Die Nachrichten
Die Nachrichten

Newsblog zum Coronavirus+++ In Spanien werden Impfstoffe wegen Lieferverzögerungen knapp +++

Eine Dose Impfstoff, die mit einer Spritze entnommen wird. (picture alliance / Zoonar | Wolfgang Filser)
Impfstoff (picture alliance / Zoonar | Wolfgang Filser)

In Spanien werden Corona-Impfstoffe wegen Lieferverzögerungen bei Pharmakonzernen knapp. Norwegen kündigt die Schließung der Grenzen für alle Besucher an. Die Bundesagentur für Arbeit befürchtet einen dauerhaften Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit. Mehr in unserem Newsblog.

Mittwoch, 27. Januar

+++ Die EU-Kommission streitet weiter mit dem Pharmaunternehmen AstraZeneca über verzögerte Impfstofflieferungen gegen das Coronavirus. Wie Gesundheitskommissarin Kyriakides nach einer Videokonferenz mit Vertretern des Konzerns im Kurznachrichtendienst Twitter mitteilte, gibt es noch immer keine Klarheit über den konkreten Lieferplan. Dies sei sehr bedauerlich. Man wolle aber weiterhin mit AstraZeneca kooperieren, um die Impfstoffe rasch den EU-Bürgerinnen und -Bürgern zur Verfügung zu stellen. Kyriakides zufolge bot auch der AstraZeneca-Chef Soriot eine konstruktive Zusammenarbeit an. Die Auseinandersetzung begann mit der Ankündigung des britisch-schwedischen Herstellers, zunächst deutlich weniger Impfstoff an die EU-Staaten zu liefern als zugesagt. Astrazeneca begründete die Verzögerungen mit Engpässen in der Produktionskette.

Zwei Phiolen mit dem Coronaserum-Impfstoff von AstraZeneca. Dazwischen liegt eine Spritze. (imago/Martin Wagner)Der Corona-Impfstoff von AstraZeneca (imago/Martin Wagner)

+++ Russland hat Lieferprobleme beim Corona-Impfstoff Sputnik-V eingeräumt. Die staatliche Gesellschaft RDIF und das Gamaleya-Institut erklärten, es gebe Verzögerungen von bis zu drei Wochen. Grund seien die hohe Nachfrage und Produktionsengpässe. Die Kapazitäten würden nun ausgeweitet. Betroffen von den Verzögerungen sind demnach lateinamerikanische Staaten. Unter anderem Argentinien, Bolivien und Mexiko haben den russischen Impfstoff bestellt.

+++ In den USA steht die Wirtschaft wegen der Corona-Krise weiter unter Druck. Wie der Vorsitzende der Notenbank, Powell, in Washington mitteilte, hat sich die Erholung von Wirtschaft und Arbeitsmarkt in den vergangenen Monaten deutlich abgeschwächt. Dies liege zum großen Teil an der anhaltend hohen Arbeitslosigkeit sowie an erheblichen Konjunktur-Einbrüchen. Besonders schwierig sei es für Branchen, die direkt von der Pandemie betroffen seien wie etwa das Gastgewerbe. Powell erklärte, die weitere Entwicklung der Wirtschaft werde vom Verlauf der Krise sowie vom Fortschritt bei den Impfungen abhängen. Die US-Notenbank will ob der wirtschaftlichen Schwierigkeiten weiter an ihrer derzeitigen Geldpolitik festhalten. Der Leitzins verbleibt auf dem Niveau von 0,0 bis 0,25 Prozent.

+++ US-Behörde: Britische Virus-Mutation in 26 Bundesstaaten nachgewiesen. Die ansteckendere britische Coronavirus-Mutation ist in den USA inzwischen in mehr als der Hälfte der Bundesstaaten nachgewiesen worden. Das teilte die Direktorin der Gesundheitsbehörde CDC, Rochelle Walensky, beim ersten Coronavirus-Briefing der Experten der neuen US-Regierung. In dieser Woche sei im Bundesstaat Minnesota außerdem erstmals die Variante aus Brasilien entdeckt worden. Die Mutation aus Südafrika sei dagegen bislang noch nicht in den USA gefunden worden.

Experten gehen davon aus, dass die britische Variante bereits deutlich weiter in den USA verbreitet ist. Positive Tests werden in den USA noch verhältnismäßig selten einer Genom-Sequenzierung unterzogen, mit der neue Varianten festgestellt werden können. Die Gesundheitsbehörde hatte Mitte Januar gewarnt, die britische Mutation verbreite sich schnell und könne bis März in den USA zur vorherrschenden Variante des Coronavirus werden.

Walensky betonte, eine Ausweitung der Impfungen sei der Schlüssel im Kampf gegen die Pandemie. Sie betonte, schwere Nebenwirkungen träten sehr selten auf und seien behandelbar. Das Risiko bei einer Covid-19-Erkrankung sei erheblich größer. In der vergangenen Wochen sei die Zahl der täglich verabreichten Impfungen in den USA auf 1,6 Millionen gestiegen. Bislang seien 23,5 Millionen Impfdosen verabreicht worden.

Nach Statistiken der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore kamen in den USA bislang mehr als 426.000 Menschen nach einer Ansteckung mit dem Virus ums Leben. In dem Land mit seinen rund 330 Millionen Einwohnern wurden seit Beginn der Pandemie demnach mehr als 25,4 Millionen Coronavirus-Infektionen nachgewiesen.

+++ In Spanien werden Corona-Impfstoffe wegen Lieferverzögerungen bei Pharmakonzernen knapp. In der Folge müssten Immunisierungen von medizinischen Fachkräften und Bewohnern von Pflegeheimen verschoben werden, teilten die Behörden mit. Im Nordosten Kataloniens sollen dagegen alle noch verfügbaren Dosen verabreicht werden. Dies hat zur Folge, dass 10.000 Menschen, die bereits eine erste Dosis bekommen haben, länger als die vorgesehenen 21 Tage auf die zweite warten müssen. Gemäß den Richtlinien kann die zweite Impfstoff-Gabe bis zu 45 Tage nach der ersten verabreicht werden. In der EU liegt die Impf-Quote bei etwas mehr als zwei Prozent. In Großbritannien sind es zehn Prozent. Israel hat bisher mehr als 40 Prozent seiner Bevölkerung mit mindestens einer ersten Impf-Dosis versorgt.

+++ Die Berliner Behörden wollen die Umsetzung der seit heute geltenden Arbeitsschutzverordnung durch die Unternehmen genau überprüfen. Man werde verstärkte Kontrollen in den Betrieben starten, kündigte Arbeitssenatorin Breitenbach von der Linkspartei an. Anfangs gehe es vor allem um Firmen mit Großraumbüros, Callcenter und Versicherungen. Der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Berlin, Eder, erklärte, die Risikominimierung sei natürlich wichtig für die Pandemiebekämpfung. Er empfehle aber, mit den Schwerpunktkontrollen in den Senats- und Bezirksverwaltungen zu beginnen, um zu überprüfen, ob die Standards, die man von den Unternehmen erwarte, auch auf Behördenseite umgesetzt würden. Die Verordnung von Arbeitsminister Heil schreibt ein Homeoffice-Angebot vor. Wenn das nicht möglich ist, sollen Firmen zum Beispiel kleine und feste Arbeitsgruppen einrichten und Beschäftigte mit hochwertigen Masken ausstatten.

+++ Der Landtag von Mecklenburg-Vorpommern hat das Landeswahlgesetz geändert, um Wahlen unter den Bedingungen einer Naturkatastrophe oder einer Pandemie fristgemäß abhalten zu können. Demnach können gegebenenfalls Abstimmungen komplett per Briefwahl oder digital stattfinden. Bevor der Notfallmodus greift, muss der Landtag feststellen, dass das Land von einer Naturkatastrophe oder einem ähnlichen Ereignis höherer Gewalt betroffen ist. Daraufhin muss das Innenministerium eine Verordnung vorlegen, welche die konkreten Regeln erhält. Dieser Verordnung muss der Landtag erneut zustimmen. Das Gesetz wurde mit einer Mehrheit von SPD, CDU und Linker gegen die Stimmen der AfD beschlossen. Die AfD befürchtet unter anderem, der Verzicht auf Wahlversammlungen bevorzuge innerhalb der Parteien bekannte Kandidaten. Mecklenburg-Vorpommern wählt am 26. September einen neuen Landtag. Die Wahl findet zeitgleich mit der Bundestagswahl sowie voraussichtlich den Wahlen in Berlin und Thüringen statt.

+++ In Norwegen kündigt Ministerpräsidentin Erna Solberg die Schließung der Grenzen für alle Besucher an. "Praktisch bedeutet das, dass die Grenze für jeden, der nicht in Norwegen lebt, geschlossen wird", sagt Solberg. Ausnahmen gebe es nur für wenige Gruppen, etwa Krankenhaus-Bedienstete. Nach dem vermehrten Auftreten hochansteckender Mutationen wurde am Samstag über die Hauptstadtregion ein Lockdown verhängt. 

+++ Das Filmfestival von Cannes wurde um zwei Monate verschoben. Die Veranstaltung an der Cote d'Azur solle nun vom 6. bis 17. Juli stattfinden, teilen die Organisatoren mit. 2020 war das Festival wegen der Corona-Pandemie abgesagt worden. Im Oktober fand eine kleinere Veranstaltung mit Kurzfilmen statt und ohne den sonst üblichen Auflauf von Kino-Stars.

+++ Eigentlich wollte Baden-Württemberg Schulen und Kitas Anfang wieder öffnen. Doch jetzt ist eine Coronavirus-Mutation in einem Kindergarten in Freiburg aufgetaucht - und die Pläne vom Tisch. Unser ausführlicher Bericht.

Gruppe Kinder als multikulturelles Team im Kreis (picture alliance / Zoonar)Gruppe Kinder (picture alliance / Zoonar)

+++ Großbritannien meldet weitere 1725 Todesfälle in Zusammenhang mit dem Coronavirus. Damit steigt die Gesamtzahl der Menschen, die an oder mit dem Virus gestorben sind, auf 101.887, wie aus offiziellen Daten hervorgeht. Am Dienstag hatte das Land die traurige Marke von 100.000 Todesfällen überschritten. An Neuinfektionen wurden weitere 25.308 Fälle gemeldet. Bislang haben über sieben Millionen Menschen die erste Impfung erhalten. Angesichts der Lage geht Premierminister Boris Johnson davon aus, dass der Lockdown in England noch bis mindestens März aufrecht erhalten wird.

+++ Die Bundeswehr hat nach einem Hilferuf Portugals an die EU ein medizinisches Erkundungsteam in das südliche Partnerland geschickt. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte in Berlin, die Militärexperten sondierten dort mögliche Unterstützung für das Land. Zu Berichten portugiesischer Medien, wonach zunächst nur Deutschland reagiert habe, konnte der Sprecher keine Angaben machen. Der "Spiegel" hatte berichtet, es gehe um die Errichtung eines Feldlazaretts zur Behandlung von Corona-Patienten, die Lieferung von Sanitätsmaterial und die Aufnahme von portugiesischen Covid-Intensivpatienten in Deutschland. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur wurde das Erkundungsteam am Freitag in Deutschland zurückerwartet. Dann sollte über weitere Schritte beraten werden.

+++ Die Bundesagentur für Arbeit befürchtet einen dauerhaften Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit in der Corona-Krise. Allein seit Anfang 2020 habe sich die Zahl der Langzeitarbeitslosen um rund ein Drittel erhöht, sagte der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur, Scheele, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen war vor der Pandemie auf unter 700.000 gesunken, inzwischen ist sie wieder auf über 900.000 gestiegen, so Scheele. Er befürchte, dass es erstmals seit den Arbeitsmarktreformen vor 20 Jahren wieder eine steigende Sockelarbeitslosigkeit geben werde. Sockelarbeitslosigkeit bezeichnet eine verfestigte Arbeitslosigkeit, die sich auch in einem Aufschwung nicht einfach wieder abbaut. Als langzeitarbeitslos zählen Menschen, die ein Jahr oder länger vergeblich auf Stellensuche sind. Weitere Informationen in diesem Beitrag.

+++ In der Diskussion über Beschränkungen des Flugverkehrs in Deutschland wegen der Corona-Pandemie bevorzugt das Bundeskabinett eine europäische Lösung. Die stellvertretende Regierungssprecherin Demmer sagte in Berlin, die Bundeskanzlerin und die Ministerrunde wollten zunächst die Gespräche auf EU-Ebene in dieser Woche abwarten. Dies schließe ein nationales Vorgehen dennoch nicht aus. Bundesinnenminister Seehofer hatte angesichts der steigenden Zahl von Mutationen des Coronavirus zuvor von "drastischen Maßnahmen" gesprochen und eine Reduzierung des Flugverkehrs nach Deutschland - so wörtlich - "auf nahezu null" ins Gespräch gebracht.

+++ Die Liste jener Staaten, aus denen Menschen problemlos in die EU einreisen können, wird immer kürzer. Wegen deutlich gestiegener Corona-Infektionszahlen soll auch für Japan keine Ausnahme der zu Beginn der Pandemie eingeführten Einreisebeschränkungen mehr gelten. Darauf einigten sich die EU-Botschafter der 27 Mitgliedsstaaten am Mittwoch in Brüssel, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet. Die Entscheidung muss bis zum Donnerstag noch offiziell von den Hauptstädten im schriftlichen Verfahren bestätigt werden. Somit bleiben nur sechs Länder weltweit, aus denen Bürger normal in die EU einreisen dürfen: Australien, Neuseeland, Ruanda, Singapur, Südkorea und Thailand. Für alle anderen Staaten gelten drastische Einschränkungen.

Darauf hatten sich alle EU-Staaten außer Irland sowie die Nicht-EU-Staaten Schweiz, Norwegen, Liechtenstein und Island bereits zu Beginn der Corona-Pandemie im März verständigt. Demnach sind alle nicht zwingend notwendigen Reisen in die EU zunächst verboten. Rechtlich bindend ist der Einreisestopp allerdings nicht. Zudem gelten Ausnahmen etwa für EU-Bürger und ihre Familien. Anfang Juli wurde der Einreisestopp erstmals für einige Staaten gelockert.

Eine Liste mit Coronavirus-Risikogebieten, die das RKI aktualisiert, finden Sie hier.

+++ Portugal setzt alle Flüge von und nach Brasilien vom 29. Januar bis 14. Februar aus. Das teilte das Innenminiusterium des Landes mit. 

+++ Während der zweiten Corona-Welle seit dem Herbst sind inzwischen 53 Patienten aus anderen EU-Ländern in Deutschland behandelt worden. 31 davon kamen aus Belgien, 14 aus den Niederlanden und 8 aus Frankreich, wie ein Sprecher des Auswärtigen Amts bekanntgab. Währen der ersten Welle der Corona-Pandemie im Frühjahr wurden insgesamt 232 Intensivpatienten aus dem besonders stark betroffenen Italien, den Niederlanden und Frankreich in deutsche Krankenhäuser gebracht.

+++ Grünen-Parteichef Robert Habeck hat die Bundesregierung aufgefordert, die Produktion von Impfstoffen notfalls durch eine Zwangslizenzvergabe deutlich zu erhöhen. Die Produktion müsse steigen, und die Bundesregierung sei gefordert, alles zu tun, was irgend gehe, sagt Habeck der "Rheinischen Post". Für die Pharmakonzerne solle sich die historisch schnelle Impfstoffentwicklung auszahlen. "In letzter Konsequenz jedoch hätte die Bundesregierung über verpflichtende Lizenzvergabe die Möglichkeit, die Beteiligten zu Kooperation zu zwingen", so Habeck. "Wenn Bayer vor Wochen angekündigt hat, dass sie Impfstoffe produzieren können, bis heute aber nicht richtig eingebunden sind, dann ist das auch ein politisches Versäumnis." Das Bundesgesundheitsministerium wies die Forderung ab. "Wer Zwangslizenzen als einfache Lösung fordert, verkennt die Komplexität von Impfstoffproduktion", sagt ein Sprecher des Ministeriums der Agentur Reuters. "Im Übrigen stellt sich die Frage, welches Unternehmen denn mit einer solchen Zwangslizenz schneller zusätzliche Produktion schafft als es die Kooperationen der Pharmafirmen tun, die aktuell überall entstehen und die wir fördern."

Robert Habeck, Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen (picture alliance/dpa | Kay Nietfeld)Robert Habeck, Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen (picture alliance/dpa | Kay Nietfeld)

+++ Großbritannien: Lockdown bis mindestens Anfang März. Die britische Regierung will ihren Plan für einen Ausstieg aus dem Lockdown in der Woche ab 22. Februar vorlegen. Dann kämen die Abgeordneten aus ihrer Sitzungspause zurück, kündigt Premierminister Boris Johnson vor dem Unterhaus an. Mitte Februar werde das Bild der Lage vermutlich klarer sein. Im Moment sei es zu früh, zu sagen, wann die Beschränkungen des öffentlichen Lebens gelockert werden könnten. Man habe noch nicht genügend Daten. "Wir sind weiterhin in einer gefährlichen Situation."

+++ Frankreich schließt einen erneuten "sehr strengen" Lockdown nicht aus. Es stünden mehrere Szenarien im Raum, sagte ein Regierungssprecher. Die aktuelle abendliche Ausgangssperre ab 18 Uhr bremse die Ausbreitung des Virus nicht ausreichend aus. Aktuell gebe es ein hohes Plateau - der Druck auf die Krankenhäuser wachse.

+++ Jetzt wohl doch ein Krisentreffen in Brüssel: Die für heute geplante Konferenz der EU mit dem in die Kritik geratenen Corona-Impfstoffhersteller Astrazeneca soll nun doch zustandekommen. Ein Sprecher des schwedisch-britischen Unternehmens wies Meldungen zurück, wonach der Konzern den Termin abgesagt habe. Auch die EU bestätigte inzwischen eine Zusage.

+++ Die Bundesregierung prüft zusammen mit der portugiesischen Regierung in Lissabon mögliche deutsche Hilfen für Portugal, wo das mutierte Virus die Zahl der Neuinfektionen hat sprunghaft ansteigen lassen. Es gebe von der portugiesischen Regierung aber noch keine formale Anfrage, sagt ein Sprecher des Auswärtigen Amtes.

+++ Der schwedisch-britische Pharmakonzern AstraZeneca hat angeblich ein Krisentreffen mit der EU-Kommission abgesagt. Mehrere Nachrichtenagenturen berichten dies unter Berufung auf Quellen in der EU. Zuvor hatte AstraZeneca Vorwürfe im Zusammenhang mit Lieferproblemen des Corona-Impfstoffs zurückgewiesen.

Inzwischen heißt es von AstraZeneca, man habe das Treffen nicht abgesagt. Ob es nun heute oder morgen stattfindet - oder vielleicht doch ganz ausfällt - ist unklar.

+++ Bundesverteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer hat für die Amtshilfe der Bundeswehr etwa bei der Kontaktnachverfolgung geworben. Bislang werde die Unterstützung nur zurückhaltend angefordert, sagte die CDU-Politikerin im ZDF. Sie betonte, dass die Hilfe für Kommunen kostenlos sei.

10.11.2020, Mecklenburg-Vorpommern, Pasewalk: Soldaten der Panzergrenadierbrigade 41 ?Vorpommern? unterstützten im Landratsamt Vorpommern-Greifswald das Gesundheitsamt bei der Corona-Kontaktnachverfolgung. Die Bundeswehr hat im Nordosten derzeit 178 Soldaten im Corona-Einsatz, davon 50 im Kreis Vorpommern-Greifswald. Foto: Stefan Sauer/dpa-Zentralbild/dpa | Verwendung weltweit (Picture Alliance / dpa / Stefan Sauer)Soldatinnen und Soldaten helfen vielerorts bei der Kontaktnachverfolgung, aber auch bei Schnelltests und in Krankenhäusern (Picture Alliance / dpa / Stefan Sauer)+++ Der bayerische Gesundheitsminister Holetschek warnt angesichts anhaltender Probleme bei der Lieferung von Corona-Impfstoffen vor einem zunehmenden Vertrauensverlust in der Bevölkerung. Wenn man Zusagen erhalte, müsse man auch verlässlich mit dem Impfstoff planen können, sagte der CSU-Politiker, der derzeit der Gesundheitsministerkonferenz vorsitzt, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Andernfalls verliere man den Rückhalt der Menschen und deren Bereitschaft, sich immunisieren zu lassen.

+++ Angesichts der Gefahr hochansteckender Virusmutationen wird über drastische Einschränkungen des Reiseverkehrs diskutiert. Der stellvertretende FDP-Vorsitzende Kubicki bezeichnete Flug- oder Reiseverbote als nicht hilfreich. Schnelleres Impfen sei der einzige Weg aus der Pandemie.

Der Virologe Drosten sagte hingegen, Reisebeschränkungen seien "aus wissenschaftlicher Sicht" sinnvoll. Angesichts sinkender Fallzahlen in Deutschland müsse man auf das achten, "was von außen komme".

Ein Jahr Corona in Deutschland: Lesen Sie hier unseren Rückblick auf die erste Infektion hierzulande mit der neuen Krankheit, die damals noch gar keinen Namen hatte.

+++ Der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Günther, hat dafür plädiert, klare Perspektiven für die Lockerung der Corona-Maßnahmen aufzuzeigen. Dies sei angesichts einer gewissen Pandemiemüdigkeit wichtig, sagte der CDU-Politiker im Deutschlandfunk. Seine Landesregierung hatte gestern einen Vier-Stufen-Plan vorgestellt, der sich an der 7-Tages-Inzidenz, aber auch Faktoren wie die Impfquote und die Versorgungslage in den Krankenhäusern orientiert.

+++ Die Behörden in Hongkong haben wegen steigender Corona-Infektionszahlen Wohnblöcke ohne Vorwarnung abgeriegelt. Regierungschefin Lam erklärte, diese Vorgehensweise sei notwendig, um sicherzustellen, dass die Menschen ihre Häuser nicht verließen, um einem Corona-Test zu entgehen.

+++ Schulen mit Schutzmaßnahmen wie Abstandhalten und Maskentragen haben laut einer US-Studie kein erhöhtes Risiko, sich zu Infektionsherden zu entwickeln. Die US-Behörde zur Bekämpfung und Eindämmung von Seuchen (CDC) untersuchte dazu Daten aus Schulen in den Vereinigten Staaten und europäischen Ländern, in denen Präsenzunterricht stattfand. Zwar seien dort Corona-Infektionen aufgetreten, es spreche aber wenig dafür, dass Schulen in bedeutendem Maße zu erhöhten Ansteckungen beigetragen hätten.

+++ Der französische Pharmakonzern Sanofi will mehr als 125 Millionen Dosen des Pfizer-Biontech-Impfstoffs für die Europäische Union liefern. Sanofi wolle dem Mainzer Unternehmen Biontech Zugang zu seiner Produktionsinfrastruktur gewähren, hieß es. Die ersten Lieferungen sollen im Sommer 2021 aus den Produktionsanlagen von Sanofi in Frankfurt heraus erfolgen.

+++ Die Firmen in Deutschland halten sich zum Jahresanfang mit Einstellungen zurück. Das Ifo-Beschäftigungsbarometer fiel im Januar leicht zum Dezember, wie das Münchner Institut mitteilt. Der Corona-Lockdown führe insbesondere im Einzelhandel zu mehr Entlassungen. In der Industrie stieg der Index zwar zum achten Mal in Folge, dennoch sind die Unternehmen, die Stellen streichen wollen, noch in der Mehrheit. Positive Entwicklung dagegen gebe es in der IT-Branche sowie bei Unternehmensberatungen. Auch Supermärkte suchen laut Ifo-Institut Mitarbeiter. "Wir schliessen!" steht in einem leeren Schaufenster am Prinzipalmarkt. (picture alliance / dpa / Rolf Vennenbernd)Modegeschäfte sind einer der großen Verlierer der Coronakrise. Andere Branchen dagegen verzeichnen Umsatzrekorde. (picture alliance / dpa / Rolf Vennenbernd)

+++ Grünen-Chef Habeck dringt auf ein verstärktes Testen auch mit Selbsttests, wie sie in Österreich zugelassen seien. Er halte es für unerklärlich, warum Deutschland Tests, die in Österreich billig und schnell und in großen Massen durchgeführt werden könnten, nicht zulasse, so Habeck im ZDF. Grundsätzlich müsse viel mehr getestet werden, beispielsweise an den Schulen. 

+++ Kanzlerin Merkel sieht Deutschland bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie auf einem guten Weg, aber noch nicht am Ziel. Es gebe einen nachhaltigen Rückgang der Infektionszahlen, das bedeute, dass die ergriffenen Maßnahmen wirkten, sagte sie in der Online-Sitzung der Unionsfraktion laut Teilnehmern. Allerdings sei man noch nicht am Ziel von 50 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner in sieben Tagen. Sorgen bereiteten die Mutationen, man müsse vermeiden, dass sie dominant werden. Zu vieles Reisen würde Mutationen nach Deutschland tragen.

+++ Die EU-Arzneimittelagentur EMA schließt nicht aus, dass der Corona-Impfstoff von Astrazeneca in Europa nur für eine bestimmte Altersgruppe zugelassen wird. Das deutete die EMA-Vorsitzende Cooke im Europaparlament an. Eine begrenzte Zulassung sei grundsätzlich möglich, sie wolle einer Entscheidung der Behörde aber nicht vorgreifen. Dies werde genau geprüft.

+++ Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer will, dass der Bund die Kostenübernahme für die Einsätze der Bundeswehr in der Corona-Pandemie garantiert.

Das Bundeskabinett werde heute darüber beraten, sagte die CDU-Politikerin im ZDF. Sie habe bislang zwar immer versichert, dass die Bundeswehr keine Rechnung stelle. Dennoch gebe es bei Trägern, Kommunen oder Kreisen offenbar Angst vor Kosten, wenn sie die Bundeswehr anforderten.

Zurzeit unterstützen über 5.000 Soldatinnen und -Soldaten Gesundheitsämter bei der Kontaktnachverfolgung. In einigen Pflegeeinrichtungen hilft die Bundeswehr ferner bei der Durchführung von Schnelltests.

+++ In Deutschland wurden binnen eines Tages 13.202 neue Infektionen mit dem Coronavirus registriert. Das sind gut 2.500 weniger als vor einer Woche. Die gemeldeten Todesfälle stiegen um 982 auf 53.972, auch dieser Wert lag leicht unter dem der Vorwoche. Die Sieben-Tage-Inzidenz sank leicht auf 101.

+++ Um die Arbeit im Homeoffice während der Corona-Pandemie weiter auszubauen, tritt heute eine neue Verordnung der Bundesregierung in Kraft.

Diese verpflichtet Arbeitgeber, ihren Mitarbeitern die Arbeit von zuhause aus anzubieten, soweit keine zwingenden betriebsbedingten Gründe dagegen sprechen. An einen bestimmten Inzidenzwert ist die Verordnung nicht geknüpft. Die Einhaltung der neuen Regeln soll von den Arbeitsschutzbehörden der Länder kontrolliert werden.

Bundesarbeitsminister Heil sagte im Vorfeld, Arbeitgeber müssten auf Verlangen der Behörden Gründe vorlegen, weshalb die Arbeit im Homeoffice nicht möglich sei. Im Extremfall seien auch Bußgelder von bis zu 30.000 Euro möglich. Die Verordnung gilt zunächst befristet bis Mitte März.Die Bundesregierung dringt wegen der Corona-Pandemie auf mehr Homeoffice. Eine Frau sitzt mit einem Laptop an einem Tisch im Homeoffice. (dpa/Fabian Strauch)Die Bundesregierung dringt wegen der Corona-Pandemie auf mehr Homeoffice. (dpa/Fabian Strauch)

+++ In den Niederlanden ist es nach den Krawallen der vergangenen Nächte weitgehend ruhig geblieben. Zu Beginn der Corona-Ausgangssperre um 21 Uhr registrierte die Polizei nur vereinzelt kleine Zusammenstöße mit Randalierern. Es gab einige Festnahmen. In den Nächten zuvor hatte es in mehreren Städten Krawalle gegeben.

Hören Sie hierzu die Dienstags-Ausgabe des Podcasts Deutschlandfunk - Der Tag: Warum es kracht in den Niederlanden

+++ Bundeswirtschaftsminister Altmaier legt heute den Jahreswirtschaftsbericht im Kabinett vor. Nach dem Einbruch der Wirtschaftsleistung 2020 wegen Corona rechnet die Bundesregierung für dieses Jahr mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts um 3 Prozent.

+++ Die Bundesärztekammer fordert Regierung und EU-Kommission auf, bei den Herstellern von Corona-Impfstoffen auf der Einhaltung vertraglich zugesicherter Mengen und Termine zu bestehen. Die Ursachen der Lieferschwierigkeiten etwa bei Astra-Zeneca müssten geklärt und so schnell wie möglich behoben werden, sagte Ärztekammer-Präsident Reinhardt der Düsseldorfer "Rheinischen Post".

+++ Der schwedisch-britische Pharmakonzern AstraZeneca hat Vorwürfe im Zusammenhang mit Lieferproblemen beim Corona-Impfstoff zurückgewiesen. Man verkaufe das Vakzin nicht anderswo für Profit, sagte Unternehmenschef Soriot in einem gemeinsamen Interview europäischer Zeitungen. Man habe den Impfstoff gemeinnützig entwickelt und verdiene damit kein Geld. In der EU-Kommission gibt es den Verdacht, die angekündigten Engpässe könnten darauf zurückzuführen sein, dass Großbritannien und andere Nicht-EU-Länder bevorzugt beliefert würden.

+++ In Deutschland gilt von heute an die Homeoffice-Verordnung des Bundesarbeitsministeriums. Diese verpflichtet Arbeitgeber, ihren Mitarbeitern die Arbeit von zuhause aus anzubieten, soweit keine zwingenden betriebsbedingten Gründe dagegen sprechen. An einen bestimmten Inzidenzwert ist die Verordnung nicht geknüpft.

Dienstag, 26. Januar

+++ Bayerns Ministerpräsident Söder (CSU) hat vor dem Hintergrund sinkender Corona-Zahlen vor überstürzten Lockdown-Lockerungen gewarnt. Die Tendenz bei den Zahlen sei positiv, sagte Söder nach einer Videoschalte des Kabinetts in München. Unter Verweis auf das mutierte Virus warnte Söder aber, "toxisch" wäre eine Verbreitung der Mutation parallel zu einer überstürzten Lockerung. Man dürfe jetzt nicht nachlassen, es ist noch nicht vorbei, betonte er. Nach Angaben der "Bild"-Zeitung plädierte Seehofer zudem für die Reduzierung des Flugverkehrs nach Deutschland "auf nahezu Null". Als Vorbild habe er Israel genannt.

+++ Italien fordert die EU-Kommission zu Maßnahmen gegen den US-Konzern Pfizer wegen Verzögerungen bei der Lieferung von Impfstoffen auf. Es müsse angemessen auf dies vertragswidrige Verhalten reagiert werden, forderte der Sonderbevollmächtigte der Regierung in Rom. Mit dem italienischen Vorstoß wird das ohnehin angespannte Verhältnis zwischen der EU und dem Konzern weiter belastet

+++ In Großbritannien sind seit Beginn der Corona-Pandemie mehr als 100.000 Menschen in Zusammenhang mit dem Virus gestorben. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums liegt die Zahl der Toten inzwischen bei 100.162. Großbritannien ist damit das erste Land in Europa, das diese Marke überschreitet. Der Epidemiologe und medizinische Chefberater der britischen Regierung, Whitty, erklärte, es seien noch viele weitere Todesfälle zu erwarten, bevor die Auswirkungen der Impfkampagne spürbar seien. Nach Angaben der Regierung haben inzwischen knapp 6,9 Millionen Briten eine erste Impfdosis erhalten.

+++ In Irland wird der Lockdown um weitere sechs Wochen bis zum 5. März verlängert. Das kündigte Premierminister Martin in Dublin an. Grund sind die um den Jahreswechsel sprunghaft gestiegenen Corona-Fallzahlen, nachdem es über die Weihnachtsfeiertage einige Lockerungen gegeben hatte. Nun sind die Bürgerinnen und Bürger aufgerufen, zu Hause zu bleiben und sich nicht weiter als fünf Kilomter von ihrem Wohnort wegzubewegen. Alle Schulen, Geschäfte und die Gastronomie bleiben geschlossen. In Irland ist inzwischen die zuerst in Großbritannien entdeckte Variante des Corona-Virus sehr verbreitet.

Irland, Dublin: Ein Polizist hält Autofahrer an einem Kontrollpunkt an den Quays im Stadtzentrum an, während Irland sich in einem Corona-Lockdown befindet. (Niall Carson/PA Wire/dpa)Irland verlängert Lockdown (Niall Carson/PA Wire/dpa)

+++ Am Klinikum Bayreuth gelten wegen des Verdachts auf ein mutiertes Coronavirus verschärfte Vorsichtsmaßnahmen. Wie das Unternehmen mitteilte, sind die betroffenen Krankenhäuser vorerst geschlossen, Patienten werden nur noch in Notfällen aufgenommen. Entlassen wird nur, wer innerhalb von 48 Stunden zwei negative Coronatests vorweisen kann. Die mehr als 3.300 Mitarbeitenden des Klinikums befinden sich den Angaben zufolge außerhalb ihrer Arbeitszeiten in häuslicher Quarantäne. In elf von 30 eingesandten Proben besteht der Verdacht auf die in Großbritannien aufgetretene Corona-Mutation. 

+++ Die EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen hat die Hersteller von Corona-Impfstoffen aufgefordert, ihre Lieferverpflichtungen zu erfüllen. Europa habe Milliarden Euro in die Entwicklung investiert, sagte von der Leyen in ihrer per Video übertragenen Rede für das Weltwirtschaftsforum in Davos. Jetzt müssten die Firmen liefern und Verträge einhalten. Gesundheitsminister Spahn erwägt Exportbeschränkungen für in der EU produzierte Impfstoffe. Astrazeneca hatte am Freitag mitgeteilt, den EU-Staaten zunächst deutlich weniger Impfdosen zu liefern als vereinbart. Für Großbritannien soll dies nicht gelten.

Schweiz, Cologny: Klaus Schwab (l), Gründer und Vorstandsvorsitzender des Weltwirtschaftsforums (WEF), hört Ursula von der Leyen (CDU), Präsidentin der Europäischen Kommission, zu während einer Videokonferenz bei der Davos Agenda in Cologny.  (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in einer Videokonferenz auf dem Weltwirtschaftsforum. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

+++ Die Bundesregierung teilte auf ihrer Homepage mit, dass sie im Falle von deren Zulassung folgende Impfstoffe erwarte: von Biontech/Pfizer 60 Millionen Dosen über die EU mit einer nationalen Option auf 30 Millionen weitere. Zudem habe die EU weitere 300 Millionen Dosen geordert. Von Moderna werden 50,5 Millionen, von CureVac 42 Millionen, von Johnson&Johnson 37,5 Millionen und von AstraZeneca 56,2 Millionen Dosen erwartet.

+++ Bislang sind nach Angaben der Bundesregierung 1.921.689 Impfdosen verbraucht worden. Damit seien 1.638.425 Personen geimpft worden. Das entspreche zwei Prozent der Bevölkerung. 283.264 Personen hätten bereits die Zweitimpfung erhalten. 

+++ Der EU-Parlamentarier Liese hat im Streit um Lieferkürzungen des Corona-Impfstoffs der Firma Astrazeneca für die EU Export-Verbote angeregt. Wenn die EU merke, dass sie an der Nase herumgeführt werde, müsse sie über solche Beschränkungen nachdenken, sagte der CDU-Politiker im Deutschlandfunk. Astrazeneca produziere in mehreren europäischen Ländern, die Abfüllung des Impfstoffs erfolge auch im deutschen Dessau. Liese forderte das Unternehmen zu einer schnellen Kurskorrektur auf, ansonsten drohe ein katastrophaler Imageschaden. 

+++ Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Wanderwitz (CDU), betonte, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Anteil der AfD-Anhänger in einer Region und der dortigen Corona-Lage gebe. Wer die Infektionsschutzmaßnahmen ablehne, wie viele AfD-Anhänger, Reichsbürger und Esoteriker, helfe am Ende bei der Ausbreitung des Virus, sagte er den RND-Zeitungen. Die AfD nannte Wanderwitz als Ostbeauftragten daraufhin "untragbar".

+++ Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hat einen Eilantrag gegen die Pflicht zur Benutzung eines medizinischen Mund-Nasen-Schutzes in Bussen und Bahnen sowie beim Einkaufen abgelehnt. Zur Begründung hieß es, FFP2-Masken böten einen erhöhten Selbst- und Fremdschutz. Die Kosten für die Anschaffung seien grundsätzlich zumutbar. Darüberhinaus setzte das Gericht die 15-Kilometer-Grenze für den Bewegungsradius in der Pandemie vorläufig außer Kraft. Für viele Bürger in Corona-Hotspots werde damit nicht deutlich und anschaulich genug, wie weit sie sich für Tagesausflüge rund um ihren Wohnort bewegen dürften, heißt es. Gegen die Beschlüsse gibt es keine Rechtsmittel.

+++ Die offizielle Corona-Warn-App des Bundes wird künftig auch Statistiken enthalten, die einen Überblick über die wichtigsten Kennzahlen zum aktuellen Infektionsgeschehen in Deutschland geben. Das kündigte der Softwarekonzern SAP in einem Blogeintrag an. Das Informationsangebot ist Teil der neuen Version 1.11, die noch in dieser Woche in den App Stores von Google und Apple zur Verfügung stehen soll. Die Nutzerinnen und Nutzer könnten dann in der App stets auf die aktuellen Zahlen zu den Neuinfektionen, der Sieben-Tage-Inzidenz und dem Sieben-Tage-R-Wert zugreifen. Außerdem wurden in der neuen App-Version Fehler beseitigt.

+++ Wegen der Corona-Pandemie findet der Mikrozensus in diesem Jahr ohne persönliche Interviews bei den Befragten zu Hause statt. Die Daten werden stattdessen durch Interviews per Telefon, online oder mittels klassischem Papierfragebogen erhoben. Das teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit. Von Januar bis Dezember werden demnach insgesamt rund 810.000 Menschen aus etwa 370.000 Haushalten befragt. Sie sind gesetzlich zur Auskunft verpflichtet. Gefragt wird zu Themen wie Schule und Studium, Aus- und Weiterbildung, Beruf und Arbeitssuche, Einkommen, Kinderbetreuung, Internetnutzung und Wohnsituation erhoben. Die Ergebnisse des Mikrozensus sollen die wirtschaftliche und soziale Situation der Haushalte in Deutschland abbilden und wichtige Informationen zur Bevölkerungsstruktur liefern.

+++ Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Ludwig, sieht eine wachsende Gefahr von Internet- und Mediensucht in der Corona-Pandemie. Eine problematische Nutzung von Smartphones, Computerspielen und Internet sei insbesondere bei Minderjährigen zu beobachten, sagte Ludwig der "Augsburger Allgemeinen". Jeder dritte Jugendliche sei betroffen. Die Corona-Krise zwinge Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene dazu, mehr Zeit denn je vor dem Bildschirm zu verbringen. Trotz der positiven Aspekte, dass digitale Medien Homeschooling und Homeoffice möglich machten, müsse man schlichtweg auch mal den Stecker ziehen und etwas anderes machen, betonte die CSU-Politikerin.

+++ Nach mehrwöchiger Pause hat der Gründer der "Querdenken"-Initiative, Ballweg, wieder zu einer größeren Protestveranstaltung gegen die staatlichen Corona-Maßnahmen aufgerufen. Wie er auf YouTube ankündigte, ist für den 27. Januar ein Autokorso in Stuttgart geplant. An Weihnachten hatte Ballweg erklärt, vorerst keine Demonstration mehr zu organisieren. Er wolle den Winter nutzen, "um Kräfte zu sammeln". Die "Querdenken"-Bewegung wird mittlerweile in Baden-Württemberg vom Verfassungsschutz beobachtet. Das Landesamt ordnet mehrere maßgebliche Akteure der Inititative dem Milieu der Reichsbürger und Selbstverwalter zu.

Corona-Demonstrationen - Wer marschiert da zusammen?

+++ Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut innerhalb eines Tages 6.408 neue Coronavirus-Infektionen gemeldet. Das sind fast 5.000 weniger als am Dienstag vor einer Woche. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus stieg um 903 auf insgesamt 52.990. Die bundesweite Sieben-Tages-Inzidenz sank auf 107,6 Infektionen pro 100.000 Einwohner.

Fokussieren wir uns in der Berichterstattung zu sehr auf Zahlen? Das ist Thema im Podcast "Nach Redaktionsschluss".

+++ Das Pharmaunternehmen AstraZeneca hat Berichte zurückgewiesen, nach denen sein Corona-Impfstoff bei Senioren nur eine bis auf acht Prozent reduzierte Wirksamkeit haben soll. Die Angaben seien "komplett falsch", erklärte das Unternehmen. Unter anderem die "Bild"-Zeitung und das "Handelsblatt" hatten gemeldet, dass der Impfstoff in der EU wohl nur für Menschen unter 65 Jahren zugelassen werde. Eine Entscheidung der Europäischen Arzneimittelbehörde wird noch in dieser Woche erwartet.

Warum wird die Wirksamkeit des AstraZeneca-Impfstoffs bezweifelt? Ein Überblick

Zwei Phiolen mit dem Coronaserum-Impfstoff von AstraZeneca. Dazwischen liegt eine Spritze. (imago/Martin Wagner)Der Corona-Impfstoff von AstraZeneca (imago/Martin Wagner)

Lesen Sie hier unseren Hintergrund: Will AstraZeneca die EU ausbooten?

+++ In mehreren Städten der Niederlande ist es erneut zu Ausschreitungen gekommen. Unter anderem in Rotterdam, Amsterdam, Amersfoort und Geleen missachteten zahlreiche Personen die Corona-Ausgangssperre. Sie plünderten Geschäfte, warfen Steine auf Polizisten und beschossen sie mit Feuerwerkskörpern. Die Sicherheitskräfte setzten Korrespondentenberichten zufolge Wasserwerfer und Tränengas ein. Laut einer ersten Bilanz der Polizei wurden mehr als 150 Personen festgenommen.

Randalierer haben eine Straße blockiert, es brennt ein Feuer, (AFP/ Marco de Swart)Es ist die zweite Nacht in Folge mit Krawallen in den Niederlanden. (AFP/ Marco de Swart)

+++ Zur Eindämmmung des Coronavirus hat Israel seinen internationalen Flughafen in Tel Aviv weitgehend geschlossen. Mit der um Mitternacht in Kraft getretenen drastischen Einschränkung des Luftverkehrs will die Regierung das Einschleppen weiterer Coronavirus-Mutationen verhindern. Die Schließung des Ben-Gurion-Flughafens soll vorerst bis Ende des Monats gelten. 

+++ Der Armutsforscher Butterwegge hat eine mangelnde Unterstützung für ärmere Familien in der Coronakrise beklagt. Der Kölner Politikwissenschaftler sagte im Deutschlandfunk, die Bundesregierung habe erst ein halbes Jahr nach Beginn der Pandemie einen Kinderbonus von jeweils 300 Euro im September und Oktober gezahlt. Für Eltern im Hartz-IV-Bezug sei das zwar sicherlich sehr wichtig gewesen, notwendig sei aber kontinuierliche Hilfe. Hier müsse die Regierung nachbessern.

+++ US-Präsident Biden hat die corona-bedingten Einreiseverbote in die USA für Reisende aus Europa verlängert. Gemäß einer Anordnung seines Amtsvorgängers Trump hätten diese eigentlich ab morgen gelockert werden sollen. Das Weiße Haus nannte als Begründung die neuen Mutationen des Virus.

Hier geht es zu unserem Archiv.

Nachrichtenportal