Samstag, 23.02.2019
 
Seit 17:30 Uhr Kultur heute
StartseiteKommentare und Themen der WochePersonalie Elmar Brok - fast schon tragisch08.01.2019

Niederlage des CDU-EuropapolitikersPersonalie Elmar Brok - fast schon tragisch

Den selbst gewählten Abschied von der EU-Bühne habe Elmar Brok, der dienstälteste und einer der bekanntesten Europaparlamentarier, verpasst, kommentiert Moritz Küpper. Dennoch werde sein Lebenswerk Europa in Zukunft strahlen - dafür müsse er jedoch nun loslassen können.

Von Moritz Küpper

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Der Europa-Abgeordnete Elmar Brok während einer Tagung zum Thema Europa in Tutzing (imago / Oryk Haist)
Nach 40 Jahren im EU-Parlament eine graue Eminenz mit immer noch erheblichen Einfluss - die NRW-CDU hat Elmar Brok dennoch nicht für die Europawahl nominiert (imago / Oryk Haist)
Mehr zum Thema

NRW-CDU Elmar Brok nicht für Europa-Wahl nominiert

Elmar Brok, 72, CDU "Vielleicht sollte noch ein altes Schlachtross dabei sein"

EVP-Politiker Elmar Brok zum Brexit: Vorschläge zum Ablauf sind nicht konkret genug

Elmar Brok (CDU) zum Unionsstreit "Es gibt viele Spielräume, den Bruch zu verhindern"

Nun ist es wohl amtlich: Ab Mai wird es ein Europäisches Parlament geben, dem Elmar Brok nicht mehr angehören wird. Das ist historisch - und schien unvorstellbar. Auch für Elmar Brok selbst. Seit 1980 war Brok, heute 72 Jahr alt, dabei.

Ja, es ist, das kann man wohl so sagen, ein historischer Einschnitt. Für das Europäische Parlament, den Brüsseler und Straßburger Betrieb, aber vor allem für Brok selbst. Und es zeigt einmal mehr: So schwer jeder Anfang, Aufstieg oder Verbleib in öffentlich herausgehobenen Ämtern ist, so sicher ist das Ende. Jeder oder jede ist ersetzbar.

Das klingt banal und wird doch immer wieder von Politikerinnen und Politikern bewiesen, die nicht wissen, wann Schluss ist. Das zeigt die Personalie Brok nun noch einmal in aller Deutlichkeit - und es ist aus verschiedenen Gründen besonders erwähnenswert und fast schon tragisch.

Schwerwiegender Fehler eines Taktikers

Denn Brok, der ansonsten so gewiefte und kluge Taktiker, hat die Zeichen der Zeit einfach nicht erkannt und - und darin liegt eine besondere Tragik - seiner Karriere wohl selbst ungewollt ein Ende gesetzt.

Denn: Ursprünglich hatte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident und CDU-Landesvorsitzender Armin Laschet Brok auf Platz vier der Landesliste setzen wollen. Doch der wollte lieber auf Platz sechs kandidieren und begründete dies mit einem Generationswechsel. Auf einer aber nach Regionalproporz austarierten Liste ist für ein solches Manöver kein Platz. Und keiner hat die dahinter stehende Absicht verstanden. Denn: Generationswechsel geht nur richtig - oder gar nicht. Sprich: Rückzug oder dabeibleiben. Dass Brok, dem politisch mit allen Wassern gewaschenen Parlamentarier, ein solcher Fehler passiert, ist bemerkenswert.

Absprung verpasst

Nun steht fest: Brok hat - wie viele andere vor ihm - den selbstbestimmten Abgang verpasst. Obwohl es Anzeichen gegeben hat, die er hätte sehen können: Es war eine der Lehren des vergangenen Jahres, dass auch für langediente Politikerinnen und Politiker auf einmal Schluss sein kann. Der Rückzug von Bundeskanzlerin Angela Merkel als CDU-Parteivorsitzende, vor allem aber die verlorene Kandidatur von Unionsfraktionschef Volker Kauder gegen Ralph Brinkhaus haben dies deutlich gemacht. Und vor allem bei der Personalie Brinkhaus hätte Brok hellhörig werden können, war dieser doch einst Praktikant bei ihm, später einer seiner Nachfolger als Bezirksvorsitzender in Ostwestfalen.

Doch die Rufe nach Brok, nach dessen Erfahrung und Expertise in turbulenten Zeiten für die Europäische Union, waren zu verführerisch.

Er überlege sich, hat Brok nun mitgeteilt, dennoch auf der Landesdelegiertenversammlung Ende Januar zu kandidieren. Eine solche Reaktion ist - Stunden nach einem solchen bitteren Ende - nachvollziehbar. Dennoch sollte Brok sich diesen Schritt gut überlegen. Denn: Den selbstgewählten Abschied von der EU-Bühne hat Brok nun zwar verpasst. Sein Lebenswerk Europa aber sollte dies in naher Zukunft überstrahlen - doch dafür müsste er nun auch loslassen können.

Moritz Küpper (©Deutschlandradio / Bettina Straub)Moritz Küpper (©Deutschlandradio / Bettina Straub)Moritz Küpper, Jahrgang 1980, studierte Politik- und Kommunikationswissenschaften und Volkswirtschaftslehre in München und Washington, D.C. und besuchte die Deutsche Journalistenschule. Er promovierte an der Universität Bonn und arbeitete als Redakteur bei Capital, in der Online-Redaktion des Deutschlandradios sowie der Deutschlandfunk-Sportredaktion. Seit 2015 ist er als Deutschlandradio-Landeskorrespondent in Nordrhein-Westfalen tätig.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk