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StartseiteUmwelt und VerbraucherWie Schafe teils kostenlos die Natur schützen14.08.2019

Nitratfilter und BodenfestigerWie Schafe teils kostenlos die Natur schützen

Sie treten den Boden fest und schützen Deiche: Schafherden leisten damit einen wichtigen Beitrag für die Natur. Und teils werden die Schäfer auch dafür entlohnt. Doch längst nicht überall und nicht für jede Leistung.

Von Anke Petermann

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Der Eifel-Schäfer und Vorsitzende des Bundesverbands Berufsschäfer Günther Czerkus mit seiner Herde (Deutschlandradio/Anke Petermann)
Schafe sorgen auch für sauberes Trinkwasser. Doch bezahlt wird das nicht, kritisiert der Vorsitzende des Bundesverbands Berufsschäfer Günther Czerkus (Deutschlandradio/Anke Petermann)
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Derzeit weiden die 400 Schafe von Günther Czerkus am Rande von Holsthum. Der Ort im Naturpark Südeifel liegt im geschützten Prümtal an der Grenze zu Luxemburg, klimatisch begünstigt und für die Eifel sehr mild.

"Deswegen haben wir hier auch relativ viel Trockenrasen, Halbtrockenrasenbereiche, die gepflegt werden sollen."

Biotope für wärmeliebende Küchenschellen oder seltene Orchideenarten.

"Die Stiftung Natur und Umwelt hat hier Flächen angekauft, die Verbandsgemeinde, die Ortsgemeinde haben unterschiedliche Pflegeflächen."

Trockenrasen, Halbtrockenrasen - ein Fall für Schafsbeweidung.

"Das, was wir jetzt bezahlt bekommen in der Pflege von Naturschutzgebieten ist, dass da Biomasse aufwächst, die Schafe fressen die und tragen die raus. Wir legen die nachts in der Regel auf andere Fläche, die Schafe koten woanders ab und die Flächen bleiben mager und die Pflanzen, die Stickstoff nicht gut vertragen, haben eine Überlebenschance in diesem Naturschutzgebiet. Wir machen einen Nährstofftransfer aus der Fläche raus und den bekommen wir teilweise bezahlt."

Schafweiden filtern Nitrat – Geld bekommen Schäfer dafür nicht

Außerdem nutzen Schafweiden zur Neubildung von sauberem Grundwasser. Doch dafür bekommen er und seine Kollegen nichts, bemängelt der Vorsitzende des Bundesverbands Berufsschäfer:

"Nitrat, was durch ein Regenwasser ins Grundwasser, ins Trinkwasser käme, wird auf unserem Grünland sehr gut rausgefiltert. Das ist eine Leistung, die kriegen wir nicht bezahlt. Wir binden unheimlich viel CO2 in unserem Grünland, das kriegen wir nicht bezahlt."

Der Erosionsschutz werde nur in Schleswig-Holstein entlohnt. Jeder dort wisse, dass ohne Schäfer die Deiche nicht halten und ohne Deiche kein Überleben an der Nordseeküste möglich sei.

"Insofern gibt es da eine andere Förderung über die Deichverbände. Also es wird tatsächlich auch finanziell wertgeschätzt," sagt der Eifel-Schäfer.

Umweltministerin plant Weidetierprämie

Auch seine Schafe fressen Gras, ohne Wurzeln zu beschädigen, sie treten außerdem den Boden fest. Doch Czerkus geht beim Erosionsschutz leer aus. Bundesumweltministerin Svenja Schulze, SPD, will das ändern und Schäfern eine Weidetierprämie zahlen. 30 Euro pro Tier sind im Gespräch. Im Bundesrat hat sich Rheinland-Pfalz unlängst für die Prämie eingesetzt und die anderen Bundesländer hinter sich gebracht. Umwelt-Staatssekretär Thomas Griese von den Grünen begründet den Vorstoß:

"In dem Augenblick, wo ich Weidetiere fördere, fördere ich natürlich den Erhalt von Grünland. Grünland ist in besonderer Weise im Rückgang begriffen und bedroht, Grünland ist auf der anderen Seite aber ein ganz wichtiges Element für die Biodiversität, für den Artenreichtum. Und deshalb ist die Grundidee, dass es eine Weidetierprämie geben soll, die man entweder an die Zahl der Tiere oder an die Hektare, die von den Tieren beweidet werden, knüpft, und die den Weidetierhaltern ein zusätzliches Einkommen ermöglicht. Im Grunde wird damit die zusätzliche Umweltleistung honoriert, die diese Betriebe erbringen, und das ist auch genau unsere Absicht."

Wolle und Fleisch - kein erträgliches Geschäft

Nur diejenigen sollten profitieren, die zum Naturschutz beitrügen, betont Bundesumweltministerin Schulze. Bezahlt werden müsse die Prämie aus dem Agrar-Etat. Noch zögert die CDU in der Koalition. Mit der EU gäbe es kein Problem, andere Länder zahlen die Prämie, konstatiert Günther Czerkus. Beispiel Frankreich:

"Wenn man die Schafe da jetzt nicht separat mit einer Weidetierprämie am Leben erhalten würde, wäre das Zentralmassiv entvölkert. Dann gäbe es da keine Einkommensmöglichkeiten. Bei uns wäre das das vergleichbar ein bisschen mit der Lüneburger Heide, aber auch die Schwäbische Alb."

Dort und anderswo geben Schäfer auf, weil Wolle und Fleisch kein einträgliches Geschäft mehr versprechen. Für Werner Neumann, Schäfer in Neuwied und Vorsitzender des Landesverbands Schafhalter und –Züchter, ist eines klar:

"Da muss irgendwas geschehen, wenn man die Schafhaltung erhalten will."

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