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StartseiteVerbrauchertippKaum jemand weiß, dass es eCall gibt18.10.2019

Notrufsystem im AutoKaum jemand weiß, dass es eCall gibt

Seit März 2018 müssen alle neuen Pkw-Modelle in Europa mit einen Notrufsystem ausgerüstet werden. Bei einem Unfall sollen die Rettungskräfte so schneller den Unfallort erreichen. Doch kaum ein Autofahrer weiß, dass es eCall überhaupt gibt.

Von Michael Voregger

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Der Schriftzug "SOS" auf dem Display eines Bordcomputers mit Touchpad eines Volkswagen-Fahrzeuges in Hannover (Niedersachsen).  (dpa / Julian Stratenschulte)
Bis zu 2.500 Menschenleben könnten durch eCall jedes Jahr gerettet werden (dpa / Julian Stratenschulte)
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Viele Autofahrer wissen wahrscheinlich gar nicht, was in ihrem Fahrzeug bei einem Unfall passiert. Seit März 2018 ist das elektronische Notrufsystem eCall Pflicht bei allen neuen Pkw. Lastkraftwagen sind bisher davon ausgenommen. Hat das Auto einen Unfall, löst eCall automatisch den einheitlichen europäischen Notruf aus. Volker Jodwischat ist Einsatzleiter bei der Feuerwehr Gelsenkirchen. Er ist von den Vorteilen des Systems überzeugt:


"Es ist in der Fahrzeugtechnik verbaut. Es sind in den Fahrzeugen Sim-Karten verbaut, die grundsätzlich die GPS-Daten mittracken und wir auch wissen, aus welcher Richtung das Fahrzeug gekommen ist., auf welche Fahrbahnseite es fährt. Es sind die Sensoren, die in den Fahrzeugen verbaut sind, die uns sagen, dass die Airbags ausgelöst haben, und wir bekommen noch wesentliche weitere Informationen."

2.500 Menschenleben könnten jedes Jahr gerettet werden

Im Notfall können die Insassen das Notrufsystem manuell auslösen. Auch als Zeugen eines schweren Unfalls. Sie müssen dafür nur einen Knopf im Auto drücken.

Nach Schätzung der EU-Kommission lässt sich mit diesem System die Zahl der Unfalltoten um zehn Prozent verringern. Dadurch sollen pro Jahr in ganz Europa 2.500 Menschenleben gerettet werden.

Fahrer eines älteren Wagens sind nicht verpflichtet, das Notrufsystem ins Auto einbauen zu lassen. Eine freiwillige Nachrüstung ist aber möglich. Tobias Scheffel vom ADAC Westfalen:

"Bisher sind noch keine Nachrüstsysteme bekannt, die über die gesamte eCall-Funktionalität verfügen. Einige deutsche Versicherer bieten den so genannten Unfallmeldedienst (UMD) an, der nach einem Unfall einen automatischen Notruf zu einer Telefonzentrale der Versicherer ausführt."

eCall-System funktioniert in mehreren europäischen Ländern

Die Nachrüstsysteme funktionieren in mehreren europäischen Ländern. Dazu wird der Unfallmeldestecker einfach in den Zigarettenanzünder gesteckt. Anschließend muss über Bluetooth eine Verbindung mit einer App auf dem Smartphone hergestellt werden. Dann können die mobilen Daten und das GPS-Signal des Handys genutzt werden.

Es gibt einen entscheidenden Nachteil

Das ist aber auch der entscheidende Nachteil, denn das Smartphone muss immer dabei sein und eine Verbindung zum Unfallmeldestecker haben. 

"Es gibt verschiedene Systeme am Markt, die aber leider nicht alle eCall-Funktionen haben. Die Systeme unterschieden sich bei Preis und Leistung auch.

Es gibt zum Beispiel ein System von Bosch, das knapp 80 Euro kostet, aber ein Abo erfordert, das für jedes weitere Jahr der Nutzung etwa 40 Euro kostet. Ein anderes System namens 'Pace Link one' kostet einmalig circa 120 Euro."

Ein Krankenwagen mit Blaulicht im Einsatz. (imago images / rheinmainfoto)Ein Krankenwagen mit Blaulicht im Einsatz. (imago images / rheinmainfoto)

Das eCall-System arbeitet zuverlässig

Es ist zwar schon öfter zu einem Fehlalarm gekommen, aber aus Sicht der Feuerwehr arbeitet das System eCall zuverlässig. Volker Jodwischat

"Dabei handelt es sich nicht um einen leichten Unfall – also einen Auffahrunfall. Also einen Unfall, wo die Airbags ausgelöst haben, wo sich das Auto überschlagen hat. So dass wir relativ schnell informiert werden, wo dieser Unglücksort ist und wir sehr schnell tätig werden können."

Mangelnder Datenschutz?

Vor der Einführung wurde oft der mangelnde Datenschutz kritisiert. Für den ADAC ist das kein Problem. Tobias Scheffel:

"eCall sendet nur unmittelbar nach einem Unfall Daten an die Rettungsleitstelle, nicht an den Hersteller. eCall zeichnet auch keine Daten im Auto auf."

Außerdem fordert der ADAC, dass die Fahrzeugbesitzer den Service-Provider wählen dürfen soll, der seinen Bedürfnissen entspricht. Ein Wechsel oder eine Veränderung dieses Systems soll während der gesamten Lebensdauer des Fahrzeugs möglich sein.

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