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Newsblog zum Coronavirus+++ Starker Anstieg der Neuinfektionen in der Türkei +++

Touristen am Strand von Olympos in türkischen Provinz Antalya (picture alliance / M. Guelich/Hackenberg)
Touristen am Strand von Olympos in türkischen Provinz Antalya (picture alliance / M. Guelich/Hackenberg)

In der Türkei ist die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Monaten gestiegen +++ Die US-Regierung kauft weitere 200 Millionen Dosen des Corona-Impfstoffs von Pfizer und Biontech +++ Wegen steigender Fallzahlen vor allem unter jüngeren Menschen nimmt die Diskussion über mehr Corona-Schutz an Schulen Fahrt auf +++ Mehr im Newsblog

Freitag, 23. Juli

+++ In der Türkei ist die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Monaten gestiegen. Das Gesundheitsministerium meldete am Freitag 11.094 Neuinfektionen - so viele wie seit Mitte Mai nicht mehr. Innerhalb eines Tages starben 60 Menschen im Zusammenhang mit Covid-19. Das 82 Millionen-Einwohner-Land hatte Anfang Juli alle Ausgangsbeschränkungen wegen der Pandemie aufgehoben. Seitdem steigen die Fallzahlen wieder.

+++ Die US-Regierung kauft weitere 200 Millionen Dosen des Corona-Impfstoffs von Pfizer und Biontech. Davon sollen 110 Millionen bis Ende Dezember und die übrigen 90 Millionen bis Ende April kommenden Jahres geliefert werden, wie die beiden Unternehmen mitteilen. Damit summiert sich die Gesamtzahl der von den USA bestellten Dosen auf 500 Millionen. Die USA sichern sich außerdem eine Option auf eine mögliche aktualisierte Fassung des Impfstoffs, um auch gegen neue Virusvarianten gewappnet zu sein. In den USA haben nach Behördenangaben bisher rund 86 Millionen Menschen den vollen Impfschutz erhalten.

Das Foto zeigt eine Impfstoffdose von Pfizer-BioNtech. (imago)Das Foto zeigt eine Impfstoffdose von Pfizer-BioNtech. (imago)

+++ Bundesärztekammer und Lehrerverband fordern mit Blick auf die steigende Inzidenz in der Corona-Pandemie und die Verbreitung der Delta-Variante verstärkte Schutzmaßnahmen an Schulen. Der Präsident der Bundesärztekammer, Reinhardt, sagte den Zeitungen der "Funke Mediengruppe", zur Verringerung der Infektionsdynamik und um Wechselunterricht zu vermeiden, müssten tägliche Testungen vor Unterrichtbeginn ermöglicht werden. Lehrerverbandspräsident Meidinger sprach sich zum Start des Schuljahres für eine Phase mit erhöhten Infektionsschutzmaßnahmen an Schulen aus - unter anderem eine vollständige Maskenpflicht auch während des Unterrichts für alle Altersstufen.

Grundschülerinnen sitzen mit Mund-Nasen-Schutz in einem Klassenraum in Düsseldorf, vor ihnen liegen die Corona-Teststäbchen für den sogenannten Lolli-Test  (Imago/ Political Moments)Lolli-Test an einer Grundschule (Imago/ Political Moments)

+++ In den Bundesländern wird über Anpassungen im Corona-Stufenplan nachgedacht, um baldige Lockdowns zu verhindern. Bayerns Ministerpräsident Söder sagte dazu bei der Klausur des Parteivorstands in Gmund, man müsse jetzt die Zeit nutzen, um die Frage zu klären, ab wann man eingreife. Für die Entscheidungen müssten neben der Inzidenz auch die erfolgten Impfungen und die Krankenhauszahlen zugrunde gelegt werden. Niedersachsens Wirtschaftsminister Althusmann hatte vorgeschlagen, die bisherigen Regeln der Inzidenz-Stufen zu verschieben. 

+++ In mehreren europäischen Staaten haben Impfgegner und Kritiker von Corona-Maßnahmen gegen die Einführung schärferer Regeln protestiert. Vor dem slowakischen Parlament in Bratislava setzte die Polizei Tränengas ein, um hunderte Demonstranten an der Stürmung des Nationalrats zu hindern. Hintergrund ist ein Gesetzesvorhaben, das Erleichterungen für Geimpfte zum Beispiel beim Einkaufen in Geschäften ermöglichen soll. In Italien protestierten etwa 2.000 Gegner des sogenannten Grünen Passes gegen strengere Zutrittsregeln zu Restaurants und Bars. Auch in Frankreich und Griechenland gingen Menschen gegen die Corona-Politik auf die Straße. 

+++ Angesichts drohender Engpässe in der Lebensmittelversorgung lockert die britische Regierung ihre Corona-Quarantäneregeln für Beschäftigte des Sektors. Demnach sollen Angestellte etwa von Supermärkten, Verteilzentren und in der Logistik nicht mehr in eine zehntägige Selbstisolation gehen, wenn sie von der Covid-App des Nationalen Gesundheitsdienstes über einen Kontakt mit einer infizierten Person unterrichtet werden. Stattdessen sollen in diesen Bereichen täglich Tests der Beschäftigten gemacht werden.

+++ Die Gesundheitsämter haben dem Robert-Koch-Institut 2.089 neue Corona-Infektionen binnen 24 Stunden gemeldet. Das waren rund 200 mehr als gestern und 633 mehr als vor einer Woche. Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg weiter. Sie liegt nun bei 13,2. Gestern betrug der Wert 12,2 und am vergangenen Freitag 8,6. Außerdem wurden 34 neue Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus registriert.

+++ Von dem Anstieg der Corona-Fallzahlen in Deutschland sind nach Angaben des Robert-Koch-Instituts bisher vor allem junge Menschen betroffen. Wie aus dem aktuellen Lagebericht des RKI hervorgeht, liegt die Sieben-Tage-Inzidenz in der Gruppe der 15- bis 24-Jährigen bei 32. In dem Alter sind schwere Krankheitsverläufe selten. Bei Menschen über 60 liegt die Inzidenz bei fünf. Die Unterschiede zwischen den Altersgruppen werden darauf zurückgeführt, dass die Impfquoten bei Jüngeren deutlich geringer sind. In dem Lagebericht heißt es, der bei weitem größte Teil der übermittelten Covid-19-Fälle sei nicht geimpft gewesen.

Die Apotheken in Deutschland können wegen einer Sicherheitslücke momentan keine digitalen Corona-Impfzertifikate mehr ausstellen. Viele Geimpfte müssen sich deshalb bei Reisen zunächst mit ihrem Impfpass behelfen. Wann der Service in den Apotheken wieder aufgenommen werden kann, steht nach Angaben des Branchenverbandes noch nicht fest. Ein Überblick

+++ Am Mittag werden die Olympischen Spiele in Tokio offiziell eröffnet. Die Veranstaltung mitten in der Corona-Pandemie steht in der Kritik. Die Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag, Freitag, bezeichnete die Veranstaltung als "eigentlich nicht verantwortbar". Sie verstehe zwar den Wunsch der Athleten, an den Spielen teilzunehmen, sagte die SPD-Politikerin dem rbb-Hörfunk. Wenn man aber sehe, was in der Welt los sei, passe die Veranstaltung nicht in die Zeit einer Pandemie. Der frühere Generaldirektor des DOSB, Vesper, dagegen verteidigte die Spiele im DLF.

Ein paar macht ein Foto vor den Olympischen Ringen in Tokio. (IMAGO / Agencia EFE / Kai Föersterling)Zuschauer*innen sind bei den Wettbewerben nicht zugelassen, auch die Eröffnung findet weitgehend ohne Publikum statt. (IMAGO / Agencia EFE / Kai Föersterling)

+++ Die Vorsitzende des Europäischen Ethikrats, Woopen, ruft dazu auf, die Corona-Pandemie weiter ernst zu nehmen. Ermüdung und Überdruss seien inzwischen weit verbreitet, sagte sie der "Rheinischen Post". Zudem würden viele Menschen nur das tun, was vorgeschrieben sei. Woopen betonte, man brauche eine neue Form geteilter Verantwortung von Staat, Gesellschaft und jedem Einzelnen - zum eigenen Schutz und dem Schutz anderer. Generell gelte es, weniger in Kategorien von Einschränkungen und Lockdown zu denken: Nicht Gesundheit oder Freiheit, sondern Gesundheit in Freiheit. So könnten regelmäßige Tests und Masken hilfreich sein, um eine vierte Welle flach zu halten - auch wenn diese nicht mehr vorgeschrieben seien.

+++ Angesichts der Ausbreitung der hochansteckenden Delta-Variante fordert der Präsident der Bundesärztekammer, Reinhardt, mehr Schutzmaßnahmen für Schüler zu Beginn des neuen Schuljahres. Wie Reinhardt den Zeitungen der Funke Mediengruppe erklärte, müsse es Ziel sein, tägliche Testungen vor dem Unterrichtsbeginn zu ermöglichen. So könne man die Infektionsdynamik verringern und Wechselunterricht vermeiden. Reinhardt schlägt dafür die Nutzung von leicht durchführbaren, sogenannten Lolli-Tests vor. Diese sollten flächendeckend für alle Schüler zur Verfügung gestellt werden.

Im Bild sind in Schachteln verpackte sogenannte "Lolli-Tests" für Grundschüler zu sehen.  (picture alliance/dpa | Michael Reichel)Lolli-Tests kommen bislang vorwiegend in Grundschulen und Kitas zum Einsatz. (picture alliance/dpa | Michael Reichel)

+++ Neuseeland wird quarantänefreies Reisen zwischen Australien und dem eigenen Land ab Freitagabend für mindestens acht Wochen aussetzen. Wie Regierungschefin Ardern mitteilte, habe man die Entscheidung getroffen, weil Australien gegen einen Ausbruch der hochinfektiösen Delta-Variante kämpfe. "Wir haben immer gesagt, dass sich unsere Reaktion mit der Entwicklung des Virus weiterentwickeln würde. Dies ist keine Entscheidung, die wir leichtfertig getroffen haben, aber es ist die richtige Entscheidung, um die Neuseeländer zu schützen", so Ardern.

+++ Intensivmediziner fordern eine Erhöhung des Impftempos, um eine vierte Welle mit der hochansteckenden Delta-Variante besser unter Kontrolle zu halten. "Es ist das Wichtigste, dass sich möglichst viele vollständig impfen lassen. Das ist unsere effektivstes Mittel gegen die Pandemie. Nur so lässt sich die vierte Welle abschwächen", sagte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Marx, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Um gegen die Delta-Welle gerüstet zu sein, sei eine Impfrate von 85 Prozent nötig. Marx sei besorgt, weil etwa zehn Millionen Menschen in Deutschland nicht vollständig und 32 Millionen gar nicht geimpft seien.

+++ In Italien ist angesichts zunehmender Corona-Infektionen für viele Alltagsbeschäftigungen künftig ein so genannter Grüner Pass nötig. Er soll ab 6. August eingeführt werden, wie die Regierung in Rom mitteilte. Das landesweit gültige Dokument gibt Aufschluss über Corona-Impfungen, vergangene Infektionen sowie Tests. Er wird benötigt, um Sportveranstaltungen, Konzerte, Theateraufführungen, Messen oder Kongresse zu besuchen. Auch für den Innenbereich von Restaurants und Bars müssen Gäste das Zertifikat vorweisen. Ministerpräsident Draghi rief die Italiener auf, sich impfen zu lassen.

+++ Die australische Arzneimittelbehörde lässt den Impfstoff vom Biontech und Pfizer nun auch für zwölf bis 15-Jährige zu. Laut Gesundheitsminister Hunt habe sich die Behörde alle Bewertungen gründlich angeschaut und dann für eine Zulassung entschieden. Bisher war das Vakzin in Australien nur für Personen ab 16 Jahren zugelassen.

Ein Jugendlicher kurz vor einer Impfung, im Vordergrund sind Hände in Handschuhen zu sehen, die eine Spritze halten.  (imago images / Sven Simon )Australien genehmigt Corona-Impfung von Kindern. (imago images / Sven Simon )

+++ Spanien will diese Woche damit beginnen, 7,5 Millionen Impfdosen an ärmere Länder zu spenden. Wie Regierungschef Sanchez dem Sender CNN erklärte, sollen die Vakzine vor allem nach Lateinamerika gehen. Die Impfstoffe werden demnach über die internationale Impfallianz Covax verteilt. 

+++ Die Bundesregierung will offenbar Spanien und die Niederlande als Corona-Hochinzidenzgebiet einstufen. Nach Informationen der Zeitungen der Funke-Mediengruppe soll der Schritt heute verkündet werden. Das Robert-Koch-Institut veröffentlicht jeden Freitag die neuen Corona-Einstufungen der Bundesregierung für das Ausland. Die endgültige Entscheidung der zuständigen Ministerien fällt in der Regel kurz vorher. Beide Länder sind derzeit Risikogebiet. Wer aus einem Hochinzidenzgebiet zurückkehrt und nicht vollständig geimpft oder genesen ist, muss für zehn Tage in Quarantäne, kann diese aber durch einen negativen Test nach fünf Tagen verkürzen.

Hier finden Sie die Liste der Risiko- und Hochinzidenzgebiete des Robert-Koch-Instituts.

Donnerstag, 22. Juli 

+++ Apotheken in ganz Deutschland können derzeit keine sigitalen Corona-Impfzertifikate mehr ausstellen. Der Deutsche Apothekerverband (DAV) teilte mit, dass die Ausstellung von Zertifikaten in Rücksprache mit dem Bundesgesundheitsministerium vorerst gestoppt worden sei. Hintergrund ist, dass es dem "Handelsblatt" gelungen war "mithilfe von professionell gefälschten Dokumenten" auf dem Server des Verbands einen Gastzugang für einen nicht existierenden Apothekeninhaber zu erzeugen, mit dem dann zwei Impfzertifikate ausgestellt worden seien. Aktuell würden deshalb die angemeldeten Betriebsstätten einer Überprüfung unterzogen.

Ein Handy mit einem digitalen Impfnachweis auf dem Display. (dpa/picture alliance/Matthias Balk)Digitaler Impfpass - zur Zeit nicht in der Apotheke zu bekommen. (dpa/picture alliance/Matthias Balk)

+++ Die EU-Kommission hat 120 Millionen Euro für elf neue Forschungsprojekte zur Bekämpfung des Coronavirus und seiner Varianten zugesichert. An den Projekten seien mehr als 300 Forschungsteams aus 40 Ländern - darunter auch Deutschland - beteiligt, hieß es in Brüssel. Viele der Projekte dienen den Angaben zufolge dazu, klinische Prüfungen für neue Therapien und Impfstoffe zu unterstützen. Andere wiederum wollten sich mit dem Austausch von Daten, Fachwissen und Forschungsressourcen beschäftigen.

+++ Wegen eines als wahrscheinlich eingeschätzten Anstiegs der Corona-Fälle im Herbst und Winter dringt das RKI darauf, jetzt vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen. Als Handlungsempfehlungen werden eine erfolgreiche Impfkampagne und die Beibehaltung der Grundregeln wie Abstand, Maske und Lüften genannt. Das Erreichen einer Herdenimmunität sei nicht realistisch, heißt es.

+++ Bundeskanzlerin Merkel hat den Anstieg der Corona-Infektionszahlen als besorgniserregend bezeichnet. Die CDU-Politikerin sagte in ihrer voraussichtlich letzten Sommer-PK in der Bundespressekonferenz in Berlin, es gebe ein exponentielles Wachstum. Man müsse damit rechnen, dass es in weniger als zwei Wochen jeweils eine Verdopplung der Sieben-Tage-Inzidenz gebe. Es sei nötig, Schutzmaßnahmen wie Masken, Abstand und Lüften weiter zu beachten. "Wir wollen alle unsere Normalität zurück", sagte die Kanzlerin. "Aber diese Normalität erhalten wir nicht allein, sondern nur als Gemeinschaft zurück." Dazu werde ein deutlich höherer Impfschutz benötigt: "Jede einzelne Impfung zählt."

+++ Deutschlandfunk-Wissenschaftsredakteurin Kathrin Kühn fasst zusammen, welche Informationen und welche Fragen in der Debatte über das Coronavirus aus ihrer Sicht zu wenig Beachtung finden. In einem längeren Twitter-Thread verweist sie zudem auf Quellen, die es sich lohnt, zu diesen Themen zu verfolgen. 

+++ In Nordrhein-Westfalen können 12- bis 15-Jährige jetzt auch die Impfzentren nutzen. Bisher durften sie nur von niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten geimpft werden. Dem besonderen Beratungsbedarf der Eltern und Kinder sollten die Impfzentren "bei der Terminplanung Rechnung tragen", heißt es in einer Mitteilung der Landesregierung. 

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