Covid-19Wie der Protein-Impfstoff von Novavax wirkt

Der Novavax-Impfstoff ist als erstes Protein-Vakzin in der EU zugelassen worden und soll eine Alternative für die mRNA-Wirkstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna sowie die Vektor-Präparate von Astrazeneca und Johnson & Johnson darstellen. Doch wie funktioniert solch ein Eiweiß-Vakzin? Ein kompakter Überblick.

14.01.2022

Zwei Spritzen liegen vor vier Ampullen gefüllt mit dem Impfstoff des Herstellers Novavax. Sein Firmenlogo prangt im Hintergrund.
Laut Angaben des Herstellers Novavax bietet sein Impfstoff guten Schutz gegen das Coronavirus. (AFP)
Das Vakzin enthält winzige Partikel des Spike-Proteins des Covid-19-Erregers Sars-CoV-2. Dabei handelt es sich nicht um abgetötete Virusbestandteile, die aus dem Coronavirus gewonnen werden. Stattdessen wird das Protein im Labor hergestellt und in Insektenzellen vermehrt. Das menschliche Immunsystem bildet nach der Impfung Antikörper gegen das Protein. Handelsname des Präparats ist "Nuvaxovid", unter Wissenschaftlern geläufig ist auch das Kürzel NVX-CoV2373.
"Ungefähr ein Dutzend werden in einem Nanopartikel zusammengefasst und spielen dem Immunsystem eine Art künstliches Virus vor. Damit das gut funktioniert, enthält der Impfstoff auch noch einen Wirkverstärker, eine Chemikalie aus dem Seifenrindenbaum." Volkart Wildermuth, Wissenschaftsjournalist
Der Virologe Martin Stürmer von der Universität Frankfurt machte in der ARD darauf aufmerksam, dass solche Adjuvanzien deutlich spürbarere Nebenwirkungen auslösen könnten. Diese fielen bei den mRNA-Vakzinen im Vergleich meist milder aus.

Wie wird der Novavax-Impfstoff verabreicht?

Die Immunisierung erfolgt mit zwei Dosen im Abstand von drei Wochen. Nach Angaben des Herstellers soll das Covid-19-Vakzin eine Wirksamkeit von rund 90 Prozent haben. Es schütze auch vor Virusvarianten. Unklar ist bislang allerdings, wie effektiv die Immunantwort gegen die erst Ende November entdeckte Coronavirus-Variante Omikron ist. Bundesgesundheitsminister Lauterbach sagte Mitte Januar, er gehe davon aus, dass das Präparat auch gut gegen die Omikron-Variante wirke; genau könne er dies aber nicht einschätzen.
Eine Person in medizinischem Schutzanzug hält ein Fläschchen mit der Aufschrift "Novavax".
Neue Hoffnung: Impfstoffe wie Novavax könnten ein Umdenken bei Impfskeptikern einleiten. (picture alliance / PIXSELL / Tomislav Miletic)

Wo wird der Impfstoff bereits eingesetzt?

Indonesien und die Philippinen haben Novavax bereits zugelassen. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben zudem Zulassungsanträge in den USA, Großbritannien, Indien, Australien, Neuseeland, Kanada und bei der Weltgesundheitsorganisation gestellt.
In Deutschland kann der Impfstoff voraussichtlich vom 21. Februar an eingesetzt werden. Gesundheitsminister Lauterbach sagte, dann stehe eine erste Lieferung von 1,75 Millionen Dosen zur Verfügung. Für weitere eingekaufte 3,25 Millionen Dosen gebe es noch keine Termine, man hoffe aber ebenfalls auf Februar.

Welche Hoffnungen sind mit dem neunen Wirkstoff verbunden?

Zum einen dürfte das Angebot damit größer sein, die Preise womöglich fallen und zum anderen könnten Menschen, die Vorbehalte gegen mRNA- und Vektorimpfstoffe haben, womöglich für diese Form der Immunisierung sensibilisiert werden. Nuvaxovid enthält nämlich keine genetische Information in Form von DNA oder RNA. Zudem ist das Protein-Verfahren bereits länger erprobt und findet Anwendung etwa bei Grippe-Impfstoffen.
Der Eingangsbereich der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) im Amsterdam.
Virus Outbreak Netherlands Johnson (AP)

Wie viel Impfstoff steht zur Verfügung?

Die EU-Kommission hat einen Kaufvertrag mit Novavax über bis zu 100 Millionen Dosen geschlossen. Zudem besteht eine Option für 100 Millionen weitere Einheiten.

Gibt es weitere Eigenschaften des Impfstoffs?

Anders als beispielsweise der Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer-Vakzin lässt sich das Novavax-Vakzin bei Kühlschranktemperatur lagern. Das erleichtert die Logistik und macht das Mittel auch für ärmere Länder interessant. Insbesondere die Weltgesundheitsorganisation erhofft sich hierdurch einen Schub für die internationale "Covax"-Initiative.