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StartseiteEuropa heuteNicht mehr nur im Coffeeshop 05.09.2016

Niederländischer Drogenhandel im DarknetNicht mehr nur im Coffeeshop

Die Niederlande gelten in Europa als Cannabis-Hochburg - vor allem wegen der vielen Coffeeshops in Amsterdam, in denen kleine Mengen Marihuana angeboten werden. Doch der Drogenhandel verlagert sich zunehmend in den virtuellen Raum. Im Darknet kommen Nutzer schnell und anonym an Cannabis-Produkte.

Von Sebastian Schöbel

Eine Joint und Marihuana (Imago)
Rund 70 Prozent der im Darknet angebotenen Drogen sind Cannabis-Produkte. (Imago)
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Die Webseiten der Onlineshops im Darknet sehen oft nicht anders aus als ebay oder Amazon, doch verkauft werden hier vor allem Produkte, die man legal eher nicht bekommt: Waffen, kriminelle Dienstleistungen und vor allem Drogen. Stijn Hoorens und sein Team bei der Denkfabrik "RAND Corporation" in Brüssel haben rund 50 dieser versteckten "Kryptomärkte", die man nur mit Verschlüsselungssoftware erreicht, genauer unter die Lupe genommen.

"Der monatliche Umsatz mit Drogengeschäften auf Kryptomärkten liegt bei zwölf bis 20 Millionen Euro im Monat."

Wohlgemerkt: Das gilt für sämtliche im Darknet verkauften illegalen Drogen, weltweit, nicht nur in Europa.

Verglichen mit dem Offline-Drogenmarkt ist das geradezu winzig: Hier, in der realen Welt, liegen die Umsätze laut Europäischer Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht bei bis zu zwei MilliardenEuro im Monat, 24 Milliarden Euro im Jahr. Und zwar nur in Europa.

Drogenhandel auf den Kryptomärkten wächst stetig

Trotzdem: Der Drogenhandel auf den Kryptomärkten wächst stetig, sagt Hoorens. Die größten Anbieter kommen aus den USA und Australien, danach folgen Großbritannien, Deutschland und erst auf Platz fünf die Niederlande. Doch das ist nicht die ganze Geschichte, sagt Stijn Hoorens.

"Niederländische Drogenverkäufer haben auf den Kryptomärkten einen Marktanteil von gerade einmal neun Prozent. Aber rechnet man das mal auf die Einwohnerzahl des Landes runter, sind sie mit Abstand die aktivsten."

Rund 70 Prozent der im Darknet angebotenen Drogen sind Cannabis-Produkte: Haschisch, also Cannabis-Harz oder getrocknete Cannabis-Blüten, Marihuana. Oft in so großen Mengen, dass dahinter professionelle Produzenten vermutet werden können, so Experte Stijn Hoorens.

Große Nachfrage nach Ecstasy

Ein ideales Geschäftsumfeld also für die Drogenhändler aus dem Coffeeshop-Land, oder? Weit gefehlt!

"Drei Viertel ihres Umsatzes machen die niederländischen Dealer im Darknet mit Kokain und synthetischen Drogen. Vor allem Ecstasy: Das macht 50 Prozent ihrer Einnahmen aus."

Haben sich die Dealer des vermeintlichen Kiffer-Paradieses Niederlande etwa vom Cannabis abgewendet? Nicht ganz, meint Francesco Di Donna, bei der europäische Polizeibehörde Europol hauptverantwortlich für das Thema Cannabis. Zwar werde in den Niederlanden inzwischen nicht mehr so viel Cannabis angebaut wie früher - unter anderem ein Ergebnis des harten Durchgreifens der Regierung.

"Doch die Cannabis-Hersteller in den Niederlanden haben erhebliches Know-How angesammelt über die Jahre. Und das exportieren sie jetzt in andere Länder in Europa. Als kriminelle Dienstleistung für das organisierte Verbrechen."

Europa besitzt viele Cannabis-Plantagen

Nur Haschisch, das gepresste Harz der Cannabispflanze, werde größtenteils noch importiert, vor allem aus Marokko, sagt Europol-Experte Di Donna. Bei Marijuhana aber sei Europa inzwischen Selbstversorger, Cannabis-Plantagen stünden inzwischen fast überall.

"Gras made in Holland" hat also Konkurrenz bekommen - auf dem realen und auch auf dem digitalen Drogenmarkt. Doch gerade hier, im Darknet, zeigt sich: Als Marke funktioniert es noch. Viele Anbieter bewerben ihre Cannabis-Produkte auf den Kryptomärkten, indem sie schreiben "verschickt aus den Niederlanden", erklärt Stijn Hoorens von der Denkfabrik RAND: "Das ist offenbar eine Art Qualitätsgütesiegel."

Allerdings ein gefährliches, sagt Hoorens. Denn in vielen Ländern seien die Behörden inzwischen besonders aufmerksam, wenn mal wieder ein Päckchen aus Holland beim Zoll landet.

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