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StartseiteSport am Wochenende"Ganz schön viel Druck dahinter"09.09.2018

NFL-Auftakt"Ganz schön viel Druck dahinter"

American Football boomt in Deutschland. In dieser Woche beginnt die neue Saison der US-amerikanischen NFL. Der bisher wohl erfolgreichste deutsche NFL-Spieler, Sebastian Vollmer, erklärt, wie der Saisonbeginn für die Spieler aussieht und welche Probleme die NFL bewältigen muss.

Sebastian Vollmer im Gespräch mit Klaas Reese

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Der deutsche NFL-Spieler, Sebastian Vollmer, im Trikot der New England Patriots. (imago sportfotodienst)
Der deutsche NFL-Spieler, Sebastian Vollmer, im Trikot der New England Patriots. (imago sportfotodienst)
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Sebastian Vollmer ist ehemaliger Footballspieler der New England Patriots und zweimaliger Super-Bowl-Gewinner. Jahrelang beschützte er in der Offense-Line Quarterback Tom Brady. Sieben Spielzeiten hat er als unmittelbar Beteiligter mitbekommen. Aus dem 90-Mann-Kader im Trainingslager werden noch knapp 40 Spieler kurz vor Saisonbeginn entlassen.

Deshalb erklärt Vollmer: "Das Hauptziel ist es für jeden Spieler, überhaupt erstmal einen Platz im Kader zu ergattern, wenn man neu ist. Oder eben seinen Platz zu halten. (...) Für einen Monat ist da ganz schön viel Druck dahinter. Und fast die Hälfte des Teams - bei jedem Team - verliert seinen Arbeitsplatz. Und dann versucht man irgendwo anders wieder unterzukommen."

"Es geht nur um Business, ums Gewinnen, bei den Patriots."

Bei den Patriots, der prägenden Mannschaft der letzten Jahre, sei es eher altmodisch zugegangen, erzählt Vollmer. "Der strenge Umgang, emotionslos, wo es absolut nur ums Business, ums Gewinnen geht."

Seinem ehemaligen Mannschaftskameraden Tom Brady traut er trotz seines eher hohen Alters auch mit 41 noch einiges zu. Er könne es schaffen zum sechsten Mal die Meisterschaft, den Super Bowl, zu gewinnen.

Tom Brady, Quarterback der New England Patriots, mit der Trophäe nach dem Super Bowl 2017 (dpa / picture-alliance / Darron Cummings)Tom Brady, Quarterback der New England Patriots, mit der Trophäe nach dem Super Bowl 2017 (dpa / picture-alliance / Darron Cummings)

Der generelle Druck auf die Spieler sei aber enorm. Die durchschnittliche NFL-Karriere eines Spielers dauert gerade einmal gut drei Jahre. Auch deshalb, weil jedes Jahr hunderte neuer Spieler aus den Colleges nachrücken und ebenfalls auf einen Platz in den Teams hoffen.

"Es bleibt ein 'brutaler' Sport"

Auch zu den Regeländerungen der vergangenen Jahre, die Football für Spieler sicherer machen sollen, äußert sich Vollmer: "Der Football ist und bleibt ein Kontaktsport, ein physischer Sport, ein ‚brutaler‘ Sport, den man auch nur zu einem bestimmten Grad sicher machen kann."

Angst vor Spätschäden wie Hirnschäden habe er perönlich aber nicht: "Angst wäre ein zu starkes Wort. Ich glaube, man muss sich darüber bewusst sein, dass der Sport zu Schäden führen kann – ganz klar. Aber ich bin Anfang, Mitte 30 und kann auch nicht die nächsten Jahrzehnte in Angst leben, dass etwas passieren könnte."

"Wenn wir das lösen, wird es ein Spiel in Deutschland geben."

Die Expansion der NFL in andere Länder wie Großbritannien und Mexiko könne auch den wachsenden Markt Deutschland erfassen, glaubt Vollmer: "Unterm Strich dreht es sich immer um Geld: Wer wird wie viel und wann bezahlen? Und sobald wir das lösen können, wird es auch ein Spiel in Deutschland geben."

Das aktuell wohl meistdiskutierte Thema in der NFL ist der Fall Colin Kaepernick. Zurzeit sorgt er für Aufruhr, weil der Sportartikelkonzern Nike eine Werbekampagne mit ihm fährt. Der Quarterback hatte sich als erster Spieler während der Nationalhymne vor jedem Spiel hingekniet, um auf Rassendiskriminierung aufmerksam zu machen.

Sebastian Vollmer meint dazu: "Es wäre wirklich sehr, sehr schade, wenn das der wahre Grund ist, weshalb er seinen Job verloren hat und weshalb er in der NFL keinen Job mehr findet. Tatsächlich nur für seine Meinung und dafür, dass er etwas Gutes tun möchte für Minderheiten."

Das gesamte Gespräch können Sie mindestens sechs Monate in unserer Mediathek nachhören.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Aus Zeitgründen senden wir in unserem Programm eine gekürzte Variante dieses Beitrags. Hier stellen wir ihnen die ausführliche Version zum Hören zur Verfügung.

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