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StartseiteUmwelt und VerbraucherNiederlage für Fuchs und Luchs14.04.2010

Niederlage für Fuchs und Luchs

Bundesverwaltungsgericht erlaubt Weiterbau der A 44

Sie ist das derzeit wohl umstrittenste Straßenbauprojekt in Deutschland – die Verlängerung der Ost-West-Autobahn A 44 Dortmund-Kassel in Richtung Thüringen. Grund: Die neuen Streckenabschnitte führen durch die Wälder Nordhessens. Das Bundesverwaltungsgericht hat dem Bau dennoch grünes Licht erteilt.

Von Sylvia Stadler

Vermutlich wird für die Verlängerung der A 44 ein gutes Stück Wald weichen müssen.  (AP)
Vermutlich wird für die Verlängerung der A 44 ein gutes Stück Wald weichen müssen. (AP)
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Die Klage des BUND wird abgewiesen, der Kläger trägt die Kosten des Verfahrens', so kurz und bündig lautete das Urteil der Richter. Kaum waren diese Sätze verklungen, reckte der Bürgermeister von Hessisch-Lichtenau im Zuschauerraum gutgelaunt den Daumen nach oben. Zur mündlichen Verhandlung vor zwei Wochen war Jürgen Herwig mit über 100 Einwohnern seiner Stadt angereist, nun also das erhoffte Urteil:

"Also ich bin äußerst glücklich und zufrieden, das ist ein Sieg auf ganzer Linie. Die Autobahn muss unbedingt gebaut werden, weil es ist die im europäischen Transverkehrswegenetz die wichtigste Verbindung aus dem Ruhrgebiet in Richtung Ungarn und Polen, es ist die wichtigste Mitte-Deutschland-Verbindung, und ich habe die große Hoffnung, dass der BUND jetzt mit seinen Klagen endlich aufhört."

Vom BUND war kein Vertreter zur Urteilsverkündung gekommen. Ein Sprecher des hessischen Landesverbandes erklärte inzwischen, man sei enttäuscht von der Gerichtsentscheidung. Der Naturschutzverein hat weitere Klagen gegen andere Abschnitte der A 44 eingereicht, zum teil wurden sie bereits abgewiesen, hatten Planänderungen zur Folge oder sind noch nicht verhandelt worden. Im aktuellen Verfahren über ein rund vier Kilometer langes Stück zwischen Hessisch-Lichtenau und Hasselbach hatte der BUND vor allem die Fledermausarten Großes Mausohr und Bechsteinfledermaus ins Feld geführt. Doch die Richter kamen zu dem Schluss, dass die nachtaktiven Tiere durch Baumaßnahmen ausreichend geschützt werden, den Fledermäusen werden sogar eigene Brücken gebaut, erklärte der Anwalt des hessischen Verkehrsministeriums, Tobias Masing:

"Diese Brücken sind bepflanzt. Irritationswände führen dazu, dass die Fledermäuse nicht dort auf die Autobahn fliegen, wo sie's nicht sollen und wo sie in den Verkehr gelangen könnten, sondern sie werden auf ihren Flugrouten zu bestimmten Überquerungshilfen geleitet, wo sie sicher und gefahrlos die Autobahn überqueren können."

Auch der zu erwartende Stickstoffausstoß wurde nach Ansicht der Richter von Experten sorgfältig geprüft. die im Werra-Wehretal jetzt schon gemessenen Stickstoffwerte würden durch den Autobahnverkehr nur geringfügig ansteigen, hieß es. Der BUND hatte die Bedrohung der Fledermäuse zwar zum Kern seiner Klage gemacht, ließ aber immer wieder durchblicken, dass er die Autobahn insgesamt für überdimensioniert hält. Es sollten stattdessen besser vorhandene Bundesstraßen vierstreifig ausgebaut und Ortsumgehungen geschaffen werden. Doch eine Bürgerinitiative kämpft bereits seit der Wiedervereinigung für die neue Autobahn, Wolfgang Schröder:

"Wir warten ja schon 20 Jahre auf die Autobahn. Nach der Wende hieß es ja gleich, die Autobahn muss her, also zwischen Kassel und Eisenach, Die Bundesstraße ist total überfüllt und alles, im Gegensatz zu früher, ich meine, Transitverkehr haben wir schon immer gehabt, aber im Gegensatz zu früher ist der Verkehr nach der Wende natürlich sprunghaft gestiegen."

Nun also kann gebaut werden. Der westliche Nachbarabschnitt bei Hessisch-Lichtenau wurde bereits für den Verkehr freigegeben, ein weiterer Abschnitt ist in Bau. Wie bei den Verkehrswegeprojekten Deutsche Einheit üblich, ist für alle Klagen das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig in erster und letzter Instanz zuständig. Das Land Hessen hofft trotz weiterer Verfahren, die Autobahn bis 2016 fertigstellen zu können.

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