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StartseiteCampus & KarriereZwischen Zeugnis und Ferien24.07.2018

NotenschlussZwischen Zeugnis und Ferien

Vor den Sommerferien herrscht in vielen Klassenzimmern gähnende Langeweile. Das muss aber nicht so sein. Denn gerade dann, wenn die Noten mal in den Hintergrund treten, ergeben sich neue Möglichkeiten. Manche Schüler gründen Firmen, machen Exkursionen oder führen Projektwochen durch.

Von Michael Watzke

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Noten auf einem Schulzeugnis. (picture alliance / dpa / Ina Fassbender)
Nach der Zeugnisvergabe wird an vielen Schulen kaum noch klassischer Unterichtsstoff behandelt (picture alliance / dpa / Ina Fassbender)
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Für manche Schüler sind die zwei Wochen vor Ferienbeginn die langweiligste Zeit des Schuljahres. Für andere Schüler ist es die spannendste Zeit des Jahres. Zum Beispiel für Robert. 

"Kann man so sagen, ja. Das ist das Finale. Dass wir jetzt hier stehen, ist schon ‘ne große Sache!"

Robert und seine Klassenkameraden aus der 8B stehen auf einer Bühne vor der Mittelschule an der Münchner Cincinnattistraße. Hier präsentieren sie ihr Unternehmen namens "Wibag".

"Es ist eine Firma, die Schüler gegründet haben. Wir machen Sportbeutel. Darauf haben wir z.B. Rosen gedruckt. Wir haben Schablonen gemacht. Dann haben wir Blumen draufgesprayt oder gemalt. Die ganze Marketingsache, das Herstellen, das Designen. Das lernt man dabei. Ist schon nützlich."

Zeit vor den Ferien sinnvoll nutzen

Solche Aktivitäten passen perfekt in die Zeit nach Notenschluss, sagt die betreuende Klassenlehrerin Annett Walther.

"Erstmal, dass sie im Team arbeiten. Soziale Kompetenz. Und natürlich auch, dass sie lernen: Wie funktioniert eine Firma? Welche Rollen, welche Aufgaben gibt es da? Wie macht man das? Und wie kommt man überhaupt erstmal auf eine Geschäftsidee? Irgendwie muss man ja was finden, was man verkaufen kann."

Natürlich hat die Klasse 8b nicht erst nach Notenschluss mit der Arbeit an der "Wibag" angefangen.

"Wir haben schon viel länger daran gearbeitet als die zwei Wochen. Da muss ich die Schüler wirklich loben. Eigentlich sind wir gerade auf Klassenfahrt. Aber die haben wir heute extra für den Auftritt unterbrochen. Die machen toll mit, die bleiben bei der Stange."

Ein perfektes Beispiel dafür, wie man die Zeit von Notenschluss bis Ferienbeginn pädagogisch sinnvoll nutzen kann, sagt Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes. Kurz vor Schuljahres-Ende, so Meidinger, könne man...

"... ohne Notendruck gemeinsam mit den Schülern Aktivitäten machen. Ich spüre das auch, dass sowohl Lehrkräfte als auch Schüler etwas lockerer in die Schule kommen. Es ist eine Vor-Ferienstimmung da, aber trotzdem noch eine Bereitschaft, sich mit den Mitschülern an der Schule zu engagieren. Manche Schüler gehen da noch lieber zur Schule als sonst."

Noten ändern nicht möglich

Wenn die Lehrkräfte es richtig anstellen. Denn manche versuchen auch, noch Unterrichtsstoff nachzuholen. Meidinger hält das nicht für sinnvoll. Andere Lehrer drohen unaufmerksamen Schülern damit, noch die Noten zu ändern. Geht aber gar nicht, sagt Meidinger.

"Man muss die Noten zu einem gewissen Termin abgeben. Dann werden auch die Klassenkonferenzen abgehalten. Die Klassenkonferenzen stellen die Noten fest. Und wenn die die Noten mal festgestellt haben – die dann nochmal abzuändern, ist eigentlich nicht möglich."

Ebenfalls nicht möglich sei es, den Zeitraum zwischen Notenschluss und Zeugnisausgabe zu verkürzen. Denn, so Bayerns Kultusminister Bernd Sibler:

"Wenn’s zum Beispiel ums Wiederholen geht, machen es sich die Lehrerinnen und Lehrer nicht leicht. Deshalb brauchen wir unbedingt den Abstand von 14 Tagen. Dieser Zeitraum ist gut, um auch noch viele pädagogische Ansätze umzusetzen. Ich glaube, dass in der großen Breite in diesen 14 Tagen viel pädagogisch Sinnvolles geleistet wird."

Projektwochen und Exkursionen

Lehrer-Präsident Meidinger hört häufig Klagen aus der Lehrerschaft, im Lehrplan sei zu wenig Zeit für gemeinschaftsfördernde Arbeiten, für fachübergreifende Themen oder Projektarbeit.

"Am Schluss des Schuljahres wäre diese Zeitspanne. Projektwochen durchführen und die Projekte vorstellen. Einen Werte-Tag machen. Auf Exkursion gehen. Eine Studienfahrt machen, für die während des Schuljahres keine Zeit ist. Einen Gerichtsprozess besuchen."

Es gibt also jede Menge Möglichkeiten. Aber natürlich gibt es auch immer Lehrkräfte, die einfach einen Film einlegen und die Klasse vor dem Bildschirm parken. Nur dürfen sich die nicht wundern, wenn ihre Schüler dann gelangweilt sind.

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