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StartseiteKommentare und Themen der WocheDie große Sehnsucht nach einem Wandel27.05.2019

Niederlage der SPD in BremenDie große Sehnsucht nach einem Wandel

Die historische Niederlage der Sozialdemokraten in Bremen habe viel damit zu tun, dass viele Bremerinnen und Bremer der SPD einfach überdrüssig geworden seien, kommentiert Felicitas Boeselager. Es gebe eine große Sehnsucht danach, dass es einfach und schnell wieder bergauf gehen solle.

Von Felicitas Boeselager

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Bremen: Ein Auto fährt an Wahlplakaten der SPD (l), der FDP mit dem Konterfei der Spitzenkandidatin Lencke Steiner und der Partei Die Linke vorbei (picture alliance / dpa / Carmen Jaspersen)
Nach der Bremen-Wahl suchen SPD und CDU nach Mehrheiten (picture alliance / dpa / Carmen Jaspersen)
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Die CDU ist die stärkste Kraft in Bremen – noch vor nicht allzu langer Zeit hätte dieser Satz höchstens in einem Roman, nicht aber in einem Artikel einer Zeitung stehen können, es sei denn als Aprilscherz. Bremen ist seit Jahrzehnten eng mit der SPD verwoben, schon allein aus Tradition wählte man hier über Generationen rot.

Bremen das Schlusslicht

Und jetzt kommt ein Politneuling daher, sagt Dinge wie "Ich will doch nur Bürgermeister werden", oder "einfach machen, alles einfach machen." Und schreibt Geschichte, indem er die CDU zur stärksten Fraktion in der bremischen Bürgerschaft macht. Wie konnte das passieren?

Die CDU hat gespürt, dass viele Bremerinnen und Bremer einen Wandel wollten und der SPD überdrüssig wurden. Sie waren es satt, dass Bremen in so vielen Rankings ständig Schlusslicht ist und dass das Image ihrer Stadt nicht das Beste ist. Das kann man sich in anderen Teilen der Republik häufig nicht vorstellen, aber die meisten Menschen hier lieben ihre Stadt und leben hier sehr gerne. Und diese Sehnsucht danach, dass es wieder bergauf gehen soll und das bitteschön einfach und schnell, hat die CDU klug mit einer ganz neuen Idee beantwortet: Einem Politiker-Typus, wie man ihn hier noch nicht kannte.

Politikneuling Meyer-Heder muss sich erst beweisen

Carsten Meyer-Heder lässt sich nur schwer in eine Schublade stecken: Er war mal Hippie, Kriegsdienstverweigerer, schließlich erfolgreicher Unternehmer und seit einem Jahr Politiker. Ein Lebenslauf, der ihn auch für weniger konservative Menschen wählbar gemacht hat. Ein Mann, der im Wahlkampf allen Ernstes behauptete, es sei ein Vorteil, dass er sich mit Politik weniger auskenne als sein Kontrahent und regierender Bürgermeister von der SPD, Carsten Sieling.

Aber offensichtlich hat Carsten Meyer-Heder es mit seiner modernen und knalligen Kampagne geschafft, inhaltliche Schwächen zu übertönen, beziehungsweise wurden ihm solche Schwächen als sympathisch und authentisch angerechnet. Das mag ja sein und Bremen ist eigentlich ein ausgezeichneter Ort für Pilotprojekte, aber sollte Carsten Meyer-Heder wirklich Bürgermeister werden, dann muss er erstmal beweisen, dass er "einfach machen, alles einfach machen kann."

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