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StartseiteForschung aktuellNürburgring aus der Dose27.03.2009

Nürburgring aus der Dose

Formel-1-Fans können jetzt Live-Rennen virtuell mitfahren

<strong>Technik. - Wenn am Wochenende die neue Formel-1-Saison startet, würden viele gerne selbst mitrasen und die Stars auf die Plätze verweisen. Eine neue Software will genau das liefern, wenn auch nur am virtuellen Steuer.</strong>

Von Jan Rähm

Boxenstopp für dumme Computergegner, jetzt können Rennfreude in Echtzeit gegen die Profis fahren. (AP)
Boxenstopp für dumme Computergegner, jetzt können Rennfreude in Echtzeit gegen die Profis fahren. (AP)

Geschafft – Ich habe ein paar Runden in einem Formel-1-Wagen hinter mich gebracht. Gar nicht so einfach, gegen echte Profis zu bestehen. Ich steige aus dem Fahrsimulator, der in den Räumen der Firma iOpener in Aachen steht. Bei mir ist der Firmen-Chef, der Niederländer Andy Lürling.

"Sie sind gerade in einem Programm gefahren, dass vor allem von Formel-1-Teams genutzt wird. Und das Auto dort, das war ein echter Fahrer."

Ein echter Fahrer? Andy Lürling und sein Team haben ein System entwickelt, dass es Spielern am PC und an der Spielkonsole erlaubt, in Echtzeit an wirklichen Autorennen teilzunehmen.

"Wir sammeln Daten direkt vom Ereignis. Die Daten werden in Echtzeit in ein Spiel oder in andere Medien transportiert."

Erklärt der Ingenieur Ivo op et Veld. Und dafür braucht es so gesehen nicht viel: Nur ein bisschen Funktechnik, ein paar Server und eine kleine orangene, rund zwei Kilogramm schwere Metall-Box. Doch ein bisschen komplizierter ist das Ganze schon.

"Im Auto installieren wir eine kleine Box. Die Box sammelt Daten des Autos. In der Box ist auch ein GPS-System eingebaut. Es ist ein richtig genaues GPS-System. All die Daten werden dann zusammen gesammelt. Neben den GPS-Daten sammelt die Box auch Daten vom Auto selbst so wie Drehzahl, Geschwindigkeit, Lenkung, all die Sachen. Das alles wird versendet über das Internet an das Spiel."

Über eine ganze Menge Sensoren werden also Daten gesammelt und an die Box weitergegeben. Die fügt noch die aktuellen Positionsdaten hinzu und sendet sie via Funk vom Rennauto an eine Basisstation und von dort gelangen sie über einen Server direkt ins Spiel. Die Datenübertragung dauert nur wenige Millisekunden. Knifflig war die Positionsbestimmung. Sie ist nicht vergleichbar mit der, die der normale Autofahrer nutzt, um beispielsweise in den Urlaub zu fahren. Der Chef Andy Lürling erklärt nicht ohne Stolz:

"Wir haben eine wirklich fortgeschrittene Satellitennavigationslösung. Wir benutzen differenzielles GPS und alle Arten von Korrekturverfahren. Das macht unsere hohe Genauigkeit möglich."

Beim differenziellen Global Positioning System kurz GPS wird ein GPS-Empfänger ganz exakt ausgerichtet. Er dient nun als Referenz für andere Empfänger, wie sie in den fahrenden Rennwagen auf der Strecke verbaut sind. Doch die genaue Positionsbestimmung war nur eine der Hürden, die zu meistern waren. Ebenfalls sehr anspruchsvoll war die Lösung von Problemen, die im Spiel auftreten, wenn virtuelle und echte Welt aufeinander treffen. Um die Schwierigkeiten zu verdeutlichen, ein Beispiel. Nehmen wir ausnahmsweise an, ich fahre vor dem amtierenden Weltmeister Lewis Hamilton. Sicher wird der Profi bei weitem schneller sein als ich. Er kommt also von hinten angebraust und würde jetzt, da er mich ja in der echten Welt nicht sehen kann, direkt durch mich hindurchfahren. Doch das wäre kein schönes Erlebnis.

"An diesem Punkt unterbrechen wir den Strom der realen Daten und unsere künstliche Intelligenz übernimmt. So hat man dann das Gefühl, Hamilton überholt einen wirklich. Und danach fährt er auf die Position, an der dann gerade im Rennen in der echten Welt ist. Und genau für solche Kollisionen zwischen echter und künstlicher Welt haben wir unsere Algorithmen entwickelt."

Zwei Jahre hat allein die Arbeit an der künstlichen Intelligenz gedauert. Doch die Arbeit hat sich für die zugezogenen Aachener gelohnt. Heute kann ihre Technik im Grunde genommen in jedes Motorsportspiel wie zum Beispiel in Rallye-Simulationen integriert werden.

"Ich wäre nicht überrascht, wenn ein Rallye-Spiel unser nächstes Projekt wäre. Motorrad-Rennen interessieren uns auch sehr. Aber wir können nicht nur Motorsport. Ich denke an Flugsimulationen, ich denke an Ski, an Snowboarden. So lange es Bewegung im Spiel gibt, werden wir die nötigen Daten liefern können."

Doch erst ist die Formel eins dran. Zum Start der neuen Saison sind Andy Lürling und sein Team mit dabei, der Technik wird letzte Schliff verpasst. So können dann im Sommer die Spieler im Wohnzimmer in Echtzeit gegen Hamilton, Massa, Räikkönen und Co um die Wette fahren.

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