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StartseiteSport am WochenendeNur ein Versehen?24.09.2011

Nur ein Versehen?

Der Korruptionsverdacht stehenden FIFA-Funktionär Hayatou sollte neuer Chef von "GOAL" werden

In dieser Woche haben die FIFA-Herrschaften wieder einmal bewiesen, wie wenig ihnen an Transparenz und Aufklärung des allumfassenden Korruptionssystems gelegen ist. Da wurde ausgerechnet Vizepräsident Issa Hayatou aus Kamerun, verstrickt in zahlreiche Skandale, zum Chef zweier FIFA-Kommissionen ernannt.

Von Jens Weinreich

Blick auf das FIFA-Hauptquartier in Zürich. (picture alliance / dpa)
Blick auf das FIFA-Hauptquartier in Zürich. (picture alliance / dpa)

Als Nachfolger des wegen Korruption auf Lebenszeit gesperrten Katari Mohamed Bin Hammam zum Boss des so genannten GOAL-Kommitees, das hunderte Millionen Dollar an "Entwicklungshilfe"-geldern verteilt und als verkapptes Stimmenbeschaffungsprogramm bezeichnet werden kann. Und als Chef des Komitees für das olympische Fußballturnier.

Dachte man.

Nur Stunden später, nachdem Medien weltweit daran erinnert hatten, dass gegen Hayatou doch die Ethikkommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) wegen seiner Verstrickung in den ISL-Bestechungsskandal ermittelt, machte die FIFA einen spektakulären Rückzieher: In kruder Sprache wurde eine "Stellungnahme" veröffentlicht, wonach die Ernennung nur durch einen "technischen Fehler" publiziert worden sei. Dabei hatte die seit Jahr und Tag völlig überforderte Presseabteilung der FIFA kurz zuvor auf Anfrage eines Branchendienstes die Ernennung des IOC-Mitglieds Hayatou noch bestätigt.

Nun heißt es: Die Kommissionschefs werden "zu gegebener Zeit kommuniziert".

Kommunikation in der FIFA? Traditionell eine Katastrophe.

Als der Deutschlandfunk sich bei der FIFA-Führung nach Korruptionsvorwürfen gegen das Exekutivmitglied Worawi Makudi erkundigte, wurde vor drei Monaten sogar die Auftaktpressekonferenz der Frauen-WM in Berlin abgebrochen. Der Thailänder Makudi und Präsident Joseph Blatter verließen fluchtartig den Saal.

Makudi macht derzeit wieder weltweit Korruptionsschlagzeilen, u.a. weil offenbar Zahlungen aus dem GOAL-Programm, 860.000 Dollar, dazu dienten, seine eigenen Ländereien im Großraum Bangkok aufzuwerten. In seiner Heimatregion Nong Jok gehören ihm und seiner Frau Sumitra etliche Grundstücke. Makudi erklärte vor acht Jahren schriftlich, eines davon werde er dem thailändischen Verband übertragen, damit darauf mit GOAL-Geldern ein technisches Zentrum und später noch der neue Verbandssitz errichtet werden konnten.

Das Geld floss, Makudis Bruder profitierte von den Bauarbeiten, der Verband sitzt weiter im maroden alten Nationalstadion - und Makudis Ländereien wurden enorm aufgewertet, auch durch dutzende Millionen Dollar aus der Staatskasse und die Arbeiten, die derzeit für die Hallenfußball-WM 2012 durchgeführt werden. Ein klarer Verstoß gegen den Ethik-Kodex der FIFA. Ein solcher Interessenkonflikt, einer von Dutzenden im Fall Makudi, ist auch als Korruption zu werten - denn Korruption ist der Missbrauch von anvertrauter Macht zu privatem Vorteil. Gemäß thailändischem Recht könnte die Verschleierung der Besitzverhältnisse mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren geahndet werden.

Frische Grundbuchauszüge belegen, dass die Makudis ihren Besitz mit Hypotheken belastet haben. Die Grundstücke gewinnen durch die Investitionen an Wert. Zudem sollen in Nong Jok noch ein Hotel und ein Ableger der Fußballakademie "Aspire" errichtet werden. "Aspire", eines der spektakulären Projekte aus dem Sport- und Korruptionswunderland Katar, Gastgeber der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 und zahlreicher anderer Titelkämpfe, nun auch wieder Olympiabewerber, für 2020.

Die Verbindung von Makudi nach Katar ist das eigentlich Interessante. Makudi war stets Erfüllungsgehilfe des gesperrten langjährigen asiatischen Verbandspräsidenten Mohamed Bin Hammam, der selbst beste Kontake nach Bangkok unterhält. Makudi hat gemäß Aussagen ehemaliger WM-Bewerber unverblümt Millionenzahlungen verlangt. In der Branche herrschen kaum Zweifel, dass ihm Russland für 2018 und Katar für 2022 diese Forderungen erfüllt haben.

Das aber interessiert die FIFA-Administration kaum. Auf Anordnung des Generalsekretärs Jerome Valcke, der im Frühjahr in einer Email Katar unterstellt hat, die WM gekauft zu haben, hat die FIFA bei Makudi lediglich Auskünfte zu den Besitzverhältnissen in Nong Jok verlangt. Makudi erklärte, es habe alles seine Richtigkeit.

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