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Notre-DameBrand komplett gelöscht

Feuerwehrleute an der Kathedral Notre-Dame in Paris (AFP/Bertrand Guay)
Feuerwehrleute an der Kathedral Notre-Dame in Paris (AFP/Bertrand Guay)

Der Brand in der Pariser Kathedrale Notre-Dame ist vollständig gelöscht. Nach Angaben des französischen Innenministeriums besteht aber immer noch Einsturzgefahr. Die Brandursache ist noch unklar, die Ermittler gehen aber von einem Unfall aus.

Da die Brandgefahr mittlerweile gebannt sei, müsse nun geklärt werden, wie die Bausubstanz der Kirche dem Feuer standhalten werde, sagte Innenstaatsekretär Laurent Nuñez am Morgen nach dem Brand vor Journalisten. Experten und Architekten sollen seinen Angaben zufolge in Kürze darüber beraten, ob die Kathedrale "stabil" sei und die Feuerwehr ihre Arbeit im Innern fortsetzen könne.

Das Feuer sei sehr wahrscheinlich "durch einen Unfall" ausgelöst worden, teilte der Staatsanwalt Remy Heitz mit. Es gebe keine Hinweise auf Brandstiftung. 50 Beamte würden nun an den "langen und komplexen" Ermittlungen zur Brandursache arbeiten.

Dramatische Schäden, Fassade aber gerettet

Ein Feuerwehrsprecher hatte in der Nacht von "dramatischen Schäden" gesprochen: Die Flammen zerstörten demnach weite Teile des Daches und brachten einen Kirchturm zum Einsturz - was neben den Flammen und dem Löschwasser zusätzliche massive Schäden verursachte.

Die Feuerwehr hatte den Brand am frühen Morgen unter Kontrolle gebracht und dann vollständig gelöscht. Die Pariser Bürgermeisterin Hidalgo erklärte, die meisten Kunstschätze und religiösen Relikte seien aus der Kirche geschafft worden. Die für Katholiken sehr wertvolle Dornenkrone und andere Gegenstände seien im Pariser Rathaus untergebracht worden, sagte Frankreichs Kulturminister Franck Riester dem Sender LCI am Dienstagmorgen.

Der Direktor der Kirche sieht derweil keine Sicherheitsmängel beim Brandschutz. Es gebe etwa Brandaufseher, die drei Mal täglich den Dachstuhl prüften, sagte Patrick Chauvet dem Sender France Inter. "Ich denke, dass man nicht mehr machen kann."

Macron verspricht Wiederaufbau

Frankreichs Präsident Macron hatte gestern Abend seine geplante Rede an die Nation abgesagt und sich stattdessen zur brennenden Kathedrale begeben. Er versprach den Wiederaufbau. Erste private Spender sicherten eine Beteiligung Höhe von mehreren hundert Millionen zu. Auch die UNO kündigte ihre Unterstützung an. Der Wiederaufbau werde die besten Architekten und Handwerker Frankreichs, vielleicht der ganzen Welt auf den Plan rufen, sagte die Präsidentin des Regionalrats von Ile-de-France, Valérie Pécresse, dem Sender Radio Classique.

Bundeskanzlerin Merkel teilte über Regierungssprecher Seibert mit, es tue weh, diese schrecklichen Bilder zu sehen. Notre-Dame sei ein Symbol Frankreichs und der europäischen Kultur. Die Nichte des früheren Pariser Erzbischofs, die Schriftstellerin Gila Lustiger, sagte im Deutschlandfunk, kein Gebäude symbolisiere die Geschichte Frankreichs so sehr wie Notre-Dame. Die Kathedrale sei nicht nur das Wahrzeichen der französischen Hauptstadt, sondern auch des Christentums. Mehrere Kathedralkirchen in Deutschland wollten am Dienstagmittag als Zeichen der Solidarität mit der zum Teil zerstörten Kathedrale Notre-Dame in Paris die Glocken läuten lassen. Nach dem Läuten um 12.00 Uhr sollen in den großen Kirchen zudem Gebete stattfinden.

In Deutschland kritisierten Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet und Andere die Berichterstattung der ARD über das Unglück. "Russia Today und Al Jazeera berichten, rechte Hetzer verbreiten erste Verschwörungstheorien und der öffentlich-rechtlich Rundfunk schläft", schrieb er bei Twitter und kritisierte, dass er auf CNN ausweichen müsse, "während die ARD Tierfilme zeigt".

Papst betet für Notre-Dame

Papst Franziskus betete einer Mitteilung des Vatikans zufolge für die Katholiken Frankreichs und die ganze Bevölkerung. "Notre-Dame ist ein Symbol des Katholizismus in Frankreich und in der Welt, aber wir haben gesehen, dass es nicht nur ein christliches Symbol ist: Die ganze Bevölkerung von Paris ist gestern herausgegangen zu Notre-Dame", hieß es.

"Wir haben dort auch Muslime gesehen, die ihre Trauer gezeigt haben. Auch die französischen Bischöfe haben in einer ersten Reaktion darauf hingewiesen, dass Notre-Dame über seinen christlichen Charakter hinaus ein Ort ist, an dem sich alle, auch die Nichtglaubenden, in wichtigen Momenten der französischen Geschichte begegnen können Notre-Dame werde stets ein Symbol der nationale Einheit Frankreichs bleiben."

Ein Wahrzeichen von Paris

Notre Dame wurde ab dem 12. Jahrhundert errichtet und gilt als eines der ersten gotischen Kirchengebäude in Frankreich. Die Kathedrale des Erzbistums Paris gehört bei Touristen zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten. Jedes Jahr besuchen sie rund 13 Millionen Menschen.

Als eines der weltweit imposantesten Meisterwerke gotischer Architektur zählt Notre-Dame zum Weltkulturerbe der Unesco. Der Schriftsteller Victor Hugo hat das Bauwerk 1831 in seinem Roman "Der Glöckner von Notre-Dame" verewigt.