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Newsblog zum Coronavirus+++ Großbritannien ruft hunderttausende Corona-Tests zurück +++

Ein Frau mit Maske posiert für ein Foto vor der Tower Bridge in London, England. (Getty Images Europe / Alex Davidson)
In der britischen Corona-Politik gab es bereits mehrere Pannen. (Getty Images Europe / Alex Davidson)

Die britische Aufsichtsbehörde für Medizinprodukte hat angeordnet, dass Hunderttausende Coronavirus-Test-Sets zurückgerufen werden müssen. In Paris werden die Regeln für das Tragen von Masken verschärft. Die Bundesregierung warnt vor nicht notwendigen touristischen Reisen in bulgarische und rumänische Regionen. Weitere Entwicklungen in unserem Newsblog.

Samstag, 8. August

+++ Die britische Aufsichtsbehörde für Medizinprodukte hat angeordnet, dass Hunderttausende Coronavirus-Test-Sets zurückgerufen werden müssen. Die Regierung in London erklärte, die Produkte seien möglicherweise "nicht sicher" für den Gebrauch. Die Firma Randox hatte im März einen Auftrag in Höhe von 133 Millionen Pfund von der Regierung erhalten, unter anderem für die Bereitstellung von Coronavirus-Tests. Der Tageszeitung "The Guardian" zufolge erfolgte die Vergabe ohne Ausschreibung. Gerechtfertigt wurde das durch die hohe Dringlichkeit, die Testkapazitäten des Landes rasch zu erhöhen.

+++ Angesichts steigender Infektionszahlen verschärft Paris die Maskenpflicht. Ab Montag müssten Mund und Nase in gewissen Teilen der französischen Hauptstadt auch im Freien bedeckt sein, teilten die Behörden mit. Betroffen seien besonders stark frequentierte Bereiche wie die Seineufer oder Einkaufsstraßen in mehreren Stadtbezirken.  Erwartet wird, dass sich die betroffenen Orte in den kommenden Wochen ändern werden, je nach Nutzung durch die Bevölkerung und die jeweilige lokale Entwicklung der Pandemie.

+++ Wegen der Zunahme von Coronavirus-Infektionen warnt die Bundesregierung vor nicht notwendigen touristischen Reisen in bulgarische und rumänische Regionen. In Bulgarien wurden laut den Reisehinweisen des Auswärtigen Amtes die Gebiete Blagoewgrad, Dobritsch und Warna als Risikogebiete eingestuft. Betroffen sind auch die bei Touristen beliebten Orte Goldstrand und Albena am Schwarzen Meer. In Rumänien gilt die Reisewarnung für die Gebiete Arges, Bihor, Buzau, Neamt, Ialomita, Mehedinti und Timis.

Der Goldstrand in Bulgarien (dpa / picture alliance / Torino / VisualEyze)Der Goldstrand in Bulgarien (dpa / picture alliance / Torino / VisualEyze)

+++ Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) fordert kostenlose Corona-Tests für alle Beschäftigten im Verkehrssektor. Dies diene dem Gesundheitsschutz und erhöhe das Sicherheitsgefühl für Beschäftigte und Kunden, erklärte EVG-Vorstandsmitglied Loroch. Zudem wäre es ein wichtiges Zeichen, dass auch in der aktuellen Situation Bahn- oder Busreisen sicher seien. Die Arbeitgeber hätten eine Fürsorgepflicht für ihre Angestellten und auch für ihre Fahrgäste, hieß es weiter.

+++ Beim Fußball-Bundesligisten 1. FC Köln sind erneut Spieler positiv auf das Coronavirus getestet worden. Der Verein teilte mit, beide Profis hätten sich in Absprache mit dem Gesundheitsamt direkt in häusliche Quarantäne begeben. Alle weiteren Tests seien negativ ausgefallen. Der Fußball-Bundesligist setzt das Training trotz der beiden positiven Tests fort.

Der Trainings- und Spielbetrieb von der U16- bis zur U19-Mannschaft wurde dagegen als Vorsichtsmaßnahme unterbrochen. Nachwuchsspieler hätten in ihrem Umfeld Kontakt zu infizierten Personen gehabt, hieß es zur Begründung. Bereits in der vergangenen Saison hatten sich Kölner Profis infiziert.

+++ In Deutschland haben sich den dritten Tag in Folge mehr als tausend Menschen nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Das Robert-Koch-Institut meldet 1.122 neue Fälle. Die Gesamtzahl stieg damit auf mehr als 215.000. Die Zahl der Todesfälle in Verbindung mit Covid-19 erhöhte sich demnach um zwölf auf 9.195.

+++ Der Ärzteverband Marburger Bund hält die Rückkehr zum Regelbetrieb an Schulen trotz der beiden Corona-bedingten Schulschließungen in Mecklenburg-Vorpommern für richtig. Verbandschefin Johna sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Schule sei eine Großveranstaltung, die man sich leisten müsse. Dafür brauche es allerdings feste Regeln wie das Tragen von Masken auf dem Schulhof und eine Strategie zum regelmäßigen Belüften der Räume, die auch im Herbst und Winter durchzuhalten sei.

+++ Die italienische Regierung hat ihre Anti-Corona-Maßnahmen bis zum 7. September verlängert. Abstandsregeln und Maskenpflicht in geschlossenen, öffentlichen Räumen gelten damit weiterhin. Auch größere Menschenansammlungen bleiben verboten. Ministerpräsident Conte sprach von ausgewogenen Maßnahmen, die der aktuellen Situation gerecht würden. Zudem beschloss seine Regierung ein Konjunkturpaket im Umfang von 25 Milliarden Euro. Italien war im Frühjahr eines der am stärksten von der Corona-Pandemie betroffenen Länder Europas.

+++ Mexiko meldet 6.717 bestätigte Neuinfektionen und 794 weitere Menschen, die in Verbindung mit dem Coronavirus gestorben sind. Damit hat das Land insgesamt 469.407 Fälle und 51.311 Tote im Zusammenhang mit der Pandemie. Nur in den USA und Brasilien wurden bislang mehr Todesopfer registriert. 
 

Freitag, 7. August

+++ Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat einen Verstoß gegen die Corona-Regeln eingeräumt und bedauert. "In meinem Urlaub bin ich beim Verlassen einer Bergalm dem spontanen Wunsch nach einem gemeinsamen Foto an der frischen Luft nachgekommen", sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Dabei sei die Abstandsregel nicht eingehalten worden. "Fünf Sekunden Unaufmerksamkeit, die ich mir selbst vorwerfe und die nicht hätte passieren dürfen", führte Steinmeier aus. "Das tut mir leid." Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender hatten sich im Juli während ihres Urlaubs in Südtirol am Ende einer Wanderung mit Landeshauptmann Arno Kompatscher und dessen Frau zum Abendessen auf einer Alm getroffen. Dabei saß die Gruppe auf der Terrasse. Dabei entstand das Foto, auf dem der in Südtirol geltende Schutzabstand von einem Meter nicht eingehalten wird und auch niemand eine Maske trägt. Es wurde zuerst in der Lokalpresse veröffentlicht.

+++ Die Europäische Union weitet ihre Einreisebeschränkungen wegen der Corona-Pandemie auf Marokko aus. Damit dürfen derzeit nur noch Menschen aus zehn Ländern normal in die EU einreisen. Dazu gehören unter anderem Australien, Japan, Ruanda und Uruguay. Auf welcher Grundlage die Entscheidung beruht, lesen Sie hier.

+++ Norwegens Gesundheitsminister Bent Hoie ruft seine Mitbürger dazu auf, zur Eindämmung des Coronavirus auf Auslandsreisen zu verzichten. Das gelte auch für Reisen in Länder, in denen es nur wenige Corona-Fälle gebe. Hoie begründet seinen Aufruf damit, dass die Infektionen in Ländern, die die Lage unter Kontrolle gehabt hätten, wieder anstiegen. Mehr zur Lage in Urlaubsländern lesen Sie hier.

+++ Der Virologe Schmidt-Chanasit sieht in Deutschland die Gefahr einer sozialen Spaltung durch die Corona-Pandemie. Er sagte im Deutschlandfunk, dabei gehe es nicht nur um jung und alt, sondern auch um arm und reich. So höre man etwa den Vorwurf, dass Menschen jetzt in Bulgarien Urlaub machten – anstatt lieber zuhause zu bleiben. Schmidt-Chanasit betonte, das müsse man mal einer alleinerziehenden Mutter ohne Balkon und Garten erklären, die monatelang mit ihren drei Kindern in einer kleinen Wohnung gewesen sei – und sich nun etwas Urlaub gönne, den sie auch bezahlen könne. Hier spielten viele Aspekte eine Rolle. Schmidt-Chanasit sagte, die Nebenwirkungen der Einschränkungen nähmen von Tag zu Tag zu. Das dürfe man auf keinen Fall negieren. Vielmehr müsse die Politik damit umgehen – und eine Antwort finden. Es sei das Einmaleins der Pandemiebekämpfung, nicht nur die virologische Sicht auf die Dinge heranzuziehen. Es gehe immer auch um die Ökonomie, denn ohne funktionierende Wirtschaft könne man sich das Gesundheitswesen nicht leisten. 

+++ Zwei Schulen in Mecklenburg-Vorpommern sind wegen Corona geschlossen worden. Betroffen sind das Goethe-Gymnasium in Ludwigslust, wo eine Lehrerin positiv getestet wurde, sowie die Ostsee-Grundschule in Graal-Müritz. Das geht aus Mitteilungen der beiden Landkreise hervor. An der Grundschule ist demnach ein Schüler infiziert.

+++ Bei den Salzburger Festspielen ist der Gebrauch von Fächern während der Vorstellungen untersagt. Durch das Fächeln könnten infektiöse Aerosole verteilt werden, die eigentlich von der Klimaanlage abgesaugt werden sollen, sagte der kaufmännische Direktor, Lukas Crepaz, der Deutschen Presse-Agentur.

+++ Die Corona-Pandemie könnte gravierende Auswirkungen auf die Zoolandschaft in Europa haben. Der Geschäftsführer beim Verband der Zoologischen Gärten (VdZ), Volker Homes, sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung", es sei nicht auszuschließen, dass Zoos schließen müssen. "Vielleicht nicht in Deutschland, aber im europäischen Ausland", führte er aus. In diesem Fall müssten Tiere auf andere Zoos verteilt werden. Seinem Verband gehören 56 Einrichtungen in Deutschland, der Schweiz und Österreich an. Er stellt aber klar: "Es sind und es werden keine Tiere in deutschen Zoos wegen der Einnahmeeinbußen durch Corona notgetötet."

+++ Die Fleischproduktion in Deutschland ist im zweiten Quartal infolge der Corona-Krise gesunken. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes verringerte sie sich im Vergleich zum Vorjahresquartal um 2,6 Prozent. Nach einem Corona-Ausbruch hatten die Behörden Mitte Juni Deutschlands größtem Schlachtbetrieb Tönnies ein vierwöchige Zwangspause verordnet.

Frisch geschlachtete Schweine hängen im Kühlhaus eines Schlachtbetriebes an der Reihe an Haken. (imago / Daniel Schvarcz)Geschlachtete Schweine in einem Schlachthof (imago / Daniel Schvarcz)

+++ Ein Konzert mit Bryan Adams, Sarah Connor und "The Boss Hoss" soll am 4. September vor 13.000 Zuschauern in Düsseldorf stattfinden. "Das ist das Zeichen, auf das Fans, Künstler und Crews sowie die gesamte Musikindustrie sehnsüchtigst gewartet haben", sagte Veranstalter Marek Lieberberg. Es wäre das erste Großkonzert seit Mitte März in Deutschland. Das Konzert im Düsseldorfer Fußballstadion werde in enger Abstimmung mit den Behörden geplant.

+++ Der CDU-Wirtschaftsrat fordert ein Verbot von Reisen in Corona-Risikogebiete. Der Generalsekretär des Verbandes, Steiger, sagte der "Bild"-Zeitung, das Recht auf Reisen könne nicht höher bewertet werden als die Rechte von Millionen Deutschen, denen ein erneuter Lockdown drohen könnte. Neuerliche Betriebs- und Schulschließungen werde sich Deutschland nur unter erheblichsten Schwierigkeiten leisten können, warnte Steiger. Deshalb erwarte er von der Politik mehr vorausschauendes Handeln.

Die Grenzen in Europa sind weitgehend offen, Sommerurlaube können unter bestimmten Bedingungen stattfinden. Aber wie sehen die Vorschriften in den einzelnen Ländern für Reisende aus Deutschland aus? Und wie steht es um das Infektionsgeschehen? Eine Übersicht.

+++ Die Vereinten Nationen haben seit Beginn der Coronavirus-Pandemie eine starke Zunahme der Internet-Kriminalität registriert. Die Zahl der Betrugsfälle mit Phishing-Webseiten habe sich im ersten Quartal des Jahres um 350 Prozent erhöht, meldete das UNO-Gremium für Antiterrormaßnahmen. Viele der Betrugsseiten hätten Krankenhäuser und Gesundheitssysteme ins Visier genommen. Beim Phishing werden beispielsweise die Webseiten vertrauenswürdiger Institutionen nachgeahmt, in der Hoffnung, dass Nutzer ihre persönlichen Daten auf der Seite eingeben.

+++ Die deutsche Wirtschaft hat sich nach dem Export-Einbruch im ersten Halbjahr etwas erholt. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, stiegen die Ausfuhren im Juni im Vergleich zu Vormonat um knapp 15 Prozent. Die Unternehmen lieferten Waren im Wert von gut 96 Milliarden Euro ins Ausland. Positive Signale kamen vor allem aus der Industrie. Im Vergleich zum Juni letzten Jahres war es allerdings ein Export-Rückgang um 9,4 Prozent.

+++ Eine Lehrerin in Schleswig-Holstein, die wegen einer Lungenerkrankung zu den Corona-Risikogruppen gehört, muss nach einem Gerichtsbeschluss vorerst nicht in der Schule Präsenzunterricht geben. Das Verwaltungsgericht in Schleswig untersagte dem Kieler Bildungsministerium, die Lehrerin bis zu einer endgültigen Entscheidung wie geplant einzusetzen. Am Montag beginnt in dem Bundesland das neue Schuljahr.

Kinder schauen zu ihrer Lehrerin an der Tafel. (ZB/Jens Büttner)Inwieweit werden Lehrerinnen und Lehrer vor dem Virus geschützt? (ZB/Jens Büttner)

+++ In Afrika sind inzwischen mehr als eine Million Infektionen mit dem Coronavirus registriert worden. Das ergab eine auf Behördenangaben basierende Statistik der Nachrichtenagentur AFP. Die meisten dokumentierten Fälle auf dem Kontinent gab es bisher in Südafrika mit etwa 538.000 Infektionen. Ebenfalls stark betroffen sind Ägypten mit 95.000 und Nigeria mit knapp 45.000 Ansteckungen. Da in Afrika vergleichsweise wenig getestet wird, dürften die tatsächlichen Zahlen höher sein.

+++ In Deutschland wurden erneut mehr als 1.000 Neuinfektionen mit dem Coronavirus verzeichnet. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts meldeten die Gesundheitsämter 1.147 neue Fälle. Acht weitere Personen starben im Zusammenhang mit einer Infektion. Damit stieg die Gesamtzahl der Toten auf 9.183.

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