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StartseiteCampus & KarriereEnde des "Turbo-Abis" besiegelt11.07.2018

NRW-LandtagEnde des "Turbo-Abis" besiegelt

Viele Bundesländer haben die Kehrtwende schon beschlossen. Jetzt geht auch Nordrhein-Westfalen zurück zum Abitur nach neun Jahren Gymnasium. Am Vormittag hat der Landtag mit den Stimmen von CDU und FDP das entsprechende Gesetz beschlossen. Aber es gibt noch viele ungeklärte Fragen.

Von Moritz Börner

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Kinder gehen in einem Klassenzimmer eines Gymnasiums in Straubing (Bayern) an einer Tafel vorbei, auf der "G8" und "G9" steht. (dpa / Armin Weigel)
Auch in Nordrhein-Westfalen werden Schülerinnen und Schüler künftig wieder nach neun Jahren ihr Abitur ablegen können (dpa / Armin Weigel)
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Das G8 ist Geschichte, zumindest an den meisten Gymnasien in Nordrhein-Westfalen. Anfang der 2000er hatte die rotgrüne Regierung von Ministerpräsident Wolfgang Clement das Abitur nach acht Jahren Gymnasium auf den Weg gebracht, die Schüler sollten schneller den Weg in den Arbeitsmarkt finden, eine Forderung, die damals auch von CDU und FDP getragen wurde. Jetzt herrscht parteiübergreifend Konsens, dass man zum Abitur nach neun Jahren umkehren will. Sigrid Beer, Bildungspolitikerin der Grünen:

"Die Grundakzeptanz für das G8 konnte nicht erreicht werden, und das über die Zeit und nach vielen Bemühungen, wir haben auch am runden Tisch wahrnehmen müssen, die Gymnasialverbände, dass sie einen Großteil der Eltern und Schüler nicht mehr hinter sich haben, und deswegen ist es wichtig, die Zeit am Gymnasium wieder auf neun Jahre zu erweitern"

Die Gymnasien haben mit dem neuen Gesetz die Option, zwischen G8 und G9 zu wählen. Die SPD kritisiert diese Option. Anstatt endlich Klarheit zu schaffen, würde die Verunsicherung von Lehrern und Schülern weitergehen.

Gymnasien können selbst wählen

Das Gesetz sei in dieser Frage nicht konsequent genug, darum hat die SPD sich bei der Abstimmung enthalten. Tatsächlich werden vermutlich rund zehn Prozent der Gymnasien am G8 festhalten. Diese Schulen beurteilen die Umstellung auf die verkürzte Gymnasialzeit weiterhin als Erfolg. Die Nordrhein-westfälische Schulministerin Yvonne Gebauer von der FDP:

"Wir sollten diejenigen Schulen, die in jahrelanger Arbeit bestmögliche Konzepte für G8 erarbeitet haben und mit diesen auch weiter arbeiten wollen nicht gegen ihren Willen zu G9 zwingen. Wir haben vor der Wahl im vergangenen Jahr zugesagt, dass den Gymnasien eben diese Möglichkeit auch in Zukunft ermöglicht wird."

Kritisiert wird von der Opposition auch, dass das heute verabschiedete Gesetz keine einheitliche Regelung für Ganztags- und Halbtagsunterricht vorsieht. Jede Schule kann für sich festlegen, ob sie Ganztagsunterricht anbietet oder nicht. Kinder aus bildungsfernen Familien würden dadurch benachteiligt, glaubt Eva-Maria Voigtüppers von der SPD:

"Schulische Defizite müssen in der Schule aufgearbeitet werden und es ist unsere Pflicht, hierbei alle Schülerinnen und Schüler mitzunehmen. Jedes Kind nach seinen Ansprüchen und nach seinen Talenten. Hierzu gehören individuelle Förderung und hierzu gehört ein Ganztag. Ein verlässlicher Ganztag."

Viele Fragen offen

Tatsächlich ist mit der heute beschlossenen Rückkehr zu G9 zwar ein wichtiger Schritt gemacht, wie genau aber der Unterricht an den Gymnasien in Zukunft aussehen wird, das wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen. Ob die gymnasiale Oberstufe auch inhaltlich reformiert wird, wofür das zusätzliche Schuljahr genutzt werden soll, all diese Fragen sind offen und werden den Landtag in den kommenden Monaten beschäftigen. Schulministerin Gebauer:

"Dieser Gestaltungsprozess wir allen Beteiligten noch einiges abverlangen, denn hier darf nicht verschwiegen werden, dass es eines finanzielle Kraftaktes bedarf, um die Entscheidung auch umzusetzen. Wir brauchen zum einen mehr Lehrer, wir brauchen aber auch die Schulträger, die diese Entscheidung umsetzen müssen."

Klar ist schon jetzt, dass auf die Kommunen eine Mehrbelastung von über 500 Millionen Euro zukommt, weil die Schulen mehr Kapazitäten schaffen müssen. Ein Gesetz, dass mit dem Start von G9 kommen soll, soll die Kommunen entlasten, außerdem sollen 2.300 zusätzliche Lehrerstellen geschaffen werden.

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