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StartseiteCampus & KarriereNiedersachsens Kultusminister bangt um Doktortitel06.07.2011

Niedersachsens Kultusminister bangt um Doktortitel

Plagiatvorwurf gegen Bernd Althusmann

Der Kultusminister von Niedersachsen, Bernd Althusmann, soll bei seiner Doktorarbeit gegen wissenschaftliche Regeln verstoßen haben. Althusmann zeigt sich von den Vorwürfen der Wochenzeitung "Die Zeit" überrascht. Die Uni Potsdam will die Vorwürde aber nun prüfen.

Von Susanne Schrammar

Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) bald ohne Doktortitel? (picture alliance / dpa)
Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) bald ohne Doktortitel? (picture alliance / dpa)

Plagiat oder schlampige Wissenschaft? In einem Online-Artikel wirft die Wochenzeitung "Die Zeit" Bernd Althusmann, CDU vor, er habe beim Abfassen seiner Doktorarbeit die Sorgfaltspflicht verletzt und im großen Stil gegen wissenschaftliche Regeln verstoßen. Der niedersächsische Kultusminister und Vorsitzende der Kultusministerkonferenz hat an der Universität Potsdam 2007 seine Dissertation zum Thema "Prozessorganisation und Prozesskooperation in der öffentlichen Verwaltung - Folgen für die Personalentwicklung" vorgelegt. Diese weise auffällig viele Stellen auf, in denen nicht korrekt zitiert worden sei, sagt Martin Spiewack, Wissenschaftsredakteur der "Zeit" und Autor des Artikels. "Die Zeit" habe die Hälfte der Dissertation Althusmanns analysieren lassen. Dabei seien auf 88 von 144 Seiten Unstimmigkeiten aufgefallen, so Spiewack.

"Das sind nicht immer große Sachen, manchmal auch kleine Sachen, aber in der Summe ist es doch sehr beachtlich, was hier zusammen gekommen ist, ich würde sagen: Auch Grund dafür, dass die Universität Potsdam sich mit diesem Fall auseinandersetzt."

In den nächsten vier Wochen will die Universität Potsdam die Vorwürfe gegen Althusmann prüfen. Der wies die Anschuldigungen heute zurück. Dabei geht es im Detail, zum Beispiel um Passagen, in denen der Minister den Verweis "Vgl." benutzt hat, um auf einen Autor hinzuweisen. Hätte er dieses Wort weggelassen, so der niedersächsische Kultusminister in einer kurzfristig angesetzten Pressekonferenz in Hannover, wäre das Zitat wissenschaftlich korrekt gewesen. Die Dissertation wurde mit der Note "rite - ausreichend", bewertet. Dies entspricht einer Leistung, die trotz Mängel den Anforderungen genügt. Er habe keine "wissenschaftliche Höchstleistung" abgeliefert, gab Althusmann zu. Gegen den Vorwurf des Täuschungsversuches und der Verschleierung wehre er sich jedoch mit aller Kraft, so der CDU-Politiker.

"Es mag sich hier und da um handwerkliche Fehler handeln, nach meinem derzeitigen Kenntnisstand. Ich habe nach dem besten Wissen und Gewissen von damals, als ich die Arbeit abgegeben habe, die mir bekannten Zitierregeln genutzt, aber ich nehme die Vorwürfe natürlich ernst, aber ich betone ausdrücklich, es handelt sich nicht um den Vorwurf, Textteile ohne Namensnennung ohne Autoren wie auch immer zu übernehmen. Also insofern sehe ich der Prüfung durch die Universität Potsdam jetzt sehr gelassen entgegen."

Von den Vorwürfen sei er sehr überrascht gewesen so Althusmann. Auf Konsequenzen will Bernd Althusmann aufgrund der Vorwürfe zunächst nicht ziehen, sondern niedersächsischer Kultusminister und Vorsitzender der Kultusministerkonferenz bleiben. Es sei eine Frage der Glaubwürdigkeit, diese Krise jetzt durchzustehen.

"Man kann auch in Krisensituationen nicht einfach sagen: So, ich lasse jetzt irgendwelche Ämter ruhen. Man kann auch keinen Doktortitel ruhen lassen. Entweder man hat ihn oder er wird einem aberkannt. Also, insofern werde ich versuchen, so gut es geht, die Arbeit, die ich als Minister zu erledigen habe, auch als Kultusministerkonferenzvorsitzender so gut es geht, weiter zu führen, aber ich werde mich allen Fragen, die die Öffentlichkeit berechtigt stellt, öffnen."

Die von "Der Zeit" erhobenen Vorwürfe werden jetzt vom Dekan der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam geprüft. Falls der Dekan sie als berechtigt einstufe, erhalte der CDU-Politiker Gelegenheit, sich zu äußern, sagte eine Hochschulsprecherin. Danach werde der Dekan entscheiden, ob er den Vorgang zur Prüfung an die Kommission zur Untersuchung wissenschaftlichen Fehlverhaltens weitergeben werde.

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