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Newsblog zum Coronavirus+++ Spahn rechnet mit Ende der Pandemie im Frühjahr +++

Spahn rechnet mit Ende der Pandemie im Frühjahr (dpa/Kay Nietfeld)
Spahn rechnet mit Ende der Pandemie im Frühjahr (dpa/Kay Nietfeld)

Bundesgesundheitsminister Spahn rechnet mit Ende der Pandemie im Frühjahr+++ Die Sieben-Tage-Inzidenz ist laut RKI auf 65 gesunken +++ Die Weltgesundheitsorganisation registriert einen weltweiten Rückgang der Corona-Infektionen +++ Mehr im Newsblog.

Mittwoch, 22. September

+++ Die seit Juli bereitstehenden Bundesmittel für mobile Luftreiniger zum Schutz vor Coronainfektionen an Schulen und Kindertagesstätten werden offenbar noch nicht genutzt. Bislang seien keine Mittel abgerufen worden, meldet die "Neue Osnabrücker Zeitung". Das Blatt beruft sich auf eine Antwort des Bundeswirtschaftsministeriums auf eine Anfrage der Grünen. Die Bundesregierung hatte im Juli beschlossen, die Länder bei der Beschaffung der Geräte mit bis zu 200 Millionen Euro zu unterstützen.

+++ Bundesgesundheitsminister Spahn rechnet mit einer Herdenimmunität bis zum kommenden Frühjahr. Er sagte der "Augsburger Allgemeinen", wenn keine Virusvariante auftauche, gegen die eine Impfung nicht schützt, dann habe man die Pandemie im Frühjahr überwunden. Er betonte, Herdenimmunität werde immer erreicht: die Frage sei nur, ob durch Impfung oder Ansteckung.  

+++ Bundesgesundheitsminister Spahn hat das geplante Ende des finanziellen Ausgleichs für angeordnete Quarantäne bei Corona-Ungeimpften verteidigt. Dabei gehe es nicht um Druck, sondern um Fairness gegenüber den Geimpften, sagte Spahn im ZDF. Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern beraten heute über eine bundeseinheitliche Regelung. Der SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach sagte dagegen, er fände es falsch, wenn diejenigen, die in Quarantäne gingen, ihren Verdienstaufall nicht erstattet bekommen. Dies werde nur dazu führen, dass die Betroffenen nicht in Quarantäne gingen.    

+++ Amnesty International hat scharfe Kritik an den Impfstoff-Herstellern geübt und mehr Hilfen für ärmere Länder gefordert. "Wir rufen die Staaten und die Pharmaunternehmen auf, einen drastischen Kurswechsel vorzunehmen und alles dafür zu tun, um umgehend zwei Milliarden Impfstoffdosen für Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen bereitzustellen", erklärte Amnesty-Chefin Agnès Callamard.  

+++ US-Präsident Biden hat eine internationale Videokonferenz zur Pandemie einberufen. Es soll ein Aktionsplan beschlossen werden, wie binnen eines Jahres 70 Prozent der Weltbevölkerung geimpft werden können. Es geht um Unterstützung der ärmsten Staaten sowie eine gerechtere Verteilung des Impfstoffs.     

+++ Die Corona-Inzidenz in Deutschland ist weiter gesunken und liegt nun nach Angaben des Robert Koch-Instituts bei 65. Vor einer Woche lag der Wert noch bei knapp 78. Die Gesundheitsämter meldeten dem RKI binnen eines Tages 10.454 Neuinfektionen. Am vergangenen Mittwoch waren es 12.455. 71 weitere Todesfälle wurden registriert.Die Hospitalisierungsrate lag zuletzt bei 1,63. Was es mit dem Wert genau auf sich hat, lesen Sie hier.

+++ Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) registriert einen Rückgang der ihr gemeldeten Corona-Infektionen. Wie die WHO mitteilte, wurden ihr in der vergangenen Woche rund 3,7 Millionen Fälle verzeichnet, das sind neun Prozent weniger als in der Vorwoche. Zuvor waren die Zahlen seit Anfang Juni kontinuierlich gestiegen und hatten im August bei mehr als 4,5 Millionen Infektionen pro Woche gelegen. Fast alle Kontinente verzeichneten Rückgänge. Nur in Afrika gab es einen leichten Anstieg. Die weltweite Zahl der Todesfälle sank im Wochenvergleich um sieben Prozent auf knapp 60.000. Der statistische Bericht der WHO enthielt keine Erklärungen für die Entwicklung der Zahlen.

Dienstag, 21. September

+++ Die Europäische Union will verstärkt gegen Zögerlichkeiten bei Corona-Impfungen vorgehen. Im Blick seien dabei auch Kampagnen mit Fehlinformationen, die Menschen verängstigten, sagte der slowenische Staatssekretär für Europäische Angelegenheiten, Dovzan, nach einem Treffen der Europaminister in Brüssel. Es seien mittlerweile zwar rund 70 Prozent der Erwachsenen in der EU geimpft, aber es bestünden Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten. Daher müssten zusätzliche Anstrengungen unternommen werden, um Corona-Impfungen voranzutreiben, betonte Dovzan, dessen Land gerade die turnusmäßige EU-Ratspräsidentschaft innehat.

Seit Beginn der Corona-Pandemie steigt die Glaubwürdigkeit in die Medien. Gleichzeitig erreichen auch zweifelhafte Quellen mit Verschwörungsmythen immer mehr Menschen. Unsere Kolumnistin Samira El Ouassil beobachtet eine zunehmende Polarisierung.

+++ In Hamburg können Fußballstadien ab dem kommenden Wochenende unter 2G-Bedingungen wieder bis zum letzten Platz besetzt werden. Auch in den Clubs dürften Geimpfte und Genesene ab Samstag wieder ohne Maske und abstandslos tanzen, wie eine Senatssprecherin mitteilte. Eine entsprechende Anpassung der Corona-Eindämmungsverordnung sei derzeit in Arbeit und werde rechtzeitig zum Samstag, 0.00 Uhr, in Kraft treten. Ferner habe der Senat beschlossen, dass 12- bis 17-Jährige Ungeimpfte "bis auf weiteres" an 2G-Veranstaltungen teilnehmen dürfen. Bisher galt dafür eine Übergangsfrist von sechs Wochen.

+++ Bund und Länder wollen laut "Handelsblatt" über eine Testpflicht für ungeimpfte Beschäftigte und Selbstständige in bestimmten Branchen beraten. Das gehe aus einem Beschlussentwurf für das Treffen der Gesundheitsminister am Mittwoch hervor, berichtet die Zeitung. Die Regel solle angesichts der Infektionslage dort eingeführt werden, wo Beschäftigte mit "externen Personen in direkten Kontakt kommen".

+++ Deutschland setzt sich nach Angaben von Gesundheitsminister Spahn für eine zweite Amtszeit von WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus ein. "Eine wirkungsvolle Weltgesundheitsorganisation wird heute mehr denn je benötigt", sagte der CDU-Politiker der Nachrichtenagentur Reuters. Der Prozess zur Stärkung der Weltgesundheitsbehörde insbesondere im Zuge der Corona-Pandemie müsse "mit vollem und ungeteiltem Engagement" fortgesetzt werden. 

+++ In Wien werden ab Oktober die Maßnahmen verschärft. Begründet wird der Schritt mit einer zunehmenden Auslastung der Intensivstationen. Für die Nachtgastronomie sowie Veranstaltungen von über 500 Personen gilt dann die sogenannte 2G-Regel. Das bedeutet, dass nur noch Geimpfte und Genesene Zutritt bekommen. Für Mitarbeitende soll zusätzlich ein Nachweis mittels PCR-Test möglich sein. Laut Bürgermeister Michael Ludwig soll damit die im internationalen Vergleich niedrige Impfquote erhöht werden. 

+++ Der Sozialverband VdK lehnt unterschiedliche Versicherungstarife für Corona-Geimpfte und -Ungeimpfte ab. Verbandspräsidentin Bentele warnte im SWR-Hörfunk vor einer Benachteiligung von Menschen, die sich zum Beispiel wegen einer Vorerkrankung nicht Impfen lassen könnten. Zudem äußerte sie rechtliche Bedenken. "Bei Impfungen, die nicht verpflichtend sind, fragt natürlich eine Krankenkasse den Impfstatus nicht ab. Und wir haben halt keine Corona-Impfpflicht." Der Vorstandsvorsitzende der R+V-Versicherung, Rollinger, hatte zuvor vorgeschlagen, unterschiedliche Tarife für Geimpfte und Ungeimpfte einzuführen.

Die Mediziner Ugur Sahin (r) und Özlem Türeci im Rathaus der Stadt Köln. Sie sitzen auf Stühlen im Publikum und applaudieren.  (dpa/Horst Galuschka)Die Gründer des Mainzer Unternehmens Biontech, werden zusammen mit einer Mitarbeiterin für die Entwicklung des RNA-Impfstoffes geehrt. (dpa/Horst Galuschka)

+++ Die Entwicklerinnen und Entwickler des Corona-Impfstoffs von Biontech/Pfizer werden mit dem Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis 2022 geehrt. Die Gründer des Mainzer Unternehmens Biontech, Özlem Türeci und Ugur Sahin, sowie die Biochemikerin Katalin Karikó teilen sich die Auszeichnung "für ihre Erforschung und Entwicklung von messenger-RNA zu präventiven und therapeutischen Zwecken". Das gab der Stiftungsrat in Frankfurt am Main bekannt. Der Preis ist mit 120.000 Euro dotiert. Er gilt als eine der bedeutendsten Ehrungen in der medizinischen Grundlagenforschung. Karikó hatte sich Biontech 2013 angeschlossen. Überreicht wird der Preis traditionell am Geburtstag des Nobelpreisträgers Paul Ehrlich, dem 14. März.

Katalin Karikó hat die mRNA-Forschung entscheidend vorangetrieben. Ein Porträt.

+++ In Deutschland ist die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz der Corona-Neuinfektionen weiter zurückgegangen. Wie das Robert Koch-Institut mitteilte, sank der Wert auf 68,5 - nach gestern 71,0 und 81,1 vor einer Woche. Die Gesundheitsämter meldeten dem RKI 4.664 weitere Ansteckungen. Das sind 1.661 weniger als am vergangenen Dienstag. 81 weitere Todesfälle wurden in Zusammenhang mit einer Infektion registriert.

Die Hospitalisierungsrate, also die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen, lag zuletzt bei 1,65. Ein Wochen- oder Monatsvergleich ist wegen einer hohen Zahl an Nachmeldungen nicht möglich. Der bisherige Höchstwert wurde im vergangenen Winter mit rund 15,5 verzeichnet.

Die Hospitalisierungsrate - wofür sie steht und warum sie auf Kritik stößt

+++ Die Vorsitzende des Marburger Bunds, Johna, weist den Vorschlag des Chefs der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Gassen, nach einem "Freedom Day" zurück. Sie sagte dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland", sie finde es nicht kollegial, eine wachsende Belastung von Kliniken durch mehr Covid-19-Patienten einfach zu ignorieren, weil man "das Maskentragen leid" sei. Vielmehr sei immer noch die Impfquote viel zu niedrig, um beispielsweise Maßnahmen wie die Pflicht zum Tragen eines Mund-Nase-Schutzes in Innenräumen aufzuheben.

Gassen hatte die Aufhebung aller Corona-Auflagen zu einem Stichtag Ende Oktober gefordert und auf ein ähnliches Vorgehen in Großbritannien verwiesen. Hierzu erklärte Johna, das britische Vorgehen tauge nicht als Vorbild. Zum einen gebe es dort in der Bevölkerung eine höhere Immunität infolge des zurückliegenden Infektionsgeschehens, zum anderen sei der Anteil geimpfter Menschen größer.

+++ Nach Einschätzung des Grundrechtsexperten Stefan Huster von der Ruhr-Universität Bochum stehen der Einführung der 2G-Regel keine rechtlichen Hindernisse im Wege. Der Professor für Öffentliches Recht, Sozial- und Gesundheitsrecht sagte der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung", wer sich nicht gegen Covid-19 impfen lassen wolle, müsse Nachteile in Kauf nehmen. Es sei ja der Sinn des Infektionsschutzrechts, diejenigen anders zu behandeln, von denen eine potenzielle Gefahr ausgehe. Das sei nicht sachfremd oder willkürlich, sondern "ganz und gar angemessen". Der Jurist betonte, es liege in der Eigenverantwortung der Menschen, für andere kein Risiko mehr darzustellen und nicht auf Kosten der Allgemeinheit zu handeln.

Nach der 2G-Regel haben lediglich vollständig Geimpfte und Genesene Zutritt etwa zu Veranstaltungen und Gastronomie.

Montag, 20. September

+++ In der Corona-Pandemie lockern die USA das Einreiseverbot für Geimpfte. Das Weiße Haus in Washington teilte mit, die Neuregelung gelte ab November. Ausländische Staatsbürger müssten vollständig gegen das Coronavirus geimpft sein, wenn sie in die USA kommen wollten. Vor dem Flug müssten sie einen Nachweis über die Impfung zeigen und ein negatives Ergebnis eines Tests, der maximal drei Tage alt sei.

Ungeimpfte US-Staatsbürger, die in die USA reisen, müssen dem Plan zufolge innerhalb eines Tages vor ihrer Abreise dorthin negativ auf das Coronavirus getestet werden. Für vollständig geimpfte Passagiere gebe es keine Quarantäne, hieß es weiter.

Reisende kommen am 29.06.2017 in Los Angeles, USA, am Internationalen Flughafen, dem Los Angeles International Airport, an. (dpa /AP / Jae C. Hong)Ankommende am Internationalen Flughafen in Los Angeles (dpa /AP / Jae C. Hong)

+++ Der Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer hat sich nach Angaben der beiden Unternehmen bei Kindern im Alter von fünf bis elf Jahren als gut verträglich und wirksam erwiesen. Die Daten der klinischen Studie sollen so bald wie möglich der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA und der US-Zulassungsbehörde FDA vorgelegt werden, teilten die beiden Impfstoffhersteller mit. 

Anders als in der Altersgruppe über zwölf wurde den Kindern von fünf bis elf Jahren für die klinische Studie der Phase 2/3 nur ein Drittel der Dosis verabreicht. Die beiden Impfungen lagen drei Wochen auseinander.

+++ Indien wird voraussichtlich im Oktober den Export von Corona-Impfstoffdosen wieder aufnehmen und überschüssige spenden. Der indische Gesundheitsminister Mansukh Mandaviya sagte weiter, der überschüssige Impfstoff werde dafür eingesetzt, Indiens Verpflichtung im "gemeinsamen Kampf gegen Covid-19" zu erfüllen, aber die Impfung der Inder bleibe die oberste Priorität der Regierung.

Alle Exporte waren im Frühjahr wegen eines verheerenden Anstiegs der Infektionen im Land gestoppt worden.

+++ Der britische Premierminister Johnson will Auffrischungsimpfungen im eigenen Land klaren Vorrang vor dem Spenden von Impfstoffdosen an ärmere Staaten einräumen. Das sagte er vor Journalisten. Bereits in dieser Woche sollen mehr als 1,5 Millionen Menschen in England eine Einladung zur dritten Impfung erhalten. Insgesamt sollen alle über 50-Jährigen, besonders gefährdete Menschen sowie Gesundheits- und Pflegepersonal eine Auffrischungsimpfung erhalten.

Mehrere Länder haben bereits mit Auffrischungsimpfungen gegen das Coronavirus begonnen. Wer braucht die dritte Dosis wirklich und welche Kritik gibt es an den "Booster"-Impfungen?

+++ Die Problematik von Long-Covid bei Kindern und Jugendlichen lässt sich anhand der aktuellen Studienlage kaum beurteilen. Das schreiben australische Forscher in einem Übersichtsartikel in "The Pediatric Infectious Disease Journal". Die Frage nach Long-Covid - als dem Anhalten von Corona-Symptomen über viele Wochen - ist brisant, weil das Syndrom ein Argument für Kinder-Impfungen sein könnte, sollte es weit verbreitet sein.

"Das geringe Risiko der akuten Erkrankung bedeutet, dass einer der Hauptvorteile einer Impfung von Kindern darin liegen könnte, sie vor Long-Covid zu schützen", sagt Nigel Curtis von der Universität Melbourne, einer der Autoren des Übersichtsartikels.

+++ Die Bundesregierung hat Forderungen nach einem festen Datum für ein Ende aller Corona-Auflagen vorerst eine Absage erteilt. Über die Entwicklung des Infektionsgeschehens in den vergangenen Tagen könne man durchaus froh sein, sagte Regierungssprecher Seibert in Berlin. "Aber es gibt aus heutiger Sicht nicht die Grundlage, um zu sagen, der Tag X ist der Tag, an dem alle Beschränkungen fallen." Vielmehr gebe es guten Grund, grundsätzliche Maßnahmen wie Abstand und Maskenpflicht weiter gelten zu lassen.

+++ An der Hospitalisierungsrate als Indikator für Corona-Schutzmaßnahmen gibt es zunehmend Kritik. Zuletzt gab es vor allem Bedenken zur Verlässlichkeit der Zahlen aufgrund des Meldeverzugs. Nun berichtet die "Welt am Sonntag", dass zahlreiche Kliniken auch solche Patienten und Patientinnen gemeldet haben, die eigentlich wegen einer anderen Erkrankung oder für einen Eingriff in die Klinik gekommen waren, und bei denen lediglich per Routinetest zusätzlich eine Infektion mit dem Virus festgestellt worden war.

Mehr Informationen zur Hospitalisierungsrate und der Kritik daran haben wir hier für Sie zusammengefasst.

+++ Der Lockdown in Neuseelands größter Stadt Auckland wird um mindestens zwei Wochen verlängert, dabei aber etwas gelockert. Wie Premierministerin Ardern mitteilte, gilt in der Millionenstadt ab Dienstagabend eine niedrigere Corona-Warnstufe. Die Menschen sollen weiterhin weitgehend zu Hause bleiben, einige Geschäfte wie Restaurants mit Lieferdienst dürfen aber wieder öffnen.

+++ In Hannover sind bei einem Konzert der Band Fury in the Slaughterhouse bundesweit zum ersten Mal Corona-Spürhunde zum Einsatz gekommen. Zugelassen waren am Sonntag 500 Besucher, alle mussten vorher einen Corona-Test machen und eine Schweißprobe für die Hunde abgeben. Die Tiere liefen nicht durch die Menschenmenge, sondern beschnüffelten davon abgesondert die Proben. Bei dem Forschungsprojekts "Back to Culture" unter wissenschaftlicher Leitung der Tierärztlichen Hochschule Hannover soll untersucht werden, ob der Einsatz der Hunde eine Option bei Großveranstaltungen ist. Bis Mitte Oktober sind in Hannover noch drei weitere Konzerte geplant, bei denen Spürhunde eingesetzt werden. Dabei sollen die Besucherzahlen schrittweise bis auf 1.500 steigen - gleichzeitig entfallen dann immer mehr Corona-Regeln, wie etwa die Maskenpflicht.

Einer der teilnehmenden Hunde mit Betreuerinnen. (imago images | localpic)Für das Projekt wurden Beagle eingesetzt. (imago images | localpic)

+++ Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Infektionen hat sich nur wenig verändert. Sie liegt nach Angaben des Robert Koch-Instituts jetzt bei 71,0. Am Vortag betrug der Wert 70,5, eine Woche zuvor 81,9. Die Gesundheitsämter meldeten mehr als 3.700 neue Ansteckungen. Den Angaben zufolge starben 13 weitere Menschen im Zusammenhang mit dem Virus. Damit stieg die Zahl der Corona-Toten seit Beginn der Pandemie auf hierzulande knapp 93.000. Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gab das RKI zuletzt am Freitag mit 1,89 an. Wochen- oder Monatsvergleiche sind wegen der hohen Zahl an Nachmeldungen nicht möglich.

+++ Bundesgesundheitsminister Spahn rechnet damit, dass im ersten Quartal nächsten Jahres ein Corona-Impfstoff für Kinder unter 12 Jahren zur Verfügung steht. Dann könne man auch die Jüngeren noch besser schützen, sagte er den Funke-Medien. Der Minister wies darauf hin, dass zwischen der Zulassung und einer Impfempfehlung durch die Ständige Impfkommission noch einmal Zeit vergehen könne. Die Empfehlung werde auch in diesem Fall zeitlich etwas später kommen, erklärte der CDU-Politiker. Der Hersteller Biontech hat angekündigt, in den kommenden Wochen die Zulassung seines Corona-Impfstoffs für Kinder im Alter zwischen fünf und elf Jahren zu beantragen. Die Europäische Arzneimittel-Agentur teilte mit, dass sie noch keinen Zeitrahmen für eine mögliche Zulassung nennen könne.

+++ Positive Corona-Folge: Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Verkehrsunfälle mit Kindern stark gesunken. Auf den Straßen seien so wenige Mädchen und Jungen verunglückt wie noch nie seit der deutschen Vereinigung im Jahr 1990, teilte das Statistische Bundesamt mit. Rund 22.500 Kinder seien bei Unfällen im Straßenverkehr zu Schaden gekommen, fast 20 Prozent weniger als 2019. Im Schnitt sei 2020 alle 23 Minuten ein Kind bei einem Verkehrsunfall verletzt oder getötet worden. Damit sank die Zahl der Unfallopfer unter 15 Jahren stärker als die der Unfallopfer insgesamt, die im Corona-Jahr um 15 Prozent zurückging. Auch die Zahl der getöteten Kinder sank: von 55 im Jahr 2019 auf 48 im vergangenen Jahr. Ein Grund für den Tiefstand dürfte laut Bundesamt die zeitweilige Schließung der Schulen sowie vieler Freizeiteinrichtungen sein.

Sonntag, 19. September

+++ Der scheidende Berliner Regierende Bürgermeister Müller erwartet für den Herbst Verschärfungen in der Corona-Politik. Im ARD-Fernsehen sagte der SPD-Politiker, er glaube, dass Getestete dann immer seltener mit Geimpften und Genesenen gleichgestellt würden. "Ich glaube, das wird Ende Oktober eine Rolle spielen, schon durch viel privates Engagement, dass es immer mehr in die Richtung geht", so Müller, der als Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz die Coronapolitik an vorderster Stelle mit aushandelt. Er begründete dies mit dem ausreichenden Impfangebot für alle in Frage kommende Bevölkerungsgruppen. "Jeder konnte es in Anspruch nehmen. Auch die Jüngeren konnten es in Anspruch nehmen. Und tatsächlich wird dann 2G immer mehr umgesetzt."

+++ Der Vorstoß des Vorsitzenden der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Gassen, zum 30. Oktober alle Corona-Beschränkungen aufzuheben, hat für Unverständnis gesorgt. Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Brysch, erklärte: "Der 'Freedom Day' zur Aufhebung aller Corona-Beschränkungen ist eine tolle Sache. Doch beim Blick in die Arztpraxen, Krankenhäuser und Pflegeheime scheinen solche flotten Sprüche nicht anzukommen", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Hier seien die Einschränkungen für Patienten, Pflegebedürftige und Angehörige allgegenwärtig. Der SPD-Gesundheitspolitiker Lauterbach bezeichnete den Vorstoß auf Twitter als "nicht ethisch vertretbar". Bundesgesundheitsminister Spahn verwies gegenüber der Funke Mediengruppe darauf, dass von den 24 Millionen Menschen über 60 Jahren knapp vier Millionen noch nicht geimpft seien.

+++ Nach der Ankündigung eines neuen Corona-Dekrets wollen sich in Italien deutlich mehr Menschen impfen lassen. Im Vergleich zur Vorwoche stiegen die Anmeldungen für eine Erstimpfung landesweit zwischen 20 und 40 Prozent. Das teilte der außerordentliche Kommissar für den Corona-Notfall, Figliuolo, mit. Allein gestern hätten sich 35 Prozent mehr Menschen gemeldet als am Samstag zuvor, um sich impfen zu lassen. Das Kabinett von Ministerpräsident Draghi hatte in der vergangenen Woche beschlossen, dass vom 15. Oktober an alle Beschäftigten im privatwirtschaftlichen wie öffentlichen Sektor einen "Grünen Pass" haben, also geimpft oder getestet sein müssen.

+++ Bundesgesundheitsminister Spahn hat eine positive Bilanz der Impf-Aktionswoche gegen Covid-19 gezogen. Man habe in dem Zeitraum rund 500.000 Erstimpfungen registriert, sagte der CDU-Politiker der "Funke Mediengruppe". Er gehe davon aus, dass etwa die Hälfte auf den bundesweiten Aufruf zurückgingen. Vereine, Organisationen, Privat-Initiativen und andere Freiwillige hätten mindestens 1.500 Aktionen auf die Beine gestellt. Möglicherweise habe es noch deutlich mehr gegeben.

Zugleich zeigte sich Spahn besorgt über die weiterhin große Gruppe älterer Ungeimpfter. Von den 24 Millionen Menschen über 60 Jahren hätten knapp vier Millionen immer noch kein Vakzin erhalten, das sei fast jeder sechste in dieser Risikogruppe. 

+++ Rund 25.000 junge Menschen haben in Madrid trotz eines Verbots eine riesige Open-Air-Party zum Semesterauftakt gefeiert. Die Polizei konnte nach eigenen Angaben die Feier auf dem Gelände der Universität Complutense in der Nacht zu Samstag aus Personalmangel nicht auflösen. "Ohne vorherige Warnung durch die Universität oder Zeit für die Vorbereitung eines angemessenen Einsatzes ist die Auflösung einer Versammlung von etwa 25.000 Menschen eine fast unmögliche Aufgabe", teilte sie mit.

In Barcelona fand ebenfalls eine Party im Freien mit viel Alkohol statt, die in Spanien als "Botellones" bekannt sind. Rund 8.000 junge Menschen versammelten sich auf dem Campus der Autonomen Universität, wie der Rektor der Hochschule dem Radionsender RAC 1 sagte.

+++ Eine Mehrheit der Menschen in Deutschland findet es richtig, wenn nur gegen das Coronavirus Geimpfte und davon Genesene (2G) ins Restaurant gehen oder Veranstaltungen besuchen dürfen. In einer Insa-Umfrage im Auftrag der "Bild am Sonntag" sprachen sich 57 Prozent dafür aus. 33 Prozent halten es für falsch, wenn dies so wäre. Von den Befürwortern wünschen sich 66 Prozent, dass 2G-Regeln verpflichtend eingeführt werden, 31 Prozent meinen, dass die Einführung jedem Gastronom oder Veranstalter überlassen werden sollte.

+++ Zypern und die portugiesische Region Algarve sind von nun an keine Corona-Hochrisikogebiete mehr. Die Bundesregierung hat beide Gebiete von der Liste gestrichen, ebenso wie die irische "West"-Region, Brasilien, Indien, Nepal, Bangladesch sowie einige afrikanische Länder. Neu aufgenommen wurden dagegen Armenien, Moldau, Venezuela, Guyana, Belize, Barbados sowie Antigua und Barbuda.

Wir haben hier alle Risikogebiete für Sie zusamengestellt.

+++ Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Neuinfektionen ist weiter zurückgegangen. Wie das Robert Koch-Institut mitteilte, sank der Wert auf 70,5 – nach gestern 72,0 und 80,2 vor einer Woche. Die Gesundheitsämter meldeten dem RKI 7.337 weitere Ansteckungen. Das sind acht weniger als am vergangenen Sonntag. 38 weitere Todesfälle wurden in Zusammenhang mit einer Infektion regisitriert.

Die Hospitalisierungsrate, also die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen, lag zuletzt bei 1,89.

Hier finden Sie alle relevanten RKI-Zahlen.

+++ Die Corona-Pandemie hat bei knapp einem Drittel der erwachsenen Deutschen dazu geführt, dass sie entweder seltener oder gar nicht mehr mit Bus und Bahn fahren. Das zeigen die Ergebnisse einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur. Danach nutzen elf Prozent der Erwachsenen seit dem Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 überhaupt keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr. 19 Prozent der Teilnehmer der repräsentativen Umfrage gaben an, sie seien seither seltener mit Bus und Bahn unterwegs. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass ein Teil der Beschäftigten während der Pandemie im Home Office arbeitet.

Samstag, 18. September

+++ Die Bildungsgewerkschaft GEW warnt vor erneuten Schul- und Kita-Schließungen wegen der Corona-Pandemie im Herbst und Winter. Die GEW-Vorsitzende Finnern sagte dem Magazin "Business Insider", der aktuelle Kurs sei falsch und die Maßnahmen für Schulen seien zu zögerlich. Sie plädierte für flächendeckende PCR-Tests an Schulen, von denen zu viele noch auf die zu ungenauen Schnelltests setzten. Finnern kritisierte zudem die Entscheidung der Landesgesundheitsminister, die Quarantäne in Kitas und Schulen auf wenige Personen zu beschränken. Ohne eine Kombination aus PCR-Tests, Luftfilter-Einsatz und mehr Personal könne man den versprochenen Präsenz-Unterricht nicht garantieren.

Auch eine Folge der Schulschließungen: Schulen und Kitas haben im Frühjahr 2020 während der Corona-Pandemie deutlich weniger Fälle von Kindeswohlgefährdung gemeldet.

+++ In Australien sind nach Ausschreitungen bei nicht genehmigten Demonstrationen gegen den Corona-Lockdown mehr als 200 Menschen festgenommen worden. Die Polizei in Melbourne setzte Tränengas ein, als Demonstranten Absperrungen durchbrechen wollten. Nach Angaben der Zeitung "The Age" wurden zehn Polizeikräfte verletzt, sechs von ihnen wurden im Krankenhaus behandelt. In Melbourne demonstrierten mehrere Hundert Menschen gegen den Lockdown, auch in Sydney gab es Proteste und Festnahmen.

+++ Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Neuinfektionen ist weiter zurückgegangen. Wie das Robert Koch-Institut mitteilte, sank der Wert auf 72,0 - nach 82,8 vor einer Woche. Die Gesundheitsämter meldeten dem RKI 8.901 Neuinfektionen. Das sind 2.313 weniger als am vergangenen Samstag. Die Zahl der Todesopfer im Zusammenhang mit dem Coronavirus erhöhte sich um 63 auf 92.920. Die Zahl der Genesenen liegt laut RKI bei rund 3,9 Millionen.

Die Hospitalisierungsrate, also die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen, lag zuletzt bei 1,89 - nach 1,87 am Vortag. Der bisherige Höchstwert wurde im vergangenen Winter mit rund 15,5 verzeichnet.

+++ Der Deutsche Städtetag fordert mit Blick auf die noch bis morgen laufende Aktionswoche für Corona-Impfungen weitere kreative Maßnahmen. Gelegenheit mache Impfungen, sagte Hauptgeschäftsführer Dedy dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Deshalb sei es wichtig, dass es nach der Schließung der Impfzentren am 1. Oktober weitere wirksame Angebote gebe.

Menschen warten am Riesenrad auf ihre Corona Schutzimpfung.  (dpa-Zentralbild)Impfen am Riesenrad - mit solchen Angeboten wird nicht nur hier in Wernigerode versucht, die Impfbereitschaft in Deutschland zu erhöhen. (dpa-Zentralbild)

+++ Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Gassen, schlägt das Ende aller Corona-Beschränkungen zum 30. Oktober als Anreiz zum Impfen vor. Er verwies auf das Beispiel Großbritannien und meinte, man sollte auch den Mut haben zu machen, was auf der Insel geklappt habe. Ende Oktober könnte die Impfquote bei mehr als 70 Prozent liegen, weil sehr viele Menschen das Angebot annehmen würden, sagte Gassen der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

+++ Ein Expertengremium der US-Arzneimittelbehörde FDA empfiehlt Auffrischungsimpfungen gegen Covid-19 mit dem Wirkstoff von Biontech/Pfizer nur für ältere Menschen und Risikogruppen. Die Gruppe von Wissenschaftlern kam zu dem Schluss, dass vorliegende Daten eine allgemeine Einführung einer dritten Impfdosis für Menschen älter als 16 Jahre nicht rechtfertigten. Für Senioren über 65 und vulnerable Personen ergebe eine Booster-Impfung hingegen Sinn. Der Ausschuss empfiehlt eine dritte Dosis zudem für Mitarbeiter im Gesundheitswesen. 

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