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Newsblog zum Coronavirus+++ Impfstoff-Betrüger versuchen, Regierungen zu ködern +++

Leere Ampullen des Impfstoffs von Biontech/Pfizer gegen das Corona-Virus SARS-CoV-2 stehen in einem Impfzentrum nach der Vorberietung der Spritzen auf einem Tisch. (pictura-alliance / dpa / Sven Hoppe)
Impfstoff-Betrüger haben vielen Regierungen in Europa dubiose Lieferungen angeboten. (pictura-alliance / dpa / Sven Hoppe)

EU-Ermittler beobachten immer mehr Betrugsversuche mit Impfstoffen. Die Intensivmediziner in Deutschland halten es für geboten, den Lockdown mindestens bis zum 1. April zu verlängern. Laut einer RKI-Studie sind Schüler eher kein Motor der Pandemie. Weitere Meldungen in unserem Newsblog.

Donnerstag, 25. Februar 

+++ Der versuchte Betrug mit Corona-Impfstoffen in der EU hat deutlich zugenommen. Wie das europäische Amt für Betrugsbekämpfung, kurz OLAF, berichtet, gibt es immer mehr Fake-Angebote bei den Vakzinen. Den Angaben zufolge hat die Behörde von vielen Regierungen Informationen darüber erhalten, dass dubiose Vermittler versuchen, große Mengen zugelassener Impfstoffe zu verkaufen. Es ist nicht das erste Mal, dass OLAF vor solchen Geschäften warnt. Laut der Behörde boten Vermittler den Regierungen in den vergangenen Wochen 900 Millionen Dosen Impfstoff im Wert von 12,7 Milliarden Euro an. Auch die Bundesregierung und das Land Nordrhein-Westfalen erhielten fragwürdige Angebote über obskure Vertriebswege - lehnten aber ab.

+++ Die Vereinigung der Intensivmediziner in Deutschland dringt auf eine Verlängerung des Lockdowns bis mindestens zum 1. April. Andernfalls werde die dritte Welle nur schwer oder überhaupt nicht beherrschbar sein, erklärte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, Marx. Dabei spiele besonders die Gefahr durch die Ausbreitung von Mutanten des Coronavirus eine Rolle. Die Zahl der Corona-Intensivpatienten sei zwar im Vergleich zum Jahresbeginn auf rund 2.900 gesunken, könnte aber im ungünstigsten Fall bis Mitte Mai auf bis zu 25.000 ansteigen.

Die neuen Coronavirus-Varianten breiten sich weltweit aus. Sie könnten für Impfstoffe zum Problem werden, weil der Impfschutz irgendwann nicht mehr zu den Viren passt. Ein Überblick zum Stand der Forschung und zu möglichen Strategien zur Weiterentwicklung der Vakzine.

+++ Die in Flensburg wegen der Ausbreitung der britischen Corona-Mutante geltende Ausgangssperre wird nicht weiter verlängert. Wie die Stadt mitteilte, wurde diese Entscheidung vor dem Hintergrund seit mehreren Tagen stagnierender Inzidenzwerte getroffen. Damit läuft die Ausgangssperre am Samstag aus. Die Kontaktbeschränkung auf den eigenen Haushalt bleibt bestehen. Für allein lebende Menschen gibt es aber die Ausnahme, dass sie einen weiteren Menschen treffen dürfen. Die in Schleswig-Holstein anstehenden Lockerungen etwa in Form der Öffnung von Friseuren oder Gartencenter gelten in Flensburg trotz der etwas entspannteren Lage nicht.

Verschärfte Corona-Maßnahmen in Flensburg (picture alliance/dpa/Frank Molter)Die Ausgangssperre in Flensburg fällt bald weg, die strikteren Kontaktbeschränkungen bleiben aber zum Teil bestehen. (picture alliance/dpa/Frank Molter)

+++ Beschäftigte von Schulen und Kitas können sich in einigen Berliner Arztpraxen bis zum 11. März zwei Mal die Woche kostenfrei auf Corona testen lassen. Die Senatsverwaltung für Bildung und die Kassenärztliche Vereinigung Berlin haben dafür eine Vereinbarung getroffen. Das Angebot ist als zusätzliche Testmöglichkeit gedacht. Es richtet sich besonders an das Personal von Schulen und Kitas, in denen es noch keine Schulungen gab. Dort dauere es noch einige Tage, bis das Dienstpersonal und die Fachkräfte von geschulten Kolleginnen und Kollegen schnellgetestet werden könnten.

+++ Der deutsche Impfstoffhersteller Curevac rechnet mit einer EU-Zulassung seines Corona-Impfstoffs Ende Mai oder Anfang Juni. Das teilte Curevac-Chef Haas in einer Anhörung des Europaparlaments mit. Die entscheidenden Daten der klinischen Tests seien für Mitte April zu erwarten.

+++ In England und Wales geht die Polizei schärfer bei Verstößen gegen Corona-Auflagen vor.

+++ Laut einer Untersuchung des Robert Koch-Instituts sind Schülerinnen und Schüler eher nicht als Treiber der Corona-Pandemie anzusehen. Eine Analyse von Meldedaten und Studien lege nahe, dass sie "eher nicht als 'Motor' eine größere Rolle spielen, heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichten Online-Publikation. Allerdings komme es auch bei ihnen zu Übertragungen, so dass Ausbrüche verhindert werden müssten. Lehrkräften wird dabei in dem RKI-Papier "eine vielleicht wichtigere Rolle" zugeschrieben.

+++ Wie haben sich die Fallzahlen seit Beginn der Pandemie entwickelt? Und wie unterscheiden sich die Länder dabei? Die dpa-Grafik liefert Aufschluss.

Die Grafik zeigt die Fallzahlen-Entwicklung nach Überschreitung von 100 Fällen pro Land. (dpa Grafik)Ausbreitung des Coronavirus (25.02.2021) (dpa Grafik)

+++ Russland hat den Verkaufspreis für seinen Corona-Impfstoff Sputnik V um die Hälfte auf 866 Rubel (umgerechnet 9,60 Euro) gesenkt. Der Wirkstoff stehe auf der Liste lebenswichtiger Medikamente, der Preis müsse deshalb staatlich kontrolliert werden, teilte die Regierung in Moskau mit. Außerdem habe eine Optimierung der industriellen Herstellung des Impfstoffs die Preissenkung möglich gemacht. Sie gilt demnach aber nur für das Impfprogramm in Russland. Sputnik V wird auch ans Ausland verkauft.

+++ Frankreich stellt Tschechien nach Aussage der Regierung in Prag Impfstoff aus seinem Kontingent zur Verfügung. Die Regierung in Paris habe 100.000 Dosen des Biontech-Pfizer-Präparats zugesagt, sagte Ministerpräsident Babis der Agentur CTK zufolge. In Prag wurde das als "Geste der Solidarität" gewertet. Es dürfte sich um eine Art Leihgabe handeln, die zu einem späteren Zeitpunkt aus dem tschechischen Kontingent "zurückgezahlt" werden müsste. Die Verteilung der Impfstoff-Lieferungen aus der gemeinsamen Bestellung erfolgt unter den EU-Mitgliedstaaten normalerweise auf einer Pro-Kopf-Basis.

+++ Kleine Unterschiede im R-Wert führen zu großen Unterschieden im Infektionsgeschehen:

Kleine Unterschiede im R-Wert führen zu großen Unterschieden im Infektionsgeschehen (dpa Grafik)Wenn sich der R-Wert ändert (25.02.2021) (dpa Grafik)

+++ Bundespräsident Steinmeier hat die Menschen in Deutschland aufgefordert, beim Impfen gegen das Coronavirus weniger wählerisch zu sein. Alle von der Europäischen Union zugelassenen Impfstoffe seien wirksam und verträglich, sagte Steinmeier in einer Online-Veranstaltung vor Mitarbeitern aus dem Gesundheitswesen in Bayern. Der Wunsch, sich einen bestimmten Impfstoff aussuchen zu können, sei "ein ziemliches Luxusproblem", erklärte der Bundespräsident. Menschen aus anderen Ländern hätten das ganze Jahr über keine Aussicht auf eine Impfung. Deshalb habe er nur wenig Verständnis für die Zurückhaltung gegenüber bestimmten Impfstoffen, betonte Steinmeier.

+++ Aus Angst vor neuen Coronavirus-Varianten hat Tschechien seinen Bürgern Reisen nach Brasilien und in Teile Afrikas verboten. Die Maßnahme gelte zunächst bis zum 11. April, teilte das Gesundheitsministerium in Prag am Donnerstag mit. Vor kurzem war in Tschechien erstmals die südafrikanische Corona-Mutante nachgewiesen worden - bei drei Reiserückkehrern aus Afrika. Für diese Variante wird eine höhere Übertragbarkeit angenommen. Auch in Brasilien grassiert eine als hochansteckend eingestufte Corona-Mutante.

+++ Regierungen in aller Welt haben nach Erkenntnissen von EU-Ermittlern insgesamt 400 Millionen Dosen Impfstoffe angeboten bekommen, die nicht direkt von den Herstellern stammen. In Kreisen der EU-Kommission ist von "Geister-Impfstoffen" die Rede. Die EU-Anti-Betrugsbehörde Olaf und die Strafverfolgungsbehörde Europol hätten Ermittlungen aufgenommen. Es sei nicht bekannt, ob es sich um echten Impfstoff handele, hieß es, oder um "Salzwasser in kleinen Fläschchen".

+++ Wegen der zunehmenden Ausbreitung der Coronavirus-Mutationen hat Baden-Württemberg seine Quarantäneregeln verschärft. Wie das Staatsministerium in Stuttgart mitteilte, müssen infizierte Menschen künftig 14 statt wie bislang zehn Tage in Isolation. Dies gilt auch für Haushaltsangehörige der Betroffenen sowie für alle Kontaktpersonen von Infizierten mit einer Virusmutation. Verschärft werden in dem Bundesland auch die Regeln für die Einreise-Quarantäne: Wer aus aus einem Hochinzidenzgebiet kommt oder aus einem mit Virusvarianten, kann sich nicht mehr aus der Quarantäne freitesten lassen.

Corona-Fälle in Deutschland vom 25.02.2021 (dpa-Grafik)Corona-Fälle in Deutschland (25.02.2021) (dpa-Grafik)

+++ Frankreich hat schärfere Kontrollen an der Grenze zu Deutschland angekündigt. Für alle nicht-beruflichen Fahrten in den französischen Verwaltungsbezirk Moselle ist ab März ein negativer PCR-Test nötig, wie das Gesundheits- und Europaministerium in Paris mitteilten. Für Pendler im Grenzgebiet seien wöchentliche Corona-Tests vereinbart worden. Zudem könnten deutsch-französische Polizei-Patrouillen verstärkt werden. Im Département Moselle an der Grenze zum Saarland und zu Rheinland-Pfalz breitet sich die südafrikanische Corona-Variante stark aus. Deutschland und Frankreich wollen eine Schließung der Grenze vermeiden.

+++ Wegen steigender Corona-Zahlen gilt in Finnland ab dem 8. März ein dreiwöchiger Lockdown. Dies kündigte Ministerpräsidentin Marin in Helsinki an. Danach müssen Schülerinnen und Schüler, die älter sind als 12 Jahre, in den Distanzunterricht wechseln. Zudem dürfen Restaurants nicht mehr öffnen. In Finnland war kürzlich eine neue Corona-Mutation entdeckt worden.

In New York und Kalifornien grassiert eine weitere, offenbar ebenfalls hoch ansteckende Virus-Variante. Ihr Name: B.1526.

+++ Die Zahl der Verkehrstoten ist im vergangenen Jahr auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Zählung vor mehr als 60 Jahren gefallen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes starben 2020 auf deutschen Straßen 2.724 Menschen bei Unfällen. Das waren fast elf Prozent weniger als im Vorjahr. Der Grund: Das Verkehrsaufkommen war wegen der Coronapandemie deutlich niedriger als 2019.

+++ Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut innerhalb eines Tages 11.869 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Das sind rund 1.660 mehr als am Donnerstag vor einer Woche. Außerdem verzeichnete das RKI im Zusammenhang mit dem Coronavirus 385 weitere Todesfälle, deren Gesamtzahl sich somit auf 69.125 erhöhte. Die Sieben-Tage-Inzidenz gibt das RKI mit 61,7 an.

Genauere Angaben zu den aktuellen Corona-Fallzahlen in Deutschland sowie zur Positivrate finden Sie hier

Corona-Fälle der letzten 7 Tage (Stand: 25.02.2021) (dpa Grafik)Corona-Fälle der letzten 7 Tage (25.02.2021) (dpa Grafik)

+++ Bundeskanzlerin Merkel macht mögliche Lockerungen von Alltagsbeschränkungen von weiteren Corona-Tests abhängig. Eine intelligente Öffnungsstrategie sei mit umfassenden Schnelltests untrennbar verbunden, sagte Merkel der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Darüber werde sie nächste Woche mit den Ministerpräsidenten sprechen. Am 3. März wollen Bund und Länder über das weitere Vorgehen in der Pandemie beraten. Auch Bundesfinanzminister Scholz will weitere Öffnungsschritte mit Selbst-Tests verbinden.

+++ Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Bareiß, erwartet, dass trotz Corona-Pandemie in diesem Jahr auch Sommerferien im Ausland möglich sein werden. Er hoffe, dass bis Sommer die meisten Deutschen geimpft seien und auch ins Ausland verreisen könnten, sagte der CDU-Abgeordnete der "Bild"-Zeitung. Er sehe keinen Grund, warum man beispielsweise nicht auf Mittelmeer-Inseln reisen könne, wenn der Sieben-Tage-Inzidenzwert dort unter 35 liege.

+++ Der österreichische Bundeskanzler Kurz hat sich für einen europäischen Impfpass ausgesprochen. Er setze sich dafür ein, dass man in Europa einen grünen Pass nach israelischem Vorbild einführe, sagte Kurz im Videokanal "Bild live". Am besten sollte ein europäischer Impfpass digital auf dem Handy eingerichtet werden. Wer geimpft oder nach einer überstandenen Corona-Erkrankung immun sei, sollte die volle Freiheit haben, meinte Kurz. 

+++ Der Präsident der Bundesärztekammer, Reinhardt, dringt auf schnelle Massenimpfungen in den Praxen niedergelassener Ärzte. Reinhardt sagte der "Rheinischen Post", das Ziel eines Impfangebots für alle Bürgerinnen und Bürger bis Ende September lasse sich nur dann erreichen, wenn man möglichst bald mit Massenimpfungen in den Arztpraxen beginne. Die Impfzentren der Kommunen könnten diese enorme Herausforderung allein nicht stemmen.

+++ Deutsch-französische Parlamentarier haben Vorschläge unterbreitet, wie die Grenzen zwischen ihren beiden Ländern trotz wieder steigender Corona-Infektionszahlen offen bleiben könnten. Hintergrund ist, dass sich im französischen Verwaltungsbezirk Moselle die südafrikanische Coronavirus-Variante rapide ausbreitet. In dem Text, den auf deutscher Seite Abgeordnete von Union, SPD, FDP und Grünen unterzeichnet haben, wird angeregt, überall in der deutsch-französischen Grenzregion gemeinsame Testzentren aufzubauen. Außerdem sollen zweisprachige Beschäftigte in Gesundheitsämtern eine bessere Nachverfolgung der Kontakte von Infizierten sicherstellen.

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