Dienstag, 14.07.2020
 
Seit 00:05 Uhr Fazit
StartseiteEuropa heuteIsolierter Inselstaat vor der Präsidentschaftswahl24.04.2015

NordzypernIsolierter Inselstaat vor der Präsidentschaftswahl

Wer in der Türkischen Republik Nordzypern am 27. April bei der Stichwahl das Rennen macht, ist bisher völlig offen. Sowohl der aktuelle Amtsinhaber Eroglu als auch der Oppositionschef Akinci versprechen ihren Wählern vor allem eines: Das Land soll raus aus der wirtschaftlichen Isolation - doch nicht um jeden Preis.

Von Thomas Bormann

Weiterführende Information

Zypern - "Einen Job zu bekommen ist praktisch unmöglich"
(Deutschlandfunk, Europa heute, 25.03.2015)

Zypern - Proteste gegen Sparpolitik
(Deutschlandfunk, Europa heute, 05.03.2015)

Zypern - "Der Hass sitzt tief"
(Deutschlandfunk, Kommentar, 20.07.2014)

Touristen, die die Wellen an den Stränden Nordzyperns genießen wollen, brauchen Geduld bei der Anreise. Denn: Kein EU-Staat erkennt Nordzypern an, deshalb darf kein Flugzeug direkt aus Deutschland oder aus einem anderen EU-Land nach Nordzypern fliegen. Man muss in der Türkei zwischenlanden. Dasselbe gilt alle Waren, die nach Nordzypern geliefert werden. Egal ob Bananen, Möbel oder Autos – alles muss durch die Türkei. Das ist umständlich, das ist teuer. Das lähmt die Wirtschaft und nervt die türkischen Zyprer:

"Zypern ist wie eine verschlossene Schachtel. Unser Kontakt zur Außenwelt ist versperrt. Wir haben ein wunderschönes Land, aber solange wir isoliert sind, wird sich nichts ändern und es wird sogar immer schlechter. Wir müssen uns öffnen und in die Welt integrieren. Das ist die Lösung",

sagt ein Ladenbesitzer in Nikosia. Ein anderer meint:

"Wir brauchen endlich eine Lösung, egal wie. Von mir aus schließen wir uns der Türkei an. Oder aber die Türkei lässt uns frei und wir gehen unseren eigenen Weg."

"Ich bin Zyprer. Ich will, dass die türkischen, aber auch die griechischen Soldaten abziehen. Ich will hier keine Soldaten sehen, sondern Touristen."

Der noch amtierende Präsident Dervis Eroglu sieht das anders. Er will auf die 30.000 türkischen Soldaten auf Zypern nicht verzichten. Denn, so sieht es der 77-Jährige: Diese Soldaten seien die Garantie dafür, dass die griechischen Zyprer den Norden der Insel nicht eines Tages zurückerobern. Dervis Eroglu von der national-konservativen Partei Nordzyperns:

"Ich bin stolz auf unsere Republik. Ich bin Patriot. Und ich sage immer wieder: Wir brauchen die Schutzmacht Türkei. Dafür stehe ich. Deshalb bin ich überzeugt, dass mich die Bürger wiederwählen werden."

Viele Wähler aber finden, Dervis Eroglu sei nur so eine Art zyprischer Statthalter des türkischen Präsidenten Erdogan:

"Was kann der schon machen? Erdogan wird ihm Berater schicken und die diktieren ihm dann, was er bei den Zypern-Verhandlungen sagen soll."

Die Verhandlungen zur Wiedervereinigung des türkischen Nordens und des griechischen Südens der Insel sollen bald wieder aufgenommen werden mit dem Ziel, dass beide Volksgruppen gleichberechtigt in einem Staat leben; die türkischen Zyprer im Norden der Insel; die griechischen Zyprer im Süden.

In diesen Verhandlungen müssen die türkischen Zyprer selbstbewusst auftreten, fordert Mustafa Akinci, er ist Oppositionschef und Herausforderer bei der Stichwahl um das Präsidentenamt in Nordzypern:

"Ob in den Beziehungen zum Süden oder zur Türkei – wir sollten mit erhobenem Haupte auftreten. Besonders zur Türkei sollten wir Zypern-Türken nicht unterwürfig sein. Das ist sehr wichtig."

Dutzende Pläne zur Wiedervereinigung

In den vergangenen 41 Jahren gab es schon Dutzende Pläne zur Wiedervereinigung Zyperns – nie hat es geklappt. Viele türkische Zyprer haben deshalb die Hoffnung verloren. Sie fühlen sich gerade auch von der EU im Stich gelassen. Schließlich hatten die türkischen Zyprer im Jahr 2004 für den sogenannten Annan-Plan gestimmt. Der Plan sah vor, die Insel zu vereinen und sie dann in die EU aufzunehmen.

Aber: Die griechischen Zyprer stimmten gegen diesen Plan. Ironie der Geschichte: So platzte die Vereinigung und nur die griechische Republik Zypern im Süden der Insel kam in die EU; die türkischen Zyprer im Norden aber blieben außen vor, und fühlen sich bis heute ausgegrenzt.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk