corona-Impfdosen verabreicht worden wie an keinem Tag zuvor. Laut Robert Koch-Institut waren es rund 739.000 Impfungen nach 564.000 am Vortag. "Das ist ein neuer Tagesrekord", teilte Gesundheitsminister Spahn (CDU) auf Twitter mit.

+++ Bundeskanzlerin Merkel will sich einem Bericht zufolge am Freitag mit dem Impfstoff von Astrazeneca gegen Corona impfen lassen. Dies berichtet die "Welt" ohne Angaben von Quellen. Die Kanzlerin ist über 60 Jahre alt und fällt damit in die Gruppe derjenigen, die in Deutschland für Astrazeneca-Impfungen infrage kommen. Am Montag hatte Merkels Sprecher Steffen Seibert angekündigt, dass die Kanzlerin in Kürze eine Impfung vornehmen lassen wolle. Auf diese Äußerung verwies am Donnerstag ein Regierungssprecher. 

+++ Die Zahl der Corona-Toten in Europa hat nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation die Marke von einer Million überschritten. Der WHO-Regionaldirektor für Europa, Kluge, erklärte, die Situation bleibe ernst. Etwa 1,6 Millionen Neuinfektionen würden weiterhin wöchentlich in der Region erfasst. Insgesamt kommt eine Zählung der Johns-Hopkins-Universität zu dem Schluss, dass es weltweit fast drei Millionen Todesfälle im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie gab. Die meisten Todesfälle unter den Staaten verzeichneten die USA, Brasilien und Mexiko.

+++ Und hier die Grafik zu den Neuinfektionen:

Grafik-Diagramm Nr. 102287, Querformat 110 x 90 mm, "Tagliche Neuinfektionen in Deutschland" (dpa Grafik)Gemeldete Coronavirus-Neuinfektionen (15.04.2021) (dpa Grafik)

+++ Die Freien Wähler bereiten eine Verfassungsbeschwerde gegen die geplante Neufassung des Infektionsschutzgesetzes vor. Im Fokus solle die geplante nächtliche Ausgangsbeschränkung stehen, sagte der Freie-Wähler-Bundesvorsitzende und bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger im Bayerischen Rundfunk. Dabei kritisierte er die geplanten Kompetenzerweiterungen für den Bund. "Wir haben Jahrzehnte lang vom Föderalismus geschwärmt, und nun geben wir ohne Not die Kompetenzen an den Bund ab."

+++ Bei Hertha BSC sind Trainer Pal Dardai, Assistenzcoach Admir Hamzagic und Stürmer Dodi Lukebakio positiv auf Corona getestet worden. Für die Betroffenen wurde eine häusliche Quarantäne angeordnet. "Alle sind symptomfrei", teilte der Berliner Fußball-Bundesligist mit. Co-Trainer Andreas Neuendorf wurde als Kontaktperson ersten Grades eingestuft und befindet sich ebenfalls in Quarantäne.

+++ Angesichts der hohen Zahl an Corona-Neuinfektionen hat Bundesgesundheitsminister Spahn die Bundesländer aufgerufen, umgehend härtere Auflagen zu erlassen. Sie sollten nicht auf das Infektionsschutzgesetz warten, sagte der CDU-Politiker in Berlin. Man wisse vom Herbst, was passiere, wenn man nicht schnell genug handle. Spahn fügte hinzu, Experten rechneten damit, dass der bisherige Höchstwert von etwa 6.000 Covid-19-Intensivpatienten Ende des Monats wieder erreicht werde. Impfen und Testen allein reiche nicht, um die dritte Welle zu brechen, warnte Spahn.

+++ Die bestätigten Coronafälle der vergangenen sieben Tage:

Grafik-Karte Nr. 101290, Hochformat 110 x 135 mm, Corona-Fälle der letzten 7 Tage (nur in Farbe, Taktung: täglich außer samstags) (dpa Grafik)Corona-Fälle der letzten 7 Tage (15.04.2021) (dpa Grafik)

+++ Forscher in Hessen haben ein wissenschaftliches Projekt gestartet, um Spuren von Corona-Mutanten im Abwasser zu untersuchen. Damit sollten ihre Verbreitungswege nachverfolgt werden, teilte die Technische Universität (TU) Darmstadt mit. Bei dem Projekt sollen die Mutanten durch genetische Tests, einer sogenannten Genomanalyse, identifiziert werden.
Forschern war es in der Vergangenheit bereits gelungen, das Coronavirus im Abwasser nachzuweisen. 

+++ Für Touristen aus EU-Ländern soll von Montag an die einwöchige Quarantänepflicht bei der Einreise nach Griechenland wegfallen. Dem Vorhaben der Regierung müsse am Freitag noch der Corona-Expertenstab zustimmen, berichtete die Tageszeitung Kathimerini. Voraussetzung sei, dass die Einreisenden entweder vollständig geimpft sind oder einen aktuellen, negativen PCR-Test vorweisen können. Auch wird ein Teil der Ankommenden weiterhin per Zufallsprinzip nochmal getestet.

+++ Island lockert heute wieder die Corona-Bestimmungen. Die Menschen können nun wieder ins Fitnessstudio und in die von ihnen geliebten Schwimmbäder gehen. Allerdings dürfen nur halb so viele Besucher hineingelassen werden wie normal, die Studios und Bäder müssen zudem spätestens um 22.00 Uhr schließen. Dieselbe Schließzeit gilt nun auch für Kneipen, die ab Donnerstag ebenfalls wieder Kunden empfangen dürfen.

+++ Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut binnen eines Tages 29.426 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Das sind rund 9.000 mehr als am Donnerstag vor einer Woche. Wegen der Osterferien ist der Vergleich aber nur begrenzt aussagefähig. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus nahm seit gestern um 293 auf insgesamt jetzt 79.381 zu. Die Sieben-Tage-Inzidenz gibt das RKI mit 160,1 an.

+++ Die Nachrichtenagentur Reuters meldet, dass auch in Kambodscha ein Lockdown verhängt wurde. Er gilt vor allem für die Hauptstadt Phnom Penh

+++ Experten im Bundeskanzleramt haben offenbar rechtliche Bedenken gegen die Notbremse des Bundes zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Laut einem Bericht der "Bild"-Zeitung stellten mehrere Referate des Kanzleramts die Verhältnismäßigkeit von nächtlichen Ausgangssperren in Frage. Zudem werde kritisiert, dass der Gesetzentwurf sich ausschließlich an der Inzidenz orientiere. Man müsse auch zum Beispiel die Zahl der Intensivpatienten berücksichtigen.

+++ Deutschlands Intensivmediziner fordern von der Politik sofort harte Corona-Schutzmaßnahmen. Man könne es sich nicht leisten, noch wochenlang zu diskutieren, sagte der wissenschaftliche Leiter des Intensivbettenregisters der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, Karagiannidis, dem "Tagesspiegel". Den Tod seien Intensivmediziner zwar gewohnt, doch so etwas habe es noch nicht gegeben.

Auf einer Intensivstation stehen Ärzte und Pfleger in mit Schutzmasken am Bett eines Covid-Intensivpatienten.  (imago / Max Stein)"In der ersten Welle hatten wir noch Vertrauen, dass wir das hinkriegen", so ein Intensivkrankenschwester. Dieses Vertrauen schwindet offenbar immer mehr. (imago / Max Stein)

+++ Indien verzeichnet erstmals innerhalb eines Tages mehr als 200.000 bestätigte Neuinfektionen mit dem Coronavirus. Insgesamt ist die Zahl der nachgewisenen Fälle damit seit Beginn der Epidemie auf über 14 Millionen gestiegen. Nur die USA haben im weltweiten Vergleich noch mehr Fälle zu beklagen: Dort sind es inzwischen mehr als 31 Millionen.

+++ Die Deutschen bleiben trotz Corona-Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen zuversichtlich. Das ergab eine Repräsentativstudie des Opaschowski Instituts für Zukunftsfragen (OIZ), die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland vorliegt. Demnach wächst die Zuversicht sogar - der anhaltenden Krise zum Trotz. Bei einem Großteil der Bevölkerung überwiege nach wie vor die positive Einstellung zum Leben, so Institutschef Opaschowski. Es dominiere der optimistische Blick in die Zukunft.

Mittwoch, 14. April

+++ In England sollen flächendeckend Zentren zur Behandlung von Langzeitfolgen einer Covid-19-Erkrankung (Long Covid) geschaffen werden. Das kündigte der Chef des englischen Gesundheitsdiensts NHS, Simon Stevens, an. Bis Ende des Monats solle es bereits 83 solcher Zentren in ganz England geben. Unter Long Covid oder Post Covid werden Langzeitfolgen einer Covid-19-Erkrankung verstanden, die auch Menschen mit zunächst nur leichten Symptomen betreffen können. Unter anderem gehören dazu Symptome wie Müdigkeit, Kurzatmigkeit, Schmerzen in der Brust und Konzentrationsprobleme. Daten der britischen Statistikbehörde ONS (Office for National Statistics) zufolge haben mindestens 600.000 Menschen in England länger als zwölf Wochen an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung gelitten.

Fallzahlen-Entwicklung nach Überschreitung von 100 Fällen pro Land (dpa Grafik)Ausbreitung des Coronavirus (14.04.2021) (dpa Grafik)

+++ Die Freien Wähler kündigten am Abend an, per Verfassungsbeschwerde am Bundesverfassungsgericht gegen die geplante Verschärfung des Infektionsschutzgesetzes vorgehen zu wollen. Mit einer Änderung des Infektionsschutzgesetzes wolle Kanzlerin Merkel (CDU) und die schwarz-rote Bundesregierung die Länder in ihren Kompetenzen beschneiden, sagte Parteichef Aiwanger, der in Bayern Wirtschaftsminister im Kabinett von Markus Söder (CSU) ist. Der Bund sei nicht die richtige Ebene, pragmatische und sinnvolle Entscheidungen anstelle der Länder zu treffen. Aus Sicht der Freien Wähler werde mit der Änderung des Infektionsschutzgesetzes das Subsidiaritätsprinzip ausgehebelt. Die Gesetzesnovelle, die derzeit in der parlamentarischen Beratung im Bundestag ist und anschließend auch noch durch den Bundesrat muss, sieht unter anderem bundeseinheitliche Vorgaben wie Ausgangsbeschränkungen in Regionen mit einer hohen Zahl an Corona-Neuinfektionen vor. Zudem soll es ab einer Inzidenz von 100 auch Restriktionen für den Handel geben.

+++ Auf Mallorca ist erstmals die brasilianische Coronavirus-Variante P1 festgestellt worden. Das bestätigte der Chef der Mikrobiologie von Palmas Krankenhaus Son Espases, Antonio Oliver, bei einer Pressekonferenz. Die Mutation sei am Vortag bei einer routinemäßigen genaueren Untersuchung eines positiven PCR-Tests vom 29. März entdeckt worden. Ende März sei es bei einer Sportveranstaltung auf der Insel und privaten Kontakten zu einem Infektionsherd gekommen, sagte Oliver. 49 Personen seien damals auf Corona getestet worden, neun davon positiv.

Die Infizierten hätten keine oder nur leichte Krankheitssymptome aufgewiesen und einige von ihnen seien schon wieder gesundgeschrieben. Nun sollten auch die anderen acht positiven Tests daraufhin untersucht werden, ob es sich ebenfalls um P1 handelte. Die neun Fälle stünden nicht im Zusammenhang mit der im März auf Mallorca entdeckten, als weniger gefährlich geltenden anderen brasilianischen Corona-Variante B.1.1.28, betonte der Virologe. Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach hatte damals der Balearen-Regierung unterstellt, sie habe einen P1-Fund vertuscht und trickse bei den niedrigen Corona-Zahlen. Das hatte für Empörung auf der Insel gesorgt. Die Corona-Zahlen auf den Balearen, zu denen Mallorca gehört, sind weiterhin relativ niedrig. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt nach Angaben des spanischen Gesundheitsministeriums in Madrid bei 32,95. Zum Vergleich: In Deutschland betrug dieser Wert am Mittwoch 153 bei steigender Tendenz.

+++ Trotz Impfung offenbar Corona-Ausbruch in Altenheim: In einem Altenheim in Leichlingen im Rheinisch-Bergischen Kreis haben sich nach Angaben des Geschäftsführers 17 Bewohner und Beschäftigte mit Corona infiziert, obwohl sie bereits geimpft sind. Sie hätten glücklicherweise entweder gar keine oder nur schwache Symptome, sagte der Geschäftsführer des Heims, Joachim Noß. Schnelltests hätten den positiven Befund in den 17 Fällen erbracht. Daraufhin seien PCR-Tests gemacht worden. Davon seien erst einige Ergebnisse da, aber auch diese seien positiv, sagte Noß. 

+++ Der US-Pharmakonzern Moderna geht nach eigenen Angaben nicht davon aus, die Produktion seines Corona-Impfstoffs in den kommenden Monaten deutlich beschleunigen zu können. Dies sei unwahrscheinlich, sagt Moderna-Chef Stephane Bancel während einer Schalte mit Investoren. Der Konzern erwarte aber, seine Herstellungskapazitäten im kommenden Jahr erheblich ausweiten zu können. 2021 sei Moderna weiter auf Kurs, zwischen 700 Millionen und eine Milliarde Dosen auszuliefern.

+++ Neuer Rekord - Zahl der täglichen Corona-Fälle in Türkei über 60.000: In der Türkei hat die Anzahl der täglichen Corona-Neuinfektionen ein neues Hoch erreicht. Das türkische Gesundheitsministerium meldete 62.797 neue Fälle. Damit stieg die Zahl erstmals seit Beginn der Pandemie über 60.000. Auch die Zahl der für den Tag gemeldeten Todesfälle erreichte mit 279 den höchsten offiziell gemeldeten Wert bisher. Angesichts der rasant zunehmenden Corona-Neuansteckungen hatte die Regierung die Beschränkungen zum Infektionsschutz diese Woche weiter verschärft. So beginnt die abendliche Ausgangssperre zwei Stunden früher, also schon um 19 Uhr. Zudem wurden Beschränkungen für Reisen zwischen Provinzen erlassen. In dem Land mit rund 84 Millionen Einwohnern ist vor allem die Metropole Istanbul stark betroffen. Die Türkische Ärztevereinigung TTB warnte zudem vor einem Kollaps des Gesundheitssystems. Krankenhäuser seien mit COVID-19-Patienten überfüllt. Selbst die zusätzlich eingerichteten Stationen reichten nicht aus, um dem Bedarf gerecht zu werden. Die Bundesregierung stuft die Türkei seit Sonntag als Corona-Hochinzidenzgebiet ein. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten zuletzt binnen eines Tages 21 693 Corona-Neuinfektionen, wie aus Daten des RKI vom Mittwochmorgen hervorging.

+++ Im Zusammenhang mit seltenen Fällen von Hirnthrombosen nach einer Astrazeneca-Impfung plant die Europäische Arzneimittelbehörde EMA nun eine Analyse zu Risiken und Nutzen des Corona-Impfstoffs. Dies teilte die Behörde nach einem Treffen der EU-Gesundheitsminister mit. Überprüft werden sollen die allgemeinen Daten zu Impfungen und zum Verlauf der Pandemie wie Infektionsraten, Aufnahmen in Krankenhäuser, Sterblichkeit und Krankheitshäufigkeit. Die Analyse soll dann Entscheidungshilfe für nationale Gesundheitsbehörden sein. Auf diese Weise könnten sie die Risiken des Präparats im Vergleich zu den Vorzügen für das Impfprogramm einschätzen, hieß es. Trotz einiger seltener Fälle von Hirnvenenthrombosen gibt die EMA bisher uneingeschränkt grünes Licht für den Wirkstoff. Die Vorteile des Schutzes vor Covid-19 seien höher zu bewerten als die möglichen Risiken.

+++ Der Corona-Inzidenzwert seit November 2020:

Grafik-Diagramm Nr. 102072, Hochformat 60 x 90 mm, Entwicklung des Inzidenzwerts in Deutschland seit November 2020, Redaktion: J. Schneider, Grafik: A. Brühl  (dpa Grafik)Der Corona-Inzidenzwert (14.04.2021) (dpa Grafik)

+++ Berlins Regierender Bürgermeister Müller spricht sich für zügige Beratungen von Bund und Ländern zur Impfstrategie aus. Der Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz sagte dem Fernsehsender "Welt", ihm sei jenseits der aktuellen Diskussion um das Infektionsschutzgesetz wichtig, sehr schnell wieder über die derzeitigen Entwicklungen zu sprechen. Konkret gehe es dabei um die Impfstofflieferungen, den Umgang mit Geimpften und Getesteten sowie um eine bessere Einbindung von Haus- und Betriebsärzten. Der SPD-Politiker betonte, es gebe noch viele offene Punkte, und man müsse schneller werden. Daher sollten sich die Regierungschefs der Länder schon bald wieder mit dem Kanzleramt und dem Bundesgesundheitsminister zusammenschalten. Zugleich erneuerte Müller seine Kritik am geplanten Infektionsschutzgesetz des Bundes. So sei etwa eine Ausgangssperre ein massiver Grundrechtseingriff. Folglich müsse man überlegen, ob solch ein Schritt wirklich gerechtfertigt sei.

Die Botschafter der EU-Staaten haben sich auf eine gemeinsame Linie für das sogenannte "Grüne Zertifikat" geeinigt. Mit diesem Nachweis unter anderem für Corona-Impfungen soll das Reisen in der Europäischen Union leichter werden. Was genau geplant ist und wann es so weit ist - ein Überblick.

+++ Nordrhein-Westfalen sieht keine Probleme mit der nötigen Umstellung der Zweitimpfung von Astrazeneca-Erstimpflingen auf Biontech oder Moderna. In NRW gebe es keinen Impfstopp wie in Brandenburg, teilte ein Sprecher des Gesundheitsministerium. Da Astrazeneca zukünftig nur noch an die Hausarztpraxen geliefert werde und das Land keine Lieferung dieses Impfstoffes mehr erwarte, liege der Fokus der Impfungen in Nordrhein-Westfalen ohnehin auf Biontech und Moderna.

+++ In Italien wachsen nach Auskunft von regionalen Behörden die Vorbehalte, sich mit dem Vakzin von Astrazeneca impfen zu lassen. Das sei ein Phänomen, das in den vergangenen Tagen gravierender geworden sei als man gedacht habe, sagte Giovanni Pavesi, oberster Vertreter der Gesundheitsbehörden in der größten Region des Landes, der Lombardei. 

+++ Die Schweiz lockert ihre Corona-Regeln trotz steigender Infektionszahlen ab kommendem Montag. Unter anderem dürfen Restaurantterrassen, Kinos und Fitnesszentren ab 19. April wieder öffnen, wie die Regierung am Mittwoch in Bern bekanntgab. Auf den Terrassen gilt Sitz- und Maskenpflicht. Die Besucher-Zahl dürfe draußen 100 Personen und in Innenräumen 50 Personen nicht überschreiten. An Hochschulen könne der Präsenzunterricht wieder aufgenommen werden. Wirtschaftsvertreter hatten in den vergangenen Tagen Öffnungsschritte gefordert, obwohl die Schweiz beim Impftempo den Nachbarländern wie Deutschland hinterher hinkt.

+++ Bremen hat als erstes Bundesland bei den Coronavirus-Erstimpfungen die Quote von 20 Prozent erreicht. Damit sei inzwischen ein Fünftel aller Bremerinnen und Bremer mindestens einmal gegen den Erreger geimpft worden, teilten die Gesundheitsbehörden mit. Die Quote entspricht rund 137.000 Personen. Bundesweit liegt dieser Wert bei rund 17 Prozent. 

Grafik: Anteil der vollständig gegen Sars-CoV-2 geimpften Bevölkerung in ausgewählten Ländern (dpa Grafik)Internationale Impfquoten (Stand 14.04.2021) (dpa Grafik)

+++ In Nordrhein-Westfalen dürfen die Schüler von Montag an in einem Wechselmodell wieder in den Präsenzunterricht zurückkehren. Dies teilte Landesschulministerin Gebauer in Düsseldorf mit. Voraussetzung sei ein Inzidenzwert von unter 200, sagte die FDP-Politikerin. In dem Bundesland hatten die Schüler erst zu Beginn dieser Woche wegen ansteigender Corona-Zahlen wieder in den Distanzunterricht zu Hause wechseln müssen.

+++ Die Europäische Arzneimittelbehörde will nächste Woche ein Gutachten über mögliche Thrombosen durch den Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson abgeben. Die Prüfung werde beschleunigt, teilte die Behörde in Amsterdam mit. Bis zu der Entscheidung könne der Impfstoff aber weiter uneingeschränkt eingesetzt werden.

+++ Die Schweiz lockert die Corona-Beschränkungen weiter. Ab Montag dürfen Restaurants ihre Terrassen wieder öffnen. Auch Veranstaltungen mit Publikum seien dann erlaubt, etwa in Sportstadien, Kinos, Theatern und Konzertsälen. Die Besucher-Zahl dürfe draußen 100 Personen und in Innenräumen 50 Personen nicht überschreiten. An Hochschulen könne der Präsenzunterricht wieder aufgenommen werden. 

+++ Die Krise auf dem Ausbildungsmarkt hat sich während der Corona-Pandemie noch verschärft. Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge ist auf den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung gefallen. Nur noch 465.200 Menschen begannen 2020 eine Lehre, wie aus vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamts hervorgeht. Das bedeutet ein Minus von 9,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Selbst in Zeiten der Finanzkrise gab es keinen so starken Einbruch. Auch die Firmen sind beim Anbieten neuer Ausbildungsplätze eher zurückhaltend. Einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zufolge könnte in diesem Jahr jeder zehnte ausbildungsberechtigte Betrieb weniger Lehrstellen anbieten als im Vorjahr. Die Bundesregierung will gegensteuern und stellt bis 2022 bis zu 700 Millionen Euro für die Sicherung von Ausbildungsplätzen zur Verfügung.

Entwicklung der Zahl neu abgeschlossener Ausbildungsverträge in Deutschland und Aufteilung auf Ausbildungsbereiche in 2020 (dpa Grafik)Weniger Ausbildungsverträge (14.04.2021) (dpa Grafik)

+++ Die Hersteller Biontech und Pfizer wollen bis Ende Juni zusätzlich 50 Millionen Dosen Corona-Impfstoff an Deutschland und die übrigen EU-Staaten liefern. Dies teilte EU-Kommissionschefin von der Leyen in Brüssel mit. Es handele sich um eine Lieferung, die aus dem vierten Quartal vorgezogen werde. Im zweiten Quartal von April bis Juni kämen somit insgesamt 250 Millionen Dosen Impfstoff von Biontech/Pfizer, sagte von der Leyen. Die Lieferung werde nach Bevölkerungsanteil auf die 27 EU-Staaten verteilt, fügte sie hinzu. Dieser liegt für Deutschland bei 18,6 Prozent. Von der zusätzlichen Lieferung kann die Bundesrepublik also rechnerisch gut neun Millionen Dosen erwarten.

+++ Die EU-Staaten haben sich auf eine gemeinsame Linie beim geplanten europäischen Reisezertifikat für Personen, die gegen das Coronavirus geimpft sind, geeinigt. Wie die Deutsche Presse-Agentur unter Berufung auf Diplomatenkreise meldet, verständigten sich die Botschafter der 27 Länder in Brüssel auf eine Position für die Verhandlungen mit dem EU-Parlament. Demnach soll das Zertifikat kostenfrei auf Papier oder digital ausgestellt werden. Welche Vorteile, etwa eine Quarantäne-Befreiung, die Mitgliedsstaaten den Inhabern gewähren, sollen sie dem Beschluss zufolge selbst entscheiden können. Die jeweiligen Länder sollen zudem selbst festlegen, ob sie auch Impfungen mit Präparaten anerkennen, die nur in bestimmten Ländern, aber nicht in der gesamten EU zugelassen sind - beispielsweise das russische Sputnik V. Die Regeln sollen den Angaben zufolge zunächst für zwölf Monate gelten. Nach den Plänen der EU-Kommission soll das Zertifikat Ende Juni einsatzbereit sein.

+++ Bundesbildungsministerin Karliczek hat angesichts des anhaltenden Distanzunterrichts und möglicher Schulschließungen die Notwendigkeit eines bundesweiten Nachhilfeprogramms bekräftigt. Schülerinnen und Schüler seien jene Bevölkerungsgruppe, die mit am meisten unter den Folgen der Corona-Krise zu leiden hätten, sagte die CDU-Politikerin in einer Regierungsbefragung im Bundestag. Am Ende des Schuljahres werde es in allen Bundesländern Lernstandserhebungen in den Kernfächern geben. Erste Lernangebote sollen dann bereits in den Sommerferien gemacht werden. Für das Nachhilfeprogramm veranschlagt das Bundesbildungsministerium rund eine Milliarde Euro.

+++ Die FDP-Bundestagfraktion rechnet mit zahlreichen Klagen gegen die geplante nächtliche Ausgangssperre zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Ihr parlamentarischer Geschäftsführer Buschmann sagte in Berlin, die Ausgangssperrre werde eine Flut von Verfassungsklagen auslösen, denen er beträchtliche Erfolgschancen zumesse. Auch der Münsteraner Staatsrechtler Wißmann äußerte erhebliche Bedenken. In einer juristischen Expertise, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, ist von - Zitat - "angeordneten Eingriffen in die Bürgerrechte" die Rede. Der Deutsche Anwaltverein erklärte, ein generelles Verbot, die Wohnung zu verlassen, sei mit dem Leitbild des Grundgesetzes nicht zu vereinbaren.

Der Neue Wall, eine der Haupteinkaufsstrassen Hamburgs, ist bereits eine knappe Stunde vor Beginn des Lockdowns in der Hansestadt menschenleer. (picture-alliance / dpa / Markus Scholz)Corona Lockdown in Hamburg (picture-alliance / dpa / Markus Scholz)

+++ Die Flugesellschaft Ryanair ist in erster Instanz mit mehreren Klagen gegen Staatshilfen für Konkurrenten in der Corona-Krise gescheitert. Ein EU-Gericht erklärte in Luxemburg, dass sowohl die Hilfen von Schweden und Dänemark für die skandinavische Fluggesellschaft SAS als auch die finnische Unterstützung für Finnair mit EU-Recht vereinbar seien. Zur Begründung hieß es, Hilfen seien zum Ausgleich wirtschaftlicher Schäden durch außergewöhnliche Ereignisse erlaubt. Ryanair kündigte an, Berufung gegen die Urteile beim Europäischen Gerichtshof einzulegen.

+++ Dänemark will vollständig auf den Corona-Impfstoff von Astrazeneca verzichten. Die Impfkampagne werde ohne das Präparat des britisch-schwedischen Unternehmens fortgesetzt, gab der Direktor der dänischen Gesundheitsverwaltung, Broström, auf einer Pressekonferenz in Kopenhagen bekannt. Dänemark hatte die Immunisierungen mit dem Präparat des britisch-schwedischen Herstellers Mitte März wegen der vereinzelten Thrombosefälle bei Geimpften bereits ausgesetzt.

Inwiefern hängen die Thrombosefälle womöglich mit dem Impfstofftyp zusammen? Vektorimpfstoffe scheinen besonders betroffen zu sein. Mehr Informationen dazu finden Sie hier.

+++ Wegen Engpässen bei der Lieferung von Impfstoffen können in Brandenburg voraussichtlich keine neuen Termine für Erstimpfungen mit Biontech und Moderna vergeben werden. Innenminister Stübgen sagte in einer Sitzung des Gesundheits- und Innenausschusses des Landtags, man werde keine Erstimpfungstermine mehr vergeben. Ziel sei, die Zweitimpfungen möglichst abzusichern, betonte der CDU-Politiker. Nötig seien dafür in den nächsten vier Wochen 62.000 Impfdosen von Biontech und Moderna. Diesen Impfstoff habe man derzeit aber nicht. Stübgen forderte eine Erhöhung der zugesagten Mengen des Bundes.

+++ Die geplante Änderung des Infektionsschutzgesetzes wird voraussichtlich frühestens in zwei bis drei Wochen in Kraft treten können. Die parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen, Haßelmann, sagte, sollte der Bundestag dem Vorhaben am kommenden Mittwoch zustimmen, werde es noch mindestens acht weitere Tage dauern, bis die bundesweit einheitliche Corona-Notbremse wirksam werde. Die Bundesländer seien deshalb vorerst weiter in der Verantwortung, auf die steigende Zahl an Neuinfektionen zu reagieren, betonte Haßelmann. Aus Sicht der Grünen-Politikerin reicht der Entwurf der Koalition nicht aus, um die dritte Welle der Corona-Pandemie zu brechen.

+++ Halles Oberbürgermeister Wiegand (parteilos) hat rechtliche Schritte gegen seine Suspendierung durch den Stadtrat wegen vorzeitiger Corona-Impfungen eingeleitet. Am Dienstag reichten seine Anwälte einen Eilantrag beim Verwaltungsgericht in Halle ein, teilte ein Sprecher des Gerichtes am Mittwoch mit. Er richtet sich gegen die Verfügung, die mit sofortigem Vollzug am Montag zu Wiegands Suspendierung auf unbestimmte Zeit geführt hatte. Der Widerspruch Wiegands würde im Falle eines Erfolges vor Gericht aufschiebende Wirkung erzeugen, sagte der Sprecher. Wiegand würde somit wieder seine Dienstgeschäfte aufnehmen können.

Wiegand mit Brille im schwarzen Anzug sagt etwas und hält dabei seine rechte Hand an die Backe.  (Ronny Hartmann / dpa)28.10.2020, Sachsen-Anhalt, Magdeburg: Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) nach einer Aussage vor dem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss des Landtag in Magdeburg wegen vorgezogener Corona-Impfungen. (Ronny Hartmann / dpa)

+++ Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut 21.693 neue Infektionen mit dem Coronavirus gemeldet. Vor einer Woche waren es 9.677, allerdings wurde laut Institut über Ostern weniger getestet. Außerdem meldet das RKI heute 342 neue Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt inzwischen bei 153,2. Vor einer Woche lag sie noch bei 110. Inzwischen haben knapp 17 Prozent der Menschen in Deutschland eine erste Impfdosis erhalten. Gestern wurden rund 530.000 Dosen verabreicht.

+++ Vizekanzler Scholz hat die bundesweite Notbremse verteidigt. "Unverantwortlich wäre es jetzt, eine ganz lange wissenschaftliche Debatte darüber zu führen, was man alles auch anders machen könnte, ohne zu handeln", sagte der SPD-Politiker der "Saarbrücker Zeitung". "Wir können jetzt nicht Doktorarbeiten und Habilitationen schreiben. Wir müssen die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger schützen."

+++ Berlins Regierender Bürgermeister Müller hat den Beschluss des Bundeskabinetts zur bundesweiten Corona-Notbremse kritisiert. "Wir müssen doch sehen, dass wir ein Stück Normalität zurückgewinnen", sagte Müller im RBB. Es gebe Erfahrungen, wie mehr Freiheiten in Gastronomie und Kultur möglich seien. Müller äußerte die Hoffnung, dass diese Erfahrungen in den Beratungen des Bundestags noch berücksichtigt würden. Trotzdem befürwortete Müller einen bundeseinheitlichen Rechtsrahmen.

+++ In den USA steigt die Zahl der an einem Tag erfassten Corona-Neuinfektionen weiter an. Gestern meldeten die Behörden mit 77.205 neuen Fällen rund 15.000 mehr als vor genau einer Woche, wie aus Daten der Johns-Hopkins Universität hervorging. Die Anzahl der Toten mit einer bestätigten Infektion blieb vergleichsweise stabil bei 907. Am vergangenen Dienstag waren es demnach 836.

+++ IOC-Vizepräsident John Coates hat 100 Tage vor der geplanten Eröffnungsfeier in Tokio eine kurzfristige Olympia-Absage ausgeschlossen. Die um ein Jahr verlegten Sommerspiele "werden wie geplant stattfinden", sagte der Chef der Koordinierungskommission des Internationalen Olympischen Komitees für das Großereignis in Japan. Der Australier versprach trotz der weiter bedrohlichen Corona-Lage: "Es werden die sichersten Spiele, die möglich sind."

Eine aufgestellte Skulptur der Olympischen Ringe in einer Strasse von Tokio wirft lange Schatten (picture alliance / SvenSimon | Masahide Tomikoshi/SVEN SIMON)Olympische Ringe in den Strassen von Tokio (picture alliance / SvenSimon | Masahide Tomikoshi/SVEN SIMON) 

+++ Der Aerosol-Forscher Gerhard Scheuch hat davor gewarnt, Menschen mit Ausgangsbeschränkungen in die aus infektiologischer Sicht viel gefährlicheren Innenräume zu treiben. Die mit der geplanten Bundes-Notbremse verbundenen Ausgehverbote zwischen 21 und 5 Uhr seien aus fachlicher Sicht kontraproduktiv, sagte der Ex-Präsident der internationalen Gesellschaft für Aerosolforschung im WDR Hörfunk. 

+++ Im Pandemie-Jahr 2020 haben so wenige Menschen in Deutschland eine Ausbildung begonnen wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, wurden nach vorläufigen Zahlen 465.200 Ausbildungsverträge abgeschlossen. Das waren 9,4 Prozent weniger als im Jahr davor. Als Grund nennt das Bundesamt die Corona-Krise. Am stärksten ging die Zahl der Ausbildungsverträge demnach in den Bereichen Industrie und Handel zurück, gefolgt vom Handwerk. Die Landwirtschaft verzeichnete etwas mehr neue Auszubildende als 2019.

+++ Wegen gestiegener Corona-Infektionszahlen gilt wieder ein Einreiseverbot für den Landkreis Vorpommern-Greifswald. Betroffen sind unter anderem die Insel Usedom sowie das Stettiner Haff. Ausflüge von Tagestouristen und Besuche von Zweitwohnungsbesitzern sind damit "ohne triftigen Grund" vorerst untersagt. Als triftige Gründe zählen laut Verordnung vor allem berufliche Tätigkeiten oder ein Besuch der Kernfamilie. In dem Landkreis lag die Sieben-Tages-Inzidenz gestern erstmals wieder über 200 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner.

+++ Unter 60-Jährige in Deutschland, die bereits mit einer ersten AstraZeneca-Dosis geimpft wurden, sollen die Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer oder Moderna erhalten. Mit einem entsprechenden Beschluss folgten die Gesundheitsminister von Bund und Ländern einer Empfehlung der Ständigen Impfkommission. Nach mehreren tödlichen Fällen seltener Hirnvenenthrombosen wird der Impfstoff von AstraZeneca in Deutschland nur noch Menschen verabreicht, die älter als 60 Jahre sind.

Hier finden Sie weitere Informationen über mögliche Nebenwirkungen von Corona-Impfungen.

+++ Nach dem Stopp der Impfungen von Johnson & Johnson in den USA fordern deutsche Immunologen von der Bundesregierung eine schnelle Nachbestellung von mRNA-Impfstoffen - notfalls im nationalen Alleingang. Wenn es sich bewahrheite, dass die Nebenwirkungen ähnlich häufig sind, wäre die Konsequenz, dass man in Deutschland auch den Impfstoff von Johnson & Johnson ebenso wie AstraZeneca nicht für die unter 60-Jährigen verwenden sollte, sagte der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl, der Zeitung "Augsburger Allgemeinen". Hirnvenenthrombosen scheinen seiner Ansicht nach eine generelle Nebenwirkung der Vektorimpfstoffe zu sein.

+++ Die Stadt Dresden hat für diesen Samstag geplante Proteste der Querdenken-Bewegung gegen Corona-Auflagen untersagt. Das Verbot erging nach Angaben der Stadtverwaltung auch unter Verweis auf die jüngsten Veranstaltungen in Stuttgart und Kassel mit Tausenden Anhängern. Dort waren Corona-Schutzvorschriften und Anweisungen der Polizei missachtet worden. Als weiterer Grund wurde das aktuelle Infektionsgeschehen in der sächsischen Landeshauptstadt angeführt.

Mehrere Polizeiwagen stehen auf einem Platz. (Imago)Polizei im Demo-Einsatz in Dresden (Imago)

+++ Der Physiker und Corona-Modellierer Kai Nagel fordert ein "breites Schnelltestregime" zur Ausweitung der beschlossenen Corona-Maßnahmen. Aber wenn das nicht ausreiche, werde man über ein Verbot privater Kontakte in Innenräumen ohne gültigen Schnelltest nachdenken müssen, sagte der Forscher an der TU Berlin im Deutschlandfunk. Bei einem solchen Verbot gingen die Zahlen rasend schnell nach unten, betonte Nagel. Dann dauere es vielleicht drei Wochen, bis man in einem grünen Bereich sei. Wenn man vorsichtiger zu Werke gehe mit einer nächtlichen Ausgangssperre und den anderen diskutierten Maßnahmen, dann bleibe man in jedem Fall im Bereich hoher Krankenhausbelastungen und dann werde es auch eine vierte Welle geben.

+++ Die niedergelassenen Ärzte in Deutschland warnen, dass die Impfkampagne massiv ins Stocken geraten könnte. Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Gassen, sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung", die Praxen bekämen in den kommenden Wochen viel weniger Dosen des Mittels von Biontech und Pfizer zugewiesen als versprochen, weil der Impfstoff offensichtlich vorrangig an die Impfzentren gehe.

+++ Der Göttinger Strömungsforscher Eberhard Bodenschatz hat für Ventilatoren in Klassenräumen zum Schutz vor Corona-Ansteckungen geworben. Er schlage dafür ein Gerät vor, das statt einer Fensterscheibe installiert werde, sagte der Forscher am Max-Planck-Institut im Deutschlandfunk. Die Kosten dafür betrügen 500 bis 700 Euro, wenn eine größere Stückzahl angeschafft werde.

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