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StartseiteKalenderblattNur durch Glauben erlangt der Mensch die Gnade Gottes10.11.2008

Nur durch Glauben erlangt der Mensch die Gnade Gottes

Vor 525 Jahren wurde der Reformator Martin Luther geboren

Als Martin Luther im Oktober 1517 seine "95 Thesen gegen die Kraft der Ablässe" veröffentlicht, ahnt er nicht, dass er Weltgeschichte schreiben wird. Er will einen Beitrag zur Gelehrten-Disputation leisten. Tatsächlich aber läutet er die Reformation ein.

Von Anna Gann

Martin Luther (AP Archiv)
Martin Luther (AP Archiv)

"Menschliches predigen diejenigen, die da sagen: 'So das Geld im Kasten klingt, so die Seel´ aus dem Fegefeuer springt.' ... Es ist gewiss, dass, sobald das Geld im Kasten erklingt, auch Geldgier und Gewinnsucht vermehrt werden."

Luthers Vater, ein Hüttenmeister im Kupferbergbau, hatte für das älteste seiner neun Kinder eigentlich eine glanzvolle Karriere als Jurist vorgesehen. Doch Martin, am 10.11.1483 in Eisleben im heutigen Sachsen-Anhalt geboren, gerät als junger Jurastudent in ein fürchterliches Gewitter und gelobt in Todesnot, Mönch zu werden. Er tritt in das Augustinereremiten-Kloster in Erfurt ein, wird Priester und später Theologieprofessor in Wittenberg. Im Rückblick berichtet er von Ängsten und Selbstzweifeln.

"Ich aber fühlte, dass ich trotz allem untadeligen Mönchsleben vor Gott ein Sünder sei mit unruhigstem Gewissen, und dass ich nicht darauf vertrauen könnte, ihn durch mein genugtuendes Werk zu versöhnen."

In intensiver wissenschaftlicher Auseinandersetzung mit den biblischen Schriften gewinnt Luther eine befreiende Erkenntnis: Nur durch den Glauben erlange der sündige Mensch die Gnade Gottes. Die Kirche jedoch habe sich vom Evangelium entfernt. Denn sie predige, das Seelenheil könne erkauft werden. In seinen 95 Thesen nimmt er auch den Papst ins Visier.

"Der Papst wollte, wie er müsste, von seinem Gelde eher den Leuten helfen, wenn er auch deshalb die Petersbasilika verkaufen müsste."

Ob Luther seine Thesen an die Tür der Wittenberger Schlosskirche geschlagen hat, ist umstritten. Zahlreiche Landesfürsten unterstützen den aufmüpfigen Priester, teils aus machtpolitischen Gründen. Rom sieht die kirchliche Autorität infrage gestellt und macht ihm mit Hilfe des Kaisers den Prozess. Doch Luther bleibt unbeugsam. Auf dem Reichstag in Worms 1521 hält er seinen Widersachern entgegen:

"So kann und will ich nichts widerrufen, weil es gefährlich und verderblich ist, etwas gegen das Gewissen zu tun. Gott helfe mir. Amen."

Der Reichstag verhängt die Reichsacht. Daraufhin lässt der Kurfürst von Sachsen, Friedrich der Weise, Luther zum Schein entführen. Auf der Wartburg bei Eisenach fertigt der Theologe - getarnt als "Junker Jörg" - seine Übersetzung des Neuen Testaments, die später wesentlich zur Entwicklung des Hochdeutschen beiträgt. Insgesamt verfasst er an die 700 Schriften, mehrere Tausend Predigten und bekannte Kirchenlieder.

Nach einiger Zeit kehrt der Martin Luther nach Wittenberg zurück. Ein Teil der Anhänger seiner Reformideen hat sich inzwischen radikalisiert. Luther selber lehnt Gewalt ab, empfiehlt den Landesherren im Bauernkrieg aber auch, hart durchzugreifen. Die Zersplitterung der protestantischen Bewegung kann er nicht aufhalten. 1525 heiratet der einstige Ordensmann die ehemalige Nonne Katharina von Bora, mit der er sechs Kinder hat. Am 18. Februar 1546, 62 Jahre alt, stirbt er in seiner Geburtsstadt Eisleben.

Der scharfsinnige und glaubensbewegte Denker Martin Luther ist für viele Menschen noch immer ein Vorbild. Andererseits werden ihm heute schlimme Ausfälle gegen die Juden vorgehalten. Sie förderten den christlichen Antijudaismus und wurden zur Hypothek für das Luthertum:

"Erstens soll man ihre [die] Synagogen oder Schulen [der Juden] mit Feuer anstecken und, was nicht verbrennen will, mit Erde überhäufen und zuschütten ... "

Luther hatte eine Kirchenreform angestrebt, aber keine Kirchenspaltung. 1999 unterzeichneten Repräsentanten der katholischen Kirche und der evangelisch-lutherischen Kirchen eine gemeinsame Erklärung, in der die theologischen Streitigkeiten der Reformation weitgehend ausgeräumt wurden. Doch eine Kircheneinheit ist trotz Annäherungen noch in weiter Ferne.

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