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Newsblog zum Coronavirus+++ Spahn für Ende des Corona-Notstands +++

Jens Spahn (CDU), Bundesminister für Gesundheit, auf dem Weg ins Konrad-Adenauer-Haus. Er trägt eine FFP2-Maske. (dpa/Kay Nietfeld)
Jens Spahn (dpa/Kay Nietfeld)

Gesundheitsminister Spahn befürwortet ein Ende der Corona-Notlage ab 25. November. +++ Nach tagelangen Protesten gegen das Corona-Zertifikat im Hafen der norditalienischen Stadt Triest hat die Polizei die Demonstranten zurückgedrängt. +++ Etwa jedes dritte Unternehmen in Deutschland sieht ein erhöhtes Risiko für Cyberangriffe durch die Pandemie. +++ Mehr im Newsblog.

Montag, 18. Oktober

+++ Nach tagelangen Protesten gegen das Corona-Zertifikat im Hafen der norditalienischen Stadt Triest hat die Polizei die Demonstranten zurückgedrängt. Medienberichten zufolge wurden dabei auch Wasserwerfer und Tränengas eingesetzt. Es kam zu Rangeleien mit den Ordnungskräften. Seit vergangenem Freitag protestieren Hafenarbeiter und Aktivisten in Triest gegen die neu eingeführte Pflicht zur Vorlage eines Corona-Passes am Arbeitsplatz, mit dem eine Immunisierung oder ein negatives Testergebnis belegt werden muss. 

Proteste gegen die Corona-Politik in Italien in der Hafenstadt Triest - die Polizei setzt Wasserwerfer ein, um Blockaden zu räumen.  (imago / ZUMA Press)Proteste gegen die Corona-Politik in Italien in der Hafenstadt Triest (imago / ZUMA Press)

+++ Sport-Geschäftsführer Jörg Schmadtke vom VfL Wolfsburg hat die Entscheidung verteidigt, bei Bundesliga- oder Champions-League-Spielen seines Clubs nur noch geimpfte oder genesene Zuschauer ins Stadion zu lassen. Hintergrund ist die Kritik einiger Fans daran, dass man von Stadionbesuchern eine Impfung verlange, einige Spieler dagegen womöglich gar nicht geimpft seien.

Das Verhältnis zwischen Club und Spieler sei ein Verhältnis "von Arbeitgeber zu Arbeitnehmer", sagte Schmadtke dem "Sportbuzzer". "Als Verein kann ich es nicht zu einer verpflichtenden Maßnahme für Spieler machen, weil ich finde, dass jeder Mensch eine Möglichkeit haben muss, sich selbst zu entscheiden." Beim Stadionbesuch gehe es dagegen um ein Freizeitverhalten. Da könne man "Rahmenbedingungen schaffen, die akzeptiert werden oder nicht", sagte Schmadtke.

+++ Bundesgesundheitsminister Spahn spricht sich dafür aus, die so genannte epidemische Lage von nationaler Tragweite nicht noch einmal zu verlängern. Damit könnte die Corona-Notlage am 25. November enden. Wie ein Ministeriumssprecher bestätigte, äußerte sich der CDU-Politiker entsprechend bei Beratungen mit den Gesundheitsministern der Länder. Zuerst hatte die "Bild"-Zeitung darüber berichtet. Die Notlage besteht durchgehend seit Ende März 2020. Bund und Länder erhalten damit Sonderbefugnisse zur Verhängung von Schutzmaßnahmen. 

Spahn sagte dem Bericht zufolge auf einer Sitzung der Gesundheitsministerkonferenz der Länder, das Robert-Koch-Institut stufe das Risiko für geimpfte Personen als moderat ein. Angesichts der aktuellen Impfquote könne die Maßnahme deshalb auslaufen. Hygienebestimmungen und die Regel "Geimpt, Genesen oder Getestet" seien in Innenräumen aber unbedingt weiter nötig. 

+++ Die Europäische Union hat in den vergangenen zehn Monaten mehr als eine Milliarde Corona-Impfdosen in andere Länder geliefert. Das teilte EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen in Brüssel mit. Sie sprach von einem "wichtigen Meilenstein". Europa sei damit eindeutig der größte Exporteur von Vakzinen gegen Covid-19. Mindestens jeder zweite in der EU hergestellte Impfstoff werde ausgeführt. Von der Leyen bekräftigte zudem das Ziel, gemeinsam mit den USA bis Herbst nächsten Jahres eine weltweite Impfquote von 70 Prozent zu erreichen.

Mehrere Länder haben bereits mit Auffrischungsimpfungen gegen das Coronavirus begonnen. Wer braucht die dritte Dosis wirklich und welche Kritik gibt es an den "Booster"-Impfungen?

+++ Etwa jedes dritte Unternehmen in Deutschland sieht ein erhöhtes Risiko für Cyberangriffe und Datenklau durch die Corona-Pandemie. Dies ergab eine Befragung von mehr als 500 deutschen Firmen im Auftrag der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft EY. "Unternehmen mussten Beschäftigte während der Pandemie von heute auf morgen nach Hause schicken und hatten wenig Zeit für entsprechende Sicherheitsvorkehrungen", erklärte Bodo Meseke, Chef der Abteilung Cyber Response und Digitale Forensik bei EY. "Für Cyberkriminelle ideal, weil ein Firmennetzwerk in der Regel schwerer zu knacken ist als ein Heimnetzwerk."

+++ Lesen hat in der Corona-Pandemie an Beliebtheit gewonnen: Vier von zehn Deutschen (41 Prozent) sagten einer aktuellen Umfrage des Digitalverbands Bitkom zufolge, sie hätten seit Beginn der Pandemie öfter zum Buch gegriffen - zehn Prozent sagten, sie würden seitdem eher oder deutlich weniger lesen. Insgesamt schauen 84 Prozent aller Menschen im Land zumindest hin und wieder in gedruckte Bücher, 34 Prozent nutzen E-Books.

+++ Nach tagelangen Protesten von Aktivisten und Arbeitern im Hafen der norditalienischen Stadt Triest gegen das Corona-Zertifikat hat die Polizei mit der Räumung von Blockaden begonnen. Polizeibeamte mit Helmen und Schildern stellten sich am Morgen vor dem Hafen auf, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete und auf Fernsehbildern zu sehen war. Es kam zu Rangeleien mit den Ordnungskräften, die die Protestierenden zurückdrängte. Auch Wasserwerfer wurden eingesetzt.

Proteste gegen die Corona-Politik in Italien in der Hafenstadt Triest - die Polizei setzt Wasserwerfer ein, um Blockaden zu räumen.  (imago / ZUMA Press)Proteste gegen die Corona-Politik in Italien in der Hafenstadt Triest (imago / ZUMA Press)

+++ Die Sieben-Tage-Inzidenz der Corona-Neunfektionen ist wieder gestiegen. Das Robert Koch-Institut gibt den Wert mit 74,4 an. Am Vortag lag er bei 72,7 und vor einer Woche bei 66,5. Die Gesundheitsämter meldeten binnen eines Tages 4.056 Corona-Neuinfektionen, 945 Fälle mehr als vor einer Woche. Zehn weitere Menschen starben im Zusammenhang mit dem Virus.

+++ Nach den Willen der Politik soll neben der Sieben-Tage-Inzidenz die Belastung der Kliniken stärker ins Gewicht fallen, um die Pandemie-Lage zu bewerten und über nötige Schutzmaßnahmen zu entscheiden. Was es mit der Hospitalisierungsrate auf sich hat, lesen Sie hier

+++ Australien könnte nach Auffassung von Handels- und Tourismusminister Dan Tehan bereits vor Weihnachten seine internationalen Grenzen öffnen und wieder Urlauber empfangen. Voraussetzung sei aber, dass mindestens 80 Prozent der Bevölkerung im Alter von über 16 Jahren vollständig gegen das Coronavirus geimpft seien. Bis zum Wochenende hatten in Australien etwa 68 Prozent der erwachsenen Bevölkerung doppelten Impfschutz. Fast 85 Prozent erhielten eine erste Impfdosis.

Mehrere gelbe Busse fahren auf einer ansonsten weitgehend leeren Straße (AFP/Patrick Hamilton)Die Millionenstadt Brisbane ist im Lockdown (AFP/Patrick Hamilton)

+++ Bei Flügen innerhalb Skandinaviens muss von heute an kein Mund-Nasen-Schutz mehr getragen werden. Die Fluggesellschaften SAS, Norwegian, Widerøe und Flyr einigten sich darauf, von Reisenden zwischen Dänemark, Norwegen und Schweden den Infektionsschutz nicht mehr zu verlangen. Bei Flügen in andere Länder im Ausland müsse jedoch weiterhin ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Auf dem Flughafen Gardermoen bei Oslo wurde die Maskenpflicht bereits am Freitag aufgehoben.

Sonntag, 17. Oktober

+++ RKI-Chef Lothar Wieler rechnet mit einem Anstieg der Infektionszahlen nach den Herbstferien. "Wir haben einerseits durch die geschlossenen Schulen kurzzeitig weniger Infektionen", sagt Wieler der Funke Mediengruppe einem Vorabbericht zufolge. "Durch den Urlaubsverkehr wird es aber wieder zu mehr Infektionseinträgen aus dem Ausland kommen." Im Sommer hätten bis zu 20 Prozent der gemeldeten Infektionen ihren Ursprung im Ausland gehabt. "Es wird auch jetzt wieder einen deutlichen Anstieg der Zahlen geben", mahnte der Präsident des Robert-Koch-Instituts. Je mehr sich das Leben in den kommenden Wochen in die Innenräume verlege, desto größer werde dieser Anstieg sein. "Wie hoch die Welle wird, hängt dann vor allem von der Impfquote ab."

+++ Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Neuinfektionen ist auf 72,7 gestiegen.

Am Vortag lag sie bei 70,8, vor einer Woche bei 66,1. Wie das Robert-Koch-Institut weiter mitteilte, wurden binnen eines Tages 8.682 Neuinfektionen registriert. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion stieg um 17 auf 94.618.

Unser ausführlicherer Blick aufs Thema: Aktuelle Zahlen zum Coronavirus in Deutschland

+++ Russland hatte seinen Sputnik-Impfstoff gegen Corona offensiv in Entwicklungsländern vermarktet. Nach Schätzungen haben mehr als 60 Staaten insgesamt eine Milliarde Dosen bestellt. Wie die Nachrichtenagentur AP berichtet, warten noch immer viele auf Lieferungen.

Die Auslieferung habe sich unter anderem wegen Herstellungsproblemen verzögert, hieß es. Millionen Menschen in Entwicklungsländern von Lateinamerika bis hin zum Nahen Osten warteten auf mehr Sputnik-Dosen. Ein Unternehmen schätze, dass Russland bislang nur 4,8 Prozent der versprochenen rund eine Milliarde Dosen exportiert hat. 

Das Auswärtige Amt hat lange wegen der Corona-Pandemie eine generelle Reisewarnung für zahlreiche Regionen in Europa ausgesprochen. Nachdem es zwischenzeitlich drei Kategorien gab, gelten mit der neuen Einreiseverordnung seit dem 1. August nur noch zwei Einstufungen. Hier der aktuelle Überblick.

+++ Der in diesem Herbst bislang vergleichsweise milde Anstieg der Corona-Infektionen wird sich in den nächsten Monaten voraussichtlich erheblich beschleunigen. Das prognostiziert Oliver Keppler, Leiter der Virologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

"Im vor uns liegenden Herbst und Winter müssen wir von einer deutlichen Verschärfung des Infektionsgeschehens ausgehen", sagte Keppler. Zu einer neuerlichen Verschärfung der Corona-Maßnahmen rät der Virologe nicht: "Grundsätzlich müssen wir in dieser Phase der Pandemie in verschiedenen Bereichen Lockerungen versuchen, um zu sehen, was gut vertretbar ist und wo man noch Hygienemaßnahmen oder Testungen zur Absicherung beibehalten muss." Man habe aber insgesamt eine gute Impfquote. Das sei der zentrale Baustein: "viele Genesene, eine hochwertige Testinfrastruktur und ja, auch ein gutes Verständnis der Übertragungswege des Virus." Situationsbezogene Schutzmaßnahmen zählten natürlich auch dazu, ergänzte der Virologe.

Entgegen mancher Befürchtungen steht Deutschland nach Einschätzung Kepplers keine große gleichzeitige Grippewelle bevor. Er erwarte keine schwere Grippesaison, sagte der Virologe. Die Grippe wandere "alternierend von der Süd- zur Nordhalbkugel und wieder zurück" - und das immer im jeweiligen Winterhalbjahr. Doch weltweit seien Influenzaviren in der Bevölkerung durch die Corona-Hygienemaßnahmen weit zurückgedrängt worden.

Samstag, 16. Oktober

+++  Bei einem als Impfmarathon angelegten Festival sind in Neuseeland so viele Covid-Impfdosen verabreicht worden wie dort an keinem Tag zuvor seit Beginn der Pandemie. Bis zum späten Nachmittag ließen sich bereits 120.000 Menschen eine Spritze geben. An dem sogenannten "Vaxathon" beteiligten sich Musiker, Sportstars und andere Prominente.Der vorherige Tagesrekord in Neuseeland lag bei 93 000 Impfdosen, er wurde im August aufgestellt. 

+++ In Russland sterben täglich immer mehr Menschen in Zusammenhang mit einer Coronavirus-Infektion. Heute meldet die Taskforce der Regierung 1.002 weitere Todesfälle, so viele wie noch nie seit Beginn der Pandemie. Erstmals lag die Zahl der täglich Verstorbenen damit über der Schwelle von 1.000. Den Angaben zufolge wurden zudem 33.208 Neuinfektionen gemeldet, ebenfalls ein neuer Höchststand. Insgesamt liegt die Zahl der Infektionen damit bei über 7,9 Millionen. Den Angaben zufolge liegt die Gesamtzahl der Todesfälle bei 222.315.

Der Arzt in voller Schutzkleidung steht an der Bettseite der Patientin, die unter einer weißen Decke liegt. Um sie herum Geräte, Kabel und Schläuche. (Iliya Pitalev / Sputnik / dpa)14.05.2020, Russland, Moskau: Ein Arzt betreut eine an Covid-19 erkrankte Frau in einem Nationalen Forschungszentrum.  (Iliya Pitalev / Sputnik / dpa)

+++ Die Armut in Italien ist durch die Corona-Pandemie drastisch gestiegen. Laut einer am Samstag veröffentlichten Studie der italienischen Caritas lebten in dem Land mittlerweile 5,6 Millionen Menschen in Armut. Das sind eine Million mehr als vor der Krise. Die Caritas-Verantwortlichen sprechen von einem "nie dagewesenen Ausmaß". In den zwei Millionen betroffenen Familien gebe es mehr als 1,3 Millionen Minderjährige, die nicht über die notwendigsten Mittel für ein menschenwürdiges Leben verfügten, heißt es.

+++ In Deutschland liegt die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz in der Corona-Pandemie erstmals seit mehreren Wochen wieder über dem Wert von 70.

Das Robert Koch-Institut gab sie am Morgen mit 70,8 an. Eine Woche zuvor lag der Wert bei 64,4. Die Gesundheitsämter meldeten 10.949 neue Ansteckungen. Den Angaben zufolge starben 75 weitere Menschen im Zusammenhang mit einer Infektion mit dem Coronavirus. Damit stieg die Zahl der registrierten Todesfälle seit Beginn der Pandemie auf hierzulande mehr als 94.600.

Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gab das RKI zuletzt mit 2,02 an. Ein bundesweiter Schwellenwert, ab wann die Lage als kritisch einzustifen ist, ist für die sogenannte Hospitalisierungs-Inzidenz bisher nicht vorgesehen - unter anderem wegen regionaler Unterschiede. Der bisherige Höchstwert lag um die Weihnachtszeit bei mehr als 15.

+++ Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin fordert Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren eindringlich auf, sich gegen Corona impfen zu lassen.

"Nachdem Daten von über zehn Millionen Kindern und Jugendlichen erhoben wurden, empfehle ich die Impfung den über 12-Jährigen heute allgemein und uneingeschränkt", sagte Verbandspräsident Dötsch dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland". Er werbe dafür so dringlich wie bei Erwachsenen. Die Risiko-Nutzen-Abwägung falle eindeutig zugunsten der Impfung aus.

+++ Aus Sicht des Vorsitzenden der Gesundheitsministerkonferenz, Holetschek (CSU), sollten sich mögliche schärfere Maßnahmen in der Corona-Pandemie gegen Ungeimpfte richten.

Von Geimpften gehe keine große Gefahr aus, man sei schon juristisch gezwungen, das zu berücksichtigen, und werde es auch tun», sagte der bayerische Gesundheitsminister dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland". Man müsse die Zahlen im Blick behalten, die Belegung auf den Intensivstationen etwa, ergänzte Holetschek. Dort lägen fast nur Ungeimpfte, die drohten das Gesundheitssystem im Winter zu überlasten, sofern eine nächste Welle komme.

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