Samstag, 16.10.2021
 
Seit 07:05 Uhr Presseschau
StartseiteInformationen am MorgenTrump erhöht Druck auf China07.09.2017

Nordkorea-KonfliktTrump erhöht Druck auf China

Erst wütende Tweets, dann ein Telefonat mit Präsident Xi Jinping: US-Präsident Donald Trump will China dazu bringen,Druck auf Nordkorea auszuüben. Dabei sei die Androhung eines Abbruchs der Handelsbeziehungen absurd, urteilen Experten. Denn Pressionen würden Kim Jong Un nur ermutigen.

Von Marcus Pindur

US-Präsident Donald Trump im Oval Office. (dpa-Bildfunk / AP / Evan Vucci)
US-Präsident Donald Trump erregt sich seit Monaten in zunehmend wütenden Tweets darüber, dass China nicht genügend Einfluss auf Nordkorea geltend mache (dpa-Bildfunk / AP / Evan Vucci)
Mehr zum Thema

Nordkorea Provokation zum Auftakt des BRICS-Gipfels in China

Publizist Jörg Friedrich "Mit Nordkorea reden"

Nordkorea testet Rakete

USA zu Nordkorea Starke Töne mit schwachen Folgen

Er ruderte schnell zurück. Eine Dreiviertelstunde habe er mit Chinas Präsidenten Xi Jinping telefoniert, ließ Donald Trump die Journalisten an Bord der Airforce One wissen. Und die Stimmung sei gut gewesen. "Auch China will die Denuklearisierung Nordkoreas. Wir werden noch über einiges reden, wir haben viel miteinander zu besprechen."

Zuvor hatte sich Trump monatelang in zunehmend wütenden Tweets darüber erregt, dass China nicht genügend Einfluss auf Nordkorea geltend mache. Das Ganze gipfelte in einer Twitter-Botschaft, in der Trump - ohne China direkt zu nennen - den Abbruch aller Handlesbeziehungen zu Ländern androhte, die wiederum mit Nordkorea Handel treiben. Doch das ist in erster Linie China.

Eine hohle Drohung, so Scott Kennedy, Experte für chinesische Wirtschaft am Center for Strategic and International Studies in Washington, D.C. "Wenn der Präsident tatsächlich gemeint hat, man könne den Handel mit China abbrechen, so ist das absurd. Das würde nicht nur den Handel mit China betreffen, sondern den gesamten Welthandel." 650 Milliarden Dollar Volumen pro Jahr hat der Handel zwischen den USA und China, 2,6 Millionen amerikanische Arbeitsplätze hängen daran.

"Alles nur Aufschneiderei"

Marcus Noland vom Peterson Institute for International Economics meint, dass diese Art hohler Drohungen Kim Jong Un lediglich ermutigen würden. "Es könnte sein, dass die Nordkoreaner sich das Verhalten Trumps anschauen und sagen: Das ist alles nur Aufschneiderei. Deswegen setzen sie ungerührt ihr Nuklearprogramm fort und haben jetzt schon zum sechsten Mal einen Atomsprengsatz gezündet."

Einer anderen Theorie zufolge will Trump mit seinen zwischen Konfrontation und Kommunikation oszillierenden Botschaften China aus der Reserve locken und dazu bringen, endlich wirksamen Druck auf den nordkoreanischen Diktator auszuüben.

Der außenpolitische Kolumnist der Washington Post, David Ignatius, warnt vor solchen leichtfertig in die Öffentlichkeit gestellten Twitter-Botschaften. Die Art und die Form der diplomatischen Kommunikation sei entscheidend. Es sei so wörtlich "verrückt", dass Trump Signale über Krieg und Frieden nach Belieben in 140-Zeichen-Nachrichten und ohne Konsultation mit seinen Sicherheitsberatern in den Äther schicke. Die Gefahr von Fehlkalkulationen auf der anderen Seite sei viel zu hoch. Denn Kim Jong Un sei ein Risiko-Spieler, das hätten seine bisher 80 Raketen- und Atombombentests bewiesen.

Unterdessen streben die USA ein Öl-Embargo gegen Nordkorea an. Die amerikanische UN-Botschafterin Haley verschickte einen dementsprechenden Resolutionsentwurf an die Mitglieder des UN-Sicherheitsrates. Auch der Einsatz nordkoreanischer Arbeitskräfte im Ausland soll untersagt werden. Gegen Machthaber Kim Jong Un soll ein Reiseverbot verhängt und sein Auslandsvermögen eingefroren werden. Es ist unklar, ob der Entwurf die Unterstützung Chinas erhält.

Nordkorea hatte am vergangenen Sonntag nach eigenen Angaben eine Wasserstoffbombe gezündet. Mit seinen Bomben- und Raketentests verstößt das Land seit Jahrzehnten gegen eine Vielzahl von Auflagen des UN-Sicherheitsrates.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk