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StartseiteMarkt und MedienFreie UKW-Frequenzen gehen an Metropol FM24.01.2015

Nordrhein-WestfalenFreie UKW-Frequenzen gehen an Metropol FM

Von Lena Bayer-Eynck

Weiterführende Information

Campusradios - 15 Jahre Radio Q
(Deutschlandfunk, Campus & Karriere, 23.10.2014)

Wäre es nach den nordrhein-westfälischen Zeitungsverlegern gegangen, dann wäre zur Privatradio-Familie, also zu Lokalradios wie Antenne Düsseldorf, Radio Köln oder Radio Neandertal, in Deutschlands größter Radio-Region noch ein neues, junges Familienmitglied hinzugekommen – der Jugendsender dein fm. An dem sind neben den Verlegern unter anderem noch RTL und der hessische Privatsender ffh beteiligt. Lange galt das Konzept von dein fm als Favorit für die freigewordenen UKW-Frequenzen in NRW – aus gutem Grund, wie Jan-Uwe Brinkmann, Geschäftsführer von dein fm noch immer meint.

"Also wir wollten eine Weiterentwicklung des Privatfunks betreiben. Wir sind angetreten mit einem Konzept für ein landesweites, junges Programm unterhalb von Einslive, in der Zielgruppe 14 bis 29 mit regionalisierten Elementen. Wir hatten über 20 Mitarbeiter vorgesehen und wollten so die Vielfalt in NRW abbilden. Gleichzeitig wollten wir dem WDR etwas entgegensetzen, der mit seiner Flottenstrategie sehr stark vertreten ist in Nordrhein-Westfalen."

Frequenz des britischen BFBS

Einmal war die Entscheidung der Landesmedienanstalt schon vertagt worden, doch am Freitag fand sich dann doch eine Mehrheit. Allerdings nicht für dein fm, sondern für den deutsch-türkischen Sender Metropol FM. Der hat nun zwar erst einmal nur elf relativ unwichtige Frequenzen bekommen, kann aber in den nächsten Jahren mit weiteren frei werdenden Frequenzen rechnen, vom britischen Soldatensender BFBS. Jürgen Kraftmeier, Direktor der LfM:

"Die Kommission, die sich entschieden hat, musste eine Abwägung treffen zwischen elf Kandidaten. Und unser Landesmediengesetz schreibt vor, dass wir Anbietervielfalt und Angebotsvielfalt prüfen müssen – wer von den Kandidaten bietet am meisten im Sinne von Anbieter und Angebotsvielfalt."

Metropol FM hat die Kommission dabei am meisten überzeugt: Einen deutsch-türkischen Sender gibt es in NRW noch nicht. Zu 70 Prozent will Metropol FM auf Türkisch und zu 30 Prozent auf Deutsch senden. Der Sender richtet sich besonders an Deutschtürken zwischen 18 und 49 und berichtet nach eigenen Angaben hauptsächlich über deutsche oder regionale Themen, weniger über Ereignisse in der Türkei. Er sendet seit 1999 in Berlin und seit einigen Jahren auch im Rhein-Main-Gebiet und in Stuttgart. Für ein Statement stand der Sender nicht zur Verfügung.

Laut dein fm-Geschäftsführer Brinkmann steht durch die Entscheidung für Metropol FM jetzt die Zukunft der NRW-Lokalsender auf dem Spiel.

"Für den Lokalfunk ist das ein Schlag ins Gesicht, das muss man so deutlich sagen. Der WDR verfügt zur Zeit über 1,5 Millionen Hörer in der Zielgruppe 14 bis 49; der Lokalfunk kommt auf 900.000 Hörer in dieser Zielgruppe und ist damit aus Vermarktersicht national verzichtbar. Und insofern verstehen wir die Entscheidung gestern als klare Absage der Politik und der LfM an den Lokalfunk, so wie er bislang bestanden hat. Und wir werden nunmehr keine Flottenstrategie mehr fahren können und damit den Lokalfunk stützen können. Wir müssen uns jetzt Gedanken machen, welche Konsequenzen das in den nächsten Wochen und Monaten für den Lokalfunk in NRW haben wird."

Rechtliche Schritte prüfen

Brinkmann will nun rechtliche Schritte gegen die LfM prüfen. Von einer Entscheidung gegen den Lokalfunk will die Landesmedienanstalt aber nichts wissen. Für sie war die Entscheidung für Metropol FM legitim, und bedeute eben nicht, dass die privaten Lokalsender nun alle massenhaft in die Knie gezwungen werden. LfM-Direktor Jürgen Brautmeier:

"Es geht hier nicht um Schutz, es geht hier um Wettbewerb. Es geht hier nach den Kriterien des Gesetzes um zusätzliche Vielfalt. Und die Probleme, die es möglicherweise im Lokalfunk gibt, die entstehen nicht dadurch, dass ein weiterer Konkurrent kommt. Die entstehen dadurch, dass sich die Landschaft ändert. Dass sich die Hörfunklandschaft, die Werbelandschaft, das Verhalten der Nutzer – der Jugendlichen wie der Älteren – ändert, was die Nutzung von Radioprogrammen angeht. Da liegt der Hund begraben."

 

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