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Newsblog zum Coronavirus+++ Länder gehen unterschiedliche Wege bei Maskenpflicht an Schulen +++

Grundschülerinnen sitzen mit Mund-Nasen-Schutz in einem Klassenraum in Düsseldorf, vor ihnen liegen die Corona-Teststäbchen für den sogenannten Lolli-Test  (Imago/ Political Moments)
Angesichts steigender Infektionszahlen gehen die Bundesländer unterschiedliche Wege bei der Maskenpflicht an Schulen. (Imago/ Political Moments)

In NRW fällt die Maskenpflicht im Unterricht, Bayern führt sie wohl wieder ein. +++ Menschen ab 60 Jahren profitieren laut dem Virologen Kekulé von einer Auffrischungsimpfung. +++ Die Deutsche Krankenhausgesellschaft warnt vor einer Überlastung der Kliniken. +++ Mehr im Newsblog.

Donnerstag, 28. Oktober

+++ Angesichts steigender Infektionszahlen gehen die Bundesländer unterschiedliche Wege bei der Maskenpflicht an Schulen.

In Nordrhein-Westfalen wird die Pflicht im Klassenraum zum 2. November abgeschafft. Landesschulministerin Gebauer sagte in Düsseldorf, Schüler müssten die Maske nur noch im übrigen Gebäude tragen und wenn sie ihren festen Sitzplatz verlassen. Für Lehrer entfällt die Maskenpflicht, solange ein Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden kann.

Dagegen müssen Schüler in Bayern nach den Herbstferien am 8. November voraussichtlich auch im Unterricht wieder Masken tragen. Ministerpräsdient Söder sagte, endgültig werde man das in der kommenden Woche entscheiden. Die Maske sei die schnellste und einfachste Form des Schutzes, betonte Söder.

+++ Der Virologe Alexander Kekulé spricht sich für eine Auffrischungsimpfung für Menschen ab 60 Jahren aus.

Porträt des Virologen Prof. Alexander Kekulé, 29.01.2020. (picture alliance / dpa / Horst Galuschka)Virologe Prof. Alexander S. Kekulé (picture alliance / dpa / Horst Galuschka)

Kekulé sagte MDR aktuell, die Daten zeigten, dass die Wirksamkeit der Impfstoffe in Bezug auf die Delta-Variante insbesondere bei älteren Menschen zu wünschen übrig lasse. Menschen ab 60 Jahren profitierten daher von einer Auffrischungsimpfung, so Kekulé. Dies sei eine Strategie, um die Sterblichkeit weiter zu reduzieren. Bei den über 70-Jährigen gebe es eine schlechte Quote der Drittimpfungen. Hier brauche es gezielte Kampagnen, forderte Kekulé.

Die Ständige Impfkommission empfiehlt eine Auffrischungsimpfung derzeit für folgende Gruppen:

  • Personen im Alter von mehr als 70 Jahren
  • Bewohner und Betreute in Einrichtungen der Pflege für alte Menschen. Hier sind auch Bewohner im Alter von weniger als 70 Jahren eingeschlossen.
  • Pflegepersonal und andere Tätige mit direktem Kontakt mit den zu Pflegenden in ambulanten, teil- oder vollstationären Einrichtungen der Pflege für alte Menschen oder andere Personen mit einem erhöhten Risiko für schwere COVID-19-Krankheitsverläufe. 
  • Personal in medizinischen Einrichtungen mit direktem Patientenkontakt

Die Auffrischimpfung mit einem mRNA-Impfstoff soll frühestens 6 Monate nach Abschluss der Grundimmunisierung erfolgen - unabhängig davon, welcher Impfstoff zuvor verwendet wurde. Bei mRNA-Impfstoffen soll laut Stiko möglichst der bei der Grundimmunisierung verwendete Impfstoff zur Anwendung kommen.

+++ In mehreren Ländern Afrikas fehlt es nicht nur an Corona-Impfstoff, sondern auch an Spritzen.

Das Foto zeigt eine Impfung in Kampala/Uganda im Juni 2021. (imago)Das Foto zeigt eine Impfung in Kampala/Uganda. (imago)

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation haben bisher zum Beispiel Kenia, Ruanda und Südafrika zu wenig davon. Das könnte auch so bleiben, wenn im nächsten Jahr wie geplant mehr Impfstoff für den Kontinent verfügbar sein sollte. Das Kinderhilfswerk Unicef geht davon aus, dass 2,2 Milliarden Spritzen für Impfkampagnen fehlen könnten. Von diesen werden weltweit wohl nicht genug hergestellt. In Afrika selbst werden spezielle Einwegspritzen gar nicht produziert.

Die Länder in Afrika liegen bei den Corona-Impfzahlen weit zurück. Dort sind nach WHO-Angaben erst sechs Prozent der Bevölkerung auf diese Weise voll gegen Corona geschützt. In reicheren Ländern sind es dagegen im Schnitt mehr als 40 Prozent der Menschen.

+++ Unterhändler des Europaparlaments und der EU-Staaten haben sich auf eine Stärkung der Europäischen Arzneimittelbehörde verständigt.

Der Eingangsbereich der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) im Amsterdam. (AP)Die Europäische Arzneimittelbehörde in Amsterdam (AP)

Wie der Rat der EU-Staaten mitteilte, soll die EMA in die Lage versetzt werden, künftig auf Gesundheitskrisen wie die Corona-Pandemie besser reagieren zu können. Ziel ist es, etwaige Versorgungsengpässe mit Medikamenten und Medizinprodukten zu vermeiden. Auch soll die Behörde dafür sorgen, dass im Fall einer neuen Krise sichere und wirksame Arzneien entwickelt werden.

Die Stärkung der EMA mit Sitz in Amsterdam ist eine Konsequenz der als zu langsam kritisierten EU-Reaktion auf die Corona-Pandemie.

+++ Der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat zu Corona-Auffrischungsimpfungen aufgerufen - und sich selbst eine zusätzliche Spritze geben lassen. "Boostern Sie Ihren Impfschutz für den Winter", twitterte der CDU-Politiker. Spahn bekam seine Auffrischungsimpfung nach Ministeriumsangaben mit dem Präparat von Biontech im Bundeswehrkrankenhaus in Berlin. Im Mai hatte er sich nach einer vorherigen durchgemachten Corona-Infektion zunächst mit dem Mittel von Astrazeneca impfen lassen.

Auch der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission, Mertens, warb für Auffrischungs-Impfungen, insbesondere für die über 70-Jährigen. Wichtig seien aber auch mehr Grundimmunisierungen bei Menschen mittleren Alters, sagte Mertens im Deutschlandfunk (Audio-Link). Denn: Die Wirkung der Coronaimpfungen lässt mit der Zeit nach. Deshalb empfiehlt die Ständige Impfkommission gefährdeten Gruppen eine dritte Dosis. Anspruch auf eine sogenannte Booster-Impfung haben aber schon jetzt viel mehr Menschen in Deutschland. Wann ist sie sinnvoll? Ein Überblick.

+++ Russland hat einen neuen Höchstwert an Neuinfektionen mit dem Coronavirus und an Todesopfern gemeldet. Binnen 24 Stunden wurden mehr als 40.000 Ansteckungen und 1.159 Todesfälle im Zusammenhang mit der Pandemie registriert, wie die Behörden mitteilten. In der Hauptstadt Moskau schlossen alle nicht zur Grundversorgung nötigen Geschäfte sowie Schulen, Kindergärten, Restaurants und Kultur- sowie Sporteinrichtungen für elf Tage. Nur der Verkauf von Medikamenten, Lebensmitteln und anderen lebensnotwendigen Gütern ist ausgenommen.

+++ Trotz steigender Infektionszahlen wird in nordrhein-westfälischen Schulen die Maskenpflicht im Klassenraum zum 2. November abgeschafft. Das teilte NRW-Schulministerin Gebauer mit. Schülerinnen und Schüler müssten die Maske nur noch im übrigen Gebäude tragen und wenn sie ihren festen Sitzplatz verlassen. Für Lehrkräfte entfällt die Maskenpflicht, solange ein Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden kann. Die Corona-Tests an den Schulen sollen nach den bisherigen Planungen nicht ausgeweitet werden. Verbände und Politiker hatten eine Aufhebung der Maskenpflicht im Unterricht als riskant und verfrüht kritisiert.

Eine FFP2-Maske liegt in einer ersten Klasse an einer Grundschule auf einem Tisch. (dpa)Am Platz können die Masken an Schulen in NRW bald abgenommen werden, auf den Fluren sollen die Kinder und Jugendlichen sie weiter tragen. (dpa)

+++ Weil es in jüngeren Altersgruppen immer mehr Corona-Fälle gibt, setzen Kinderärzte auf baldige Impfungen für unter Zwölfjährige. In den nächsten Wochen könnte es die europäische Zulassung des Biontech-Impfstoffs für die Fünf- bis Elfjährigen geben, die dann auch in Deutschland übernommen wird, sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, Dötsch, der Funke Mediengruppe.

+++ Die europäische Arzneimittelbehörde EMA hat angekündigt, noch vor Weihnachten über eine Zulassung zu entscheiden. In den USA will die Arzneimittelbehörde FDA noch in dieser Woche eine Entscheidung treffen. In Bayern lag die Inzidenz unter 6- bis 11-Jährigen gestern auf einem Höchstwert von 415.

+++ Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Infektionen ist abermals gestiegen. Sie liegt nach Angaben des Robert Koch-Instituts jetzt bei 130,2. Am Vortag betrug der Wert 118 und vor einer Woche 85,6. Die Gesundheitsämter meldeten mehr als 28.000 neue Ansteckungen. Den Angaben zufolge starben 126 weitere Menschen im Zusammenhang mit dem Virus. Damit stieg die Zahl der Corona-Toten seit Beginn der Pandemie auf hierzulande fast 95.500.

+++ Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen stieg ebenfalls. Sie beträgt laut RKI 3,07. Einen bundesweiten Schwellenwert, ab wann die Lage kritisch zu sehen ist, gibt es für die Hospitalisierungs-Rate nicht, unter anderem wegen großer regionaler Unterschiede. Der bisherige Höchstwert lag um die Weihnachtszeit bei rund 15,5.

+++ Angesichts der steigenden Zahlen wächst abermals die Sorge vor einer Überlastung der Krankenhäuser. Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gaß, sprach von einer kritischen Situation der Pandemie. Wenn die Entwicklung anhalte, seien bereits in zwei Wochen wieder 3.000 Covid-Erkrankte auf Intensivstationen, sagte Gaß dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Auch wenn die Krankenhäuser dies leisten könnten, werde es mit Einschränkungen des Regelbetriebs verbunden sein. Planbare, weniger dringliche Behandlungen müssten verschoben werden.

Eine Mitarbeiterin der Pflege steht in einem Patientenzimmer auf der Corona-Intensivstation des Universitätsklinikums Essen (picture alliance / dpa - Fabian Strauch)Die Corona-Fälle auch auf Intensivstationen nehmen wieder zu. (picture alliance / dpa - Fabian Strauch)

+++ Der Vorsitzende des Weltärztebundes Montgomery stellte fest, die Krankheit tobe sich jetzt bei den Ungeimpften aus, während die Geimpften recht zuverlässig vor schweren Verläufen geschützt seien. Der "Augsburger Allgemeinen" sagte Montgomery, das Pflegepersonal der Intensivstationen und die Ärzte arbeiteten längst am Anschlag. Die gegenwärtige Entwicklung mache ihm große Sorgen.

+++ Eine große Mehrheit unter den nicht gegen das Coronavirus Geimpften wird sich laut einer Umfrage vorerst wohl nicht von einer Immunisierung überzeugen lassen. Bei einer Befragung durch das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums hätten rund zwei Drittel angegeben, sich auf keinen Fall in den nächsten zwei Monaten impfen zu lassen, berichten die Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. Weitere 23 Prozent tendierten demnach zu "eher nein". Als häufigster Grund gegen die Entscheidung zur Impfung wurden Zweifel an der Sicherheit der verfügbaren Impfstoffe und Skepsis gegenüber deren Wirksamkeit angegeben.

Sogenannte Querdenker ziehen in einem Protestmarsch aus der Innenstadt zum Veranstaltungsgelände auf dem Kirmesplatz und tragen dabei ein Plakat mit der Aufschrift „Freie Impfentscheidung. Keine Kinderimpfung. Keine digitalen Impfpässe. Volle Grundrechte für alle“. Laut Polizeiangaben zählt die Demonstration gegen die Corona-Schutzmaßnahmen 500 Teilnehmer. (pa/dpa/Jonas Güttler)Für die meisten Befragten sind nicht die Grundrechte das Hauptargument gegen eine Corona-Impfung, sondern Sorgen wegen der Sicherheit und Wirksamkeit der Vakzine. (pa/dpa/Jonas Güttler)

+++  In den USA steigt die Zahl der Neuinfektionen binnen eines Tages um mehr als 117.000 auf rund 45,84 Millionen. Das ergibt eine Reuters-Zählung auf Basis offizieller Daten der Gesundheitsbehörden. Die Zahl der Todesfälle in Zusammenhang mit dem Coronavirus steigt um mindestens 2018 auf 743.903. Die deutlich ansteckendere Delta-Variante des Virus hat Ökonomen zufolge das Wirtschaftswachstum in den USA im dritten Quartal wahrscheinlich deutlich gebremst. 

+++ Der SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach befürwortet Vorschläge von SPD, Grünen und FDP zur Beendigung der epidemischen Lage. Das Eckpunktepapier der drei Parteien werde der Bekämpfung der Corona-Pandemie gerecht, sagte er der "Rheinischen Post" aus Düsseldorf. Es sei ein guter Kompromiss aus weiterhin möglichen Maßnahmen für die Länder und einer Absage an harte Einschnitte. Niemand brauche mehr einen Lockdown oder Schulschließungen. Im Frühjahr werde sich aber erst noch zeigen müssen, ob alle Corona-Maßnahmen fallen könnten. Klar sei aber, dass die meisten Ungeimpften von heute bis dahin entweder geimpft, genesen oder leider verstorben sein würden, denn das Infektionsgeschehen mit schweren Verläufen betreffe vor allem Impfverweigerer.

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